{"id":7237,"date":"2022-10-18T14:06:23","date_gmt":"2022-10-18T12:06:23","guid":{"rendered":"https:\/\/oegpb.at\/?page_id=7237"},"modified":"2022-12-22T16:48:55","modified_gmt":"2022-12-22T15:48:55","slug":"newsletter-2022-subklinische-und-subsyndromale-psychiatrische-manifestationen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/oegpb.at\/?page_id=7237","title":{"rendered":"2. \u00d6GPB Newsletter 2022"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; _builder_version=&#8220;4.9.4&#8243; _module_preset=&#8220;a101c382-f6f4-4378-9eee-5c6c65b689e1&#8243; locked=&#8220;off&#8220;][et_pb_row _builder_version=&#8220;4.9.3&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; custom_padding=&#8220;||10px||false|false&#8220;][et_pb_column type=&#8220;4_4&#8243; _builder_version=&#8220;4.9.3&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220;][et_pb_post_title _builder_version=&#8220;4.9.4&#8243; _module_preset=&#8220;7fd05a31-4b65-4680-8d87-3be606eca9dc&#8220;][\/et_pb_post_title][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section][et_pb_section fb_built=&#8220;1&#8243; admin_label=&#8220;section&#8220; _builder_version=&#8220;3.22&#8243; locked=&#8220;off&#8220;][et_pb_row column_structure=&#8220;2_3,1_3&#8243; use_custom_gutter=&#8220;on&#8220; gutter_width=&#8220;2&#8243; admin_label=&#8220;row&#8220; _builder_version=&#8220;4.9.4&#8243; background_size=&#8220;initial&#8220; background_position=&#8220;top_left&#8220; background_repeat=&#8220;repeat&#8220;][et_pb_column type=&#8220;2_3&#8243; _builder_version=&#8220;4.9.4&#8243; custom_padding=&#8220;30px|30px|30px|30px|true|true&#8220; box_shadow_style=&#8220;preset1&#8243; custom_padding__hover=&#8220;|||&#8220;][et_pb_team_member name=&#8220;DDr. Lucie Bartova&#8220; position=&#8220;Abteilung f\u00fcr Psychiatrie und Psychotherapie&#8220; image_url=&#8220;https:\/\/oegpb.at\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/20200703_Bartova-CV.jpeg&#8220; _builder_version=&#8220;4.9.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; position_font=&#8220;|600|||||||&#8220; position_text_color=&#8220;#000000&#8243; custom_css_member_image=&#8220;padding-bottom:10px;&#8220; custom_css_member_position=&#8220;padding-bottom:10px !important;&#8220; locked=&#8220;off&#8220;]<\/p>\n<p><strong> Medizinische Universit\u00e4t Wien<\/strong><span><\/span><\/p>\n<p>Wir w\u00fcnschen uns von ganzem Herzen, Sie bei unserer der 24. Jahrestagung der \u00d6GPB, die am 17. und 18. November 2022 virtuell stattfinden wird, begr\u00fc\u00dfen zu d\u00fcrfen. Hierbei freuen wir uns besonders darauf, uns mit Ihnen \u00fcber interessante aktuelle Themen in unserem sehr sch\u00f6nen und wichtigen Berufsfeld der Psychiatrie und psychotherapeutischen Medizin voller Freude und Inspiration intensiv austauschen zu d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Im Sinne eines kleinen Appetizers m\u00f6chten wir im Rahmen des aktuellen\u00a0<\/p>\n<p>[\/et_pb_team_member][et_pb_text _builder_version=&#8220;4.9.4&#8243; _module_preset=&#8220;default&#8220; locked=&#8220;off&#8220;]<\/p>\n<p>Newsletters auf die sogenannten subklinischen bzw. subsyndromalen psychiatrischen Manifestationen eingehen, die in der letzten Zeit nicht nur in unseren Fachkreisen, sondern auch in internationalen sozialen Medien immer h\u00e4ufiger thematisiert wurden.