{"id":1214,"date":"2015-06-10T22:39:13","date_gmt":"2015-06-10T20:39:13","guid":{"rendered":"http:\/\/dizign-projekte.at\/?p=1214"},"modified":"2015-06-10T22:39:13","modified_gmt":"2015-06-10T20:39:13","slug":"testosteron-erhoeht-die-serotonin-transporterbindung-im-gehirn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/oegpb.at\/?p=1214","title":{"rendered":"Testosteron erh\u00f6ht die Serotonin &#038; transporterbindung im Gehirn"},"content":{"rendered":"<p><strong>Geschlechtshormone scheinen bei Depression  eine zentrale Rolle zu spielen. In einer aktuellen Studie der Wiener Klinik f\u00fcr  Psychiatrie und Psychotherapie wurde am Modell der Hormontherapie von  Transsexuellen die Wirkung von Testosteron und \u00d6strogen auf die Dichte von  Serotonintransportern im Gehirn untersucht. Die Forscher konnten zeigen, dass  der Serotonintransporter bereits nach vierw\u00f6chiger Testosterontherapie  signifikant erh\u00f6ht ist und bei fortlaufender Therapie weiter ansteigt. <\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_1216\" style=\"width: 740px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1216\" Title=\"Foto: Georg Kranz\" src=\"http:\/\/dizign-projekte.at\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/frontalschnitt.730.jpg\" alt=\"Frontalschnitt der Verteilung des Serotonintransporters in Frau-zu-Mann-Transsexuellen vor (PET 1, links) und einen (PET 2, Mitte) bzw. vier Monate (PET 3, rechts) nach Beginn der gegengeschlechtlichen Hormontherapie. Die Zunahme des Bindungspotenzials \u00fcber die Zeit wird durch die Zunahme der gr\u00fcn-gelb-roten F\u00e4rbung in subkortikalen Strukturen deutlich.\" width=\"730\" height=\"201\" class=\"size-full wp-image-1216\" \/><p id=\"caption-attachment-1216\" class=\"wp-caption-text\">Frontalschnitt der Verteilung des Serotonintransporters in Frau-zu-Mann-Transsexuellen vor (PET 1, links) und einen (PET 2, Mitte) bzw. vier Monate (PET 3, rechts) nach Beginn der gegengeschlechtlichen Hormontherapie. Die Zunahme des Bindungspotenzials \u00fcber die Zeit wird durch die Zunahme der gr\u00fcn-gelb-roten F\u00e4rbung in subkortikalen Strukturen deutlich.<\/p><\/div>\n<p> Epidemiologische  Studien zeigen, dass Frauen ein fast doppelt so hohes Risiko f\u00fcr Depression und  Angsterkrankungen haben wie M\u00e4nner. Frauen sind in der Regel j\u00fcnger bei  Erstmanifestation, zeigen eine gr\u00f6\u00dfere Anzahl an Symptomen und depressiven  Episoden. Vor allem die Tatsache, dass viele Frauen depressive Symptome in  Zeiten starker hormoneller Schwankungen haben (Zyklus, Wechsel, Post-partum),  l\u00e4sst auf einen Einfluss von Geschlechtshormonen auf den der Stimmung  zugrundeliegenden biologischen Mechanismus schlie\u00dfen. Des Weiteren ist die  Suizidrate bei depressiven M\u00e4nnern h\u00f6her, und diese neigen zu Aggression und  erh\u00f6htem Risikoverhalten. <\/p>\n<p> Wenn das  Geschlechtshormon Testosteron im h\u00f6heren Alter abnimmt, leiden M\u00e4nner h\u00e4ufig an  Depressionen, und einige Studien konnten einen positiven Effekt der Testosterongabe  auf die Stimmung bei Betroffenen nachweisen. In beiden Geschlechtern scheinen  daher Stimmungsschwankungen eng mit Geschlechtshormonen assoziiert zu sein, ein  Ergebnis, das angesichts der starken Modulation des Serotoninsystems durch  Geschlechtshormone wenig verwundert. Eine Reihe von Tierstudien konnte schon  zuvor diesen engen Zusammenhang zwischen dem f\u00fcr die Depression zentralen Neurotransmittersystem  Serotonin und den Sexualhormonen \u00d6strogen und Testosteron nachweisen. <\/p>\n<p> Auch erste  Humanstudien existieren, die mittels Positronenemissionstomographie eine  Abh\u00e4ngigkeit der Rezeptor- und Transporterverf\u00fcgbarkeit im synaptischen