Österreichische Gesellschaft für Neuropsychopharmakologie und Biologische Psychiatrie

CliniCum neuropsy 4/2018

clinicum neuropsy

e d i t o r i a l

prof. kasper

Die biologischen Grundlagen psychiatrischer Therapieverfahren waren in den letzten Jahrzehnten Gegenstand intensiver neuropsychiatrischer Forschung. Ein Verfahren, das immer wieder auch zu politischen Widersprüchen angeregt hat, ist die Elektrokonvulsionstherapie (ECT), wobei suggeriert wurde, dass dadurch das Gehirn fast „zerstört“ wird.

In einer vor Kurzem an der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie Wien durchgeführten Studie wurde der Frage nachgegangen, inwiefern spezifische Gehirnbezirke durch die Elektrokrampftherapie verändert werden. In dieser Arbeit, die im „British Journal of Psychiatry“ publiziert wurde (Gryglewski et al., 2018), zeigte sich mithilfe der Magnetresonanztomographie (MRI), dass die ECT mit einer Zunahme des hippocampalen Volumens und der Amygdala verbunden ist. Darüber hinaus kam es auch zu einer Zunahme der Indizes des Cortex in spezifischen Gehirnbezirken mit dem temporalen, parietalen und insularen Cortex. Diese Studie, die vom Österreichischen Wissenschaftsfonds (FWF) unterstützt wurde, gibt Hinweise darauf, dass die ECT eine neuroplastische Veränderung in spezifischen Gehirnbezirken initiiert, die mit Stress- und Stimmungsverarbeitung in Zusammenhang gebracht werden. Die Neurogenese bzw. Synaptogenese werden auch bei weiteren antidepressiven Therapieverfahren wie z.B. der medikamentösen antidepressiven Therapie gefunden. Parallel dazu kommt es auch zu einem Anstieg des „Brain derived neurotrophic factor“ (BDNF) in der Kaskade der antidepressiven Verarbeitungsmechanismen, ein Ergebnis, das ebenso von der Wiener Arbeitsgruppe (Vanicek et al., 2018) gefunden wurde. Es bleibt zukünftigen Forschungen vorbehalten, diese neuroplastischen Veränderungen auch in Zusammenhang mit einem Ansprechen auf eine antidepressive Therapie zu untersuchen und im Sinne der Präzisionsmedizin bereits frühzeitig Hinweise dafür zu erarbeiten, ob ein Patient oder eine Patientin für die eine oder andere Therapie geeignet erscheint.

O. Univ.-Prof. Dr. h.c. mult. Dr. Siegfried Kasper
für die Österr. Gesellschaft für Neuropsychopharmakologie und Biologische Psychiatrie (ÖGPB)



CliniCum neuropsy 4/2018

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