\u00a0<\/p>\n<p>Besonders in Zusammenhang mit der leider weiterhin pr\u00e4senten Covid-19-Pandemie wurde ein vermehrtes Auftreten von \u00c4ngsten, depressiven Symptomen sowie weiteren assoziierten Ph\u00e4nomenen wie zum Beispiel kognitiven Einschr\u00e4nkungen und verschiedenen psychosomatischen Beschwerden berichtet. Laut aktueller internationaler Evidenz, die mittlerweile auch mehrfach meta-analytisch erfasst wurde, wiesen diese in den meisten F\u00e4llen eine milde Auspr\u00e4gung auf, was grunds\u00e4tzlich gute Nachrichten sind. Gleichzeitig wurden solche milderen Zustandsbilder, die nicht nur im Rahmen eines Post-Covid-19-Syndroms auftraten und bei denen die diagnostischen Kriterien einer psychiatrischen Erkrankung <em>per definitionem<\/em> nicht erf\u00fcllt sind, jedoch wiederholt mit deutlich eingeschr\u00e4nkter Lebensqualit\u00e4t und Funktionalit\u00e4t in allen Lebensbereichen und somit auch verminderter Arbeitsf\u00e4higkeit der Betroffenen in Verbindung gebracht. Zudem wurde gezeigt, dass beispielsweise die subsyndromale Angsterkrankung etwa doppelt so h\u00e4ufig auftritt wie die manifeste generalisierte Angstst\u00f6rung.<\/p>\n<p>Aufgrund der H\u00e4ufigkeit und der ausgepr\u00e4gten gesundheitlichen sowie sozio\u00f6konomischen Einschr\u00e4nkungen und der Tatsache, dass subsyndromale Zustandsbilder bei inad\u00e4quater oder nicht gegebener Behandlung in eine manifeste psychiatrische Erkrankung \u00fcbergehen k\u00f6nnen, sind ein rechtzeitiges Erkennen und eine entsprechende Therapie von hoher klinischer Relevanz. \u00a0Um eine rasche Symptomreduktion und ein lang anhaltendes Therapieansprechen zu erreichen, wird im Sinne einer pr\u00e4zisen Differenzialdiagnostik und individualisierten Therapie empfohlen, die Wahl der Behandlungsmethode nach der Auspr\u00e4gung und dem klinischen Bild der f\u00fchrenden Symptomatik unter Ber\u00fccksichtigung eventueller Komorbidit\u00e4ten sowie nach den individuellen Bed\u00fcrfnissen und Pr\u00e4ferenzen der Patient*innen zu richten.<\/p>\n<p>Differenzialdiagnostisch sollte im ersten Schritt abgegrenzt werden, ob die aktuelle Symptomatik evtl. substanz- bzw. medikamenteninduziert oder als Folge eines anderen k\u00f6rperlichen Krankheitsfaktors auftritt. Beispielsweise k\u00f6nnen \u00c4ngste und depressive Symptome in Zusammenhang mit missbr\u00e4uchlichem Alkohol- oder Kokainkonsum, mit Schilddr\u00fcsenerkrankungen bzw. mit der Einnahme von Schilddr\u00fcsenhormonen oder auch Kortison sowie im Rahmen von Elektrolytst\u00f6rungen bzw. kardiovaskul\u00e4ren oder pulmonalen Erkrankungen entstehen bzw. sich verschlechtern. Nachdem die sogenannte \u201eorganische\u201c Ursache ausgeschlossen werden konnte, sollte in Hinsicht auf die bestm\u00f6gliche Behandlung der aktuell bestehenden subsyndromalen psychiatrischen Symptomatik die individuelle Vorgeschichte ber\u00fccksichtigt werden. Der bisherige Erkrankungsverlauf sowie die fr\u00fcher angewendeten Therapiestrategien und das Ansprechen auf diese k\u00f6nnen gegebenenfalls sehr wertvolle Unterst\u00fctzung liefern.<\/p>\n<p>Um diesen diagnostischen Prozess m\u00f6glichst effizient zu gestalten um anschlie\u00dfend ein optimales Therapiekonzept zu etablieren, stellt die fach\u00e4rztlich-psychiatrische Untersuchung ein zentrales Element dar, das an allererster Stelle eingesetzt werden sollte. Die anschlie\u00dfend anhand der individuellen Bed\u00fcrfnisse der Patient*innen gew\u00e4hlte Therapie kann ggf. um die Expertise von Kolleg*innen sonstiger Berufsgruppen, wie z.B. Psychotherapeut*innen, wertvoll erweitert bzw., wenn fach\u00e4rztlich-psychiatrisch indiziert, von diesen g\u00e4nzlich \u00fcbernommen werden. W\u00e4hrend bei den meisten manifesten psychiatrischen Erkrankungen die Psychopharmakotherapie die Basistherapie darstellt, die um nichtpsychopharmakotherapeutische Behandlungsm\u00f6glichkeiten wie z.