Österreichische Gesellschaft für Neuropsychopharmakologie und Biologische Psychiatrie

CliniCum neuropsy 4/2015

clinicum neuropsy

e d i t o r i a l

prof. kasperLiebe Leserinnen, liebe Leser!

Das jährlich abgehaltene Meeting des European College of Neuropsychopharmacology (ECNP) in Amsterdam hat neben verschiedenen Fachvorträgen wieder eindrucksvoll die biologischen Grundlagen und die Möglichkeit der psychopharmakologischen, aber auch psychotherapeutischen Behandlung psychiatrischer Erkrankungen aufgezeigt. In einem umfassenden Werk wurden nun die verschiedenen Perspektiven zur Verbesserung der Behandlung von psychiatrischen Erkrankungen zusammengefasst und sind unter der URL www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0924977X15000176 abrufbar. Daraus geht hervor, dass die moderne Neuropsychopharmakologie in den 50er Jahren durch Zufallsentdeckungen den Weg in die Klinik angetreten hat und, obwohl therapeutisch effektiv, mit deutlichen Nebenwirkungen belastet war. Durch die weiteren Entwicklungen wurden sicherere und besser tolerierte Medikamente für die Indikationen Schizophrenie, Depression und andere psychiatrische Erkrankungen weiterentwickelt, und es konnte gezeigt werden, dass im Zusammenwirken mit einer Diagnosespezifischen psychotherapeutischen Behandlung diese Erkrankungen einen günstigeren Verlauf nehmen. Man hat den Eindruck, dass zurzeit ein gewisser Stillstand in der Entwicklung von neueren psychopharmakologischen Methoden besteht, obwohl das Interesse nach wie vor deutlich ausgeprägt ist. Um diesen offensichtlichen Mangel zu überbrücken, sind Entwicklungen ablesbar, die sowohl akademische Zentren als auch die pharmazeutische Industrie im Sinne einer Partnerschaft zusammenführen, mit dem Ziel, neue Medikamente zur Verfügung zu stellen. So interessant die verschiedenen tierpharmakologischen Untersuchungen auch sein mögen, haben sie zurzeit wenig Eingang in die klinische Praxis gefunden. In der oben angeführten Arbeit wird dargestellt, dass reliable Biomarker für PatientenSubpopulationen und die Medikationseffektivität gefunden werden müssen. Die Zukunft der psychopharmakologischen Behandlung wird sich auf PatientenSubpopulationen richten, und größere Kategorien wie Depression, Schizophrenie bzw. bipolare Erkrankung werden wahrscheinlich in der Entwicklungsstrategie keine bedeutsame Rolle mehr spielen. Dies bedeutet eine syndromatologische Behandlung, wie sie von den ÄrztInnen bereits in der Praxis im breiten Umfang durchgeführt wird, so z.B. die Verwendung von Antipsychotika bei Depressionen und Antidepressiva bei schizophrenen Erkrankungen. Die vorliegende ECNPÜbersichtsarbeit fasst die verschiedenen Strömungen zusammen und zeigt neue Perspektiven zur Verbesserung der psychiatrischen Erkrankungen auf.

O. Univ.-Prof. Dr. h.c. mult. Dr. Siegfried Kasper
für die Österr. Gesellschaft für Neuropsychopharmakologie und Biologische Psychiatrie (ÖGPB)

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