{"id":1394,"date":"2015-11-23T02:08:51","date_gmt":"2015-11-23T00:08:51","guid":{"rendered":"http:\/\/dizign-projekte.at\/?p=1394"},"modified":"2015-11-23T02:08:51","modified_gmt":"2015-11-23T00:08:51","slug":"entstehung-und-behandlung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/oegpb.at\/?p=1394","title":{"rendered":"Entstehung und Behandlung"},"content":{"rendered":"<p><strong>Somatoforme  Schmerzsyndrome sind \u00e4tiologisch und klinisch durch ein \u00dcberwiegen der  psychosozialen Aspekte charakterisiert. Therapie der Wahl ist die  Psychotherapie. Gut belegt ist die Wirkung von kognitiver Verhaltenstherapie  und psychodynamischinterpersoneller Psychotherapie. <\/strong><\/p>\n<p>  Die  anhaltende somatoforme Schmerzst\u00f6rung wird in der ICD-10 definiert als &bdquo;andauernder,  schwerer und qu\u00e4lender Schmerz, der durch einen physiologischen Prozess oder  eine k\u00f6rperliche St\u00f6rung nicht vollst\u00e4ndig erkl\u00e4rt werden kann. Er tritt in  Verbindung mit emotionalen Konflikten oder psychosozialen Belastungen auf&ldquo; (WHO  1992, Dt. Version: Dilling et al., 1993). <\/p>\n<p>Die Frage, inwieweit es sich hierbei  um &bdquo;reine&ldquo; psychogene Schmerzsyndrome handelt, wurde in den letzten Jahren  wiederholt kontroversiell diskutiert (Bach et al., 2001, Martin et al., 2005).  So lassen sich bei den meisten chronischen Schmerzkranken sowohl k\u00f6rperliche  als auch psychosoziale Faktoren erkennen, die relevant f\u00fcr die Entstehung  und\/oder Aufrechterhaltung der Schmerzen sind (Rief &amp; Barsky, 2005). Au\u00dferdem  ist eine differenzielle Zuordnung k\u00f6rperlicher Beschwerden als rein  organmedizinisch ODER psychosozial angesichts fehlender operationaler Kriterien  eher willk\u00fcrlich bzw. zuf\u00e4llig und ist weder neurobiologisch noch psychosozial eindeutig  zu untermauern. <\/p>\n<p>Das aktuelle DSM-5 schl\u00e4gt daher pragmatisch vor, chronische  Schmerzzust\u00e4nde mit und ohne organmedizinische Ursache gemeinsam unter die neue  diagnostische Kategorie &bdquo;Somatic Symptom Disorder&ldquo; zu subsumieren, wenn die  psychosozialen Aspekte (kognitive, emotionale, interpersonelle Faktoren und  Verhaltensmerkmale) im Vordergrund des klinischen Bildes stehen (APA, 2013). Aus  den bisherigen Interventionsstudien und evidenzbasierten Leitlinien l\u00e4sst sich  ableiten, dass Psychotherapie heute als Therapie der Wahl gilt, w\u00e4hrend bis  heute keine evidenzbasierte Pharmakotherapie vorliegt (Rief &amp; Henningsen, 2012;  Kleinst\u00e4uber et al., 2012; Martin et al., 2013). <\/p>\n<p>In der aktuellen Leitlinie zur  Psychotherapie bei somatoformen St\u00f6rungen lassen sich zahlreiche Wirksamkeitsnachweise  f\u00fcr kognitive Verhaltenstherapie und f\u00fcr psychodynamische Psychotherapie  belegen, mit Einschr\u00e4nkungen auch f\u00fcr Hypnose bzw. Hypnotherapie (Martin et  al., 2013). Auffallend ist hier allerdings, dass es kaum Interventionsstudien  direkt zur somatoformen  Schmerzst\u00f6rung gibt, sondern eher zur Somatisierungsst\u00f6rung  bzw. undifferenzierten Somatisierungsst\u00f6rung oder f\u00fcr assoziierte  Schmerzsyndrome (z.B. R\u00fcckenschmerz oder Fibromyalgie-Syndrom) (Martin et al., 2013).  Weiters sind direkte Vergleichsstudien zur differenziellen Indikationsstellung  und Wirksamkeit einzelner Psychotherapieverfahren bislang de facto inexistent.