\u00a0B. Psychotherapie, Lichttherapie oder in manchen F\u00e4llen auch Wachtherapie individuell effektiv erg\u00e4nzt werden kann, k\u00f6nnen letztere Therapien bei subsyndromalen Verl\u00e4ufen auch im Rahmen einer Monotherapie zum Einsatz kommen. Hierbei ist die regelm\u00e4\u00dfige fach\u00e4rztlich-psychiatrische Evaluierung des Therapieansprechens von besonderer Bedeutung, um eine ggf. notwendige Therapieoptimierung rechtzeitig initiieren zu k\u00f6nnen.\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0<\/p>\n<p>Die Psychotherapie, die im Rahmen einer bestimmten sowohl inhaltlich als auch formal klar definierten Ausrichtung erfolgen kann, wie es z. B. bei der kognitiven Verhaltenstherapie der Fall ist, stellt auch ein sehr wichtiges therapeutisches Instrument jedes einzelnen Arzt\/\u00c4rztin-Patient*innen Gespr\u00e4ches dar, das in der breiten klinischen Routine tagt\u00e4glich effektiv angewendet wird. Hierbei sind die psychoedukativen, supportiven, und entlastenden Interventionen, die bei ambulanten Konsultationen sowie bei t\u00e4glichen Visiten im Krankenhaus individuell und flexibel gesetzt werden und die beispielsweise verhaltenstherapeutische oder psychoanalytisch orientierte Techniken beinhalten k\u00f6nnen, f\u00fcr die Therapieadh\u00e4renz und auch den Therapieerfolg nicht nur bei subsyndromalen psychiatrischen Zustandsbildern von entscheidender Bedeutung. Um diese konstant stattfindende und effektive \u00e4rztlich-psychotherapeutische T\u00e4tigkeit zu w\u00fcrdigen, wurde unser Berufstitel in \u00d6sterreich gezielt auf \u201eFacharzt\/Fach\u00e4rztin f\u00fcr Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin\u201c adaptiert.\u00a0\u00a0 \u00a0<\/p>\n<p>Die Lichttherapie und die Wachtherapie z\u00e4hlen zu sogenannten chronobiologischen Therapieverfahren und k\u00f6nnen in der Behandlung von subsyndromalen depressiven Symptomen individuell erwogen werden. Die Lichttherapie stellt die First-Line-Behandlung der sogenannten saisonalen depressiven Erkrankungen dar und kann bei subsyndromalen depressiven Zustandsbildern, die in jahreszeitlicher Abh\u00e4ngigkeit auftreten und sehr h\u00e4ufig mit atypischen Merkmalen wie z.\u00a0B. Hypersomnie und Hyperphagie, meistens im Sinne eines Kohlenhydrathei\u00dfhungers, einhergehen, sehr erfolgreich eingesetzt werden. Da sich die Lichttherapie auch in der Behandlung von Demenz wirksam zeigte, kann diese Behandlungsmethode auch bei subsyndromalen kognitiven Einschr\u00e4nkungen zum Einsatz kommen. Au\u00dferdem gibt es positive Evidenz f\u00fcr den Einsatz von Lichttherapie bei postpartaler Depression, pr\u00e4menstruellem Syndrom sowie auch im Rahmen von Beeintr\u00e4chtigungen in Zusammenhang mit k\u00f6rperlichen Erkrankungen wie z. B. Mammakarzinom und Sch\u00e4delhirntrauma oder auch mit beruflichen Aktivit\u00e4ten wie z.\u00a0B. Schichtarbeit und Jetlag. Die Wachtherapie, auch Schlafentzugstherapie genannt, zeigt gute Wirksamkeit besonders bei depressiver Symptomatik mit morgendlichem Pessimum und melancholischen Z\u00fcgen und kann somit auch bei ihrer subsyndromalen Auspr\u00e4gung erwogen werden. Die Effektivit\u00e4t der Wachtherapie kann durch eine kombinierte Anwendung mit einer morgendlichen Lichttherapie und antidepressiv wirksamer Psychopharmakotherapie erh\u00f6ht werden.