{"id":1085,"date":"2015-04-19T21:52:52","date_gmt":"2015-04-19T19:52:52","guid":{"rendered":"http:\/\/dizign-projekte.at\/?p=1085"},"modified":"2015-04-19T21:52:52","modified_gmt":"2015-04-19T19:52:52","slug":"management-therapierefraktaerer-epilepsien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/oegpb.at\/?p=1085","title":{"rendered":"Management therapierefrakt\u00e4rer Epilepsien"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wenn epileptische  Anf\u00e4lle mit den ersten zwei Antiepileptika nicht unter Kontrolle gebracht  werden k\u00f6nnen oder wenn die Vertr\u00e4glichkeit mehrerer Antiepileptika nicht  gegeben ist und dadurch keine Anfallsfreiheit erreicht werden kann, m\u00fcssen  mehrere Therapieformen in Betracht gezogen werden. Der Nachweis der  Therapieresistenz sollte ein bis drei Jahre nach Beginn der antiepileptischen  Therapie vorliegen. Viele Patienten kommen erst nach einer Krankheitsdauer von  15 und mehr Jahren zu einer pr\u00e4chirurgischen Abkl\u00e4rung.  <\/strong><\/p>\n<p> Ein  Gro\u00dfteil der Patienten, bei denen eine Epilepsie diagnostiziert wird, spricht  gut auf eine erste oder zweite antikonvulsive Therapie an. Ca. 65 bis 70  Prozent der Patienten werden zu diesem Zeitpunkt anfallsfrei. Aufgrund der  Vielzahl von Antiepileptika, die heutzutage f\u00fcr eine Monotherapie zur Verf\u00fcgung  stehen, ist dies in der Regel auch ohne signifikante Nebenwirkungen zu  erreichen. Bei dieser Gruppe von Patienten ist das optimale Therapieziel  erreicht. Anders verh\u00e4lt es sich, wenn die Anf\u00e4lle mit den ersten zwei  Antiepileptika nicht unter Kontrolle gebracht werden k\u00f6nnen oder wenn die  Vertr\u00e4glichkeit mehrerer Antiepileptika nicht gegeben ist und dadurch keine  Anfallsfreiheit erreicht werden kann. Im folgenden Artikel sollen die Therapieoptionen,  die bei therapieresistenten Epilepsien im Erwachsenenalter bestehen, erl\u00e4utert  und neueste Entwicklungen aufgezeigt werden. <\/p>\n<h3> Therapieresistenz <\/h3>\n<p> Die  internationale Liga gegen Epilepsie hat eine Konsensus- Empfehlung f\u00fcr die  Definition der Therapieresistenz erstellt. Definition der therapieresistenten  Epilepsie: Versagen von ad\u00e4quaten Therapieversuchen von zwei in Mono- oder  Kombinationstherapie gut tolerierten, f\u00fcr das Epilepsiesyndrom und den  Anfallstyp zutreffend ausgew\u00e4hlten Antiepileptika-Therapien auf einer ad\u00e4quaten  Dosis f\u00fcr eine ausreichende Dauer, um anhaltende Anfallsfreiheit zu erreichen.  Dar\u00fcber hinaus ist eine weitere Empfehlung der internationalen Liga gegen  Epilepsie f\u00fcr symptomatische Epilepsie bei Kavernomen erstellt worden. Zeichnet  sich hier ab, dass die Anf\u00e4lle aus der Lokalisation eines Kavernoms kommen, ist  Therapieresistenz bzw. Indikation zur epilepsiechirurgischen Behandlung schon  nach dem Versagen des ersten Medikamentes gegeben. <\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/dizign-projekte.at\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/differenzialdiagnosen.jpg\" alt=\"differenzialdiagnosen\" width=\"620\" height=\"512\" class=\"alignnone size-full wp-image-1090\" \/><\/p>\n<p> Dies  erkl\u00e4rt sich aus der zus\u00e4tzlichen Morbidit\u00e4t der intrakraniellen Blutungen, die  von Kavernomen ausgeht. Zus\u00e4tzlich zeigen Kavernome ein gutes Outcome im Rahmen  der Epilepsiechirurgie, vorausgesetzt, dass hier eine ad\u00e4quate pr\u00e4chirurgische  Diagnostik