Österreichische Gesellschaft für Neuropsychopharmakologie und Biologische Psychiatrie

CliniCum neuropsy 3/2015

clinicum neuropsy

e d i t o r i a l

prof. kasperLiebe Leserinnen, liebe Leser!

Die „Precision Medicine“ hat nun auch in der Psychiatrie Einzug gehalten. Früher bezeichnete man dies als „Personalized Medicine“, später als „Stratified Medicine“, und nun setzt sich, wie der Direktor des National Institute of Mental Health, Tom Insel, in der Zeitschrift „Science“ schreibt, der Begriff der „Precision Medicine“ auch in der Psychiatrie durch. Mit „Precision Medicine“ meint man eine zielgerichtete Vorgangsweise, wie sie z.B. in der Onkologie Einzug gehalten hat, und mit der man bessere Erfolge bei den einzelnen Patienten, die entsprechend subkategorisiert wurden, erzielt hat. Die Idee dabei ist, dass sowohl Patienten-bezogene Krankheitsdaten als auch molekularbiologische Daten unabhängig von verschiedenen diagnostischen Subgruppierungen zur Charakterisierung herangezogen werden, um bessere Behandlungserfolge aufzuzeigen.
Die Erfolge der Neurowissenschaft, die in den vergangenen Jahren eine nahezu stille Revolution ausgelöst hat, führt dazu, dass die früher als „psychiatrische Syndrome“ bezeichneten Bereiche mehr und mehr als „Gehirnsyndrome“ im Rahmen von „Gehirnerkrankungen“ angesehen werden oder, nochmals anders ausgedrückt, als Syndrome von gestörten neuronalen, kognitiven oder Verhaltenssystemen.
Vom National Institute of Mental Health in den USA wurde in den vergangenen Jahren das „Research Domain Criteria“-(RDoC)-Projekt entwickelt, das nun auch weltweit in verschiedene Forschungsprotokolle einfließt und als Gegenstück zu der überbordenden DSM- 5-Diagnostik angesehen wird, die unsere Erkenntnisse auf dem psychiatrischen Fachgebiet mit großer Sicherheit nicht weiter bringen wird. Die neue Diagnostik wird es mit sich bringen, dass die sogenannten „psychiatrischen Erkrankungen“ oder „Mental Disorders“ als „Brain Circuit Disorders“, d.h. als „Gehirnfunktionsstörungen“, bezeichnet werden. Diese Sichtweise erlaubt nicht nur die Beschreibung der Effekte von einer psychotherapeutischen Medikation oder einer Gehirnstimulation mit verschiedenen Methoden wie der Deep Brain Stimulation oder der transkraniellen Magnetstimulation, sondern kann auch einer gezielten Psychotherapie, wie es z.B. die kognitive Verhaltenstherapie darstellt, als Erklärungsansatz dienen. Die Kombination aus genetischem Risiko, gegenwärtiger Gehirnaktivität, Physiologie, Verhaltensprozessen und Lebenserfahrungen werden in verschiedene Cluster einmünden und prospektiv ratifizierte klinische Untersuchungen ermöglichen, die ein homogeneres Ansprechen im Sinne der „Precision Medicine“ auch in der Psychiatrie erwarten lassen.

O. Univ.-Prof. Dr. h.c. mult. Dr. Siegfried Kasper
für die Österr. Gesellschaft für Neuropsychopharmakologie und Biologische Psychiatrie (ÖGPB)

neuropsy_03_05CliniCum neuropsy 3/2015 Das Medium für Psychiatrie und Neurologie.

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