<\/p>\n<h2> Bedingungsmodell <\/h2>\n<p>  Der  vorliegende Artikel unternimmt den Versuch, bisherige verhaltenstherapeutische,  psychodynamische und interpersonelle Modellvorstellungen zur anhaltenden  somatoformen Schmerzst\u00f6rung zu einem integrativen Konzept zusammenzufassen. Grunds\u00e4tzlich  wird bei der Entstehung und Chronifizierung somatoformer Schmerzsymptome von  einem Aufschaukelungsprozess ausgegangen, bei dem es durch Ver\u00e4nderungen in der  Wahrnehmung k\u00f6rperlicher Empfindungen, Aufmerksamkeitsfokussierung auf  K\u00f6rpervorg\u00e4nge und kognitiven Verzerrungen zum Symptomerleben kommt (Martin et  al., 2013). <\/p>\n<p>Das somatoforme Schmerzerleben findet auf einer zentralnerv\u00f6sen  Ebene statt, wird von den Betroffenen aber peripher lokalisiert. Aktuelle  Erkl\u00e4rungsmodelle greifen auf die Gate-Control-Theorie (Melzack &amp; Wall  1965) zur\u00fcck, die vermutlich das erste multidimensionale Schmerzkonzept darstellt,  in dem biologische und psychologische Mechanismen zu einer einheitlichen  Theorie zusammengefasst wurden. Zentrale Aussage dieser  Schmerzmodulationstheorie ist die Formulierung eines neuronalen Tormechanismus im  Hinterhorn (Substantia gelatinosa) des R\u00fcckenmarks, der die \u00dcbertragung  einlangender Schmerzimpulse von den peripheren Schmerzbahnen (A-Delta-, C-Fasern)  auf Bahnen des R\u00fcckenmarks steuert. <\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/dizign-projekte.at\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/modell.jpg\" alt=\"modell\" width=\"640\" height=\"1153\" class=\"alignnone size-full img-border wp-image-1396\" \/><\/p>\n<p>Das ZNS erlangt dabei eine umfassende  aktive Rolle in der Modulation des nozizeptiven Erregungsmusters durch  deszendierende antinozizeptive Kontrollmechanismen, die als Wahrnehmungsfilter oder  Verst\u00e4rker wirksam werden k\u00f6nnen. Gro\u00dfe Bedeutung erlangte diese Theorie durch  die Ber\u00fccksichtigung zentralnerv\u00f6ser Netzwerke \u2013 unter anderem subkortikaler Motivations-  und Emotionssysteme \u2013 f\u00fcr die Verarbeitung nozizeptiver Reize. Pr\u00e4disponierend  f\u00fcr die Entstehung somatoformer Schmerzen ist die intrapsychische Verkn\u00fcpfung  von k\u00f6rperlichen und\/oder seelischen Schmerzerfahrungen mit affektzust\u00e4ndigen  und ung\u00fcnstigen Beziehungserfahrungen in der Kindheit und Jugend (Nickel &amp;  Egle, 1999). <\/p>\n<p>Eine Reihe (neuro-)biologischer Faktoren (z.B. Genpolymorphismen, dysfunktionale  Stressregulation der HHNA) d\u00fcrften hierbei pathoplastisch wirksam sein. Die pr\u00e4morbide  Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung ist in der Folge gepr\u00e4gt durch ein unsicheres  Bindungsmusters (z.B. erh\u00f6htes Bed\u00fcrfnis nach N\u00e4he und Hilfe\/Unterst\u00fctzung),  Schwierigkeiten in der Affektregulation (z.B. erh\u00f6hte negative Affektivit\u00e4t, Affekthemmung  oder emotionale Vulnerabilit\u00e4t) sowie eine erh\u00f6hte Stress-Sensitivit\u00e4t (z.B.  physiologische \u00dcbererregbarkeit oder Persistenz k\u00f6rperlicher Stressmuster), die  eine insgesamt erh\u00f6hte Vulnerabilit\u00e4t gegen\u00fcber psychosozialen und\/oder  k\u00f6rperlichen Belastungen bedingt (Rief &amp; Henningsen, 2012; Landa et al.,  2012). <\/p>\n<p>Ein zentrales Element der somatoformen Schmerzverarbeitung ist die  selektive Aufmerksamkeitsfokussierung auf den K\u00f6rper. Zwischen afferenten  K\u00f6rpersignalen und der bewussten Wahrnehmung von Schmerz vermitteln kognitive Verarbeitungsprozesse,  durch die normalerweise ein Gro\u00dfteil dieser somatosensorischen Afferenzen  gefiltert wird (Rief &amp; Barsky, 2005). Fr\u00fche schmerzhafte K\u00f6rpererfahrungen (mangelnde  N\u00e4he, Zur\u00fcckweisung, Verletzung, Traumatisierung, k\u00f6rperliche Erkrankung)  k\u00f6nnen nun in Form von dysfunktionalen somatosensorischen Repr\u00e4sentationen bzw.  