betrieben wurde. In internationalen Leitlinien ist hervorgehoben,  dass zu dem Zeitpunkt, wo eine therapieresistente Epilepsie vorliegt, eine  weitere Diagnostik in einem Spezialzentrum erfolgen muss. Dies geschieht aus  mehreren \u00dcberlegungen:<\/p>\n<p> <strong>1. Zur Diagnosesicherung  der Epilepsie:<\/strong> Bis  zu 30 Prozent von Patienten mit therapieresistenten Epilepsien in  Epilepsiezentren werden nach ausf\u00fchrlicher Diagnostik, insbesondere  Video-EEG-Monitoring, einem Diagnosewechsel auf eine nicht epileptische  Diagnose unterzogen. Daher ist die Diagnosesicherung zu diesem Zeitpunkt extrem  wichtig. Die hohe Rate an Fehldiagnosen beruht insbesondere auf der Tatsache,  dass in der Regel die Epilepsie nur aufgrund von Patientenschilderungen,  Fremdanamnese und sekund\u00e4ren Indizien basiert.<\/p>\n<p>\n  In  den seltensten F\u00e4llen tritt ein Anfallsereignis w\u00e4hrend einer  neurophysiologischen oder klinischen Untersuchung auf. M\u00f6gliche  Differenzialdiagnosen zur Epilepsie sind in Tabelle 1 aufgef\u00fchrt. Die  h\u00e4ufigsten Differenzialdiagnosen sind vasovagale Synkopen und nicht  epileptische Anf\u00e4lle. Seltener, aber sehr wichtig bez\u00fcglich Therapieanleitung,  ist die Diagnose von kardialen Synkopen. Aufgrund der potenziellen Mortalit\u00e4t  sowie des guten Ansprechens auf Therapie ist hierauf ein besonderes Augenmerk  zu legen.<\/p>\n<p> <strong>2. Weitere  Therapieoptionen nach Sicherung der Diagnose:<\/strong> Ist die Diagnose einer Epilepsie gesichert,  stellt sich die Frage nach weiteren Therapieoptionen. F\u00fcr alle Epilepsien gilt,  dass weitere therapeutische Optionen mit Antiepileptika in Mono- oder  Kombinationstherapie bestehen. Neben der Behandlung mit Antiepileptika gibt es  aber weitere Therapieformen, die durchaus in Betracht zu ziehen sind. Diese  sollen im Folgenden weiter erl\u00e4utert werden. <\/p>\n<h3> Fokale  Epilepsien und Autoimmungenese <\/h3>\n<p> Bei  fokalen, therapierefrakt\u00e4ren und insbesondere Temporallappenepilepsien sind in  der letzten Dekade immer h\u00e4ufiger autoimmunmediierte \u00c4tiologien mit  verschiedensten Antik\u00f6rpern beschrieben worden. Diese Antik\u00f6rper z\u00e4hlen zu den  onkoneuralen Antik\u00f6rpern, sind aber gr\u00f6\u00dftenteils gegen Oberfl\u00e4chenantigene  gerichtet, w\u00e4hrend die klassischen Autoantik\u00f6rper (Anti-HU etc.) gegen  zytoplasmatische Antigene gerichtet sind. Limbische Enzephalitiden, besonders  durch VGKC-Antik\u00f6rper hervorgerufen, sowie die inzwischen gut beschriebene  NMDA-Rezeptor-Enzephalitis, die \u00fcber das limbische System hinausgeht, sind  klassische und jetzt immer h\u00e4ufiger nachzuweisende \u00c4tiologien. Insbesondere bei  initial hoher Anfallsfrequenz, die nicht ad\u00e4quat auf eine Therapie anspricht,  zus\u00e4tzlicher Komorbidit\u00e4t von psychiatrischen Auff\u00e4lligkeiten und bestimmten  Anfallsformen wie brachiofazialen Anf\u00e4llen, ist an diese Diagnose zu denken. <\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/dizign-projekte.at\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/antige_screening.jpg\" alt=\"antige_screening\" width=\"620\" height=\"672\" class=\"alignnone size-full wp-image-1091\" \/><\/p>\n<p> Limbische  Enzephalitiden k\u00f6nnen paraneoplastisch und nicht paraneoplastisch bedingt sein.  