{"id":1591,"date":"2016-05-06T00:52:36","date_gmt":"2016-05-05T22:52:36","guid":{"rendered":"http:\/\/dizign-projekte.at\/?p=1591"},"modified":"2016-05-06T00:52:36","modified_gmt":"2016-05-05T22:52:36","slug":"psychiatrische-komorbiditaeten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/oegpb.at\/?p=1591","title":{"rendered":"Psychiatrische Komorbidit\u00e4ten"},"content":{"rendered":"<p><strong>ADHS  ist eine der h\u00e4ufigsten neuropsychiatrischen Erkrankungen des Erwachsenenalters,  doch ein wesentlicher Teil der Krankheitslast wird durch komorbide  psychiatrische Krankheiten ausgel\u00f6st. <\/strong><\/p>\n<p>Die  Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivit\u00e4tsst\u00f6rung (ADHS) ist eine neuronale  Entwicklungsst\u00f6rung, welche bereits im Kindesalter auftritt und mit einer  Pr\u00e4valenz von f\u00fcnf bis zehn Prozent unter Schulkindern zu den h\u00e4ufigsten  neuropsychiatrischen Erkrankungen z\u00e4hlt. Neuere Studien konnten zeigen, dass  ADHS mit etwa 2,5 bis f\u00fcnf Prozent Pr\u00e4valenzraten unter Erwachsenen wider das  fr\u00fchere Paradigma in mehr als der H\u00e4lfte der F\u00e4lle nicht ausheilt, sondern  lebenslang zu funktionellen Beeintr\u00e4chtigungen f\u00fchren kann. <\/p>\n<p>Die Kernsymptomatik  setzt sich dabei aus einem Aufmerksamkeitsdefizit mit erh\u00f6hter Ablenkbarkeit,  Hyperaktivit\u00e4t sowie Impulsivit\u00e4t zusammen. Oftmals bestehen zus\u00e4tzlich eine  emotionale Dysregulation mit Affektlabilit\u00e4t und Hyperarousal, eine erniedrigte  Frustrationstoleranz, ein verringerter Selbstwert sowie eine  Biorhythmusst\u00f6rung. Folglich werden durch ADHS alle Lebensbereiche beeintr\u00e4chtigt,  und die Symptome treten sowohl in der Schule oder am Arbeitsplatz wie auch in  der Freizeit und im famili\u00e4ren Bereich auf. <\/p>\n<p>ADHS ist daher mit ausgepr\u00e4gten  gesundheitlichen, psychosozialen und \u00f6konomischen Problemen verkn\u00fcpft.  Dementsprechend erleben sich Patienten mit ADHS am Arbeitsmarkt im Durchschnitt  weniger erfolgreich und m\u00fcssen f\u00fcr den gleichen Erfolg oft gr\u00f6\u00dfere  Anstrengungen unternehmen als gesunde Arbeitnehmer. Zudem sind die  Pr\u00e4valenzraten in Justizanstalten etwa vierfach erh\u00f6ht. An der Krankheitslast  ma\u00dfgeblich beteiligt sind dabei psychiatrische Komorbidit\u00e4ten, welche mit etwa  80 Prozent beim Gro\u00dfteil der Patienten auftreten und oftmals ausschlaggebend  f\u00fcr die Vorstellung an einer psychiatrischen Einrichtung sind, da sie im  Gegensatz zu der seit der Kindheit bestehenden und meist als charakterimmanent angesehenen  ADHS-Symptome besser wahrnehmbar sind. <\/p>\n<p>Die aktuelle Forschungslage suggeriert  f\u00fcr Patienten mit ADHS ein etwa verdoppeltes Risiko, an einer affektiven St\u00f6rung  zu erkranken, ein dreifach erh\u00f6htes Risiko f\u00fcr Suchterkrankungen und ein etwa  doppeltes Risiko f\u00fcr Angsterkrankungen. Im klinischen Alltag sollte deswegen auf  psychiatrische Komorbidit\u00e4ten ein besonderes Augenmerk gelegt werden. Im  Folgenden werden die einzelnen Begleiterkrankungen im Detail beschrieben.<\/p>\n<h2>  Affektive St\u00f6rungen <\/h2>\n<p><strong>Pr\u00e4valenz und Diagnostik.