K\u00f6rper-Schemata gespeichert werden (Brown, 2004). <\/p>\n<p>Akute Belastungen (Konflikte,  Life events, neuerliche traumatische Erfahrungen, schwere k\u00f6rperliche Erkrankungen)  aktivieren K\u00f6rpervorg\u00e4nge (z.B. Muskelverspannung), die durch selektive  Aufmerksamkeitsfokussierung automatisch (intuitiv, unbewusst) mit diesen  fr\u00fcheren K\u00f6rper-Schemata verkn\u00fcpft werden und zum Schmerzerleben f\u00fchren. In der  Folge setzt ein dysfunktionales Krankheitsverhalten mit k\u00f6rperlicher Schonung,  Bewegungsvermeidung und verst\u00e4rktem Hilfesuchverhalten (&bdquo;doctor shopping&ldquo;) ein.  Zahlreiche frustrane Behandlungsversuche im Rahmen nicht gelungener therapeutischer  Beziehungen best\u00e4tigen subjektiv fr\u00fchere ung\u00fcnstige Bindungserfahrungen. <\/p>\n<p>Der  daraus resultierende Teufelskreis aus Schmerzerleben, Defiziten in der  kognitiv- emotionalen Stressverarbeitung und deren Kommunikation f\u00fchrt  schlie\u00dflich zur Chronifizierung der Beschwerden (Kleinst\u00e4uber et al., 2012,  siehe Abbildung).<\/p>\n<p> <strong>Fazit:<\/strong> Fr\u00fche schmerzhafte  K\u00f6rpererfahrungen (z.B. fehlende k\u00f6rperliche N\u00e4he, Traumatisierung, k\u00f6rperliche  Erkrankung) werden in Form von somatosensorischen Repr\u00e4sentationen bzw.  K\u00f6rper-Schemata gespeichert. Aktuelle Belastungen k\u00f6nnen k\u00f6rperliche Vorg\u00e4nge  aktivieren, die durch selektive Aufmerksamkeitsfokussierung automatisch mit  diesen fr\u00fcheren K\u00f6rper-Schemata verkn\u00fcpft werden und zum Schmerzerleben f\u00fchren.<\/p>\n<h2> Therapeutisches Vorgehen <\/h2>\n<p>  Betroffene  mit anhaltender somatoformer Schmerzst\u00f6rung sind in ihren  Krankheitsattributionen stark externalisierend, d.h., sie schreiben die  Schmerzursache vermehrt \u00e4u\u00dferen Umstanden zu (Krankheiten, Wetter, Belastungen etc.),  auch die Beeinflussbarkeit der Schmerzen wird weitgehend nach au\u00dfen gerichtet  (Medikamente, Operationen, Krankenhausaufenthalte, Heiler, Internet, &#8230;).  Gleichzeitig lehnen sie aufgrund ihres einseitig somatischen  Krankheitsverst\u00e4ndnisses eine psychologisch-psychotherapeutische Behandlung  ihrer Schmerzen ab. <\/p>\n<p>Im Unterschied zu den meisten anderen psychischen St\u00f6rungen  muss daher bei Patienten mit somatoformen Schmerzen eine  Psychotherapiemotivation und aktive Ver\u00e4nderungshaltung erst schrittweise  aufgebaut werden. Aus den bislang evaluierten Behandlungsans\u00e4tzen wird ein  mehrstufiges Interventionsmodell vorgeschlagen (Bach et al., 2001): <\/p>\n<p><strong>1.  