Daher ist ein intensives Tumorscreening in diesen F\u00e4llen essenziell und sollte  auch wiederholt durchgef\u00fchrt werden. Der Nachweis von Antik\u00f6rpern schlie\u00dft eine  paraneoplastische Genese nicht aus, allerdings gibt es bestimmte Antik\u00f6rper,  bei denen diese mehr oder weniger wahrscheinlich ist (siehe Tabelle 2). Sollten  keine Antik\u00f6rper nachgewiesen werden, ist eine autoimmunmediierte Genese nicht  auszuschlie\u00dfen. Es ist wichtig, darauf zu achten, dass die Nachweise der  Antik\u00f6rper im Serum und Liquor erfolgen sollten. Indiz f\u00fcr eine potenzielle  Immungenese sind auch positive oligoklonale Banden im Liquor. <\/p>\n<p> Wird  die Diagnose einer limbischen oder NMDA-Rezeptorenzephalitis gestellt, sollte  immunsuppressiv behandelt werden. Dies kann mit einer Cortisontherapie, aber  auch mit Immunglobulinen oder Plasmapherese erfolgen. Ist ein erstes  Behandlungsregime mit z.B. Cortison nicht erfolgreich, die Diagnose aber  gesichert, kann eine Eskalation der Immunsuppression erwogen werden.  Insbesondere bei NMDA-Rezeptorenzephalitiden, aber auch bei anderen  Antik\u00f6rper-assoziierten Enzephalitiden hat sich das immunsuppressive Schema  nach Dalmau mit Endoxan (Cyclophosphamid) und MabThera (Rituximab) bew\u00e4hrt. <\/p>\n<p> Ziel  ist eine deutliche Reduktion der Anfallsh\u00e4ufigkeit oder sogar Anfallsfreiheit.  Zus\u00e4tzliche Outcome-Marker k\u00f6nnen auch EEG-Ver\u00e4nderungen, die weiteren Komorbidit\u00e4ten  wie psychiatrische Auff\u00e4lligkeiten oder Bewegungsst\u00f6rungen (z.B. im Fall der  NMDA-Rezeptorenzephalitis) und deren Verlauf darstellen. Wiederholte  Bestimmungen der Antik\u00f6rper, insbesondere im Liquor, k\u00f6nnen Hinweis auf ein  Ansprechen der Therapie sein. Allerdings ist darauf hinzuweisen, dass nicht  durchg\u00e4ngig eine Negativit\u00e4t f\u00fcr Antik\u00f6rper erreicht werden kann. <\/p>\n<h3> Chirurgische  Therapieoptionen <\/h3>\n<p> Bei  therapierefrakt\u00e4ren fokalen Epilepsien, bei denen eine autoimmune Genese  unwahrscheinlich oder ausgeschlossen ist, sollte auch die m\u00f6gliche Option einer  epilepsiechirurgischen Ma\u00dfnahme abgekl\u00e4rt werden. Dies geschieht in  Spezialzentren, in denen eine pr\u00e4chirurgische Epilepsiediagnostik durchgef\u00fchrt  wird. Ziel dieser Diagnostik ist es, einen m\u00f6glichst monofokalen  Anfallsursprung zu lokalisieren und gleichzeitig die Hirnfunktion dieser  Lokalisation zu \u00fcberpr\u00fcfen. Letzteres dient dazu auszuschlie\u00dfen, dass durch die  Operation ein neurologisches Defizit zwangsl\u00e4ufig herbeigef\u00fchrt wird. Die  pr\u00e4chirurgische Basisdiagnostik beinhaltet eine ausf\u00fchrliche klinische  Anamnese, Untersuchung und Fremdanamnese, ein meist mehrt\u00e4giges  Video-EEG-Langzeitmonitoring mit Aufzeichnen mehrerer Anf\u00e4lle \u2013 m\u00f6glichst aller  klinischen Semiologien, eine hochaufl\u00f6sende, nach epilepsiespezifischen  Anforderungen durchgef\u00fchrte cerebrale MRT sowie eine neuropsychologische  Testung. <\/p>\n<p> L\u00e4sst  sich aufgrund der Befunde dieser Untersuchungen bereits eine klare Hypothese  f\u00fcr einen Anfallsursprung und eine potenzielle Operabilit\u00e4t stellen, kann die  Indikation zur Epilepsiechirurgie gestellt werden. Sollte dies nicht der Fall  sein, stehen weitere zahlreiche Untersuchungen zur Verf\u00fcgung. Hierunter z\u00e4hlen  zus\u00e4tzliche Nachbearbeitungen des MRTs, z.B. Voxel-basierte Morphometrie, um  bei unauff\u00e4lligen MRT-Befunden die Ausbeute an Detektion von insbesondere  fokalen kortikalen