<\/strong> Etwa zwei Drittel der  adulten Patienten mit ADHS leiden an einer affektiven St\u00f6rung, wobei die  depressive St\u00f6rung am h\u00e4ufigsten ist und bei etwa 55 Prozent der Patienten im  Lauf des Lebens auftritt. Dabei scheinen vor allem psychosoziale Risikofaktoren  wie berufliche Unzufriedenheit, Beziehungskrisen und finanzielle Schwierigkeiten  durch die ADHS-Symptomatik beg\u00fcnstigt zu werden und l\u00f6sen, infolge von  Insuffizienzgef\u00fchlen und Selbstwertminderung, depressive Episoden aus. <\/p>\n<p>Die  Lebensqualit\u00e4t ist bei depressiven Patienten mit ADHS im Vergleich zu lediglich  unipolarer Depression weiter gemindert. Allerdings sind depressive Episoden bei  ADHS von kurzfristigen Stimmungsschwankungen im Rahmen der ADHS-immanenten  Affektlabilit\u00e4t oftmals schwer abzugrenzen, zumal die depressiven Symptome der  Konzentrationsst\u00f6rung, verminderten Leistungsf\u00e4higkeit und psychomotorischen  Unruhe und inneren Anspannung auch bei einer ADHS auftreten. Daher ist differenzialdiagnostisch  vor allem der zeitlich abgrenzbare, phasenhafte Beginn der depressiven  Symptomatik n\u00fctzlich. <\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/dizign-projekte.at\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/tab1.jpg\" alt=\"tab1\" width=\"640\" height=\"479\" class=\"alignnone size-full wp-image-1594\" \/><\/p>\n<p>Anhedonie, Appetit- und Gewichtsverlust sowie Antriebs-  und Hoffnungslosigkeit sind bei ADHS untypisch und k\u00f6nnen ebenfalls zur  Abgrenzung einer depressiven Episode herangezogen werden. Bei gesicherter  depressiver Episode und der Verdachtsdiagnose auf komorbides ADHS ist diese  erst nach Remission der depressiven Symptomatik zu sichern. Neben der  unipolaren Depression tritt auch die bipolar affektive St\u00f6rung gemeinsam mit  der ADHS in Erscheinung. Vor allem im Kindes- und Jugendalter leidet etwa die  H\u00e4lfte der Betroffenen mit bipolarer St\u00f6rung (1,8 Prozent der Gesamtbev\u00f6lkerung)  zus\u00e4tzlich an einer ADHS. <\/p>\n<p>Durch die breite \u00dcberschneidung der Symptome, insbesondere  der Impulsivit\u00e4t mit freiz\u00fcgigem Verhalten bez\u00fcglich Geld, Sexualit\u00e4t und  Suchtmitteln, aggressivem Sozialverhalten, Stimmungsschwankungen,  Schlafproblemen und psychomotorischer Unruhe, ist die Differenzialdiagnose  oftmals schwierig. Bei gleichzeitig auftretender ADHS und bipolarer St\u00f6rung ist  mit einem ung\u00fcnstigen Verlauf, welcher eine fr\u00fchere Manifestation von  depressiven oder manischen Phasen, k\u00fcrzeren Remissionsphasen und erh\u00f6htem  Risiko komorbider Angst- und Suchterkrankungen beinhaltet, zu rechnen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/dizign-projekte.at\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/komorb.jpg\" alt=\"komorb\" width=\"640\" height=\"637\" class=\"alignnone size-full img-border wp-image-1596\" \/><\/p>\n<p>  <strong>Auswirkungen auf die  Therapie.<\/strong> Bei  bekannter ADHSSt\u00f6rung und neuauftretender depressiver Episode sollte die  laufende ADHS-Therapie mit Methylphenidat (MPH) um ein Antidepressivum  (SSRI\/SNRI) erg\u00e4nzt werden. Atomoxetin (ATX) sollte im Regelfall nicht mit  SSRI\/SNRI kombiniert werden, um eine Verst\u00e4rkung der Nebenwirkungen sowie ein  eventuell auftretendes Serotoninsyndrom zu vermeiden. W\u00e4hrend eine  medikament\u00f6se Therapie bei Patienten mit Affektlabilit\u00e4t, Schlafst\u00f6rungen, innerer  Anspannung oder