{"id":1262,"date":"2015-08-26T11:32:00","date_gmt":"2015-08-26T09:32:00","guid":{"rendered":"http:\/\/dizign-projekte.at\/?p=1262"},"modified":"2015-08-26T11:32:00","modified_gmt":"2015-08-26T09:32:00","slug":"dfp-das-nicht-entzugsbedingte-delir","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/oegpb.at\/?p=1262","title":{"rendered":"DFP: Das nicht entzugsbedingte Delir"},"content":{"rendered":"<p><strong>Beim  nicht entzugsbedingten Delir handelt es sich um eine h\u00e4ufige, in der Regel  schwerwiegende Komplikation mit potenziell letalem Ausgang. Trotzdem wird das  Delir in \u00fcber 60 Prozent nicht erkannt oder als banaler vor\u00fcbergehender &bdquo;Verwirrtheitszustand&ldquo;  bagatellisiert, womit therapeutische Interventionen oftmals erst sehr sp\u00e4t,  bisweilen auch zu sp\u00e4t zum Einsatz kommen. <\/strong><\/p>\n<p>In der  psychiatrischen Nomenklatur gibt es kaum einen Begriff wie das Delir, der zu so  viel &bdquo;Verwirrung&ldquo; beitr\u00e4gt. Das Delirium (delirare = &bdquo;aus der Spur geraten&ldquo;)  wird in der tagt\u00e4glichen Praxis sehr oft mit dem schweren Alkoholentzugssyndrom  gleichgesetzt. Dies ist problematisch, da unter dem Begriff Delir vornehmlich &bdquo;akute  Verwirrtheitszust\u00e4nde&ldquo; unterschiedlicher \u00c4tiologie, also auch im Rahmen internistischer  oder neurologischer Erkrankung, subsumiert werden. <\/p>\n<p>Die Pr\u00e4valenz in  epidemiologischen Untersuchungen liegt bei station\u00e4ren \u00e4lteren Patienten in  Abh\u00e4ngigkeit der Grunderkrankung bei zehn bis 40 Prozent. Das Delirium weist  eine deutlich erh\u00f6hte Kurz- und Langzeitmortalit\u00e4t auf und korreliert mit  weiteren (iatrogenen) Komplikationen sowie funktionellen Einschr\u00e4nkungen und  bleibenden kognitiven Defiziten. Diese haben Einfluss auf die Dauer des  Spitalsaufenthalts, der Medikamentenkosten und einer poststation\u00e4ren  Langzeitinstitutionalisierung. <\/p>\n<p>Trotzdem wird das Delir in \u00fcber 60 Prozent nicht  erkannt oder als banaler vor\u00fcbergehender &bdquo;Verwirrtheitszustand&ldquo; bagatellisiert,  womit therapeutische Interventionen oftmals erst sehr sp\u00e4t, bisweilen auch zu sp\u00e4t  zum Einsatz kommen. <\/p>\n<h2> Diagnose und Klassifikation <\/h2>\n<p>  Erstmals  in der ICD-6 (1952) wurden symptomatische Psychosen als Begleiterkrankungen  angef\u00fchrt. Eine weitere Differenzierung bot die ICD-9, indem Psychosen in  Verbindung mit intrakraniellen Infektionen, bei sonstigen zerebralen  Erkrankungen sowie sonstigen k\u00f6rperlichen Zust\u00e4nden getrennt angef\u00fchrt wurden. In  der ICD-10 wird nun in der Hauptgruppe der organischen psychischen St\u00f6rungen  zwischen amnestischen Syndromen, dem Delir und anderen psychischen St\u00f6rungen bei  k\u00f6rperlichen Erkrankungen unterschieden. <\/p>\n<p>Den geschichtlichen Hintergrund und  die begriffliche Entwicklung ber\u00fccksichtigend, w\u00e4re die Diagnosegruppe F0.6x  und F0.7x am ehesten dem Begriff des &bdquo;atypischen exogenen Reaktionstyps&ldquo; im  Sinne Peter Berners oder dem Durchgangssyndrom nach Wieck zuzuordnen. Im  Gegensatz dazu w\u00fcrde das unter F0.5x angef\u00fchrte Delir dem typischen akuten  exogenen Reaktionstyp nach Berner wie auch dem schweren Durchgangssyndrom nach  Wieck in seiner Ausformung und Symptomatik nahekommen. So