Dysplasien und anderen Missbildungen der Kortikogenese  festzustellen. Kann mittels des Oberfl\u00e4chen-EEGs ein Anfallsursprung nicht  eindeutig lokalisiert werden, besteht die M\u00f6glichkeit, bei einer gegebenen  Hypothese intrakranielle Elektroden als Streifen, Platten oder  Tiefen-\/Stereo-EEG-Elektroden zu implantieren. Hier\u00fcber wird erneut EEG  abgeleitet mit dem Ziel, den Anfallsursprung und dessen Lage zu eloquenten  Arealen gegebenenfalls besser abgrenzen zu k\u00f6nnen. <\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/dizign-projekte.at\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/abklaerung.jpg\" alt=\"abklaerung\" width=\"620\" height=\"559\" class=\"alignnone size-full wp-image-1092\" \/><\/p>\n<p> Weitere  bildgebende Verfahren stehen in der Nuklearmedizin zur Verf\u00fcgung. Hier k\u00f6nnen  iktale SPECT-Untersuchungen, insbesondere mit computergest\u00fctzter Verrechnung  zum interiktalen SPECT und \u00dcberlagerung auf das MRT (SISCOM), einen weiteren  Hinweis auf die Schrittmacherzone der Epilepsie geben. FDG-PET-Untersuchungen  sind insbesondere bei Temporallappenepilepsien aufschlussreich, wenn ein  unifokaler Hypometabolismus in der PET vorliegt. Dies w\u00fcrde f\u00fcr einen  ipsilateralen Anfallsursprung sprechen. Des Weiteren kann die funktionelle MRT  (fMRT) weitere funktionelle Hinweise geben. Insbesondere die Darstellung der  Sprachlateralisation l\u00e4sst sich mit der fMRT nicht invasiv gut darstellen. Dies  macht in vielen F\u00e4llen den invasiven Wada-Test (intraarterieller  Amobartial-Test) \u00fcberfl\u00fcssig. <\/p>\n<p> Ferner  lassen sich motorische Areale sowie Hinweise auf Sprachareale und  Ged\u00e4chtnisareale finden. Hierbei ist die klare lokalisatorische Zuordnung in  der fMRT gegen\u00fcber Epilepsiechirurgie nach wie vor umstritten, insbesondere da  es sich hier um eine aktivierende Methode handelt, w\u00e4hrend eine  epilepsiechirurgische Ma\u00dfnahme deaktivierend ist. Die pr\u00e4chirurgische  Epilepsiediagnostik wird nach Empfehlung der ILAE an spezialisierten Zentren  durchgef\u00fchrt, die zum einen \u00fcber die technische Ausstattung und das klinische  Know-how verf\u00fcgen, diese Untersuchung durchzuf\u00fchren, bei denen ein  multidisziplin\u00e4res Team mit Neurologen, Epileptologen, Neurochirurgen,  Neuroradiologen, Neuropsychologen, Psychiatern und Nuklearmedizinern sowie  Neuropathologen besteht. Hierbei wird in epilepsiechirurgische Zentren der  Stufe 1 (keine invasiven Eingriffe, keine Neuropathologie vor Ort erforderlich)  und Stufe 2 (Durchf\u00fchrung von invasiven diagnostischen Ma\u00dfnahmen und  Vorhandensein einer Neuropathologie) unterteilt. <\/p>\n<p> Hintergrund  der Abkl\u00e4rung einer epilepsiechirurgischen M\u00f6glichkeit zu diesem Zeitpunkt ist,  dass, sollte eine epilepsiechirurgische Ma\u00dfnahme m\u00f6glich sein, eine bis zu  80-prozentige Chance besteht, dauerhafte Anfallsfreiheit zu erreichen. Daher  stellt die Epilepsiechirurgie eine \u00fcberlegene Alternative zur medikament\u00f6sen  Behandlung dar, die zu diesem Zeitpunkt nur eine bis zu 15-prozentige Chance  hat, dauerhaft (mehr als ein Jahr) Anfallsfreiheit zu erreichen. Dies wurde  durch zwei randomisierte kontrollierte Studien mit hoher Evidenz belegt.  