Selbstwertminderung im Rahmen der Grunderkrankung ADHS oftmals  zu einer Linderung dieser Symptome f\u00fchren kann, konnte bislang kein antidepressiver  Effekt von MPH oder ATX nachgewiesen werden. <\/p>\n<p>Daher sollte bei einer  vordergr\u00fcndig bestehenden depressiven St\u00f6rung und der Verdachtsdiagnose ADHS  zun\u00e4chst Erstere therapiert werden, ehe eine   spezifische ADHS-Therapie erfolgt. Patienten mit ADHS mit einer  komorbiden depressiven St\u00f6rung sprechen jedoch weniger auf eine antidepressive  Therapie an und haben einen gr\u00f6\u00dferen Leidesdruck als Patienten ohne eine ADHS. Im  Gegensatz zur unipolaren Depression ist die Datenlage zur Therapie von bipolar  affektiver St\u00f6rung und ADHS ambivalent. \u00c4ltere Studien warnen vor einem  erh\u00f6hten Risiko psychotischer Exazerbation unter MPH, jedoch konnte dies in  j\u00fcngsten Untersuchungen nicht erh\u00e4rtet werden. <\/p>\n<p>Trotz derzeit noch geringer  Studiendaten sollte eher von einem synergistischen Effekt von MPH und ATX bei  der Kombination mit Stimmungsstabilisatoren oder Neuroleptika ausgegangen  werden. Da eine AHDS bei bipolarer St\u00f6rung zudem zu einem ung\u00fcnstigen Verlauf beitr\u00e4gt,  sollte diese jedenfalls im therapeutischen Konzept ber\u00fccksichtigt werden.<\/p>\n<h2> Angstst\u00f6rungen <\/h2>\n<p><strong>Pr\u00e4valenz und Diagnostik.<\/strong> Patienten mit ADHS weisen eine  Lebenszeitpr\u00e4valenz f\u00fcr Angstst\u00f6rungen von 25 bis 50 Prozent auf, welche damit  im Vergleich zur Allgemeinpopulation auf das etwa Doppelte erh\u00f6ht ist.  Insbesondere die Pr\u00e4valenz f\u00fcr eine Sozialphobie, jedoch auch f\u00fcr posttraumatische  Belastungsst\u00f6rungen ist erh\u00f6ht. Die Studienlage zur generalisierten  Angstst\u00f6rung weist hingegen auf keine signifikanten Pr\u00e4valenzunterschiede hin.  Jedoch deuten aktuelle Studiendaten auf einen fr\u00fcheren Krankheitsbeginn und  einen schwerwiegenderen Verlauf mit gravierender psychosozialer  Beeintr\u00e4chtigung hin. <\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/dizign-projekte.at\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/strategien.jpg\" alt=\"strategien\" width=\"730\" height=\"326\" class=\"alignnone size-full wp-image-1598\" \/><\/p>\n<p>Auch bei den Angstst\u00f6rungen besteht eine \u00dcberschneidung der  Kernsymptomatik mit jener der ADHS, insbesondere Reizbarkeit, psychomotorische  Unruhe, Vermeidungsverhalten und geringe Frustrations- und Stresstoleranz sind  bei beiden St\u00f6rungen h\u00e4ufig. Auch hier ist die Exploration des zeitlichen  Verlaufs entscheidend, da die ADHS-Symptomatik seit der Kindheit besteht und  oftmals als charakterliche Eigenart aufgefasst wird, w\u00e4hrend Angstst\u00f6rungen im  Regelfall erst im Laufe der Adoleszenz und dann in der Symptomatik fluktuierend  auftreten.<\/p>\n<p> <strong>Auswirkungen auf die  Therapie.<\/strong> Nur  wenige Studien haben die kombinierte Therapie von Angstst\u00f6rungen und einer ADHS  bislang untersucht, so gibt es beispielsweise keine relevanten Ergebnisse zu  Pregabalin und MPH oder ATX. Bisherige erste Ergebnisse sprechen jedoch f\u00fcr  einen anxiolytischen Effekt von ATX, welcher f\u00fcr MPH nicht nachweislich war.  