gesehen ist es wenig  verwunderlich, dass in der klinischen Praxis das Delir gleichzeitig mit  Begriffen wie dem organischen Psychosyndrom, dem Durchgangssyndrom oder der  einfachen Verwirrtheit gleichgesetzt wird, was in vielerlei Hinsicht zu  erheblichen Problemen f\u00fchrt. <\/p>\n<p>So ergeben sich aus der begrifflichen Unsch\u00e4rfe  unweigerlich Schwierigkeiten in der Diagnostik und damit das Ausbleiben notwendiger  therapeutischer Interventionen. In diesem Zusammenhang ist der Begriff des  Durchgangssyndroms abzulehnen, da die Annahme einer regelhaften Reversibilit\u00e4t  der Symptomatik inkorrekt ist. Unter allen zuvor angef\u00fchrten Begriffen findet  sich in der ICD-10 lediglich das organische Psychosyndrom nach Sch\u00e4del- Hirn-Trauma  unter F07.2 verkodiert. Betrachtet man nun die diagnostischen Leitlinien des  Delirs (Tabelle 1), so wird erstrangig eine St\u00f6rung des Bewusstseins und\/oder  der Aufmerksamkeit gefordert, womit die Diagnosestellung nun nicht mehr auf die  quantitative Bewusstseinsst\u00f6rung eingeschr\u00e4nkt wird. Dies stellt den Kliniker  allerdings in der Praxis vor das Problem des Erkennens einer  Aufmerksamkeitsst\u00f6rung, welche zudem auch w\u00e4hrend des Tagesverlaufs in  unterschiedlicher Auspr\u00e4gung (aufgrund des fluktuierenden Verlaufs) vorliegen  kann. <\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/dizign-projekte.at\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/tab01.jpg\" alt=\"tab01\" width=\"620\" height=\"510\" class=\"alignnone size-full wp-image-1258\" \/><\/p>\n<p>Im Gegensatz zum DSM-5 f\u00fchrt die ICD-10 zus\u00e4tzlich eine St\u00f6rung des  Schlaf-Wach-Rhythmus sowie psychomotorische St\u00f6rungen zur Diagnosestellung ein.  Diese manifestieren sich in Zust\u00e4nden von Hypo- oder Hyperaktivit\u00e4t. Stehen beim  hyperaktiven Delir die psychomotorische Unruhe, die erh\u00f6hte Irritierbarkeit,  aber auch Halluzinationen und Angst im Vordergrund, so ist es bei hypoaktivem Delir  die Bewegungsarmut und die erschwerte Kontaktaufnahme, was wiederum zu  Problemen in der Diagnosestellung f\u00fchren kann. Oftmals werden hypoaktive Delirien  nicht oder als Depression oder Demenz fehldiagnostiziert, wobei nicht unerw\u00e4hnt  bleiben darf, dass delirante Zustandsbilder im Gefolge demenzieller Erkrankung geh\u00e4uft  auftreten. <\/p>\n<p>Eine m\u00f6gliche Unterst\u00fctzung in der Diagnosestellung ist die h\u00e4ufig  verwendete &bdquo;Confusion Assessment Method&ldquo;, welche im Wesentlichen mit elf Items  die Kriterien der ICD-10 abfragt. Die Schwere eines Delirs kann durch die &bdquo;Confusion  Rating Scale&ldquo; objektiviert werden, wobei hier der St\u00f6rung des Bewusstseins, der  Aufmerksamkeit und der Kognition nur eine untergeordnete Rolle zugeschrieben wird  und die akzessorischen Symptome des Delirs haupts\u00e4chlich in die Bewertung  einflie\u00dfen.