<\/p>\n<p>Psychopharmakotherapeutisch werden seitens unserer Patient*innen mit sowohl subsyndromalen als auch manifesten psychiatrischen Erkrankungen sehr h\u00e4ufig Phyto-Psychopharmakotherapeutika mit Extrakten z. B. von Passionsblume, Hopfen, Baldrian oder Melisse gefragt. Sie sind meistens rezeptfrei in den Apotheken erh\u00e4ltlich, verf\u00fcgen \u00fcber ein gutes Sicherheitsprofil, weisen kein Suchtpotenzial auf, haben jedoch h\u00e4ufig keine klassische Indikation f\u00fcr psychiatrische Erkrankungen <em>per se<\/em>. Ihre Anwendung steigt laut Untersuchungen der WHO seit den 1990er-Jahren stetig an, wobei die Verordnungen in den meisten F\u00e4llen in Eigeninitiative oder \u00fcber den Hausarzt\/die Haus\u00e4rztin erfolgen. Aus der Vielfalt verschiedener sich am Markt befindlicher Phyto-Psychopharmakotherapeutika stellt der Lavendel\u00f6lextrakt Silexan das am besten untersuchte pflanzliche Arzneimittel dar, es erhielt aufgrund seiner sehr guten Wirksamkeit und Vertr\u00e4glichkeit eine Vollzulassung zur Behandlung vor\u00fcbergehender \u00e4ngstlicher Verstimmung bei Patient*innen ab 18 Jahren. Dar\u00fcber hinaus hat Silexan \u00fcberzeugende Effekte auch bei zus\u00e4tzlichen depressiven Symptomen und verschiedenen psychosomatischen Beschwerden inklusive Fatigue und Insomnie gezeigt. Anhand sehr rezenter Fallberichte zeigte Silexan gute Wirksamkeit auch bei psychiatrischen Manifestationen, die in Zusammenhang mit der Covid-19-Infektion bzw. -Impfung auftraten und sich meistens in Form von depressiver Verstimmung, Angstsymptomatik, innerer Unruhe, verschiedenen psychosomatischen Beschwerden, Fatigue, Schlafst\u00f6rungen und kognitiver Beeintr\u00e4chtigung wie \u201ebrain fog\u201c pr\u00e4sentierten. Somit ist die Phyto-Psychopharmakotherapie mit Silexan zweifellos eine effiziente und gut vertr\u00e4gliche Therapieoption in der Behandlung vieler milder psychiatrischer Symptome und sollte in Erw\u00e4gung gezogen werden, wenn eine exakte diagnostische Einordnung aufgrund einer subsyndromalen Symptomatik nicht m\u00f6glich ist. Auch bei Patient*innen, die einer pflanzlichen Therapie positiver gegen\u00fcberstehen und\/oder zu Unvertr\u00e4glichkeitsreaktionen unter synthetischen Psychopharmakotherapeutika neigen, kann die Phyto-Psychopharmakotherapie mit Silexan erfolgreich angewendet werden. Hierbei ist zu erw\u00e4hnen, dass sich die Phyto-Psychopharmakotherapie mit Silexan aufgrund des bisher nicht nachgewiesenen Interaktionspotenzials mit weiteren Pharmakotherapeutika inklusive oraler Kontrazeption generell komplikationslos kombinieren l\u00e4sst. Zu beachten ist jedoch, dass dies nicht f\u00fcr die Phyto-Psychopharmakotherapie im Generellen gilt, wie bei der Verwendung z. B. von Johanniskraut, welches bei milden bis moderaten depressiven Symptomen eingesetzt werden kann, mehrfach beobachtet wurde. Daher wird Johanniskraut derzeit auch nicht bevorzugt empfohlen. Als eine effektive und gut vertr\u00e4gliche Alternative kann Rosenwurz zum Einsatz kommen, welche zu den pflanzlichen Adaptogenen z\u00e4hlt. Ein Adaptogen ist nicht toxisch und wirkt als Regulator normalisierend auf verschiedene K\u00f6rperfunktionen des Empf\u00e4ngers. Die pharmakologischen Eigenschaften sind daher nicht spezifisch und die Wirkung erfolgt \u00fcber eine St\u00e4rkung der Widerstandsf\u00e4higkeit des Organismus. Die u. a. anxiolytischen, antidepressiven, immunotropen, antiinflammatorischen, kardio-, neuro- und hepatoprotektiven Effekte sind umso st\u00e4rker, je tiefgreifender die pathologischen Ver\u00e4nderungen des Organismus sind. Somit kann Rosenwurz bei unspezifischen psychiatrischen Beschwerden milder Auspr\u00e4gung ihre Wirksamkeit individuell entfalten.