Bei vorbekanntem ADHS und neuauftretender Angstst\u00f6rung ist ATX oder die  Kombination von MPH und einem SSRI oder SNRI zu empfehlen. Bei bekannter Angstst\u00f6rung  und der Verdachtsdiagnose einer ADHS sollte zun\u00e4chst mit einem SSRI oder SNRI  therapiert und die Diagnose ADHS nach Stabilisierung der Angstsymptomatik  evaluiert werden. <\/p>\n<h2> Substanzabh\u00e4ngigkeit <\/h2>\n<p><strong>Pr\u00e4valenz und Diagnostik.<\/strong> Komorbide  Substanzabh\u00e4ngigkeiten sind unter Patienten mit ADHS etwa dreimal h\u00e4ufiger zu  finden als in der Kontrollpopulation, und Studien weisen auf einen hohen Anteil  von bis zu 25 Prozent an ADHS unter Suchtpatienten hin. Dabei ist die  Alkoholabh\u00e4ngigkeit die h\u00e4ufigste Substanzabh\u00e4ngigkeit und tritt bei bis zu der  H\u00e4lfte der Patienten auf, w\u00e4hrend bis zu 30 Prozent unter Drogenmissbrauch oder  -abh\u00e4ngigkeit leiden. Die hohen Pr\u00e4valenzraten wurden bislang ebenfalls als Selbstmedikation  erkl\u00e4rt, da die Patienten die Substanzen gezielt einsetzen, um die  Hyperaktivit\u00e4t und Anspannung zu reduzieren. <\/p>\n<p>Der Verlauf ist dabei bei ADHS  schwerwiegender, die Patienten geraten schneller in Abh\u00e4ngigkeit und weisen  einen intensiveren Substanzgebrauch auf. Aufgrund der H\u00e4ufigkeit von  Substanzabh\u00e4ngigkeit bei ADHS haben entsprechende Fragen auch Eingang in die diagnostischen  Werkzeuge gefunden und sollten routinem\u00e4\u00dfig abgefragt werden. Bei Patienten mit  aktuellem Substanzmissbrauch oder -abh\u00e4ngigkeit und der Verdachtsdiagnose ADHS  kann jedoch die Unterscheidung schwierig sein, da insbesondere  Stimmungsschwankungen, psychomotorische Unruhe, Konzentrationsst\u00f6rungen bei  beiden St\u00f6rungen auftreten. Daher sollte die Diagnosesicherung einer ADHS bei  Substanzgebrauch gem\u00e4\u00df der derzeitigen Studienlage erst nach einmonatiger Abstinenz  erfolgen bzw. nach Stabilisierung im Falle einer Substitutionstherapie. <\/p>\n<p> <strong>Auswirkungen auf die Therapie.<\/strong> Die Zahl der Studien, welche die Therapie mit MPH oder ATX  bei Suchtpatienten untersuchen, ist bislang begrenzt. Allerdings legen erste  Ergebnisse nahe, dass die Therapie mit MPH in keinem klinisch signifikanten  Ausma\u00df zu Missbrauch oder einer Exazerbation des Suchtverhaltens f\u00fchrt.  Hingegen wurde von reduziertem Craving und l\u00e4ngerer Abstinenz sowohl unter MPH  als auch ATX berichtet. Gleichzeitig konnte gezeigt werden, dass Kinder und  Jugendliche mit ADHS, welche mit MPH oder ATX therapiert wurden, ein der  Allgemeinbev\u00f6lkerung angepasstes Suchtrisiko aufweisen. <\/p>\n<p>Gem\u00e4\u00df den aktuellen  therapeutischen Leitlinien sollte jedoch zun\u00e4chst eine antidepressive Therapie  erfolgen, ehe der Gebrauch von MPH oder ATX erwogen werden sollte. W\u00e4hrend bei  abstinenten Patienten und solchen mit gelegentlichem Substanzmissbrauch auch  MPH als retardiertes Pr\u00e4parat zur Anwendung kommen kann, sollte bei bestehender  Substanzabh\u00e4ngigkeit und Substitution vorrangig ATX verwendet werden, da MPH  auch missbr\u00e4uchlich angewendet werden kann und bei intraven\u00f6ser Einnahme in der  Wirkung mit Kokain zu vergleichen ist. <\/p>\n<p>Eine Abh\u00e4ngigkeit  nach oraler Einnahme von MPH ist gem\u00e4\u00df der  derzeitigen Datenlage nicht zu erwarten, da das Wirkungsmaximum hier erst nach  etwa einer Stunde eintritt (im Vergleich zu etwa zehn Minuten bei intraven\u00f6sem  Konsum). Darauf aufbauend wurde MPH auch wiederholt als Substitutionstherapie bei  Kokainabh\u00e4ngigkeit vorgeschlagen, wobei bisherige Studien keine signifikante  Besserung unter MPH-Therapie feststellen.