Psychosomatische  Basisversorgung:<\/strong> Entscheidend  f\u00fcr die Behandlungsmotivation dieser Patientengruppe ist die Initialphase der  Aufkl\u00e4rung und Gespr\u00e4chsf\u00fchrung, die \u00fcblicherweise im Rahmen der  psychosomatischen Basisversorgung durch Haus\u00e4rzte und niedergelassene Fach\u00e4rzte  stattfindet. Die daf\u00fcr entwickelten Psychoedukationskonzepte enthalten  standardisierte Schulungsunterlagen \u00fcber das St\u00f6rungsbild (was bedeutet  somatoform?), m\u00f6gliche differentialdiagnostische Aspekte (Abgrenzung von  Depression, Angstst\u00f6rung etc.), sowie die Vermittlung von geeigneten Gespr\u00e4chstechniken  zur Motivationsf\u00f6rderung und Aktivierung der PatientInnen. <\/p>\n<p>In vielen  Hausarzt-Schulungsmodellen wird die Grundidee von Goldbergs  Reattributionsmodell (1992) vermittelt, das folgende Gespr\u00e4chssequenzen enth\u00e4lt  (Martin et al. 2013): <\/p>\n<ul>\n<li> Phase 1 \u2013 &bdquo;sich verstanden f\u00fchlen&ldquo;: Zielsetzung ist es,  die subjektive Sichtweise der Patienten wertzusch\u00e4tzen und das Vertrauen der  Patienten zu gewinnen. <\/li>\n<li> Phase 2 \u2013 &bdquo;Das Thema ver\u00e4ndern&ldquo;: In einem zweiten Schritt  sollen die bisherigen Untersuchungsergebnisse bewertet werden, das Fehlen einer  relevanten organmedizinischen Grunderkrankung betont und gleichzeitig die  Realit\u00e4t der Beschwerden anerkannt werden (Unterschied zwischen &bdquo;Befund&ldquo; und &bdquo;Befinden&ldquo;).  <\/li>\n<li> Phase 3 \u2013 &bdquo;Die Verbindung herstellen&ldquo;: Die Patienten werden schrittweise  motiviert, m\u00f6gliche Einflussbedingungen auf das k\u00f6rperliche Befinden zu  explorieren (beispielsweise durch das F\u00fchren von Symptomtageb\u00fcchern und deren  Besprechung). Erste bio-psycho-soziale Wechselwirkungsmodelle werden gemeinsam  mit den Patienten erstellt.<\/li>\n<\/ul>\n<p> <strong>2. Schmerzpsychotherapie:<\/strong> Auch in der  Schmerzpsychotherapie wird ein schrittweises Vorgehen empfohlen, beginnend mit  psychoedukativ-symptomorientierten Therapieelementen, dem sp\u00e4ter  symptom\u00fcbergreifende (kognitiv- emotionale und interpersonelle) Interventionen folgen  (Kr\u00f6ner-Herwig et al., 2007). <\/p>\n<p>Aus kognitiv-verhaltenstherapeutischer Sicht  umfasst das folgende Therapiebausteine (Martin et al., 2013): <\/p>\n<ul>\n<li>&bdquo;Erweiterung  des subjektiven Krankheitsmodells&ldquo;: Mithilfe von Symptomtageb\u00fcchern werden  Patienten aktiviert, Zusammenh\u00e4nge zwischen Stress und k\u00f6rperlichem Befinden zu  erkennen. <\/li>\n<li>&bdquo;Selbstregulative Verfahren: Relaxation, Biofeedback, Stressmanagement&ldquo;:  Durch Vermittlung \u00fcbender Verfahren (z.B. progressive Muskelrelaxation) werden  die Patienten angeleitet, k\u00f6rperliche Anspannungszust\u00e4nde zu reduzieren und den  Umgang mit psychischen Belastungen (&bdquo;Stress&ldquo;) zu verbessern. <\/li>\n<li>&bdquo;Ver\u00e4nderung der  Aufmerksamkeitsfokussierung&ldquo;: Ziel dabei ist es, den Aufschaukelungsprozess aus  Wahrnehmung von K\u00f6rperempfindungen, Aufmerksamkeitsfokussierung und  katastrophisierenden Bewertungen zu \u00fcberwinden. <\/li>\n<li>&bdquo;Reduktion dysfunktionaler  Kognitionen&ldquo;: Generalisierende dysfunktionale Kognitionen werden identifiziert und  durch geleitetes Entdecken (&bdquo;sokratischer Dialog&ldquo;) schrittweise durch  funktionalere Sichtweisen ersetzt. Auch Elemente der &bdquo;Acceptance and  Committment Therapy (ACT)&ldquo; gelangten in den letzten Jahren mehrfach zum  Einsatz. <\/li>\n<li>&bdquo;Reduktion von Schonverhalten&ldquo; (&bdquo;graded activity&ldquo;): Entsprechend dem  Angstvermeidungsmodell soll durch gestufte Exposition (operante Verfahren) und  Aktivit\u00e4tsaufbau wieder eine