<\/p>\n<h2> Neuropathogenese <\/h2>\n<p>  Sowohl  neuroanatomisch wie auch neurophysiologisch betrachtet ist \u00fcber die Grundlagen  der Delirentstehung wenig bekannt. Neuroimaging-Verfahren (Hypoperfusion im SPECT)  geben Hinweise f\u00fcr Dysfunktionen im Bereich des frontalen, cingul\u00e4ren oder  frontotemporalen Kortex. Abgesehen vom Thalamus wird hier die Bedeutung  subkortikaler Strukturen kontroversiell betrachtet. Untersuchungen beim  Alkoholentzugsdelir legen die Vermutung nahe, dass neben einer zerebralen  Hypoperfusion eben auch eine Hyperperfusion, also eine Zunahme des zerebralen  Blutflusses, in der Manifestation eines Delirs auftreten kann. <\/p>\n<p>Von  neuroanatomischer Sichtweise gibt es klare Hinweise auf  Lateralisationsph\u00e4nomene, welche beim Delir pathophysiologische Prozesse  vornehmlich der rechten Hirnh\u00e4lfte zuordnen und hier tendenziell h\u00e4ufiger mit  St\u00f6rungen im Bereich der Kognition in Verbindung gebracht werden. Wahnph\u00e4nomene  wie auch visuelle Halluzinationen und illusion\u00e4re Verkennungen wiederum werden eher  St\u00f6rungen der linken Hemisph\u00e4re zugeordnet. Dieses Ph\u00e4nomen der  Hemisph\u00e4rendominanz zeigt sich auch auf neurochemischer Ebene, wo eine  Seitendifferenz dopaminerger Aktivit\u00e4t nachgewiesen wurde. <\/p>\n<p>Das Ungleichgewicht  von Acetylcholin und Dopamin, also ein Acetylcholinmangel, wie auch ein  Dopamin\u00fcberschuss \u2013 oder beides \u2013 d\u00fcrften nach heutigem Stand der Wissenschaft  als ma\u00dfgebliches neurochemisches Korrelat des Delirs verantwortlich sein, wobei  hier die enge  Verkn\u00fcpfung mit anderen  Transmittersystemen wie GABA, Glutamat oder Serotonin auch beachtet werden muss.  Auch eine vermehrte Aktivit\u00e4t der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-(HPA)-Achse  mit Hypercortisolismus wird neben neuroimmunologischen Prozessen (vermehrte  Aussch\u00fcttung von Interleukinen) als weitere pathophysiologische Hypothesen  beforscht.<\/p>\n<h2> \u00c4tiologie <\/h2>\n<p>  Kontroversielle  Forschungsergebnisse wie zuvor beschrieben und mannigfaltige Hypothesen zur  Delirentstehung d\u00fcrften zu guter Letzt auch dadurch begr\u00fcndbar sein, dass die  Ursache des Delirs typischerweise multifaktoriell bedingt ist. Erst das Zusammenspiel  einer erh\u00f6hten &bdquo;Vulnerabilit\u00e4t&ldquo; und der gleichzeitigen Exposition gegen\u00fcber &bdquo;delirogener  Faktoren&ldquo; kann als modellhafte, praxisnahe Vorstellung dem derzeitigen  Wissensstand gerecht werden. Multimorbidit\u00e4t, ein hohes Lebensalter wie auch  vorbestehende demenzielle Erkrankungen sind hier an erster Stelle der &bdquo;Vulnerabilit\u00e4tsfaktoren&ldquo;  zu nennen. Aber auch Seh- und H\u00f6rbehinderungen, Mangelern\u00e4hrung, Dehydratation sowie  eine depressive oder \u00e4ngstliche Grundstimmung und Schmerzen k\u00f6nnen in der  Entstehung eines Delirs Wegbereiter sein, sofern zus\u00e4tzliche &bdquo;delirogene Faktoren&ldquo;  den Patienten belasten. <\/p>\n<p>Hier sind neben operativen Eingriffen und Infektionen,  Erkrankungen des Stoffwechsels wie auch St\u00f6rungen, welche mit einer Hypox\u00e4mie einhergehen,  zu nennen. Daneben sollten aber auch banal erscheinende Gegebenheiten wie die  fremde Umgebung im Rahmen eines Spitalsaufenthalts oder die Verlegung auf eine  andere Station Beachtung finden. Selbst die Ruhe (Isolation) eines Einzelzimmers  wie die permanente \u00dcberstimulation einer \u00dcberwachungsstation m\u00fcssen ebenso wie  ein transurethraler Dauerkatheter als &bdquo;delirogener&ldquo; Stressfaktor in der  Delirentstehung angesehen werden. Zu guter Letzt sollte besonderes Augenmerk  auf die aktuelle Medikation (inklusive OTC-Pr\u00e4parate) gelegt werden. So