{"id":1098,"date":"2015-04-19T22:03:42","date_gmt":"2015-04-19T20:03:42","guid":{"rendered":"http:\/\/dizign-projekte.at\/?p=1098"},"modified":"2015-04-19T22:03:42","modified_gmt":"2015-04-19T20:03:42","slug":"therapeutische-optionen-bei-multipler-sklerose","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/oegpb.at\/?p=1098","title":{"rendered":"Therapeutische Optionen bei Multipler Sklerose"},"content":{"rendered":"<p><strong>Das Spektrum der therapeutischen Optionen  hat sich deutlich erweitert, wodurch die Therapie der (schubf\u00f6rmigen) MS  zweifellos auch komplexer wurde\/wird, sei es durch die &bdquo;Qual der Wahl des  Pr\u00e4parates&ldquo;, durch die sequenzielle Anwendung krankheitsmodifizierender  Therapien oder durch die zunehmende Komplexit\u00e4t neuropathologischer,  neuroimmunologischer und neuroradiologischer Erkenntnisse, die zuk\u00fcnftig  verst\u00e4rkt ein individualisiertes Behandlungskonzept bedingen werden. <\/strong><\/p>\n<p> Grunds\u00e4tzlich  unterscheidet man die Therapie des akuten Krankheitsschubes, die  immunmodulierenden und immunsuppressiven kausalen (= krankheitsmodifizierenden)  Intervalltherapien bei schubhaft-remittierender und sekund\u00e4r chronisch  progredienter MS sowie symptomatische Therapien. Obwohl die medikament\u00f6sen und  nicht medikament\u00f6sen symptomatischen Therapien von enormer Bedeutung sind  (Stichwort: symptomatische Therapie = Therapie mit dem Ziel der Verbesserung  eines bestehenden Symptoms), w\u00fcrden sie den Umfang dieses Artikels sprengen. Die  Indikation f\u00fcr eine immunmodulierende\/-suppressive Therapie und die  Dokumentation bzw. das Monitoring des Therapieeffektes bzw. potenzieller  Nebenwirkungen und Risiken obliegt intramuralen und extramuralen MSZentren, die  durch die \u00d6sterreichische Gesellschaft f\u00fcr Neurologie anerkannt wurden. Der  Einsatz der krankheitsmodifizierenden Therapien orientiert sich an den Empfehlungen  der unter Mitarbeit \u00f6sterreichischer MS-Experten erstellten DGN-Leitlinien zur Therapie der MS (Abbildung). <\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Empfehlungen\" src=\"http:\/\/dizign-projekte.at\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/empfehlungen.jpg\" alt=\"empfehlungen\" width=\"730\" height=\"342\" class=\"alignleft size-full wp-image-1102\" \/><\/p>\n<p><\/br><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2> Therapie  des akuten Krankheitsschubes<\/h2>\n<p> Jeder  klinisch eindeutige Erkrankungsschub sollte ad\u00e4quat mit einer hochdosierten  Kortikosteroid-Therapie behandelt werden. Die therapeutische Devise ist &bdquo;kurz und  hoch&ldquo;, um einerseits eine schnellere Wirkung zu erzielen und andererseits die  bekannten Nebenwirkungen der  Steroide zu  vermeiden: Nach Ausschluss eines Infektes und unter Magenschutz werden in der  Regel 1.000mg Methylprednisolon \u00fcber drei bis f\u00fcnf Tage i.v. verabreicht, gegebenenfalls  gefolgt von einer kurzen Ausschleichphase mit oralem Methylprednisolon. Bei  ungen\u00fcgender Besserung der klinischen Symptomatik sollte die genannte  Kortikosteroidtherapie nach zwei bis vier Wochen wiederholt oder gegebenenfalls  nach R\u00fccksprache mit einem MS-Zentrum eine eskalierende Therapie (z.B.  