ad\u00e4quate k\u00f6rperliche Belastbarkeit erreicht  werden. Erg\u00e4nzend werden hier Ma\u00dfnahmen zur verbesserten K\u00f6rperwahrnehmung und  -akzeptanz eingesetzt. <\/li>\n<\/ul>\n<p>Aktuelle psychodynamische Modelle zu somatoformen Schmerzen  sind \u2013 entgegen fr\u00fcherer psychoanalytischer Konzepte, die prim\u00e4r  konfliktbezogen formuliert waren \u2013 stark interpersonell ausgerichtet und  strukturbezogen (Nickel &amp; Egle, 1999; Rief &amp; Henningsen, 2012). <\/p>\n<p>Diese  Modelle beruhen auf der zentralen Annahme einer unzureichenden Differenzierung  von negativen Affekten und K\u00f6rperbeschwerden in der Kindheit, weniger auf  zugrunde liegenden psychischen Konflikten und Belastungen. \u00c4hnlich wie in den  verhaltenstherapeutischen Manualen, wird auch in der  psychodynamisch-interpersonellen Therapie (PISO) ein schrittweise aufbauendes therapeutisches  Vorgehen vorgeschlagen, ausgehend von der Legitimierung des Beschwerdeerlebens  und der Erweiterung des subjektiven Erkl\u00e4rungsmodells, \u00fcber das Erleben neuer Beziehungserfahrungen,  hin zu einer Differenzierung von Affekten und K\u00f6rperbeschwerden (Sattel et al.  2011): <\/p>\n<ul>\n<li> Phase 1 \u2013 &bdquo;Symptomverst\u00e4ndnis&ldquo;: Im Zentrum der therapeutischen Arbeitsbeziehung  steht zun\u00e4chst die ausf\u00fchrliche Schilderung der somatischen Symptome, das Identifizieren  psychologischer Ressourcen, die Formulierung realistischer Therapieziele sowie  die Psychoedukation  (z.B. Erkl\u00e4rung vom psycho-physischen Zusammenh\u00e4ngen)  und das F\u00fchren eines Symptomtagebuchs. <\/li>\n<li> Phase 2 \u2013 &bdquo;Beziehung zum K\u00f6rper  und Affekte sowie Beziehungserfahrungen&ldquo;: Weiterf\u00fchrende Themen sind die  Schulung der K\u00f6rperwahrnehmung, das Thematisieren von Affekten  (Gef\u00fchlsidentifizierung und Zusammenh\u00e4nge zu Symptome explorieren),  Unterst\u00fctzung in der Exploration der Affektwahrnehmung und Schmerz- Affekt-Differenzierung.  <\/li>\n<li> Phase 3 \u2013 &bdquo;Konsolidierung&ldquo;: Entsprechend dem PISOModell wird empfohlen, nur  bei ausgebauter therapeutischer Beziehung sehr vorsichtige Deutungen oder Konfrontationsversuche,  keine tiefgehenden Deutungen, durchzuf\u00fchren. <\/li>\n<\/ul>\n<p>Die hier dargestellten  psychologischpsychotherapeutischen Verfahren wurden in Form singul\u00e4rer  kontrollierter Interventionsstudien in den letzten Jahren empirisch  abgesichert. Heute werden schmerzpsychotherapeutische Verfahren in der Regel  jedoch nicht singul\u00e4r, sondern als Baustein multidisziplin\u00e4rer, multimodaler Behandlungsprogramme  (ambulant, teilstation\u00e4r, station\u00e4r) erfolgreich eingesetzt (z.B. Pieh et al., 2014).  <\/p>\n<p>Die hierzu ver\u00f6ffentlichten Metaanalysen und Leitlinien belegen eine  \u00dcberlegenheit dieser Kombinationstherapien (in Verbindung mit medizinischen,  physio-, sport-, ergound kreativtherapeutischen Ma\u00dfnahmen) gegen\u00fcber singul\u00e4ren  Behandlungskonzepten (Flor et al., 1992; Martin et al., 2013), wenngleich der  Anteil der Psychotherapie am Gesamtbehandlungsergebnis sich nicht verl\u00e4sslich  herausfiltern l\u00e4sst.