<\/p>\n<p>Bei allen o. g. Therapiemethoden ist die regelm\u00e4\u00dfige fach\u00e4rztlich-psychiatrische Evaluierung des Therapieansprechens essenziell, die etwa 2 bis maximal 4 Wochen nach Behandlungsbeginn erfolgen sollte, um im Falle eines insuffizienten Ansprechens eine Therapieoptimierung rechtzeitig initiieren zu k\u00f6nnen. Bei subsyndromalen bzw. bereits manifesten Angsterkrankungen und depressiven Erkrankungen, die sehr h\u00e4ufig \u00fcberlappende Symptomatik im Sinne von Schlafst\u00f6rungen, Ersch\u00f6pfungszust\u00e4nden sowie kognitiven und psychosomatischen Beschwerden zeigen, stellen neuere Antidepressiva die Therapieoptimierung der ersten Wahl dar. Beispielsweise k\u00f6nnte bei vordergr\u00fcndig bestehenden Schlafst\u00f6rungen Trazodon effektiv eingesetzt werden, welches jedoch erst in h\u00f6heren Tagesdosen eine antidepressive und anxiolytische Wirksamkeit aufweist. Bei vorwiegender Angstsymptomatik sind die selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) und die Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer besonders gut geeignet. Bei psychosomatischen Beschwerden haben sich Duloxetin und auch das noradrenerg und spezifisch serotonerg wirksame Antidepressivum Mirtazapin als wirksam erwiesen. Wenn generelle Ersch\u00f6pfung und Anhedonie zu den f\u00fchrenden Symptomen z\u00e4hlen, stellt der Noradrenalin-Dopamin-Wiederaufnahmehemmer Bupropion eine sehr effektive Psychopharmakotherapie dar. Bei vordergr\u00fcndigen kognitiven Beeintr\u00e4chtigungen kann wiederum Vortioxetin, ein SSRI mit einer zus\u00e4tzlichen agonistischen und antagonistischen Wirkung an unterschiedlichen Serotonin-Rezeptor-Subtypen, verordnet werden. Im Falle von begleitender innerer Unruhe bzw. Nervosit\u00e4t und Anspannung k\u00f6nnen zus\u00e4tzlich Pregabalin, Quetiapin und in manchen F\u00e4llen auch das Antihistaminikum Hydroxyzin zum Einsatz kommen. Von einer Benzodiazepinverordnung sollte aufgrund des Abh\u00e4ngigkeitsrisikos sowie eines eventuellen Toleranzph\u00e4nomens in der Indikation subsyndromaler psychiatrischer Manifestationen grunds\u00e4tzlich Abstand genommen werden.<\/p>\n<p>Abschlie\u00dfend ist zu betonen, dass das Wissen um die Evidenzbasis immer unerl\u00e4sslicher erscheint, um stets eine pr\u00e4zise Diagnostik, eine umfassende Beratung und folglich eine optimale Therapie gew\u00e4hrleisten zu k\u00f6nnen. Zusammen mit einer tragf\u00e4higen und durch authentische Empathie und Zuversicht \u2013 sowie durch regelm\u00e4\u00dfige Psychoedukation \u2013 gest\u00fctzte Arzt\/\u00c4rztin-Patient*innen- Beziehung ist sie f\u00fcr den optimalen Behandlungserfolg und somit f\u00fcr eine deutliche Verbesserung der Lebensqualit\u00e4t und Funktionalit\u00e4t unserer PatientInnen unentbehrlich. In diesem Zusammenhang ist von besonderer Bedeutung, dass die Prognose sowohl von subsyndromalen als auch manifesten psychiatrischen Erkrankungen im Falle einer ad\u00e4quaten Behandlung sehr gut ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Literatur:<\/p>\n<p>Baldinger P et al.: Effects of Silexan on the serotonin-1A receptor and microstructure of the human brain: a randomized, placebo-controlled, double-blind, cross-over study with molecular and structural neuroimaging. Int J Neuropsychopharmacol 2014; 18(4)<\/p>\n<p>Baldinger-Melich P et al.: Der Stellenwert der Phytomedizin in der Psychiatrie. DFP Fortbildung 2018. CliniCum Neuropsy 1: 10-5<\/p>\n<p>Bandelow B et al.: World Federation of Societies of Biological Psychiatry (WFSBP) guidelines for treatment of anxiety, obsessive-compulsive and posttraumatic stress disorders &#8211; Version 3. Part I: Anxiety disorders. World J Biol Psychiatry 2022: 1-39<\/p>\n<p>Bartova L et al.: Beneficial effects of Silexan on co-occurring depressive symptoms in patients with subthreshold anxiety and anxiety disorders: randomized, placebo-controlled trials revisited. Eur Arch Psychiatry Clin Neurosci 2022<\/p>\n<p>Bartova L, Kasper S: [Chronobiology of Depression]. Psychiatr Danub. 