Österreichische Gesellschaft für Neuropsychopharmakologie und Biologische Psychiatrie

CliniCum neuropsy 2/2018

clinicum neuropsy

e d i t o r i a l

prof. kasper

Die Zeit, als wir mit einfachen Falldarstellungen die Medizin revolutioniert haben, ist lange vorbei, wenn man bedenkt, dass Wagner-Jauregg für seine Publikation über Falldarstellungen der Malaria-Therapie den Nobelpreis erhalten hat, bzw. als Lithium oder neue Antidepressiva eingeführt wurden, die an wenigen Patienten erprobt wurden. Nun beschäftigen wir uns mit sogenannten „Big Data“ und „Advanced Statistics“, die jeden Menschen, der nicht Mathematik oder Neuroscience studiert hat, in Ehrfurcht erschauern lassen. Wir müssen uns jedoch diesem Faktum der großen Datenbanken mehr und mehr auch in der Psychi­atrie stellen, das z.B. in der Inneren Medizin, etwa auf dem Gebiet des Hypertonus, bereits entscheidende Fortschritte erzielt hat.

Die Depression als eine der häufigsten psychiatrischen Erkrankungen wurde in letzter Zeit in diesem Zusammenhang der „Big Data“ genannt. „Machine Learning“ ist dabei eine der Methoden, die, ähnlich wie bei der Bearbeitung von Neuroimaging-Daten, häufig angewandt wird. Man sollte jedoch wissen, dass es verschiedene Methoden dieses „Machine Learning“ gibt und diese nicht mit einem einfachen statistischen Verfahren, wie z.B. dem T-Test, zu vergleichen sind.

„Big Data“ werden auch hinsichtlich der Prädiktion, z.B. welche Faktoren für den Behandlungsverlauf charakteristisch sind, vom Europäischen Konsortium (Group for the Study of Treatment Resistant Depression, GSRD) verwendet, das herausfinden konnte, dass das gleichzeitige Vorhandensein von Depression und Angsterkrankungen, jedoch auch weitere Parameter wie z.B. Body-Mass-Index (BMI) bzw. Schwere der Erkrankung in Zusammenhang mit einer behandlungsresistenten Depression stehen. Interessant werden diese Daten auch, wenn klinische mit z.B. genetischen Parametern kombiniert werden, weil es sehr wahrscheinlich ist, dass erst das Zusammenspiel dieser beiden Bereiche eine ver­lässliche Prädiktion erlauben wird.

Es ist zu vermuten, dass ein sensitiver und ausgewogener Umgang mit der Datenlage unter Einbeziehung klinischer und biologischer Charakteristika dazu führen wird, dass in Zukunft eine Präzision hinsichtlich einer spezifischen psychopharmakologischen Behandlung bzw. Verlaufsbeurteilung möglich ist.

O. Univ.-Prof. Dr. h.c. mult. Dr. Siegfried Kasper
für die Österr. Gesellschaft für Neuropsychopharmakologie und Biologische Psychiatrie (ÖGPB)

neuropsy 04/2018
CliniCum neuropsy 2/2018

Das Medium für Psychiatrie und Neurologie.


ÖGPB-Newsletter 5/2018

Burnout – anerkannte psychische Störung oder klärungsbedürftige Beschwerden?

Hans-Peter Kapfhammer
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin, Medizinische Universität Graz

Lesen Sie mehr >>

Trauma und Trauma-Folgestörungen

Trauma und Trauma-Folgestörungen

Eine bedeutsame Grundrate an zivilen wie familiären Gewalterfahrungen hat zunehmend auch westliche Gesellschaften für traumatische Erfahrungen und Trauma-Folgestörungen sensibilisiert. Ein Beitrag von Univ.-Prof. Dr.Dr. Hans-Peter Kapfhammer (CliniCum neuropsy 2/18) mehr

