Österreichische Gesellschaft für Neuropsychopharmakologie und Biologische Psychiatrie

CliniCum neuropsy 1/2017

clinicum neuropsy

e d i t o r i a l

prof. kasperEs ist eine bekannte Tatsache, dass der Status der Beschäftigung im Vergleich zur Nichtbeschäftigung mit einem verbesserten Outcome bei seelischen Erkrankungen, insbesondere bei affektiven Erkrankungen, verbunden ist. Inwiefern jedoch der Status innerhalb eines Beschäftigungsverhältnisses mit dem Outcome verbunden ist, wurde vergleichsweise selten untersucht.

In einer europäischen Verbundstudie, in der die Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Wien eine führende Rolle einnimmt, konnte gezeigt werden, dass ein höherer beruflicher Status im Vergleich zu einem niedrigeren mit einem schlechteren Outcome verbunden war und dass darüber hinaus diese Patienten auch mehrere unzulängliche Behandlungsepisoden durchmachten. Berufsschichten, die davon betroffen waren, waren z.B. Inhaber von großen oder mittelständischen Betrieben, Business Manager bzw. Beamte. Als mögliche Faktoren wurden Persönlichkeitsvariablen diskutiert, die es den Menschen schwer machen, eine Depression als solche anzunehmen und dadurch z.B. erst eine verspätete Behandlung gesucht wurde bzw. auch eine reduzierte Compliancerate anzunehmen sein könnte. Darüber hinaus wurde das Vorliegen von Stress und die Notwendigkeit von kognitiven Funktionen im Zusammenhang mit vermindertem sozialem Rückhalt als Elemente für das schlechtere Abschneiden diskutiert. Residualsymptome, die die kognitiven Funktionen betreffen, wurden auch im Zusammenhang mit dem verminderten Ansprechen und der verminderten Adhärenz zur Behandlung verantwortlich gemacht.

Sowohl für die Forschung als auch für die Praxis sind diese Daten insofern von Bedeutung, da einerseits die Forschungsergebnisse auf den beruflichen Status Rücksicht nehmen sollten und auch diese Patienten in der täglichen Praxis als besondere Risikopopulation angesehen werden sollten.

O. Univ.-Prof. Dr. h.c. mult. Dr. Siegfried Kasper
für die Österr. Gesellschaft für Neuropsychopharmakologie und Biologische Psychiatrie (ÖGPB)

neuropsy 01/2017
CliniCum neuropsy 1/2017

Das Medium für Psychiatrie und Neurologie.

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