Spalt  von Geschlechtshormonen nahelegen. Die meisten dieser  Studien basieren auf Querschnittsuntersuchungen und erlauben damit keinen  R\u00fcckschluss auf die Kausalit\u00e4t der beobachteten Abh\u00e4ngigkeit. In einer  aktuellen Studie, publiziert im Journal &bdquo;Biological Psychiatry&ldquo;  (<a href=\"http:\/\/dx.doi.org\/10.1016\/j.biopsych.2014.09.010\" title=\"http:\/\/dx.doi.org\/10.1016\/j.biopsych.2014.09.010\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/dx.doi.org\/10.1016\/j.biopsych.2014.09.010<\/a>) konnte erstmals anhand  der Hormontherapie von Transsexuellen ein kausaler Mechanismus f\u00fcr den Effekt  von Testosteron auf das Bindungspotenzial von Serotonintransportern (5-HTT) im  Gehirn gezeigt werden. <\/p>\n<p><strong> Die  Studie <\/strong><\/p>\n<p> Untersucht  wurden transsexuelle Probanden beiderlei Geschlechts, die im Rahmen eines  longitudinalen Studiendesigns dreimal mittels PET und dem Radioliganden  [11C]DASB zur Quantifizierung der 5-HTT-Konzentration im synaptischen Spalt  gemessen wurden. Die erste Messung erfolgte vor Beginn der  gegengeschlechtlichen Hormontherapie, eine zweite Messung wurde vier Wochen  nach Therapiebeginn und eine dritte Messung vier Monate nach Therapiebeginn durchgef\u00fchrt.  Frau-zu-Mann-Transsexuelle (FzMT) erhielten Testosteron, w\u00e4hrend Mann-zu-Frau-  Transsexuelle (MzFT) Antiandrogene zur Unterdr\u00fcckung von Testosteron sowie  \u00d6strogen verabreicht bekamen. Dies entspricht der Standardtherapie, welche von  den Betroffenen zur k\u00f6rperlichen Angleichung an das andere Geschlecht erw\u00fcnscht  und im Rahmen der Geschlechtsumwandlung auf der Hormonambulanz der Wiener  Klinik f\u00fcr Frauenheilkunde verabreicht wird. <\/p>\n<p> Bei  jedem PET-Termin wurde Blut zur Bestimmung der Plasmakonzentrationen von  \u00d6strogen und Testosteron  entnommen. Ferner wurden weibliche  und m\u00e4nnliche Kontrollprobanden einmalig und eine Untergruppe der m\u00e4nnlichen  Kontrollprobanden zweimalig mit PET und [11C] DASB gemessen. Wie von den  Forschern erwartet, zeigte sich bereits nach vierw\u00f6chiger Testosterontherapie bei  FzMT ein signifikanter Anstieg von Testosteron im Plasma in den m\u00e4nnlichen  Referenzbereich, der nach viermonatiger Therapie sogar noch st\u00e4rker ausgepr\u00e4gt war.  Im Gegensatz dazu viel die Testosteronkonzentration im Plasma von MzFT nach  vierw\u00f6chiger Antiandrogentherapie in den weiblichen Referenzbereich, wo sie auch  nach viermonatiger Therapie blieben. Plasmakonzentrationen von \u00d6strogen hingegen  stiegen durch die \u00d6strogentherapie bei MzFT deutlich an in den weiblichen  Referenzbereich. <\/p>\n<p> Die Analyse  der PET-Daten zeigte, dass das 5-HTT-Bindungspotenzial nach vierw\u00f6chiger \u2013 und  in noch st\u00e4rkerem Ma\u00dfe nach viermonatiger \u2013 Testosterontherapie bei FzMT im  Gegensatz zur ersten Messung in mehreren subkortikalen Regionen signifikant erh\u00f6ht  war (siehe Abbildung). Besonders deutlich war diese Zunahme im Mandelkern und  im Striatum. Ferner konnte ein signifikanter positiver Zusammenhang zwischen  der Zunahme der Testosteronkonzentration im Plasma und der Zunahme der 5-HTT-Bindung  in diesen Regionen festgestellt werden, ein Befund, der den postulierten kausalen  Zusammenhang zwischen Testosteron und Transporterdichte untermauert.  