Immunsuppression, Plasmapherese) durchgef\u00fchrt werden. Aufgrund mangelnder  Langzeiteffekte gibt es keine Indikation zur Dauertherapie mit  Kortikosteroiden. <\/p>\n<h2> Immunmodulierende  Therapien<\/h2>\n<p> <strong>Rekombinante  Interferon-beta-Pr\u00e4parate:<\/strong> Interferonbeta  (IFN\u03b2) wirkt \u00fcber verschiedene Mechanismen  modulierend auf die bei der MS relevanten Immunreaktionen. Innerhalb der  letzten fast zwei Jahrzehnte haben zahlreiche Phase-III-Studien die Wirksamkeit  von IFN\u03b2 bei schubf\u00f6rmiger MS bewiesen. Neben einer  signifikanten Reduktion der Schubrate, der Schwere von Sch\u00fcben und der  Verminderung der kernspintomographisch fassbaren Krankheitsaktivit\u00e4t konnte zum  Teil auch eine signifikante Verz\u00f6gerung der Krankheitsprogression nachgewiesen werden.  Drei (demn\u00e4chst vier) rekombinant hergestellte IFN\u03b2-Pr\u00e4parate sind zur Therapie der schubf\u00f6rmigen MS zugelassen: IFN\u03b2-1a 30mcg w\u00f6chentlich i.m. und IFN\u03b2-1a  22 bzw. 44mcg dreimal w\u00f6chentlich s.c., sowie IFN\u03b2-1b  250mcg jeden zweiten Tag s.c. Ganz rezent wurde IFN\u03b2-1a s.c. auch als pegyliertes Pr\u00e4parat vorgestellt, welches den Vorteil  von weniger frequenten Injektionen (nur mehr alle zwei Wochen) bei  gleichbleibender Wirksamkeit hat. IFN\u03b2-1b erbrachte zus\u00e4tzlich  eine signifikante Reduktion der Krankheitsprogression bei sekund\u00e4r chronisch  progredienter MS mit superponierten Sch\u00fcben und ist daher auch in dieser  Indikation zugelassen. <\/p>\n<p> F\u00fcr  die bislang zugelassenen drei IFN\u03b2-Pr\u00e4parate konnte au\u00dferdem  gezeigt werden, dass bei CIS die Zeit bis zum Auftreten eines weiteren Schubes  (= klinisch definitive MS) sowie die Krankheitsprogression im MRT signifikant verz\u00f6gert  wurde. Die Indikation f\u00fcr ein IFN\u03b2  nach dem ersten  Schubereignis ist dann gegeben, wenn ein &bdquo;hohes Risiko f\u00fcr die Entwicklung  einer klinisch definitiven MS besteht&ldquo;. <\/p>\n<p> Nebenwirkungen  aller IFN\u03b2-Pr\u00e4parate betreffen in erster Linie  (\u00fcblicherweise \u00fcber einen Zeitraum von acht bis zw\u00f6lf Wochen nach  Therapiebeginn transiente) Grippe\u00e4hnliche Symptome. Aufgrund der  Applikationsart kann es (mehr bei den s.c. Pr\u00e4paraten) zu Hauterscheinungen an  den Einstichstellen kommen (schmerzhafte Einstichstellen, Indurationen,  seltenst auch Hautnekrosen). Im drei- bis sechsmonatigen Labormonitoring ist  auf eine m\u00f6gliche Erh\u00f6hung der Transaminasen und selten auch Leukopenie zu  achten. Bez\u00fcglich Schwangerschaft besteht zunehmender Konsensus, dass die  Therapie mit IFN\u03b2-Pr\u00e4paraten bis zum  Eintritt der Schwangerschaft durchgef\u00fchrt werden kann. <\/p>\n<p> Ein  Nachteil der Therapie mit rekombinantem IFN\u03b2  ist das m\u00f6gliche Auftreten  neutralisierender Antik\u00f6rper (NAB) gegen IFN\u03b2  (mit Unterschieden von  Pr\u00e4parat zu Pr\u00e4parat). NAB inhibieren die Bindung von IFN\u03b2 am Rezeptor und reduzieren dessen biologische Aktivit\u00e4t und damit  die klinische Wirksamkeit. Aus diesem Grund wird die regelm\u00e4\u00dfige Testung auf  NAB nach sechs bis zw\u00f6lf Monaten Therapiedauer sowie bei persistent hohen  Antik\u00f6rpertitern ein Therapiewechsel empfohlen.