Österreichische Gesellschaft für Neuropsychopharmakologie und Biologische Psychiatrie

CliniCum neuropsy 1/2018

clinicum neuropsy

e d i t o r i a l

prof. kasperIn vergangenen Jahren finden sich wenige wissenschaftliche Untersuchungen zur pharmakologischen Therapie des Delirs, obwohl Patienten mit einer deliranten Symptomatik, insbesondere in einem fortgeschrittenen Alter, oftmals eine große klinische Herausforderung, sowohl auf somatischen als auch psychiatrischen Stationen darstellen.

Oft bleiben Delirien unerkannt, und den davon Betroffenen wird eine notwendige Pharmakotherapie zum Teil vorenthalten. Differenzialdiagnostisch sollte das Delir von einer Demenz unterschieden werden. Prinzipiell ist für die Behandlung des Delirs bereits eine medikamentöse Prävention andenkbar, die vor einem eingreifenden Verfahren wie z.B. einer Operation Verwendung finden sollte. Dabei wurden sowohl Medikamente der Antipsychotika-Gruppe als auch intra- und postoperativ verwendete Anästhetika und Sedativa untersucht, wobei sich insgesamt kein klares Bild aus placebokontrollierten Studien ergibt, welcher Gruppe von Medikamenten der Vorzug gegeben werden sollte. In der Praxis sollte man sich danach orientieren, welches dieser Medikamente die geringsten Nebenwirkungen hat, sodass modernen Antipsychotika, die sowohl eine D2- als auch 5HT2-antagonistische Wirkung als Hauptkomponente aufweisen, bzw. Pregabalin der Vorzug gegeben werden sollte. Beim akuten Delir wurde früher häufig Haloperidol verwendet, das jedoch insbesondere in der i.v. Anwendung aufgrund der aufgetretenen kardialen Nebenwirkungen keine Zulassung mehr hat. Auch in der oralen Form sollte Haloperidol als Medikament der zweiten oder dritten Wahl angesehen werden. Bei Entzugssyndromen von Alkohol bzw. Medikamenten finden Medikamente der Gruppe der Benzodiazepine dabei Verwendung. Eine Literaturübersicht über die Beurteilung und Behandlung der Agitation und des Delirs wurde vor Kurzem im „World Journal of Biological Psychiatry“ von einer internationalen Arbeitsgruppe (Garriga et al.), auch unter österreichischer Beteiligung, zusammengestellt und ist auf der Homepage der World Federation of Biological Psychiatry (www.wfsbp.org) abrufbar. Neben einer exakten Diagnostik, auch unter Ausschluss organmedizinischer Ursachen, werden neben medikamentösen auch nicht medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten (De-Eskalation) besprochen. Das ideale Medikament sollte beruhigen, ohne zu sedieren.

O. Univ.-Prof. Dr. h.c. mult. Dr. Siegfried Kasper
für die Österr. Gesellschaft für Neuropsychopharmakologie und Biologische Psychiatrie (ÖGPB)


CliniCum neuropsy 1/2018

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Neue Chancen und offene Fragen

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