Österreichische Gesellschaft für Neuropsychopharmakologie und Biologische Psychiatrie

CliniCum neuropsy 6/2018

clinicum neuropsy

e d i t o r i a l

prof. kasper

Die Rolle der Immunologie wird zeitweise immer wieder bei psychiatrischen Erkrankungen
in den Vordergrund gerückt.
In letzter Zeit haben insbesondere die nun vermehrten Möglichkeiten der Bestimmung von
immunologischen Parametern dazu geführt, dass es evident ist, dass sich eine Depression
und eine Entzündung gegenseitig verstärken. Zytokine und Neurotransmitter stellen dabei
wesentliche Bindeglieder zwischen Depression einerseits und Entzündung sowie Schmerz
andererseits dar. Verschiedene Untersuchungen konnten eine veränderte Immunfunktion
sowohl auf lymphozytärer als auch auf Proteinebene belegen.
Die Symptome der Depression, bei der sich PatientInnen lethargisch fühlen, eine Reduktion
der Psychomotorik aufweisen, Appetitlosigkeit sowie Konzentrationsstörungen beklagen,
sind alles Symptome, die auch bei immunologischen Erkrankungen gefunden werden können.
In diesem Zusammenhang spielt der Tryptophan-Stoffwechsel eine wesentliche Rolle,
wobei Kynurenin im Sinne der Neuroprotektion von Bedeutung ist. In-vitro-Untersuchungen
haben weiterhin Hinweise erbracht, dass Antidepressiva einen Effekt auf Zytokine bewirken
und verschiedene immunologische Parameter auch das Therapieansprechen bei
Depressionen voraussagen können.
Untersuchungen zur „Brain-Gut“-Interaktion haben vermehrt Belege dafür gefunden, dass
die Mikroben und damit die entzündlichen Parameter eine Interaktion zwischen Darm und
Gehirn eingehen. Zum Beispiel konnte gezeigt werden, dass sich Probiotika und Zytokine
unter Stress signifikant verändern. Unter den möglichen antiinflammatorischen Interventionen
bei Depressionen wurden neben Präbiotika, Probiotika bzw. Antibiotika auch Medikamente
wie das Celecoxib und andere nicht steroidale Antirheumatika untersucht, ebenso
wie TNF-alpha-Inhibitoren. Erste Ergebnisse weisen darauf hin, dass diese Forschungsrichtung
weiter untersucht werden sollte.
Der Zusammenhang von mediterraner Diät und der antiinflammatorischen Eigenschaft
von Omega-3-Fettsäuren lässt erkennen, dass eine Omega-3-Fettsäuren-Supplementation
sowohl bei Entzündungen bzw. zusätzlich als adjuvante Behandlung bei Depressionen eine
Rolle spielen kann, wobei der Neurogenese bzw. der Synaptogenese eine besondere Rolle
zugeschrieben wird.

O. Univ.-Prof. Dr. h.c.mult. Dr. med. Siegfried Kasper,
für die Österr. Gesellschaft für Neuropsychopharmakologie
und Biologische Psychiatrie (ÖGPB)