Österreichische Gesellschaft für Neuropsychopharmakologie und Biologische Psychiatrie

CliniCum neuropsy 2/2015

CliniCum neuropsy 2/2015

clinicum neuropsy

e d i t o r i a l

prof. kasperLiebe Leserinnen, liebe Leser!

Die letzten Dekaden haben eine signifikante Verbesserung der psychopharmakologischen Behandlungen in einer breiten Schicht der Bevölkerung gebracht. Andererseits kursiert jedoch das hartnäckige Gerücht, dass Psychopharmaka, im Vergleich zu den anderen Medikamenten, die in der Medizin Verwendung finden, angeblich nicht wirken sollen, da bei psychiatrischen Erkrankungen u.a. keine eindeutig messbaren Ausgangspunkte für die Behandlung, sogenannte Biomarker wie z.B. in der Inneren Medizin (Onkologie), in der Praxis verfügbar sind.
Das Fehlen der Biomarker für die tägliche Praxis stimmt, jedoch zeigt uns der Stand der Wissenschaft einzigartige neue Möglichkeiten durch die Molekularbiologie oder durch die Bildgebung auf (funktionelle Magnetresonanztomographie und Positronenemissionstomographie), die in der Forschung zurzeit hinsichtlich der weiteren Stratifizierung der Behandlungsmöglichkeiten im Sinne der „Precision Medicine“ verwendet wird. Das heißt mit anderen Worten, wenn z.B. eine Hypersensitivität des dopaminergen Systems bei Patienten mit einer schizophrenen Erkrankung zur Darstellung gebracht wird, kann diese in Zukunft durch spezielle Therapieverfahren behandelt werden. Oder für die Depression, wenn eine Überaktivität des serotonergen Systems im Mandelkern gefunden wird, kann dies spezielle Behandlungsschritte nach sich ziehen. Dies bedeutet, dass verschiedene Dimensionen hirnphysiologischer Veränderungen bei verschiedenen Erkrankungen in Zukunft das Ziel psychopharmakologischer Behandlungen sein werden, und nicht so sehr einzelne Erkrankungen per se.
Zurzeit ist die Wirksamkeit und auch das Nebenwirkungsprofil der Psychopharmaka, die in den USA unter dem Begriff „psychotherapeutische Medikation“ verwendet werden, ein wichtiger Hinweis auf Veränderungen in der Gehirnphysiologie psychiatrischer Erkrankungen. Weitere Hinweise ergeben sich aus der Verschlechterung von Symptomen durch verschiedene pharmakotherapeutische Eingriffe, wie z.B. die Induzierung manischer Zustandsbilder durch Antidepressiva bzw. Halluzinationen durch spezifische Substanzen. Die tierpharmakologischen Untersuchungen können darüber hinaus Aufschluss über spezielle Mechanismen geben, die beim Menschen nicht untersucht werden können. Wobei jedoch bedeutsam ist, dass die Physiologie der Versuchstiere nur mit Vorsicht auf den Menschen übertragbar und es daher auch nicht verwunderlich ist, dass die Vielzahl der pharmakologischen Untersuchungen an Versuchstieren oder isolierten Membranen noch zu keinen Erneuerungen der täglichen Behandlung, aber zu einem besseren Verständnis der Erkrankungen und der Behandlungsmodalitäten geführt hat.
Der Weltkongress für Neuropsychopharmakologie des Internationalen College of Neuropsychopharmacology (CINP) wird im Jahr 2016 in Seoul/Korea (wissenschaftliche Leitung des Programmkomitees Prof. Kasper) (web: cinp2016.org) ausgetragen, und unter dem Motto: „Future of Neuropsychopharmacology: Innovation Integrated with Neuroscience for Mental Health“ werden die neuesten Entwicklungen auf dem Gebiet vorgetragen und diskutiert.
O. Univ.-Prof. Dr. h.c. mult. Dr. Siegfried Kasper
für die Österr. Gesellschaft für Neuropsychopharmakologie und Biologische Psychiatrie (ÖGPB)

neuropsy1_15 CliniCum neuropsy 2/2015 Das Medium für Psychiatrie und Neurologie.

Testosteron erhöht die Serotonin & transporterbindung im Gehirn

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Geschlechtshormone scheinen bei Depression eine zentrale Rolle zu spielen. In einer aktuellen Studie der Wiener Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie wurde am Modell der Hormontherapie von Transsexuellen die Wirkung von Testosteron und Östrogen auf die Dichte von Serotonintransportern im Gehirn untersucht. Ein Beitrag von Mag. Dr. Georg S. Kranz (CC neuropsy 2/15). mehr

Psychiatrie in moderner Architektur

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Erst vor wenigen Monaten übersiedelte die damalige 5. Psychiatrische Abteilung des Otto-Wagner-Spitals in den Neubau im 3. Wiener Bezirk. Bereits jetzt spüren Mitarbeiter und Patienten den wohltuenden Effekt der modernen Architektur (CC neuropsy 2/15). mehr

Eine neue Nomenklatur

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Der Wissenszuwachs der letzten Jahrzehnte hat zu einem besseren Verständnis der Wirkmechanismen von Psychopharmaka geführt; dem will nun eine neue Nomenklatur Rechnung tragen: die „Neuroscience based Nomenclature“ des European College of Neuropsychopharmacology. Ein Beitrag von Dr. Marie Spies, Dr. Pia Baldinger, Assoc.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Rupert Lanzenberger und o. Univ.-Prof. Dr. h.c. mult. Dr. Siegfried Kasper (CC neuropsy 2/15). mehr

Mitteilung der Präsidentin – Juni 2015

Liebe Leserinnen, liebe Leser! In den letzten Jahren wurden vermehrt strukturelle Veränderungen im Gehirn von Patienten mit Schizophrenie beschrieben. Sowohl Personen mit einem Risiko an Schizophrenie zu erkranken, als auch Ersterkrankte zeigen Volumenminderungen sowohl in der grauen als auch der weißen Substanz des präfrontalen Cortex. Dem präfrontalen Cortex kommt eine zentrale Bedeutung für die kognitiven… mehr