sind  gerade Medikamenteninteraktionen und anticholinerge Nebenwirkungen bestimmter  Pr\u00e4parate zu ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n<h2> Klinische Symptomatik <\/h2>\n<p>  Ein  Delir entwickelt sich in der Regel innerhalb weniger Stunden bis Tage, wobei  oftmals Schlafst\u00f6rungen und ungewohnte affektive Auslenkungen als  Prodromalsymptome in Erscheinung treten (Grafik). Die Patienten erscheinen \u00e4ngstlich  oder auch ungew\u00f6hnlich gereizt und in ihrem Verhalten unfreundlich, fallweise  distanzlos. Aber auch Euphorie oder theatralisch-klagsames Verhalten sind zu  beobachten. Neben dem akuten Beginn und einer Beeintr\u00e4chtigung der kognitiven  Leistungsf\u00e4higkeit pr\u00e4gt eine St\u00f6rung der Aufmerksamkeit das klinische Bild.  <\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Quelle: Fruhw\u00fcrth in Anlehnung an Wieck\" src=\"http:\/\/dizign-projekte.at\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/wechsel.jpg\" alt=\"Quelle: Fruhw\u00fcrth in Anlehnung an Wieck\" width=\"640\" height=\"340\" class=\"alignnone size-full wp-image-1260\" \/><\/p>\n<p>Die Patienten sind im Gespr\u00e4ch abgelenkt, von Au\u00dfenreizen irritiert, teilweise ratlos  und kaum in der Lage, beim Thema zu bleiben oder Anweisungen des Untersuchers  ad\u00e4quat nachzukommen. Auffallend sind auch wiederkehrende Gedanken oder Handlungsperseverationen,  welche sich zum Beispiel in der sich st\u00e4ndig wiederholenden Frage und dem  Suchen nach der pers\u00f6nlichen Kleidung ausdr\u00fcckt. Diese Beeintr\u00e4chtigung der  gerichteten Aufmerksamkeit ist fallweise mit einer Steigerung der ungerichteten  Aufmerksamkeit (erh\u00f6hte Fokussierung auf s\u00e4mtliche Au\u00dfenreize) verkn\u00fcpft, vor  allem wenn ratlose \u00c4ngstlichkeit als Affekt dominieren. <\/p>\n<p>Typische  Tagesschwankungen der Aufmerksamkeit erschweren die Diagnosestellung. Hier  k\u00f6nnen routinem\u00e4\u00dfige Orientierungsfragen und die Beobachtung des Verhaltens im  Tagesverlauf hilfreich sein. Eine zunehmende Orientierungsunsch\u00e4rfe w\u00e4hrend der  Abendstunden, oft mit Agitation kombiniert, ist auch beim &bdquo;Sun-Downing-Ph\u00e4nomen&ldquo;  der Demenzkranken zu beobachten. Die Differenzialdiagnose zum Delir ist schwierig,  wird aber durch anamnestische Angaben, wie der fehlenden Akuit\u00e4t der  auftretenden Symptomatik, m\u00f6glich. Demenzkranke stellen allerdings in Hinblick  auf die Entwicklung eines Delirs eine Hochrisikogruppe dar, sodass bei diesen  Patienten Observanz und &bdquo;prophylaktische&ldquo; Interventionen auch im Sinne einer  psychopharmakologischen Behandlung sinnvoll sein k\u00f6nnen, vor allem dann, wenn  eine St\u00f6rung des Nachtschlafs auftritt. <\/p>\n<p>Als weiteres Symptom des Delirs ist  eine St\u00f6rung der Psychomotorik, wie auch in der ICD-10 gefordert, in Form von  hypo- beziehungsweise hyperaktiven Verhalten zu beobachten. Untersuchungen  zufolge d\u00fcrften neben hypoaktiven vor allem wechselhafte psychomotorische  Zustandsbilder am h\u00e4ufigsten sein. Dies ist insofern von klinischer Relevanz,  als gerade hypoaktive delirante Zustandsbilder, welche durch Bewegungsarmut und  erschwerte Kontaktaufnahme gekennzeichnet sind, oft unerkannt bleiben oder als  gehemmt-depressives Zustandsbild fehldiagnostiziert werden. Auffallend hingegen  sind die hyperaktiven deliranten Zustandsbilder, welche durch psychomotorische  Unruhe, Halluzinationen, Angst und Agitation gekennzeichnet sind.