<\/p>\n<p> <strong>Glatirameracetat (GLAT)<\/strong> ist ein synthetisch  hergestelltes Oligopeptid, bestehend aus den vier Aminos\u00e4uren L-Glutamins\u00e4ure, L-Lysin,  L-Alanin und L-Tyrosin in zuf\u00e4lliger Mischungsreihenfolge und unterschiedlicher  Gr\u00f6\u00dfe. Es wurde zun\u00e4chst hergestellt, um die antigenen Eigenschaften von  basischem Myelinprotein (MBP) im Tiermodell der MS zu imitieren. Als  wahrscheinlichen Wirkungsmechanismus nimmt man eine Bystander-Suppression von autoreaktiven  T-Zellen an. Anhand der vorliegenden Phase-III-Studien, welche eine Reduktion  der Schubrate und der kernspintomographisch fassbaren Krankheitsaktivit\u00e4t  bewiesen haben, ist GLAT in einer t\u00e4glichen Dosis von 20mg s.c. als zu den IFN\u03b2- Pr\u00e4paraten gleichwertige Basistherapie bei der schubf\u00f6rmige MS  und beim CIS zugelassen. Nebenwirkungen von GLAT sind insgesamt gering, am  unangenehmsten sind die nicht h\u00e4ufig auftretenden &bdquo;Postinjektionsreaktionen&ldquo;. Ebenso  wie IFN\u03b2 kann GLAT bis zum Eintritt einer Schwangerschaft  verabreicht werden.<\/p>\n<p> <strong>Teriflunomid: <\/strong>Teriflunomid ist ein  selektives Immunsuppressivum, welches spezifisch und reversibel das  mitochondriale Enzym Dihydroorotat-Dehydrogenase (DHODH) hemmt, das f\u00fcr die  De-novo-Pyrimidinsynthese erforderlich ist. Teriflunomid reduziert die Zahl  aktivierter Lymphozyten, die auf eine De-novo-Pyrimidinsynthese angewiesen  sind. Ausf\u00fchrliche Phase-III-Studien haben eine signifikante Reduktion der  annualisierten Schubrate, eine Verminderung des Risikos der weiteren Krankheitsprogression  und eine entsprechende Wirkung auf MRT-Studienendpunkte gezeigt. In einer  rezenten Studie bei Patienten mit CIS konnte die Therapie mit Teriflunomid die  Konversion zur klinisch definitiven MS signifikant verz\u00f6gern. <\/p>\n<p> Das  Nebenwirkungsprofil ist insgesamt als g\u00fcnstig anzusehen, es kann aber unter  anderem zu einem tempor\u00e4ren Effluvium kommen. So wie bei allen immunmodulierenden  Therapien sollten regelm\u00e4\u00dfige Laborkontrollen (Blutbild, Differenzialblutbild,  Transaminasen) durchgef\u00fchrt werden. Eine erh\u00f6hte Aufmerksamkeit hinsichtlich  Schwangerschaft ist aber notwendig: Nachdem Teriflunomid von der FDA in der  Schwangerschafts- Risikokategorie X (= tierexperimentelle und humane Teratogenit\u00e4t)  eingestuft wurde, ist Teriflunomid w\u00e4hrend Schwangerschaft und Stillzeit  absolut kontraindiziert. <\/p>\n<p> F\u00fcr  Frauen ist w\u00e4hrend der Behandlung mit Teriflunomid eine zuverl\u00e4ssige Verh\u00fctung  absolut erforderlich. Bei gew\u00fcnschter (oder eingetretener) Schwangerschaft muss  Teriflunomid aktiv (mit Cholestyramin) beschleunigt eliminiert werden  (Zielwert: Absinken des Plasmaspiegels von Teriflunomid &lt;0,02mg\/l).  Teriflunomid 14mg 1&#215;1 t\u00e4glich per os wurde am 26.8.2013 in der EU zur  Behandlung erwachsener Patienten mit schubf\u00f6rmiger MS zugelassen. Die Aufnahme  in den Erstattungskodex der \u00d6sterreichischen Sozialversicherungen ist aber noch  ausst\u00e4ndig.