2021 Fall; 33(3): 446-53 German. doi: 10.24869\/psyd.2021.446. PMID: 34795197.<\/p>\n<p>Bartova L et al.: Therapieoptionen bei Angsterkrankungen unter Beru\u0308cksichtigung der Phyto-Psychopharmakotherapie. J Neurol Neurochir Psychiatr 2022; 23<\/p>\n<p>Bartova L, Winkler D: Zeitgema\u0308\u00dfe Depressionstherapie (DFP-Beitrag). CliniCum neuropsy: Sonderheft 2019; 1-6<\/p>\n<p>Bauer M et al., Disorders WTFoUD: Pharmacological treatment of unipolar depressive disorders: summary of WFSBP guidelines. Int J Psychiatry Clin Pract 2017; 21(3): 166-76<\/p>\n<p>Benasi G et al.: Benzodiazepines as a monotherapy in depressive disorders: a systematic review. Psychother Psychosom 2018; 87(2): 65-74<\/p>\n<p>Collaborators C-MD: Global prevalence and burden of depressive and anxiety disorders in 204 countries and territories in 2020 due to the COVID-19 pandemic. Lancet 2021; 398(10312): 1700-12<\/p>\n<p>Jacobson KB et al.: Patients with uncomplicated coronavirus disease 2019 (COVID-19) have long-term persistent symptoms and functional impairment similar to patients with severe COVID-19: A cautionary tale during a global pandemic. Clin Infect Dis 2021; 73(3): e826-e9<\/p>\n<p>von Kanel R et al.: Therapeutic effects of Silexan on somatic symptoms and physical health in patients with anxiety disorders: A meta-analysis. Brain Behav 2021; 11(4): e01997<\/p>\n<p>Kasper S et al.: Therapieresistente Depression: Diagnose und Behandlung, Konsensus-Statement. Sonderheft JATROS Neurologie &amp; Psychiatrie, Ma\u0308rz 2021<\/p>\n<p>Kasper S et al.: Efficacy and safety of silexan, a new, orally administered lavender oil preparation, in subthreshold anxiety disorder &#8211; evidence from clinical trials. Wien Med Wochenschr 2010; 160(21-22): 547-56<\/p>\n<p>Kasper S et al.: Silexan, an orally administered Lavandula oil preparation, is effective in the treatment of &#8217;subsyndromal&#8216; anxiety disorder: a randomized, double-blind, placebo controlled trial. Int Clin Psychopharmacol 2010; 25(5): 277-87<\/p>\n<p>Kasper S et al.: Silexan in generalized anxiety disorder: investigation of the therapeutic dosage range in a pooled data set. Int Clin Psychopharmacol 2017; 32(4): 195-204<\/p>\n<p>Kasper S et al.: Lavender oil preparation Silexan is effective in generalized anxiety disorder&#8211;a randomized, double-blind comparison to placebo and paroxetine. Int J Neuropsychopharmacol 2014; 17(6): 859-69<\/p>\n<p>Kasper S et al.: Efficacy of Silexan in mixed anxiety-depression&#8211;A randomized, placebo-controlled trial. Eur Neuropsychopharmacol 2016; 26(2): 331-40<\/p>\n<p>Kasper S et al.: Efficacy of orally administered Silexan in patients with anxiety-related restlessness and disturbed sleep&#8211;A randomized, placebo-controlled trial. Eur Neuropsychopharmacol 2015; 25(11): 1960-7<\/p>\n<p>Kasper S: An orally administered lavandula oil preparation (Silexan) for anxiety disorder and related conditions: an evidence based review. Int J Psychiatry Clin Pract 2013; 17 Suppl 1: 15-22<\/p>\n<p>Kasper S et al.: Silexan in anxiety disorders: Clinical data and pharmacological background. World J Biol Psychiatry 2018; 19(6): 412-20.<\/p>\n<p>Moller HJ et al.: Efficacy of Silexan in subthreshold anxiety: meta-analysis of randomised, placebo-controlled trials. 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