{"id":1194,"date":"2015-06-10T17:51:03","date_gmt":"2015-06-10T15:51:03","guid":{"rendered":"http:\/\/dizign-projekte.at\/?p=1194"},"modified":"2015-06-10T17:51:03","modified_gmt":"2015-06-10T15:51:03","slug":"mitteilung-der-praesidentin-liebe-leserinnen-liebe-leser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/oegpb.at\/?p=1194","title":{"rendered":"Mitteilung der Pr\u00e4sidentin &#8211; Juni 2015"},"content":{"rendered":"<h2>Liebe Leserinnen, liebe Leser!<\/h2>\n<p><a href=\"http:\/\/dizign-projekte.at\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/sachs1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/dizign-projekte.at\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/sachs1.jpg\" alt=\"Univ.Prof. DDr. Gabriele Sachs\" width=\"170\" height=\"237\" class=\"alignright size-full wp-image-138\" \/><\/a>In den letzten Jahren wurden vermehrt strukturelle Ver\u00e4nderungen im Gehirn von Patienten mit Schizophrenie beschrieben. Sowohl Personen mit einem Risiko an Schizophrenie zu erkranken, als auch Ersterkrankte zeigen Volumenminderungen sowohl in der grauen als auch der wei\u00dfen Substanz des pr\u00e4frontalen Cortex. Dem pr\u00e4frontalen Cortex kommt eine zentrale Bedeutung f\u00fcr die kognitiven Beeintr\u00e4chtigungen und der Negativsymptomatik zu. Zahlreiche Untersuchungen fanden Hinweise darauf, dass Volumenabnahmen nicht nur Ausdruck der Grunderkrankung sondern auch Effekt der Antipsychotika-Behandlung sein k\u00f6nnten. <\/p>\n<p>Schon l\u00e4nger wurde vermutet, dass Antipsychotika der 1. Generation (FGA, first generation antipsychotics) einen Abbau der  grauen Substanz des Frontalhirns verursachen. Besondere Aufmerksamkeit rief eine multizentrische Studie hervor, in der bei Ersterkrankten unter Haloperidol nach einem Jahr eine signifikant h\u00f6here Reduktion der frontalen grauen Substanz im Vergleich zu Olanzapin gefunden wurde. Diese Unterschiede zeigten sich jedoch bei einer Reanalyse nicht mehr, was auf einen unterschiedlichen Abbauprozess in unterschiedlichen Trajektorien des Gehirns zur\u00fcckgef\u00fchrt wurde, ebenso auf unterschiedliche Berechnungen von Dosis\u00e4quivalenzen. <\/p>\n<p>Auch die Ergebnisse des Einflusses von SGA (second generation antipsychotics) erscheinen uneinheitlich. Auch zu der Frage ob SGAs m\u00f6glicherwiese einen neuroprotektiven Effekt haben gibt es kontroversielle  Befunde.<\/p>\n<p>Insgesamt zeigen Schizophrene im Langzeitverlauf eine h\u00f6here Gesamtvolumen-Abnahme im Gehirn vor allem im Temporallappen und periventrikul\u00e4r als gesunde Kontrollen. Dieser Befund erscheint unabh\u00e4ngig zu sein von Geschlecht, Edukationsniveau, Alkoholabusus und Gewichtszunahme. Der Schweregrad der Erkrankungen scheint mit der Volumen-Abnahme nicht assoziiert zu sein, jedoch die H\u00f6he der Antipsychotika-Dosis. Der Einflu\u00df von Antipsychotika auf das Gehirnvolumen mag langfristig auch Implikationen haben f\u00fcr die kognitiven St\u00f6rungen und das psychosoziales Funktionsniveau. Es konnte gezeigt werden, dass hohe Antipsychotika-Dosierungen mit einer Verschlechterung im verbalen Lernen und Ged\u00e4chtnis einhergehen k\u00f6nnen.       <\/p>\n<p>Die zugrundeliegenden pathophysiologischen Mechanismen einer Hirnvolumenverminderung durch Antipsychotika sind bisher noch unklar, urs\u00e4chlich werden unter anderem \u201eAutophagie\u201c\u2013 Prozesse diskutiert, die zum Zelltod beitragen und eine \u201ezerebrale Atrophie\u201c ausl\u00f6sen k\u00f6nnten. Eine Gliazellabnahme und eine Apoptose von Gliazellen konnte tierexperimentell nach Antipsychotika-Gabe gezeigt werden.<\/p>\n<p>In der klinischen Praxis ist ein sorgf\u00e4ltiges Abw\u00e4gen von Vor- und Nachteilen geboten, wenn es um eine Entscheidung f\u00fcr ein Antipsychotikum geht.<br \/>\nAntipsychotika werden heute in unterschiedlicher Indikation eingenommen, dazu fehlen bisher zum Langzeitverlauf Daten. Antipsychotika k\u00f6nnten in Abh\u00e4ngigkeit von Diagnose und Krankheitsstadium unterschiedliche Effekte auf das Gehirn haben. Die vorliegenden Hinweise sollten Anlass daf\u00fcr sein, die Rolle der Antipsychotika in der Entwicklung der hirnstrukturellen Ver\u00e4nderungen als auch der neurokognitiven Funktionsst\u00f6rungen im Langzeitverlauf weiterhin intensiv zu untersuchen.  <\/p>\n<p>Derzeit kann noch keine eindeutige Schlussfolgerung gezogen werden, ob Antipsychotika von einer Hirnvolumenminderung begleitet werden. Das liegt an den methodischen Limitationen bisheriger Studien, wie z.B. die Einbeziehung von nicht-randomisierten Verlaufsstudien in Reviews, unterschiedliche Medikationen und Messverfahren in der Bildgebung. Einige Autoren schlagen vor, die Dosis bereits zu Erkrankungsbeginn so gering wie m\u00f6glich zu halten und eine Polypharmazie zu vermeiden. Diskutiert wird, dass zu hohe Einstiegsdosen zu einer neuroadaptiven Hochregulation der Dopamin-D2-Rezeptoren f\u00fchren und damit zu einem abnehmenden Ansprechen und vermehrter Dopaminaussch\u00fcttung der mesolimbisch-striatalen D2-Rezeptoren. <\/p>\n<p>Aufgrund des nachgewiesenen erh\u00f6hten R\u00fcckfallrisikos ist ein Absetzen von Antipsychotika kontraindiziert. Aus methodischer Sicht ist zu betonen, dass ein Zusammenhang zwischen Antipsychotikabehandlung und Hirnvolumen als Assoziation zu verstehen ist und nicht ein urs\u00e4chlicher ist. Diese Interpretation legt auch eine neue Untersuchung von T.A. Lesh und Kollegen von der Universit\u00e4t von Kalifornien, Davis dar. Medizierte ersterkrankte Schizophrene zeigten im Vergleich zu unmedizierten ersterkrankten Schizophrenen tats\u00e4chlich einen d\u00fcnneren dorsolateralen pr\u00e4frontalen Cortex (DLPFC). Allerdings zeigten die behandelten Schizophrenen eine h\u00f6here Aktivierung des DLPFC sowie eine bessere kognitive Funktionst\u00fcchtigkeit.<\/p>\n<p>Zum jetzigen Zeitpunkt erscheinen f\u00fcr die klinische Praxis der Behandlung mit Antipsychotika drei Aspekte wichtig: a. Antipsychotika sind f\u00fcr die Therapie von Schizophrenen von zentraler Bedeutung: schon kurze Behandlungspausen wurden als Pr\u00e4diktoren f\u00fcr einen R\u00fcckfall identifiziert, b. f\u00fcr eine Polypharmazie der Schizophrenie sowie f\u00fcr eine anhaltende Hochdosis-Therapie gibt es wenig gute Gr\u00fcnde, c. eine unkritische off-label-Verwendung von Antipsychotika sollte auch auf dem Hintergrund der vorliegenden Bildgebungsdaten vermieden werden.<\/p>\n<p>Die vorl\u00e4ufigen Ergebnisse zur Volumenminderung bei Schizophrenen unter Antipsychotika-Therapie sollten keinesfalls dazu f\u00fchren, Antipsychotika abzusetzen. F\u00fcr eine individualisierte Therapie eines schizophrenen Patienten ist es wichtig, Wirkungen und Nebenwirkungen gut zu \u00fcberwachen, die geringste Dosis zu verschreiben, die einen ausreichenden therapeutischen Effekt gew\u00e4hrleistet, sowie erg\u00e4nzend nicht-pharmakologische Therapiestrategien einzusetzen. Interessant wird sein, ob in Zukunft Antipsychotika mit einem neuen, nicht-dopaminergen Wirkmechanismus auf den Markt kommen werden und von welchen hirnmorphologischen Ver\u00e4nderungen diese Strategien begleitet sein werden.<\/p>\n<p>Ao.Univ.Prof.DDr.Gabriele Sachs<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Leserinnen, liebe Leser! In den letzten Jahren wurden vermehrt strukturelle Ver\u00e4nderungen im Gehirn von Patienten mit Schizophrenie beschrieben. Sowohl Personen mit einem Risiko an Schizophrenie zu erkranken, als auch Ersterkrankte zeigen Volumenminderungen sowohl in der grauen als auch der wei\u00dfen Substanz des pr\u00e4frontalen Cortex. Dem pr\u00e4frontalen Cortex kommt eine zentrale Bedeutung f\u00fcr die kognitiven [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","footnotes":""},"categories":[83,1],"tags":[],"class_list":["post-1194","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-83","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1194","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1194"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1194\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1194"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1194"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1194"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}