<\/p>\n<p> <strong>Dimethylfumarat (DMF):<\/strong> DMF ist ein Fumars\u00e4ureester  der zweiten Generation. Anhand experimenteller pr\u00e4klinischer Studien ist davon  auszugehen, dass DMF \u00fcber Aktivierung der Transkription des Nuclear Factor E2(erythroid-derived  2)-like Factor-2 (Nrf2) immunmodulierend und zytoprotektiv sowie \u00fcber  Modulation der NF-\u03baB-Transkription direkt  antiinflammatorisch wirksam ist. Die gepoolte Analyse zweier gro\u00dfen Phase-III-Studien  demonstrierte eine deutlich signifikante Reduktion der Schubrate, der weiteren  Krankheitsprogression und der hierf\u00fcr korrespondierenden MRT-Parameter. Auch  f\u00fcr DMF ist das Nebenwirkungsprofil anhand der klinischen Studien (und auch der  bereits klinischen Erfahrungen vor allem in den USA und Deutschland) als sehr g\u00fcnstig  einzustufen, es kann aber zu tempor\u00e4ren (\u00fcblicherweise milden) Nebenwirkungen  wie Flush und gastrointestinalen Beschwerden kommen. <\/p>\n<p> Auch  bei DMF sollten alle drei bis sechs Monate Laborbefunde (Blutbild, Differenzialblutbild,  Transaminasen) kontrolliert werden. Aufgrund der noch nicht ausreichenden  Datenlage von DMF und Schwangerschaft ist die Anwendung von DMF in der  Schwangerschaft nicht empfohlen. Aufgrund seines insgesamt sehr guten  Nutzen-Risiko-Profils wurde DMF 240mg 2&#215;1 t\u00e4glich per os mit 30.1.2014 in der  EU zur Behandlung erwachsener Patienten mit schubf\u00f6rmiger MS zugelassen. Die  Aufnahme in den Erstattungskodex der \u00d6sterreichischen Sozialversicherungen  wurde hingegen im August 2014 (vorerst) abgelehnt. Hauptgrund hierf\u00fcr scheint  die Meinung zu sein, dass es f\u00fcr DMF eine magistrale (kosteng\u00fcnstige)  Alternative in \u00d6sterreich g\u00e4be, obwohl f\u00fcr magistrale Fumars\u00e4ureester keine  Daten zur Bio\u00e4quivalenz und der Wirksamkeit bzw. des Nebenwirkungprofils (Phase-II-  und -III-Studienevidenz) bei MS vorliegen und somit auch keine Zulassung f\u00fcr  magistrale Fumars\u00e4ureester in der Indikation MS besteht.<\/p>\n<p> <strong>Intraven\u00f6se Immunglobuline  (IvIg):<\/strong> Die  immunmodulierende Wirkung von IvIg wird bei einigen neurologischen Erkrankungen,  insbesondere bei jenen, die durch Autoantik\u00f6rper verursacht werden (z.B.  Guillain-Barre- Syndrom, multifokale motorische Neuropathie, Dermatound Polymyositis  und Myasthenia gravis), seit Jahren erfolgreich genutzt. Bei schubf\u00f6rmiger MS  wurde in mehreren kleinen Studien ein positiver Effekt auf die j\u00e4hrliche Schubrate  beobachtet. Nachdem bisher f\u00fcr keines der am Markt befindlichen IvIg eine  Zulassung in der Indikation MS besteht und die optimale Wirkdosis bis dato unbekannt  ist, ist im Lichte des zunehmenden Spektrums zugelassener MS-Therapien ein  grunds\u00e4tzlicher Einsatz der IvIg nicht mehr zu rechtfertigen und sollte nur  noch in seltenen Ausnahmef\u00e4llen verwendet werden. <\/p>\n<h2> Immunsuppressive  Therapien<\/h2>\n<p> <strong>Natalizumab (NTZ)<\/strong> ist ein humanisierter  monoklonaler Antik\u00f6rper, der an die Alpha-4-Untereinheit von Integrinen, die  auf Leukozyten exprimiert sind, bindet. Dadurch wird die Interaktion dieser  Integrine mit ihren Liganden inhibiert, was in weiterer Folge die Adh\u00e4sion von  Leukozyten am Endothel und ihre Migration durch die Blut- Hirn-Schranke hemmt. Zwei  gro\u00dfe Phase-III-Studien und die langj\u00e4hrigen (in Observationsstudien und  Therapieregistern