<\/p>\n<h2> Schizophrenie <\/h2>\n<p><strong>Pr\u00e4valenz und Diagnostik.<\/strong> Rezente Studienergebnisse legen  nahe, dass Patienten mit ADHS an einem h\u00f6heren Risiko leiden, Psychosen zu  entwickeln. W\u00e4hrend einerseits der h\u00e4ufigere Gebrauch von Cannabis bei  ADHSPatienten eine Rolle spielt, da bis zu 71 Prozent der Patienten mit  psychotischer Erstmanifestation THC-Missbrauch aufweisen, deuten einige  Untersuchungen auch auf ein geteiltes Risiko unabh\u00e4ngig vom Suchtverhalten hin.  So haben erstgradig Verwandte von Patienten mit ADHS ein zweifach erh\u00f6htes  Risiko, an einer Schizophrenie zu erkranken. <\/p>\n<p>Gleichzeitig findet sich bei Patienten  mit Schizophrenie etwa doppelt so h\u00e4ufig die Diagnose ADHS im Kindesalter wie  bei der Kontrollpopulation. Patienten, welche bereits im Kindesalter an  Schizophrenie erkranken, erf\u00fcllen zu 50 Prozent auch die Kriterien f\u00fcr eine  ADHS. Neben dem geh\u00e4uften gemeinsamen Vorkommen der beiden Erkrankungen ist das  Aufmerksamkeitsdefizit ein wesentliches Symptom der schizophrenen  Negativsymptomatik.<\/p>\n<p> <strong>Auswirkungen auf die  Therapie.<\/strong> Aufgrund  der aus der Dopaminhypothese zur \u00c4tiologie der Schizophrenie resultierenden Zur\u00fcckhaltung  im Gebrauch von Stimulantien wie MPH bei Psychosen ist die Datenlage zur  Behandlung von komorbider ADHS und Schizophrenie sehr sp\u00e4rlich. Einige Studien  mit einem kleinen Kollektiv erbrachten Hinweise, dass nach Stabilisierung der  psychotischen Symptome durch Neuroleptika der Einsatz von MPH und ATX nicht mit  einer Erh\u00f6hung der Positivsymptomatik einhergeht. Neben der Besserung der  ADHS-Symptomatik wurde auch von einer Abnahme der Negativsymptomatik bei diesen  Patienten berichtet. <\/p>\n<p>Diese Beobachtungen lassen sich mit dem unterschiedlichen  Wirkungsprofil von MPH und Antipsychotika auf den Dopamintransporter,  Norepinephrintransporter und Dopamin-D2-Rezeptor erkl\u00e4ren. Zudem wurden  Theorien vorgeschlagen, dass MPH die tonische Aktivierung von  Dopamin-Autorezeptoren erh\u00f6ht und die phasische Wirkung am postsynaptischen Rezeptor  reduziert. Zum jetzigen Zeitpunkt ist allerdings der Nutzen von MPH und ATX in  Patienten mit Schizophrenie nicht eindeutig abzusch\u00e4tzen. Bis neue Studien  diese Unklarheiten ausr\u00e4umen, sollten Stimulantien nur mit gro\u00dfer Sorgfalt und genauer  Evaluierung der Indikation und des Behandlungseffektes eingesetzt werden.<\/p>\n<h2> Schlafst\u00f6rung <\/h2>\n<p><strong>Pr\u00e4valenz und Diagnostik.<\/strong> Schlafst\u00f6rungen werden von bis  zu 70 Prozent der Patienten mit ADHS berichtet. Dabei treten vor allem Ein- und  Durchschlafst\u00f6rungen, Dysregulationen des zirkadianen Rhythmus, Tagesm\u00fcdigkeit und  geringere Schlafeffizienz auf. W\u00e4hrend Schlafst\u00f6rungen als Teil der typischen  ADHS-Symptomatik gelten und ADHS mit den CLOCK-Genen und damit der Regulierung  des zirkadianen Rhythmus assoziiert wurde, k\u00f6nnen Schlafst\u00f6rungen auch prim\u00e4r  bestehen und sekund\u00e4r zu Unruhe und Konzentrationsst\u00f6rungen