Langzeitdaten mit zehn- und mehrj\u00e4hrigem Outcome der Epilepsiechirurgie zeigen  in der Regel leicht reduzierte Zahlen der Anfallsfreiheit, jedoch bleibt diese  bei Temporallappenepilepsien weiterhin \u00fcber 50 Prozent. Dies ist zu vergleichen  mit den Studien \u00fcber medikament\u00f6ses Therapie- Outcome, in dem eine langfristige  Anfallsfreiheit oft mit einer Anfallsfreiheit von mindestens zw\u00f6lf Monaten  definiert wird. <\/p>\n<p> Zusammenfassend  kann gesagt werden, dass eine epilepsiechirurgische Ma\u00dfnahme, wenn sie m\u00f6glich  ist, einen sehr hohen therapeutischen Wert hat und die Lebensqualit\u00e4t des  Patienten mit Epilepsie nachhaltig signifikant ver\u00e4ndert. Leider wird die  \u00dcberweisung zu einer pr\u00e4chirurgischen Abkl\u00e4rung zumeist nach wie vor zu einem  deutlich sp\u00e4teren Zeitpunkt durchgef\u00fchrt, als es laut Behandlungsrichtlinien  und der Datenlage empfohlen ist. Viele Patienten kommen erst nach einer  Krankheitsdauer von 15 und mehr Jahren zu einer solchen Abkl\u00e4rung. Dabei sollte  der Nachweis der Therapieresistenz je nach Anfallsh\u00e4ufigkeit ca. ein bis drei  Jahre nach Beginn der antiepileptischen Therapie vorliegen (Abbildung). <\/p>\n<h3> Stimulatoren <\/h3>\n<p> Neben  den resektiven epilepsiechirurgischen Verfahren gibt es auch mehrere Verfahren,  die Stimulatoren nutzen: <br \/>\n<strong>Vagus-nerv-Stimulator<\/strong> ist der am h\u00e4ufigsten und  l\u00e4ngsten eingesetzte Stimulator in der Behandlung der Epilepsie. In der seit  \u00fcber 15 Jahren in der derzeitigen Form angewandten Therapie f\u00fchrt eine am  Nervus vagus angebrachte Elektrode zu einer Stimulation der afferenten  Nervenfasern des Nervus vagus. Diese Information wird \u00fcber den Hirnstamm zu  verschiedenen Aktivierungsmustern im Gehirn weitergeleitet. Die Erfolgsrate  dieser Therapie ist \u00e4hnlich wie die Erfolgsrate eines weiteren antiepileptischen  Medikamentes bei therapierefrakt\u00e4rer Epilepsie. Die Responderrate liegt bei ca.  50 Prozent, Anfallsfreiheit ist in der Literatur mit f\u00fcnf bis sieben Prozent  angegeben. <\/p>\n<p> Es  gibt inzwischen mehrere Arbeiten, die nachweisen, dass, wenn eine therapeutische  Antwort auf den Vagus-nerv-Stimulator eintritt, diese auch langfristig \u00fcber  Jahre erhalten bleibt. Zus\u00e4tzlich zu dem Effekt der Reduktion der  Anfallsfrequenz ist eine Stimmungsaufhellung zu verzeichnen, die von vielen  Patienten positiv erlebt wird. Dies ist insbesondere bei der Komorbidit\u00e4t von  Depression zu bedenken. Das Nebenwirkungsspektrum des Vagus-nerv-Stimulators  ist anders als das der antiepileptischen Therapie. H\u00e4ufigste Nebenwirkungen  sind Heiserkeit w\u00e4hrend der Stimulation, Hustenreiz und Par\u00e4sthesien vor allen  Dingen im Rachen. Das Risiko von Infektionen liegt bei ca. zwei Prozent.  Zus\u00e4tzlich k\u00f6nnen Patienten durch einen Magneten, der z.B. an einem Armband am  Handgelenk getragen werden kann, eine zus\u00e4tzliche Stimulation des Ger\u00e4tes  ausl\u00f6sen, was insbesondere bei Vorliegen von Auren hilfreich sein kann. <\/p>\n<p> Die  Vagus-nerv-Stimulation hat ein breites Anwendungsspektrum und ist bei fokalen  und generalisierten Epilepsiesyndromen indiziert. Besonders hervorzuheben ist  das gute Ansprechen von Sturzanf\u00e4lle im Rahmen eines Lennox-Gastaut-Syndroms  auf eine Vagus-nerv-Stimulation. Diese sollte auf alle F\u00e4lle durchgef\u00fchrt  werden, bevor an eine chirurgische Ma\u00dfnahme (Kallosotomie) zur Therapie der  Sturzanf\u00e4lle gedacht wird. Der Vagus-nerv-Stimulator kann auch bei mentaler  Retardierung und