Biologische Grundlagen der Schizophrenie

Biologische Grundlagen der Schizophrenie

Neben Störungen in verschiedenen Neurotransmittersystemen und genetischen Einflussfaktoren werden bei Schizophrenie funktionelle und strukturelle Veränderungen im Rahmen einer Entwicklungsstörung des Gehirns diskutiert. Ein Beitrag von Dr. Ana Weidenauer, Dr. Ulrich Sauerzopf, Dr. Lucie Bartova, O. Univ.-Prof. Dr.h.c.mult. Dr. Siegfried Kasper, Univ.-Prof. Dr. Nicole Praschak-Rieder und Univ.-Prof. Dr. Matthäus Willeit (CliniCum neuropsy 2/18) mehr

Management bei Schlaganfall

Management bei Schlaganfall

Als anlagebedingte Normvariante bleibt das offene Foramen ovale (PFO) meist lebenslang ohne Krankheitswert. Bei jüngeren Schlaganfallpatienten und bei jenen mit unbekannter Schlaganfallursache ist die Prävalenz jedoch signifikant höher. Ein Beitrag von Ass.-Prof. Dr. Susanna Horner (CliniCum neuropsy 2/18) mehr

Schlaganfall: Von der Zeit zum Bild

Schlaganfall: Von der Zeit zum Bild

Paradigmenwechsel nicht nur bei transitorischen ischämischen Attacken (TIA), sondern auch bei der Thrombolyse und der Thrombektomie: Die Bildgebung wird zu einem ­immer wichtigeren Parameter für Therapieentscheidungen, die Zeit spielt eine immer geringere Rolle. (CliniCum neuropsy 2/18) mehr

Update zur Gliom-Klassifikation

Update zur Gliom-Klassifikation

„Molekulare Pathologie ergänzt den Neuropathologen“: So könnte eine Kurzzusammenfassung der überarbeiteten vierten Ausgabe der WHO-Klassifikation der Tumore des zentralen Nervensystems lauten. Für die Praxis bringt das erhebliche Änderungen mit sich. (CliniCum neuropsy 2/18) mehr

Herausforderungen und Zukunftsaussichten

Herausforderungen und Zukunftsaussichten

Drei Länder, ein Ziel: die Verbesserung der Situation von Kopfschmerzpatienten. Beim diesjährigen Kopfschmerz-symposium in Bad Zurzach diskutierten Experten aus der Schweiz, Deutschland und Österreich aktuelle Probleme und Entwicklungen in der Migränetherapie. (CliniCum neuropsy 2/18) mehr

Neuropathische Schmerzen effektiv therapieren

Neuropathische Schmerzen effektiv therapieren

Die Behandlung neuropathischer Schmerzen unterscheidet sich grundlegend von jener nozizeptiver Schmerzen. Den Goldstandard in der Therapie chronischer Schmerzen stellt eine multimodale Therapie dar, die neben der medikamentösen und komplementär-medizinischen eine Körpertherapie umfasst, in der Regel auch eine Psychotherapie sowie eine soziale Beratung bzw. Unterstützung. (CliniCum neuropsy 2/18) mehr

Nicht medikamentöse Behandlungsansätze

Nicht medikamentöse Behandlungsansätze

Einige grundlegende schlafphysiologische Erkenntnisse und die daraus abzuleitenden Konsequenzen bei der nicht medikamentösen Behandlung von Schlafstörungen werden in diesem Beitrag dargestellt. Ein Beitrag von Gerhard Klösch, MSc (CliniCum neuropsy 2/18) mehr

„Wir sind Lobbyisten“

„Wir sind Lobbyisten“

Warum genau verändern dopaminerge Neurone ihre Funktion und führen damit zu Parkinson und anderen Bewegungsstörungen? Die Antworten darauf sind der Schlüssel zu Früherkennung und zum Verlangsamen – vielleicht sogar zum Stoppen – des Krankheitsverlaufes, betont die Vizepräsidentin der Österreichischen Parkinson-Gesellschaft, Priv.-Doz. Dr. Sylvia Boesch, MSc. (CliniCum neuropsy 2/18) mehr