{"id":1321,"date":"2015-11-17T02:02:29","date_gmt":"2015-11-17T00:02:29","guid":{"rendered":"http:\/\/dizign-projekte.at\/?p=1321"},"modified":"2015-11-17T02:02:29","modified_gmt":"2015-11-17T00:02:29","slug":"internationale-forschung-im-fokus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/oegpb.at\/?p=1321","title":{"rendered":"Internationale Forschung im Fokus"},"content":{"rendered":"<p><strong>Objektive  Biomarker k\u00f6nnten Diagnostik und Versorgung von Depression, Schizophrenie und  Demenz verbessern, so Univ.-Prof. Dr. Shigeto Yamawaki, Pr\u00e4sident von CINP. In  seiner Heimat, erg\u00e4nzt der Japaner im Expertengespr\u00e4ch, gebe es einen rapiden  Anstieg von psychiatrischen Erkrankungen als Reaktion auf einen zunehmend  beschleunigten Alltag.  <\/strong><\/p>\n<p>  Univ.-Prof.  Dr. Shigeto Yamawaki ist  Vorstand der Abteilung f\u00fcr Psychiatrie und Neurowissenschaften an der  Universit\u00e4t Hiroshima, Japan, Gr\u00fcndungspr\u00e4sident des AsCNP (Asian College of  Neuropsychopharmacology). Als aktueller Pr\u00e4sident von CINP (Collegium  Internationale Neuro-Psychopharmacologicum) stand Yamawaki f\u00fcr ein  Expertengespr\u00e4ch* zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p> <strong>CliniCum neuropsy:  Welche Bedeutung hat CINP in der Neuropsychiatrie? <\/strong><\/p>\n<p><strong>Yamawaki: <\/strong>Die global t\u00e4tige Organisation mit  Schwerpunkt Psychopharmakologie widmet sich seit \u00fcber 60 Jahren den  Bed\u00fcrfnissen der modernen Psychiatrie. CINP wurde 1957 in Z\u00fcrich gegr\u00fcndet, um  internationale Forschung, Lehre und Anwendung auf dem Gebiet der  Neuropsychopharmakologie zu f\u00f6rdern. Um diese Bem\u00fchungen zu unterst\u00fctzen, geben  wir &bdquo;The International Journal of Neuropsychopharmacology&ldquo; (IJNP) heraus. Mein  aktueller zweij\u00e4hriger Turnus als CINP-Pr\u00e4sident dauert noch bis 2016 an. Es  freut mich ganz besonders, dass mir w\u00e4hrend meiner Amtszeit o. Univ.- Prof.  DDr. Siegfried Kasper von der Medizinischen Universit\u00e4t Wien als  CINP-Generalsekret\u00e4r zur Seite steht.<\/p>\n<p> <strong>Was sind Ihre  Schwerpunkte als CINP-Pr\u00e4sident? <\/strong><\/p>\n<p>  Mein Fokus  liegt sicherlich auf den sogenannten &bdquo;unmet needs&ldquo;, also den aktuellen L\u00fccken  vor allem in der medikament\u00f6sen Versorgung unserer Patienten. Wir stehen vor  einer Vielzahl von Herausforderungen, vor allem hinsichtlich objektiver  Biomarker f\u00fcr Depression, Schizophrenie und Demenz, und wir brauchen diese  objektiven Indikatoren dringend f\u00fcr die Diagnostik und die klinische  Einsch\u00e4tzung unserer Patienten. Wie wir alle wissen, kam es zudem in den  letzten zehn Jahren bei der Entwicklung neuer psychotroper Substanzen zu einer  Stagnation.<\/p>\n<p> <strong> Und wie engagiert sich  CINP diesbez\u00fcglich?  <\/strong><\/p>\n<p>  Um diese  Krise in der Neuropsychopharmakologie zu \u00fcberwinden, hat CINP vorgeschlagen,  die Zusammenarbeit zwischen klinisch t\u00e4tigen Psychiatern, Grundlagenforschern,  der forschenden pharmazeutischen Industrie sowie den Zulassungsbeh\u00f6rden zu  f\u00f6rdern und zu intensivieren. Solche &bdquo;Private Public Partnerships&ldquo; (PPPs) sind  in den letzten Jahren bereits in einigen L\u00e4ndern implementiert worden. Um die  Idee der PPPs weiter auszubauen und bisherige Ergebnisse zu evaluieren, hielten  wir im April 2015 einen Gipfel in Tokio ab.<\/p>\n<p> <strong> Ihre eigenen  wissenschaftlichen Schwerpunkte liegen in den Bereichen Depression,  Psychopharmakologie und bildgebende Verfahren. K\u00f6nnten Sie den Status quo  hinsichtlich aktueller Versorgungsl\u00fccken und Innovationen in n\u00e4herer Zukunft zusammenfassen?  <\/strong><\/p>\n<p>  Beginnen  wir mit Depression: Meiner Ansicht nach ben\u00f6tigen wir objektive Biomarker und  andere Indikatoren f\u00fcr die Diagnostik. Da die diagnostischen Kriterien gem\u00e4\u00df  DSM und ICD auf subjektiven klinischen Symptomen und Episoden basieren, ist die  derzeitige Population mit der Diagnose Depression sehr heterogen. In den  letzten Jahren wurde die monoamine Hypothese erweitert und erg\u00e4nzt mit Erkenntnissen  zur Bedeutung von neurotropen Faktoren (wie z.B. BDNF) und glutamaterger  Ver\u00e4nderungen. Epigenetischen Studien zufolge scheinen diese Faktoren eine  gr\u00f6\u00dfere Rolle zu spielen als die genetische Pr\u00e4disposition.<\/p>\n<p> <strong> Welche Entwicklungen  gibt es in der Psychopharmakologie?  <\/strong><\/p>\n<p>  Meiner  Meinung nach m\u00fcssen wir die Entwicklung von geeigneten psychotropen Substanzen  vorantreiben, die urs\u00e4chlich in die prim\u00e4re Pathologie von psychiatrischen  Erkrankungen eingreifen. Daher wird CINP auch in Zukunft eine f\u00fchrende Rolle spielen,  um mithilfe von PPPs die Entwicklung von innovativen psychotropen Substanzen zu  f\u00f6rdern. Zudem hat die ECNP (European College of Neuropsychopharmacology) in  Zusammenarbeit mit CINP, ACNP (American College of Neuropsychopharmacology) und  AsCNP ein Projekt initiiert, um die aktuelle Nomenklatur zu optimieren.<\/p>\n<p> <strong> Was sind die aktuellen  Themen bei bildgebenden Verfahren, insbesondere bei der funktionellen  Bildgebung?  <\/strong><\/p>\n<p>  Wir  erlangen zunehmende Kenntnisse \u00fcber jene pathologisch ver\u00e4nderten neuronalen  Schaltkreise, die den einzelnen psychiatrischen Erkrankungen zugrunde liegen.  Daher m\u00fcssen wir unseren Schwerpunkt auf die Entwicklung von  Neuroimaging-Verfahren legen, die wir zu diagnostischen Zwecken routinem\u00e4\u00dfig  einsetzen k\u00f6nnen. Denn viele der neuen Erkenntnisse basieren auf sehr komplexen  bildgebenden Verfahren, die f\u00fcr den klinischen Alltag zu aufw\u00e4ndig sind.<\/p>\n<p> <strong> Prof. Yamawaki, w\u00fcrden  Sie uns abschlie\u00dfend einen kurzen Einblick in die Situation in Japan geben: Vor  welchen Herausforderungen steht die Psychiatrie in Ihrer Heimat?  <\/strong><\/p>\n<p>  In Japan  erleben wir derzeit einen rapiden Anstieg von psychiatrischen Krankheiten,  insbesondere Depression und Suizid, mit allen sozialen Folgen. Diese  Entwicklung basiert zweifelsohne auf den stark gestiegenen Belastungen und dem  zunehmenden Stress im Berufsleben, die auch auf die rasche Globalisierung und  die Einf\u00fchrung immer schnellerer IT-Systeme zur\u00fcckzuf\u00fchren sind. Viele meiner Landsleute  haben gro\u00dfe Probleme, dieses enorme Tempo mitzugehen. Zudem steigt in Japan die  Lebenserwartung nach wie vor an, sodass die Zahl der Demenz-Patienten deutlich  zunimmt. Die Versorgung dieser Patienten setzt das japanische Gesundheitssystem  finanziell sehr unter Druck.<\/p>\n<p> <strong>Vielen Dank f\u00fcr das  Gespr\u00e4ch!  <\/strong><\/p>\n<p><em>*  Das Interview f\u00fchrte Dr. Uli Kiesswetter; die deutsche \u00dcbersetzung wurde von o.  Univ.-Prof. <\/em><em>Dr. h.c. mult. <\/em><em>Dr. Siegfried Kasper, Wien, vidiert.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Objektive Biomarker k\u00f6nnten Diagnostik und Versorgung von Depression, Schizophrenie und Demenz verbessern, so Univ.-Prof. Dr. Shigeto Yamawaki, Pr\u00e4sident von CINP. 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