dokumentierten) Erfahrungen zeigen f\u00fcr NTZ 300mg monatlich  i.v. eine sehr deutliche Reduktion der j\u00e4hrlichen Schubrate, der  Krankheitsprogression und der L\u00e4sionslast im MRT bei Patienten mit  schubf\u00f6rmiger MS. NTZ wurde als erster monoklonaler Antik\u00f6rper in der  Neurologie von den Zulassungsbeh\u00f6rden FDA und EMA 2006 f\u00fcr folgende Patienten mit  aktiver schubf\u00f6rmiger MS als Monotherapie zugelassen: Patienten, die trotz  einer Therapie mit einem INF\u03b2 (oder GA) in den letzten  zw\u00f6lf Monaten zumindest einen Krankheitsschub hatten, bzw. therapienaive  Patienten, die in den letzten zw\u00f6lf Monaten zumindest zwei schwere behindernde Krankheitssch\u00fcbe  hatten. <\/p>\n<p> Die  sehr gute therapeutische Effizienz und das allgemein geringe  Nebenwirkungsprofil von NTZ muss aber gegen das Risiko einer durch das JCVirus (JCV)  verursachten progressiven multifokalen Leukenzephalopathie (PML) abgewogen  werden. Die Inzidenz einer PML innerhalb der ersten zwei NTZ-Behandlungsjahre ist  \u00e4u\u00dferst niedrig, steigt aber im dritten Behandlungsjahr. Seit Mai 2011 steht  ein Test zur Bestimmung von Antik\u00f6rpern gegen das JCV zur Verf\u00fcgung, im Herbst  2014 wurden auch Daten zum JCV-Antik\u00f6rperindex (&bdquo;Titer&ldquo;) publiziert. Der  derzeitige Wissensstand geht davon aus, dass Patienten mit Antik\u00f6rpern gegen  das JCV und einer NTZ-Therapiedauer von mehr als zwei Jahren ein h\u00f6heres  PMLRisiko von etwa 5 von 1.000 behandelten Patienten haben.  <\/p>\n<p> Im  Gegensatz dazu haben Patienten mit negativem Anti-JCV-Antik\u00f6rperstatus derzeit  nur ein hypothetisches PMLRisiko (&lt;0,7\/1.000). Das empfohlene  Labormonitoring bei NTZ (Leberfunktionsparameter,  Blutbild\/Differenzialblutbild) inkludiert derzeit daher auch die sechsmonatige  Kontrolle des JCV-Antik\u00f6rperstatus bei Patienten mit negativem JCV-Antik\u00f6rperbefund.  Auch die Therapie mit NTZ kann wegen seines nicht erwiesenen teratogenen Risikos  bei Patientinnen bis zum Eintritt einer Schwangerschaft durchgef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p> <strong>Fingolimod (FTY):<\/strong> Das orale, selektive  Immunsuppressivum Fingolimod ist ein Sphingosin-1-Phosphat-Rezeptormodulator, der  zu einer reversiblen Sequestrierung der zirkulierenden Lymphozyten in den  Lymphknoten und somit zu einer Abnahme der Anzahl von Lymphozyten im peripheren  Blut und anderen Zielorganen, wie beispielsweise dem ZNS, f\u00fchrt. In zwei gro\u00dfen  Phase-III-Studien zeigte sich eine deutlich signifikante Reduktion der annualisierten  Schubrate und der L\u00e4sionslast im MRT, geringer auch der Krankheitsprogression, gegen\u00fcber  Plazebo bzw. einem aktiven Komparator mit IFN\u03b2-1a  30mcg i.m. bei Patienten mit schubf\u00f6rmiger MS. <\/p>\n<p>Nach Abw\u00e4gung des  Nutzen-Risiko-Profils wurde FTY als erste orale MS-Therapie von der  Zulassungsbeh\u00f6rde<br \/>\nFDA  im September 2010 zur Basistherapie schubf\u00f6rmiger MS-Patienten zugelassen, von  der EMA im M\u00e4rz 2011 hingegen f\u00fcr folgende Patienten mit aktiver schubf\u00f6rmiger  MS: Patienten, die trotz einer Therapie mit einem IFN\u03b2 (oder GLAT) in den letzten zw\u00f6lf Monaten zumindest einen Krankheitschub  hatten, bzw. therapienaive