<\/p>\n<h2> Therapeutisches Vorgehen <\/h2>\n<p>  In  der Behandlung deliranter Zustandsbilder sind in erster Linie die zugrunde  liegenden Ursachen zu erfassen und entsprechende therapeutische Schritte  einzuleiten. Viel Erfahrung ist hier in der Diagnostik und Therapie notwendig, um  der Multimorbidit\u00e4t vieler Patienten gerecht zu werden und gleichzeitig nicht  den Blick auf das Wesentliche zu verlieren. Dies kann auch bedeuten, die  oftmals vorliegende Polypharmazie auf das Notwendigste zu reduzieren, wobei  hier vor allem potenziell delirogene Arzneimittel vermieden werden sollten  (Tabelle 2). <\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/dizign-projekte.at\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/tab02.jpg\" alt=\"tab02\" width=\"620\" height=\"444\" class=\"alignnone size-full wp-image-1259\" \/><\/p>\n<p>Untersuchungen zufolge werden in der Altersgruppe der \u00fcber 65-J\u00e4hrigen  bei 33 bis 41 Prozent \u00fcber vier, bei 13 bis 17   Prozent mehr als sechs verschiedene Pr\u00e4parate verordnet, womit  Interaktionen kaum mehr vorhersehbar sind. Die Behandlung deliranter Patienten  in Allgemeinspit\u00e4lern ist Teil der psychiatrischen Konsiliarversorgung, wenngleich  eine &bdquo;fl\u00e4chendeckende&ldquo; Versorgung mit den derzeitigen Ressourcen nicht  realistisch ist. \u00dcberforderung durch Personalmangel und steigende  Aufnahmezahlen bringen es mit sich, dass Delirante zunehmend als St\u00f6rfaktor erlebt  werden und damit der Druck auf psychiatrischer Konsiliarebene steigt. Diesem  Dilemma, wie auch gro\u00dfer Unwissenheit und schlichter Ignoranz ausgesetzt,  sollte der Konsiliarpsychiater um Schadensbegrenzung bem\u00fcht sein, womit aber  die Umsetzung nicht medikament\u00f6ser Ma\u00dfnahmen nur mehr in Einzelf\u00e4llen gelingt.  <\/p>\n<p>Lediglich 30 Prozent der deliranten Patienten werden diagnostiziert, sodass  hier vorrangig Schulung der multiprofessionellen Teams und Unterst\u00fctzung im  Rahmen eines psychiatrischen Konsiliar-Liaisondiensts sinnvoll erscheinen. Unter  nicht medikament\u00f6se Ma\u00dfnahmen fallen: <\/p>\n<ul>\n<li> Vermeidung einer sensorischen  Deprivation <\/li>\n<li> Vermeidung einer \u00dcberstimulation <\/li>\n<li> Tagesbetreuung durch nahe  Angeh\u00f6rige <\/li>\n<li> Orientierungshilfen <\/li>\n<li> Tagesstrukturierung und Schlafregulation <\/li>\n<li> F\u00f6rderung der Mobilit\u00e4t <\/li>\n<li> bei elektiven Eingriffen, eine &bdquo;Eingew\u00f6hnungsphase im  Spital&ldquo;<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Medikament\u00f6se Ma\u00dfnahmen <\/h2>\n<p>  Die  Behandlung eines Delirs im Allgemeinspital unterliegt, wie bereits kurz  angef\u00fchrt, vielschichtigen Problemen, womit auch der Spielraum einer  medikament\u00f6sen Therapie eingeschr\u00e4nkt wird. Die Verordnung &bdquo;exotischer&ldquo; Pr\u00e4parate  wird in der Regel nicht oder falsch umgesetzt. Auch die Notwendigkeit einer  \u00dcberwachung und regelm\u00e4\u00dfige Evaluierung des therapeutischen Regimes findet  wenig Beachtung, sodass Empfehlungen nur kurzfristig und mit g\u00e4ngigen  Pr\u00e4paraten Erfolg