Österreichische Gesellschaft für Neuropsychopharmakologie und Biologische Psychiatrie

CliniCum neuropsy 2/2016

clinicum neuropsy

e d i t o r i a l

prof. kasperLiebe Leserinnen, liebe Leser!

Die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor Kurzem in der Zeitschrift „Lancet Psychiatry“ publizierte Studie (Chisholm D et al.: Scaling-up treatment of depression and anxiety: a global return on investment analysis; Lancet Psychiatry 2016, S1–10) über die Behandlungsnotwendigkeit von Depressionen und Angsterkrankungen hat die Medien erneut darauf hingewiesen, dass beide Erkrankungen sehr prävalent sind und neben dem persönlichen Leid auch eine große ökonomische Belastung darstellen. Chisholm et al. schlussfolgern aus ihrer Studie, dass für diese Erkrankungen ein großer Investitionsbedarf besteht und daher eine Aufklärungsarbeit notwendig ist.
Als Grundlage für ihre Aussagen haben die Autoren sämtliche Studien der Weltliteratur anhand von standardisierten Suchmaschinen wie z.B. PubMed bzw. Embase bzw. das Cochrane Central Register durchforstet und aufgrund der dabei erarbeiteten Daten eine Hochrechnung für die Jahre 2016–2030 für die Kosten der Depressionen und Angsterkrankungen erstellt. Aufgrund dieser Berechnungen kommt die WHO-Studie zu dem Schluss, dass die Investitionen in Behandlungsmöglichkeiten dieser Erkrankungen nicht nur eine größere Anzahl von gesunden Lebensjahren bewirkt, sondern dass sich auch der ökonomische Wert dieser Behandlungsmethoden in einer beträchtlichen Höhe (weltweit 310 Milliarden Dollar) niederschlägt. Aus dieser Studie geht auch hervor, dass Länder mit einem niedrigen bzw. mittleren Einkommensniveau weniger als zwei Dollar pro Jahr und Person für die Behandlung von psychiatrischen Erkrankungen ausgeben, im Vergleich zu 50 Dollar in Ländern mit einem hohen Einkommen. Es sollten jedoch nicht nur für die Länder mit einem niedrigen bzw. mittleren Einkommen höhere Summen verfügbar sein, sondern auch für Länder mit einem hohen Einkommen, damit der substanziellen Notwendigkeit zwischen der Behandlungsnotwendigkeit einerseits und deren Verfügbarkeit andererseits adäquat begegnet werden kann. Die Ergebnisse, die von den 36 größten Ländern der Welt erhoben wurden, zeigen auf, dass mehr als zwölf Milliarden Tage verlorener Produktivität (Äquivalent von mehr als 50 Millionen Arbeitsjahren) aufgrund von Depressionen und Angsterkrankungen jedes Jahr auftreten, mit einer hochgerechneten Kostenrate von 925 Milliarden Dollar. Die Autoren rechnen diese Zahlen auch für die Weltbevölkerung um und kommen auf die Zahl von 1–15 Billionen Dollar. Für Österreich kann aufgrund der vorliegenden Daten festgehalten werden, dass Angsterkrankungen und Depressionen nach wie vor eine zu geringe Beachtung erfahren, wenn man z.B. die Rückerstattungsmöglichkeit für moderne Psychopharmaka einerseits bzw. Psychotherapie andererseits als Maßstab anlegt.

O. Univ.-Prof. Dr. h.c. mult. Dr. Siegfried Kasper
für die Österr. Gesellschaft für Neuropsychopharmakologie und Biologische Psychiatrie (ÖGPB)

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CliniCum neuropsy 2/2016

Das Medium für Psychiatrie und Neurologie.

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