Patienten, die in den letzten zw\u00f6lf Monaten  zumindest zwei schwere behindernde Krankheitssch\u00fcbe hatten. Bei der ersten Gabe  von FTY m\u00fcssen Patienten sechs Stunden hinsichtlich m\u00f6glicher kardiovaskul\u00e4rer  Nebenwirkungen (Bradykardie, AV-Block) kontinuierlich EKG-monitiert werden,  Frauen im geb\u00e4rf\u00e4higen Alter m\u00fcssen explizit eine sichere Kontrazeption f\u00fcr die  Dauer von FTY (und bis zu zwei Monaten nach Beendigung der Therapie)  durchf\u00fchren, und vor Therapiebeginn muss bei unklarer Vorinfektion auch noch  der Antik\u00f6rperstatus gegen Varizellen erhoben werden. <\/p>\n<p>Nach drei bis vier  Monaten Therapie mit FTY ist eine augen\u00e4rztliche Untersuchung zum Ausschluss des  Auftretens eines (sehr seltenen) Makula\u00f6dems empfohlen. Analog zu allen  immunmodulierenden Therapien sollten alle drei bis sechs Monate Laborbefunde  (Blutbild, Differentzialblutbild, Transaminasen) kontrolliert werden.<\/p>\n<p> <strong>Alemtuzumab (AZM)<\/strong> ist ein rekombinanter,  humanisierter monoklonaler Antik\u00f6rper, der gegen das Glykoprotein CD52  gerichtet ist, das in hohen Konzentrationen auf der Zelloberfl\u00e4che von vor  allem T- und B-Lymphozyten exprimiert wird. Dadurch kommt es zu einer Depletion  zirkulierender (autoreaktiver) T- und B-Lymphozyten. Zwei Phase- III-Studien  (deren Besonderheit der direkte Wirksamkeitsvergleich zwischen AZM und IFN\u03b2-1a s.c. \u2013 und nicht Plazebo \u2013 war) haben eine deutlich  signifikante Reduktion von Krankheitssch\u00fcben, weiterer Krankheitsprogression und  der entsprechenden MRT-Endpunkte gezeigt. Die sehr gute Wirksamkeit von AZM  muss aber gegen die dokumentierten Nebenwirkungen\/Risiken abgewogen werden:  Neben (tempor\u00e4ren) Infektionen kann es (bis zu vier Jahre nach der letzten  AZM-Infusion) zum Auftreten von neuen Autoimmunkrankheiten  (Schilddr\u00fcsenerkrankungen, sehr selten auch idiopathische thrombozytopenische  Purpura und Immunnephropathien) kommen. <\/p>\n<p> Die  Therapie mit AZM erfordert somit ein engmaschiges Labormonitoring (monatlich:  Blutbild, Differenzialblutbild, Leberund Nierenfunktionsparameter; alle drei  Monate: Schilddr\u00fcsenparameter) f\u00fcr zumindest 48 Monate nach der letzten Behandlungsphase.  Frauen im geb\u00e4rf\u00e4higen Alter sollten w\u00e4hrend und bis vier Monate nach einer  Behandlungsphase mit AZM eine zuverl\u00e4ssige Verh\u00fctungsmethode anwenden. AZM  erhielt am 12.9.2013 die EU-Zulassung zur Behandlung von erwachsenen Patienten  mit aktiver schubf\u00f6rmiger MS in folgender Dosierung: 12mg\/Tag i.v. an f\u00fcnf  aufeinanderfolgenden Tagen (60mg Gesamtdosis) und dann nach zw\u00f6lf Monaten  12mg\/Tag i.v. an drei aufeinanderfolgenden Tagen (36mg Gesamtdosis). Die  station\u00e4re Verabreichung von AZM und das langfristige Monitoring potenzieller  Nebenwirkungen\/Risiken sollten ausschlie\u00dflich durch erfahrene MS-Zentren  erfolgen.