<\/p>\n<p> <strong>Weiterf\u00fchrende Psychotherapie:<\/strong> Trotz Einsatz evidenzbasierter psychotherapeutischer Interventionen  liefern die multimodalen Behandlungsprogramme f\u00fcr somatoforme Schmerzst\u00f6rungen  oft nur moderate Ergebnisse (Martin et al., 2013). So finden sich  beispielsweise in der Deutschlandweit durchgef\u00fchrten MESTA- Vergleichsstudie an  knapp 30.000 Patienten f\u00fcr die station\u00e4re Behandlung von depressiven St\u00f6rungen  Effektst\u00e4rken von 0,84, f\u00fcr Angstst\u00f6rungen 0,71, f\u00fcr somatoforme St\u00f6rungen lediglich  0,49 (Steffanowski et al., 2005). <\/p>\n<p>Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung ist die Behandlungsdauer  von sechs bis acht Wochen in diesen Programmen, die f\u00fcr Patienten mit  somatoformen St\u00f6rungen heute \u2013 \u00e4hnlich wie bei Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rungen bzw.  komplexen Traumafolgest\u00f6rungen \u2013 als zu kurz erachtet wird (Kleinst\u00e4uber et  al., 2012). Eine weiterf\u00fchrende Psychotherapie sollte daher schwerpunktm\u00e4\u00dfig die  oft ausgepr\u00e4gte Affektregulationsst\u00f6rung bzw. die zentrale  K\u00f6rperbeziehungsst\u00f6rung dieser Patientengruppe bearbeiten, erg\u00e4nzt durch  biografische Behandlungselemente, wie z.B. Schematherapie oder Traumatherapie.<\/p>\n<p> <strong>Fazit:<\/strong> In der Psychotherapie somatoformer Schmerzsyndrome wird ein  schrittweises Vorgehen empfohlen (Schmerzerleben, Psychoedukation, dann  kognitiv-emotionale und interpersonelle Interventionen). Eine weiterf\u00fchrende Psychotherapie  sollte schwerpunktm\u00e4\u00dfig die oft ausgepr\u00e4gte Affektregulationsst\u00f6rung bzw. die  zentrale K\u00f6rperbeziehungsst\u00f6rung bearbeiten.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Foto: Privat\" src=\"http:\/\/dizign-projekte.at\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/bach.jpg\" alt=\"bach\" width=\"123\" height=\"123\" class=\"alignleft size-full wp-image-1397\" \/><\/p>\n<p> <strong><em>Prof. Priv.-Doz. Dr. Michael Bach, Mag.  Carina Asenstorfer<\/em><\/strong><em> <br \/>\n  <\/em><em>APR Salzburg \u2013 Ambulante Psychosoziale  Reha. Imbergstra\u00dfe 31A, 5020 Salzburg <br \/>\n    E-Mail: michael. bach@promente-reha.at, carina.asenstofer@promente-reha.at <br \/>\n    Web: www.promente-reha.at <\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Literatur bei den Autoren <\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Somatoforme Schmerzsyndrome sind \u00e4tiologisch und klinisch durch ein \u00dcberwiegen der psychosozialen Aspekte charakterisiert. Therapie der Wahl ist die Psychotherapie. Gut belegt ist die Wirkung von kognitiver Verhaltenstherapie und psychodynamisch-interpersoneller Psychotherapie. Ein Beitrag von Prof. Priv.-Doz. Dr. Michael Bach und Mag. Carina Asenstorfer (CC neuropsy 5\/15)<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":1395,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","footnotes":""},"categories":[108,13],"tags":[33,112,49,113],"class_list":["post-1394","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-108","category-neuropsy","tag-psychiatrie","tag-psychotherapie","tag-schmerz","tag-somatoforme-schmerzsyndrome"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1394","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1394"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1394\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1394"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1394"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1394"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}