versprechen. <\/p>\n<p><strong>Benzodiazepine:<\/strong> Einer rezenten Cochrane-Metaanalyse zufolge gibt es derzeit keine  Evidenz f\u00fcr positive Effekte dieser Medikamentengruppe in der Behandlung des  nicht entzugsbedingten Delirs. Einschr\u00e4nkend werden von den Autoren allerdings  die \u00e4u\u00dferst d\u00fcnne Datenlage und kaum verwertbare Studiendesigns bem\u00e4ngelt,  sodass weitere Untersuchungen unbedingt notwendig sind. Praxisbezogene  Therapieschemata empfehlen ausschlie\u00dflich bei schweren, hyperaktiven Delirien  den Einsatz von kurz wirksamen Benzodiazepinen. <\/p>\n<p>Auch in den Empfehlungen der  APA wird zur psychomotorischen D\u00e4mpfung der Einsatz von Benzodiazepinen bei  gleichzeitiger Gabe von Antipsychotika empfohlen und mit Potenzierungseffekten begr\u00fcndet.  Es sind eine strenge Indikationsstellung und eine unter \u00dcberwachungsbedingungen  vorsichtige Titrierung dieser Medikamentengruppe notwendig; nicht zuletzt  aufgrund der Kumulationsgefahr bei Pr\u00e4paraten mit langer Halbwertszeit.<\/p>\n<p><strong>Antipsychotika:<\/strong> In einem 2007 publizierten  Cochrane Review werden positive Effekte durch eine Antipsychotikabehandlung in  Hinblick auf Dauer und Schwere des Deliriums beschrieben. Die im Jahr 1999 im  Konsensuspapier der APA beschlossenen Therapieempfehlungen finden hier insofern  Best\u00e4tigung, als Haloperidol in niedriger Dosierung (unter 5mg\/die) als  effektiv betrachtet wird. Im Vergleich mit Risperidon und Olanzepin sehen die  Autoren auch in Hinblick auf m\u00f6gliche Nebenwirkungen keinen signifikanten  Unterschied. <\/p>\n<p>Zu Quetiapin liegen einzelne Fallberichte vor, welche in dieser  Indikation keine Aussage erlauben. Einschr\u00e4nkend muss auch hier die d\u00fcrftige  Datenlage erw\u00e4hnt werden. In einem weiteren Review, welcher 2007 im &bdquo;Journal of  Clinical Psychiatry&ldquo; ver\u00f6ffentlicht wurde, untersuchten die Autoren s\u00e4mtliche  im Zeitraum von 1980 bis 2005 erschienenen Arbeiten zum Thema Delir, wobei das  Entzugsdelir ausgeschlossen wurde. Die vorliegenden Untersuchungen lie\u00dfen  allerdings keine Aussage zu, welche therapeutische Ma\u00dfnahme bei welchen  Patienten als sicher und effektiv zu bezeichnen ist. <\/p>\n<p>Es zeigten sich Hinweise auf  die hohe Bedeutung nicht medikament\u00f6ser Ma\u00dfnahmen in der Delirbehandlung. In  einzelnen Untersuchungen finden sich Anhaltspunkte, dass der gezielte,  pr\u00e4ventive Einsatz von Antipsychotika und cholinergen Substanzen zu einer  milderen Auspr\u00e4gung des postoperativen Delirs f\u00fchren kann, die Inzidenz allerdings  kaum beeinflusst wird. Auch hier versuchen praxisbezogene Therapieschemata eine  Empfehlung abzugeben, die sich im Wesentlichen mit der Cochrane-Metaanalyse  deckt. Als Mittel der ersten Wahl wird von den Autoren Haloperidol in  aufsteigender Dosierung empfohlen. Daneben gewinnen Risperidon und Quetiapin  aufgrund des Nebenwirkungsprofils (Sedierung, kaum EPS) zunehmend an Bedeutung.  <\/p>\n<p>Inwieweit hier, bei niedrigsten Dosierungen, der therapeutische Effekt auch auf  eine Beeinflussung der produktiven Symptome zur\u00fcckzuf\u00fchren ist, bleibt derzeit  ungekl\u00e4rt. Olanzapin zeigt in der Behandlung hypoaktiver Delirien schlechtere  Ergebnisse und sollte auch wegen des anticholinergen Effekts (wie auch  Clozapin, Zotepin und Prothipendyl) nur gezielt zum Einsatz kommen. Bei der  Gabe von Antipsychotika werden generell, aufgrund m\u00f6glicher QTc-Zeit-Verl\u00e4ngerungen,  EKG-Kontrollen als obligatorisch angesehen.