<\/p>\n<p> <strong>Mitoxantron<\/strong> ist f\u00fcr die Behandlung von  gehf\u00e4higen Patienten mit sekund\u00e4r progredienter oder progressiv schubf\u00f6rmiger MS  und Versagen oder Unvertr\u00e4glichkeit einer Vortherapie mit IFN\u03b2 bzw. GLAT seit 2003 zugelassen. Aufgrund des dosisabh\u00e4ngigen  Risikos des Auftretens toxischer Kardiomyopathien m\u00fcssen in regelm\u00e4\u00dfigen  Abst\u00e4nden kardiologische (EKG, Echokardiographie) Untersuchungen erfolgen, und  die kumulative Gesamtdosis von 96mg\/m2 KOF (bis zu 140mg\/m2 im Bedarfsfall in  spezialisierten MS-Zentren) darf nicht \u00fcberschritten werden. Au\u00dferdem haben  Untersuchungen in den letzten Jahren gezeigt, dass ein deutlich h\u00f6heres als  urspr\u00fcnglich angenommenes Risiko von Mitoxantron-bedingten akuten (h\u00e4ufig  letalen) Leuk\u00e4mien besteht. In Anbetracht der zugelassenen Therapieoptionen  sollte Mitoxantron nur noch sehr eingeschr\u00e4nkt bei sehr individueller Nutzen- Risiko-Abw\u00e4gung  angewandt werden. <\/p>\n<h2> MS-Therapieregister <\/h2>\n<p> An  dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass mit dem MS-Therapieregister der  \u00d6sterreichischen Gesellschaft f\u00fcr Neurologie seit nunmehr acht Jahren ein  erfolgreiches Konzept zur modernen medizinischen Qualit\u00e4tssicherung umgesetzt  wird: Die systematische Dokumentation des Nutzens und der Nebenwirkungen  krankheitsmodifizierender MS-Therapien im &bdquo;real-life setting&ldquo; und die transparente,  jedem MS-Spezialisten zug\u00e4ngliche Verf\u00fcgbarkeit dieser Daten kommen unmittelbar  der Betreuung von MS-Patienten in \u00d6sterreich zugute.<\/p>\n<p> <em>Lecture Board: Univ.-Prof. Dr. Barbara Bajer- Kornek,  Univ.-Prof. <\/em><em>Dr.  Franz Fazekas, OA Dr. Michael Guger <\/em><\/p>\n<p><em>\u00c4rztlicher  Fortbildungsanbieter: Universit\u00e4tsklinik f\u00fcr Neurologie, Medizinische Universit\u00e4t  Graz<\/em>  <\/p>\n<p> <strong><em>Univ.-Prof. Dr. Thomas Berger, MSc<\/em><\/strong><em> <br \/>\n<\/em><em>Leiter der AG Neuroimmunologie &amp; Multiple  Sklerose, Universit\u00e4tsklinik f\u00fcr Neurologie, Medizinische Universit\u00e4t Innsbruck  E-Mail: thomas.berger@i-med.ac.at<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Spektrum der therapeutischen Optionen hat sich deutlich erweitert, wodurch die Therapie der (schubf\u00f6rmigen) MS zweifellos auch komplexer wurde und wird, sei es durch die \u201eQual der Wahl des Pr\u00e4parates\u201c, durch die sequenzielle Anwendung krankheitsmodifizierender Therapien oder durch die zunehmende Komplexit\u00e4t neuropathologischer, neuroimmunologischer und neuroradiologischer Erkenntnisse, die zuk\u00fcnftig verst\u00e4rkt ein individualisiertes Behandlungskonzept bedingen werden. Ein Beitrag von Univ.-Prof. Dr. Thomas Berger, MSc (CC neuropsy 1\/15). <\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":1099,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","footnotes":""},"categories":[72,13],"tags":[73,27,75,28],"class_list":["post-1098","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-72","category-neuropsy","tag-degenerative-nervenerkrankungen","tag-multiple-sklerose","tag-neuroimmunologie","tag-neurologie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1098","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1098"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1098\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1098"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1098"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1098"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}