Demgegen\u00fcber zeigte sich bei MzFT nach vierw\u00f6chiger Antiandrogen- und \u00d6strogentherapie  kein signifikanter Unterschied; allerdings war eine  signifikante Reduktion der 5-HTT-Bindung im Striatum als auch im cingul\u00e4ren Kortex  und der Insel nach viermonatiger Therapie festzustellen. Interessanterweise zeigte  sich aber ein signifikant negativer Zusammenhang zwischen der Abnahme der  5-HTT-Bindung in diesen Regionen und der Zunahme der \u00d6strogenspiegel. <\/p>\n<p><strong> Implikationen <\/strong><\/p>\n<p> Die  Ergebnisse dieser Studie legen den Schluss nahe, dass Testosteron die Dichte  von Serotonintransportern an der Zelloberfl\u00e4che in subkortikalen Hirnstrukturen  erh\u00f6ht. Diese Befunde sind im Einklang mit Rattenstudien, welche eine erh\u00f6hte  5-HTTDichte und 5-HTT-Messenger-RNA nach Testosterongabe finden. Da Testosteron  im Gehirn \u00fcber das Enzym Aromatase gro\u00dfteils zu \u00d6strogen umgewandelt wird und  viele Funktionen von Testosteron \u00fcber diesen Weg auf die Funktion und Struktur  des Gehirns wirken, kann angenommen werden, dass auch die hier beobachtete Testosteronwirkung  \u00fcber diesen Mechanismus zu erkl\u00e4ren ist. <\/p>\n<p> Daf\u00fcr  spricht auch das Ergebnis, dass die Zunahme von \u00d6strogen bei MzFT einen scheinbar  &bdquo;protektiven&ldquo; Effekt auf den Abfall von Serotonintransportern hatte. Des  Weiteren kann angenommen werden, dass Testosteron (und daraus im Gehirn  entstandenes \u00d6strogen) nicht nur \u00fcber die Bindung von Kernrezeptoren direkt auf  die Expression des Serotonintransporters wirkt, sondern auch indirekt \u00fcber die verst\u00e4rkte  Aussch\u00fcttung von Serotonin, den Serotonintransporter in seiner Expression  erh\u00f6ht. So erkl\u00e4rt sich m\u00f6glicherweise, warum eine Therapie mit Testosteron  einen positiven Effekt auf die Stimmung bei hypogonadalen M\u00e4nnern hat. <\/p>\n<p> Der  Serotonintransporter ist zwar seinerseits f\u00fcr die Aufnahme von extrazellul\u00e4rem Serotonin  zust\u00e4ndig, und eine vermehrte 5-HTT-Dichte l\u00e4sst auf eine vermehrte  Serotoninaufnahme schlie\u00dfen; die Expression des Serotonintransporters selbst  wird aber stark durch den Serotoningehalt im synaptischen Spalt reguliert. Eine  geringe 5-HTT-Dichte kann damit als Ausdruck f\u00fcr reduzierte serotonerge Neurotransmission  gedeutet werden, w\u00e4hrend ein erh\u00f6htes 5-HTT-Bindungspotenzial h\u00f6here  Serotoninkonzentrationen im synaptischen Spalt widerspiegeln. <\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" Title=\"Foto: Georg Kranz\" src=\"http:\/\/dizign-projekte.at\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/kranz.jpg\" alt=\"kranz\" width=\"150\" height=\"146\" class=\"alignleft size-full wp-image-1217\" \/><\/p>\n<p> <strong><em>Mag. Dr. Georg S. Kranz <br \/>\n<\/em><\/strong><em>Universit\u00e4tsklinik  f\u00fcr Psychiatrie und Psychotherapie, Wien<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geschlechtshormone scheinen bei Depression eine zentrale Rolle zu spielen. In einer aktuellen Studie der Wiener Klinik f\u00fcr Psychiatrie und Psychotherapie wurde am Modell der Hormontherapie von Transsexuellen die Wirkung von Testosteron und \u00d6strogen auf die Dichte von Serotonintransportern im Gehirn untersucht. Ein Beitrag von Mag. Dr. Georg S. Kranz (CC neuropsy 2\/15). <\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":1215,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","footnotes":""},"categories":[83,13],"tags":[56,86,33,87],"class_list":["post-1214","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-83","category-neuropsy","tag-forschung","tag-geschlechtshormone","tag-psychiatrie","tag-serotonin"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1214","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1214"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1214\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1214"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1214"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1214"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}