bei Kindern eingesetzt werden. Neu ist, dass es jetzt auch  Stimulatoren gibt, die eine Anfallserkennung \u00fcber eine iktale  Herzfrequenzzunahme durchf\u00fchren. Hierbei wird bei entsprechender  Herzfrequenzzunahme ein zus\u00e4tzlicher Stimulus gesetzt, um m\u00f6glichst die  Anfallsaktivit\u00e4t im Beginn durch die Stimulation zu unterbrechen. Weiterhin neu  ist die Entwicklung von kutanen Vagus-nerv-Stimulatoren, die z.B. \u00fcber eine  Elektrode im Ohr einen \u00e4hnlichen Effekt hervorrufen k\u00f6nnen wie die  implantierten Vagus-nerv-Stimulatoren. Derzeit ist eine Phase-III-Studie im  Gange, die die therapeutische Wirkung dieser Methode belegen soll.<\/p>\n<p> <strong>Die <\/strong><strong>Tiefenhirnstimulation<\/strong> ist inzwischen auch ein f\u00fcr die Behandlung der  therapierefrakt\u00e4ren Epilepsie zugelassenes Verfahren. Nach der SANTE- Studie,  bei der der anteriore Nukleus des Thalamus als Zielstruktur verwendet wurde,  ist eine Reduktion des Medians der Anfallsh\u00e4ufigkeit um 40 Prozent, verglichen  mit der Plazebo- Gruppe (simulierte Stimulation) von 15 Prozent, nachgewiesen  worden. Als signifikante Nebenwirkung fiel vor allen Dingen die Depression auf.  Die Patienten, die hier mit einer therapierefrakt\u00e4ren fokalen Epilepsie zur  Stimulation ausgesucht wurden, waren alle nicht einem epilepsiechirurgischen  Verfahren zug\u00e4nglich und hatten hohe Anfallsfrequenzen. <\/p>\n<p> Diese  Therapie wird derzeit an wenigen Zentren durchgef\u00fchrt und ist auf besonders  schwere F\u00e4lle von Epilepsie begrenzt. Die Stimulation erfolgt kontinuierlich in  einem abgestimmten Zeitabstand. Die Stimulationsparameter k\u00f6nnen wie bei STN  oder GPi (bei Parkinson und Tremor) entsprechend eingestellt werden, ebenso  welche Kontakte entlang der Elektrode stimuliert werden. Neben den  Nebenwirkungen der Depression und auch der Ged\u00e4chtnisleistung gibt es OP-bedingte  Komplikationen wie Blutungen und Kopfschmerzen sowie Langzeitkomplikationen mit  Infektionen oder Kabelbruch. Insgesamt ist das assoziierte OP-Risiko gering und  vergleichbar zur Tiefenhirnstimulation bei M. Parkinson. <\/p>\n<p> Das  neueste Verfahren der Stimulation ist die <strong>responsive  Neurostimulation<\/strong>, hier  wird eine Elektrode \u00fcber der Anfallsursprungszone bei fokalen oder auch  multifokalen Epilepsien (bis zu zwei Elektroden) permanent eingebracht und mit  einem Stimulator, der in den Sch\u00e4delknochen implantiert wird, verbunden. Das  EEG wird \u00fcber die Elektrode aufgezeichnet und bei Anfallsmustern stimuliert, um  den Anfall in der Fr\u00fchphase zu unterbrechen. Auch hier wurde eine randomisierte  Studie mit einer Scheinstimulationsgruppe sowie einer echten Stimulationsgruppe  durchgef\u00fchrt. Nach drei Monaten wurden beide Gruppen stimuliert. Es zeigt sich  eine Reduktion der durchschnittlichen Anfallsfrequenz um ca. 40 Prozent in den  ersten drei Monaten. <\/p>\n<p> Interessanterweise  erreicht die Kontrollgruppe, nach Anschalten der Stimulation, nicht die gleiche  Anfallsreduktionsrate wie die initiale Stimulationsgruppe. Das Verfahren  erwartet in Europa die Zulassung und ist \u2013 insbesondere bei multifaktoriellen  Epilepsien oder Anfallsursprungszonen in eloquenten Arealen bei Patienten mit  hoher Anfallsfrequenz \u2013 eine potenzielle Option. Verglichen mit den beiden  erstgenannten Stimulationsverfahren ist dies keine kontinuierliche, sondern \u2013  wie