Österreichische Gesellschaft für Neuropsychopharmakologie und Biologische Psychiatrie

CliniCum neuropsy 05/2014

clinicum neuropsy e d i t o r i a l prof. kasper
Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Die zunehmende Differenzierung der psychopharmakologischen Behandlungsmethoden hatte zur Folge, dass die ursprünglich verwendeten Bezeichnungen wie Antidepressiva oder Antipsychotika in der Praxis eher verwirren und vom Patienten zum Teil auch als stigmatisierend und unverständlich empfunden werden. Am Beispiel der Bezeichnung „Antipsychotika“ wird deutlich, dass diese Gruppe von Medikamenten nicht nur bei schizophrenen Erkrankungen, sondern auch bei bipolaren Erkrankungen, Depressionen, Angststörungen oder Essstörungen eingesetzt werden kann. Durch die nun verfügbaren wissenschaftlichen Methoden können die Wirkmechanismen der Medikamente genauer beschrieben werden.

Aus diesem Grund haben sich Vertreter von verschiedenen nationalen und internationalen psychopharmakologischen Gesellschaften beim Kongress des European College of Neuropsychopharmacology (ECNP), der im Oktober in Berlin stattfand, zusammengeschlossen und eine neue neuropsychopharmakologische Nomenklatur vorgestellt. Bei dieser auf Erkenntnissen der Neuroscience basierenden Nomenklatur werden die psychotherapeutischen Medikamente nach dem primären psychopharmakologischen Ziel, dem relevanten Mechanismus, der verschiedenen Neurotransmitter, die dabei involviert sind und der neurobiologischen Aktivität sowie deren klinischen Effektivität und Nebenwirkungen, zusätzlich zu den von den Gesundheitsbehörden vergebenen Indikationen, klassifiziert. Durch eine fünfachsige Einteilung werden die zurzeit bestehenden und, wie gesagt, verwirrenden Bezeichnungen durch eine moderne, durch Forschungsergebnisse der Neuroscience unterstützten Nomenklatur ersetzt. Sinngemäß heißt diese Nomenklatur „Neuroscience based Nomenclature“ (NbN). Für das Fach der Psychiatrie ist dies insofern ein wichtiger Schritt, da dadurch nicht nur Einsicht in den Wirkmechanismus gegeben wird, sondern auch stigmatisierende Begriffe wie der der „antipsychotischen Medikation“ etc. vermieden werden.

Das neue multiaxiale System ist sowohl in Buchform als auch als weiterentwicklungsfähige App für Smartphones und Computer verfügbar und stellt damit eine wertvolle Erneuerung psychiatrischer Sichtweisen im Rahmen medizinischer Erkrankungen dar.

neuropsy5_14 CliniCum neuropsy 5/2014 Das Medium für Psychiatrie und Neurologie.

DFP: Essstörungen

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Essstörungen sind relativ seltene, aber häufiger werdende, zumeist schwere psychiatrische Erkrankungen, die einen hohen Leidensdruck bei den Betroffenen und ihren Familien erzeugen. Ein Beitrag von Univ.-Prof. Dr. Andreas Karwautz und Dr. Gudrun Wagner mehr

Schizophrenie-Guidelines: Wegweiser für die Entscheidungsfindung

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Die wesentliche Neuerung der WFSBP-Leitlinien ist die Aufhebung der generellen Priorisierung der atypischen Antipsychotika. Stattdessen sollte in Zukunft eine Hierarchisierung verschiedener Präparate unter Berücksichtigung verschiedener Wirkungs- und Nebenwirkungsdomänen sowie unter individuellen Zielparametern für den jeweiligen Patienten erfolgen. mehr

CYP-450-Interaktionen: Die Isoenzyme CYP1A2 und CYP2D6

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Mit der Zunahme der Anzahl der eingenommenen Medikamente pro Patient steigt die Anzahl möglicher Interaktionen. Das CYP-450-Enzymsystem hat eine wichtige Rolle beim Auftreten von pharmakokinetischen Interaktionen inne. Die Subtypen CYP1A2 und CYP2D6 werden, auch anhand von Fallbeispielen, näher vorgestellt. mehr

Neurobiologie der Angsterkrankungen

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Aktuell sind gerade auch im deutschsprachigen Raum zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen zu den neurobiologischen Grundlagen von Angsterkrankungen im Gange. Diese decken den gesamten Rahmen von Grundlagenuntersuchungen im Tiermodell über mechanistische Untersuchungen an Gesunden bis hin zu ersten klinischen Untersuchungen bei Patienten ab. Sie stimmen optimistisch, dass sich als Ergebnis dieser Forschung die Behandlung von Patienten mit Angsterkrankungen und möglicherweise auch die Prävention von Angsterkrankungen in Zukunft entscheidend verbessern werden. mehr