Österreichische Gesellschaft für Neuropsychopharmakologie und Biologische Psychiatrie

CliniCum neuropsy 3/2018

clinicum neuropsy

e d i t o r i a l

prof. kasper

Vom 16.–19. Juni fand in Wien der Weltkongress für Neuropsychopharmakologie der Gesellschaft CINP (International College of Neuropsychopharmacology) statt. Das Thema lautete „Meeting Global Challenges with Global Innovation“.
An dem Kongress mit über 30 Symposien, Plenarvorträgen und Workshops wurden aktuelle Themen der Neuropsychopharmakologie abgehandelt. Besonderes Augenmerk auf dem Kongress wurde dem glutamatergen System gewidmet, wobei neuere Daten darauf hinweisen, dass mit dem Wirkstoff Ketamin ein rascher antidepressiver und rascher antisuizidaler Effekt bei PatientInnen mit depressiven Erkrankungen erreicht werden kann. Neuere klinische Studien zur Sicherheit und Verträglichkeit dieser Substanz sowie auch die damit verbundenen Wirkmechanismen wurden vorgestellt und die verschiedenen, klinisch relevanten Gesichtspunkte diskutiert.
Die transkranielle Magnetstimulation (TMS), die vor etwa über 25 Jahren erstmals bei depressiven PatientInnen beschrieben wurde, hat ebenso einen breiten Raum eingenommen und dabei war evident, dass eine spezielle Methode, die Theta-Burst-Methode, wahrscheinlich am besten mit dem klinischen Ansprechen in Verbindung gebracht werden kann. Obwohl sowohl mit der Ketamingabe als auch mit TMS eine rasche antidepressive Wirksamkeit erreicht werden kann, stellt die längerfristige Behandlung noch eine besondere Herausforderung dar und sollte nach heutigem Kenntnisstand zuerst in 14-tägigen und in weiterer Folge monatlichen Behandlungszyklen bei PatientInnen mit depressiven Erkrankungen durchgeführt werden, um ein Wiederauftreten der depressiven Erkrankung zu verhindern.
Die frühere Präsidentin der American Psychiatric Association (APA), Frau Prof. Maria Oquendo, hat in ihrem eindrucksvollen Plenarvortrag darauf hingewiesen, dass Lebensereignisse bei depressiven PatientInnen nicht mit einer höheren Suizidalität verbunden sind, sondern dass die Suizidalität unabhängig davon, im Zusammenhang mit Mechanismen des zentralen Nervensystems zu erklären ist und auch einer entsprechenden Behandlung
zugeführt werden sollte. Obwohl die auf diesem Kongress vorgestellten Themen noch nicht 1:1 in die tägliche Praxis umgesetzt werden können, bedeutet jedoch das bessere Verständnis der Erkrankungen, dass verschiedene Therapieschritte entsprechend eingeleitet und die damit in Zusammenhang stehenden Hirnmechanismen des zentralen Nervensystems mit den PatientInnen besprochen werden sollen.

O. Univ.-Prof. Dr. h.c. mult. Dr. Siegfried Kasper
für die Österr. Gesellschaft für Neuropsychopharmakologie und Biologische Psychiatrie (ÖGPB)

 



CliniCum neuropsy 3/2018

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