im Namen wiedergegeben \u2013 eine responsive Stimulation. <\/p>\n<h3> Andere  Therapieoptionen <\/h3>\n<p> Insbesondere  in der Behandlung von fr\u00fchkindlichen Epilepsien hat sich die ketogene Di\u00e4t sehr  bew\u00e4hrt. In der Behandlung im Erwachsenenalter hat sich diese oder eine  modifizierte Atkins-Di\u00e4t nicht in gleichem Ma\u00dfe bew\u00e4hrt. Eine di\u00e4tetische  Anfallsbehandlung kann aber bei mangelnden anderen Therapieoptionen durchaus in  Erw\u00e4gung gezogen werden. Wichtig ist, eine gute Compliance zu erreichen, was  h\u00e4ufig im Erwachsenenalter nicht erreicht wird und daher auch zum Teil mit f\u00fcr  das schlechtere Ansprechen verantwortlich gemacht wird. Eine di\u00e4tetische  Anfallsbehandlung stellt aber auch bei Patienten mit Lernbehinderung eine  Therapieoption dar. Vielf\u00e4ltig ist der Mangel an di\u00e4tetischer Beratung ein  limitierender Faktor dieser Therapieoption. <\/p>\n<h3> Behandlung  von Komorbidit\u00e4ten <\/h3>\n<p> Depression  ist eine h\u00e4ufige Komorbidit\u00e4t in Patienten mit Epilepsie. Diese betr\u00e4gt bis zu  35 Prozent, in Epilepsiezentren kann die Pr\u00e4valenz bis zu 55 Prozent betragen.  Die Pr\u00e4valenz \u00fcber die Lebenszeit f\u00fcr eine schwere Depression liegt in der  Normalbev\u00f6lkerung bei 10,7 Prozent, bei Patienten mit Epilepsie bei 17,4  Prozent. Bei therapierefrakt\u00e4rer fokaler Epilepsie steigt diese auf \u00fcber 30  Prozent. Bei Patienten mit therapierefrakt\u00e4rer Epilepsie ist also mit einer  h\u00e4ufigen Komorbidit\u00e4t von Depression zu rechnen. Zus\u00e4tzlich wurde gezeigt, dass  die Anfallsfrequenz negativ durch Depression beeinflusst werden kann. Es ist in  einer gro\u00dfen populationsbasierten Studie aus Skandinavien nachgewiesen worden,  dass die Suizidrate bei Epilepsiepatienten gegen\u00fcber der Normalbev\u00f6lkerung ca.  2,4-fach erh\u00f6ht ist. <\/p>\n<p> Liegt  zus\u00e4tzlich zu der Epilepsie eine affektive St\u00f6rung vor, ist das Suizidrisiko um  das 32-Fache erh\u00f6ht, bei Komorbidit\u00e4t mit Angsterkrankung um das 11,4-Fache.  Des Weiteren wurde mehrfach gezeigt, dass die Lebensqualit\u00e4t bei Patienten mit  therapieresistenter Epilepsie mit der Komorbidit\u00e4t Depression negativ  korreliert, die Anzahl der Anf\u00e4lle ohne Ver\u00e4nderung des Anfallstyps allerdings  keine Korrelation aufweist. Lebensqualit\u00e4tsver\u00e4nderungen durch die  Beeinflussung von Anf\u00e4llen entstehen insbesondere dann, wenn keine Anf\u00e4lle  vorliegen oder wenn die Schwere des Anfalls oder Anfallstyps sich \u00e4ndert und  z.B. St\u00fcrze vermieden werden oder Bewusstseinsst\u00f6rungen ausbleiben. Diese Daten  sprechen daf\u00fcr, dass bei Patienten mit therapierefrakt\u00e4rer Epilepsie besonders  auf Depression als Komorbidit\u00e4t geachtet werden muss, und lassen annehmen, dass  mit der Behandlung der Depression die QoL positiv beeinflusst werden kann. <\/p>\n<p> In  Studien aus Epilepsie-Spezialambulanzen wurde gezeigt, dass bis zu 50 Prozent  der Patienten mit Epilepsie und schwerer Depression bez\u00fcglich der Depression  unbehandelt sind. Des Weiteren konnte nachgewiesen werden, dass die Diagnose  Depression zehnmal h\u00e4ufiger gestellt wird, wenn mit Screening-Verfahren im  Rahmen der Sprechstunden gearbeitet wird. Es stehen vielf\u00e4ltige  Screening-Frageb\u00f6gen inkl. des NDDI-E, HADS, BDI-II oder auch ET-IV zur  Verf\u00fcgung. Diese sind insbesondere in