f\u00fchren. <\/p>\n<p>Zudem  konnten einige Studien zeigen, dass Patienten mit ADHS ein h\u00f6heres Risiko f\u00fcr  Restless-Legs-Syndrom aufweisen. Daher ist die Abkl\u00e4rung des Schlafes ein  wesentlicher Bestandteil der ADHS-Diagnostik und -Evaluierung. Zudem wird durch  Schlafst\u00f6rungen auch tags\u00fcber die ADHS-Symptomatik verst\u00e4rkt und das Risiko  einer komorbiden depressiven St\u00f6rung erh\u00f6ht, weswegen der Verbesserung des  Schlafes ein wesentlicher Stellenwert zukommt.<\/p>\n<p> <strong>Auswirkungen auf die  Therapie.<\/strong> Insofern  keine eigenst\u00e4ndigen Schlafst\u00f6rungen wie Schlafapnoe oder Restless- Legs-Syndrom  bestehen, ist gem\u00e4\u00df der aktuellen Studienlage zu erwarten, dass durch die  Therapie mit MPH oder ATX auch die Schlafsymptome der Patienten verringert werden  k\u00f6nnen. Eine Verschlechterung des Schlafes durch die Therapie ist bei  vorschriftsgem\u00e4\u00dfer Einnahme nicht zu erwarten, eine zus\u00e4tzliche  psychopharmakologische Therapie sollte erst nach mangelnder Wirksamkeit von MPH  oder ATX erwogen werden. Steht hingegen eine eigenst\u00e4ndige Schlafst\u00f6rung im  Vordergrund, ist eine polysomnografische Abkl\u00e4rung notwendig. Zur kombinierten  pharmakologischen Therapie von Restless-Legs-Syndrom und ADHS besteht derzeit allerdings  kaum klinische Erfahrung.<\/p>\n<h2> Res\u00fcmee <\/h2>\n<p>  Durch  die \u00c4hnlichkeit der Symptomkomplexe und \u00dcberschneidungen der Kernsymptomatik  der einzelnen St\u00f6rungsbilder ist die Differenzialdiagnose oftmals eine  Herausforderung. Komorbide psychiatrische Erkrankungen fr\u00fch in der  ADHS-Diagnostik zu erkennen und st\u00f6rungsspezifisch zu therapieren ist dabei  essenziell f\u00fcr den Behandlungserfolg. Da f\u00fcr viele Komorbidit\u00e4ten nur unzureichende  klinische Erfahrung zur kombinierten pharmakologischen Therapie besteht, ist  die im Vordergrund stehende Beeintr\u00e4chtigung prim\u00e4r zu behandeln. Dennoch  deuten j\u00fcngste Studienergebnisse daraufhin, dass alle Patienten mit komorbider ADHS  von einer ad\u00e4quaten Therapie mit MPH oder ATX profitieren k\u00f6nnen. <\/p>\n<div id=\"attachment_1599\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1599\" title=\"Fotos: Privat (4), MedUni Wien\/Matern\" src=\"http:\/\/dizign-projekte.at\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/autoren02.jpg\" alt=\" Dr. Alexander Kautzky, Dr. Thomas Vanicek, Dr. Konstantinos Papageorgiou, Assoc.-Prof. PD Dr. Rupert Lanzenberger und o. Univ.-Prof. Dr. h.c. mult. Dr. Siegfried Kasper (v.l.n.r.) Universit\u00e4tsklinik f\u00fcr Psychiatrie und Psychotherapie, Wien\" width=\"640\" height=\"127\" class=\"size-full wp-image-1599\" \/><p id=\"caption-attachment-1599\" class=\"wp-caption-text\">Dr. Alexander Kautzky, Dr. Thomas Vanicek, Dr. Konstantinos Papageorgiou, Assoc.-Prof. PD Dr. Rupert Lanzenberger und o. Univ.-Prof. Dr. h.c. mult. Dr. Siegfried Kasper (v.l.n.r.) Universit\u00e4tsklinik f\u00fcr Psychiatrie und Psychotherapie, Wien<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ADHS  ist eine der h\u00e4ufigsten neuropsychiatrischen Erkrankungen des Erwachsenenalters,  doch ein wesentlicher Teil der Krankheitslast wird durch komorbide  psychiatrische Krankheiten ausgel\u00f6st. 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