<\/p>\n<h2> Ausblick <\/h2>\n<p>  Kaum  eine andere St\u00f6rung wird in der Medizin derart mit Nichtachtung gestraft wie  das Delir, obwohl es sich hier um eine h\u00e4ufige, in der Regel schwerwiegende  Komplikation mit potenziell letalem Ausgang handelt. Vielleicht ist es aber  gerade diesem Umstand zu verdanken, dass die unbedingt notwendigen  Untersuchungen bei der pharmazeutischen Industrie wenig Gefallen finden. Es  bleibt zu hoffen, dass sich die Forschung auch in diesem Bereich ihrer Verantwortung  stellt.  <\/p>\n<h2>TEST<\/h2>\n<p>[bright course=&#8220;DasnichtentzugsbedingteDelirbf66692e-a2d8-4c75-af04-7e86bcad0abe8c852507-b76e-48b3-9e85-02600d061327&#8243; template=&#8220;mm_full_mma313_3&#8243; locale=&#8220;de-DE&#8220; type=&#8220;courselist&#8220; description=&#8220;Beim nicht entzugsbedingten Delir handelt es sich um eine h\u00e4ufige, in der Regel schwerwiegende Komplikation mit potenziell letalem Ausgang. Trotzdem wird das Delir in \u00fcber 60 Prozent nicht erkannt oder als banaler vor\u00fcbergehender \u201eVerwirrtheitszustand\u201c bagatellisiert, womit therapeutische Interventionen oftmals erst sehr sp\u00e4t, bisweilen auch zu sp\u00e4t zum Einsatz kommen. (CC neuropsy 3\/15).&#8220; class=&#8220;none&#8220;][\/bright]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Foto: Archiv\" src=\"http:\/\/dizign-projekte.at\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/fruhwuehrt.jpg\" alt=\"Foto: Archiv\" width=\"150\" height=\"188\" class=\"alignleft size-full wp-image-1263\" \/><\/p>\n<p> <strong>Prim. Dr. Gerhard Fruhw\u00fcrth <br \/>\n<em>Krankenhaus der Barmherzigen Br\u00fcder, Eisenstadt  <\/em><\/p>\n<p><em>Lecture  Board Univ.-Prof. DDr. Peter Fischer, O. Univ.-Prof. Dr. h.c. mult. Dr.  Siegfried Kasper, Assoc.-Prof. Dr. Dietmar Winkler  <\/em><\/p>\n<p><em>Literatur  beim Verfasser<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beim nicht entzugsbedingten Delir handelt es sich um eine h\u00e4ufige, in der Regel schwerwiegende Komplikation mit potenziell letalem Ausgang. Trotzdem wird das Delir in \u00fcber 60 Prozent nicht erkannt oder als banaler vor\u00fcbergehender \u201eVerwirrtheitszustand\u201c bagatellisiert, womit therapeutische Interventionen oftmals erst sehr sp\u00e4t, bisweilen auch zu sp\u00e4t zum Einsatz kommen. Ein Beitrag von Prim. Dr. Gerhard Fruhw\u00fcrth (CC neuropsy 3\/15).<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":1261,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","footnotes":""},"categories":[90,13],"tags":[99,88,33],"class_list":["post-1262","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-90","category-neuropsy","tag-delir","tag-pharmakotherapie","tag-psychiatrie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1262","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1262"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1262\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1262"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1262"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1262"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}