der Selektion der Patienten hilfreich,  die besonders bez\u00fcglich einer Depression sorgf\u00e4ltig anamnestiziert werden  m\u00fcssen. Dies erkl\u00e4rt sich aus einem hohen &bdquo;negative predictive value&ldquo;, aber  einem m\u00e4\u00dfiggradigen &bdquo;positive predictive value&ldquo;, d.h., Patienten, die auff\u00e4llig  in den Screening-Verfahren identifiziert werden, haben ein Risiko, Depression  zu haben, aber keine definitive Diagnose. <\/p>\n<p> Patienten,  die negativ erkannt werden, sind mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht depressiv.  Als Antidepressiva bieten sich vor allen moderne Antidepressiva wie SSRIs oder  NSRIs an, Trizyklika sollten aufgrund der Nebenwirkungen eher zur\u00fcckhaltend  eingesetzt werden. Potenziell k\u00f6nnen Antidepressiva Anf\u00e4lle ausl\u00f6sen, die  H\u00e4ufigkeit ist jedoch sehr gering und sicherlich als Risiko niedriger  einzustufen als der positive Effekt der antidepressiven Behandlung. Vorsicht  beim Einsatz dieser Antidepressiva ist geboten, sollte der Patient keine  antiepileptische Medikation einnehmen. Dies ist in der hier beschriebenen  Patientengruppe eher unwahrscheinlich. <\/p>\n<h3> Zusammenfassung <\/h3>\n<p> Zusammenfassend  stehen neben der medikament\u00f6sen Behandlung, die aufgrund der hohen Anzahl der  an zur Verf\u00fcgung stehenden Antiepileptika zahlreiche Kombinationen zul\u00e4sst,  auch chirurgische resektive und Stimulationstherapien zur Option. Neben der  medikament\u00f6sen oder chirurgischen Behandlung der Epilepsie sollten auch die Komorbidit\u00e4ten  nicht au\u00dfer Acht gelassen werden. Behandlungen dieser k\u00f6nnen signifikant zur  Steigerung der Lebensqualit\u00e4t in dieser von Epilepsie schwer betroffenen  Patientenpopulation darstellen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Foto: Landesnervenklinik Wagner-Jauregg\/Linz\" src=\"http:\/\/dizign-projekte.at\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/oertzen.150.jpg\" alt=\"Foto: Landesnervenklinik Wagner-Jauregg\/Linz\" width=\"150\" height=\"155\" class=\"alignleft size-full wp-image-1093\" \/><\/p>\n<p> <strong>Prim. Priv.-Doz. Dr.  Tim J. von Oertzen, FRCP<\/strong> <br \/>\n  Honorary Senior Lecturer (SGUL), Abteilung f\u00fcr Neurologie, Landes-Nervenklinik  Wagner-Jauregg <\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn epileptische Anf\u00e4lle mit den ersten zwei Antiepileptika nicht unter Kontrolle gebracht werden k\u00f6nnen oder wenn die Vertr\u00e4glichkeit mehrerer Antiepileptika nicht gegeben ist und dadurch keine Anfallsfreiheit erreicht werden kann, m\u00fcssen mehrere Therapieformen in Betracht gezogen werden. Ein Beitrag von Prim. Priv.-Doz. Dr. Tim J. von Oertzen, FRCP (CC neuropsy 1\/15).<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":1086,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","footnotes":""},"categories":[72,13],"tags":[74,28],"class_list":["post-1085","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-72","category-neuropsy","tag-epilepsie","tag-neurologie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1085","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1085"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1085\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1085"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1085"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1085"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}