{"id":1646,"date":"2016-05-25T17:20:12","date_gmt":"2016-05-25T15:20:12","guid":{"rendered":"http:\/\/dizign-projekte.at\/?p=1646"},"modified":"2016-05-25T17:20:12","modified_gmt":"2016-05-25T15:20:12","slug":"die-bedeutung-der-immunmodulation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/oegpb.at\/?p=1646","title":{"rendered":"Die Bedeutung der Immunmodulation"},"content":{"rendered":"<p><strong>Lange Zeit wurde das zentrale Nervensystem als ein  immunprivilegiertes Organ angesehen, das vom Immunsystem durch die  Blut-Hirn-Schranke getrennt ist und sich daher einer effizienten immunologischen  Kontrolle entzieht. Neue Erkenntnisse aus der Neuroimmunologie belegen jedoch,  dass dies nicht der Fall ist. Gehirn und R\u00fcckenmark werden kontinuierlich durch  unser Abwehrsystem \u00fcberwacht, und immunologische Mechanismen k\u00f6nnen zu  neurologischen oder psychiatrischen Autoimmunerkrankungen f\u00fchren, funktionelle  St\u00f6rungen ausl\u00f6sen oder degenerative Prozesse im Nervensystem verst\u00e4rken. Neben  diesen sch\u00e4digenden Mechanismen spielt das Immunsystem auch eine Rolle im Abbau  fehlgefalteter Eiwei\u00dfmolek\u00fcle im Gehirn. Es ist zu erwarten, dass die  Modulation dieser immunologischen Mechanismen in Zukunft auch in der Therapie  psychiatrischer Erkrankungen genutzt werden kann.  <\/strong><\/p>\n<p>Das immunologische Abwehrsystem dient der Erkennung und  Elimination infekti\u00f6ser Erreger. Dies wird durch die zwei Arme des  Immunsystems, die angeborene Abwehr (Innate Immunity) und die erworbene Abwehr  (Adaptive Immunity) erzielt. Die angeborene Abwehr stellt die erste  Verteidigungslinie dar, die auf einer breiten Erkennung von k\u00f6rperfremden  Molek\u00fclen beruht, durch Makrophagen, Natural-Killer-Zellen und  Granulozyten-vermittelt und durch l\u00f6sliche Botenstoffe des Immunsystems, wie zum  Beispiel Interleukin 1, Interleukin 6, Tumornekrosefaktor \u03b1 und Komplement gesteuert  wird. <\/p>\n<p>Sie ist sehr effizient in der Erkennung und Elimination von Keimen, die Erkennung  ist jedoch nicht sehr spezifisch und kann auch zur Sch\u00e4digung k\u00f6rpereigener  Zellen und Molek\u00fcle f\u00fchren. Im Gegensatz dazu erkennt die erworbene Immunit\u00e4t infekti\u00f6se  Erreger sehr spezifisch und f\u00fchrt zu einer wesentlich selektiveren Zerst\u00f6rung  der eingedrungenen Keime. Die erworbene Immunit\u00e4t wird durch T-Lymphozyten, B-Lymphozyten  und Antik\u00f6rper vermittelt. Das Nervensystem ist vom Immunsystem durch die Blut-Hirn-Schranke getrennt, die den freien Austausch von Leukozyten, Antik\u00f6rpern  und Botenstoffen des Immunsystems, den sogenannten Zytokinen, behindert. <\/p>\n<p>Aus  diesem Grund wurde das Gehirn und R\u00fcckenmark f\u00fcr lange Zeit als immunprivilegiertes  Organ angesehen, das sich der Kontrolle des Abwehrsystems entzieht. Heute wei\u00df  man allerdings, dass die Blut-Hirn-Schranke von aktivierten Immunzellen \u00fcberwunden  werden kann, dass auch Antik\u00f6rper in geringem Ausma\u00df in das Nervensystem  gelangen k\u00f6nnen, dass es spezifische Transportmechanismen f\u00fcr Zytokine in das  Nervensystem gibt und dass auch eine Verbindung zwischen dem Nervensystem und  Lymphgef\u00e4\u00dfen besteht. Diese Erkenntnisse lieferten die Basis f\u00fcr das  Verst\u00e4ndnis der sehr effizienten Immun\u00fcberwachung des Nervensystems und  erkl\u00e4ren auch, warum Fehlreaktionen des Immunsystems, zum Beispiel im Rahmen  von Autoimmunerkrankungen, das Nervensystem sch\u00e4digen k\u00f6nnen. <\/p>\n<h2>Immunologische Vorg\u00e4nge in der  Pathogenese der Depression <\/h2>\n<p>Systemische Immunreaktionen, wie sie zum Beispiel im Rahmen akuter  und chronischer Infekte auftreten, k\u00f6nnen zu neuropsychiatrischen Symptomen  f\u00fchren, die \u00c4hnlichkeiten mit denen depressiver Patienten aufweisen. Die  zugrunde liegenden Mechanismen wurden in den letzten Jahren in experimentellen  Modellen zumindest zum Teil gekl\u00e4rt, und es konnte gezeigt werden, dass vor  allem die Mechanismen der angeborenen Immunit\u00e4t eine Rolle spielen. Die  Invasion von Bakterien oder Viren in den K\u00f6rper bewirkt eine massive  Aktivierung der Makrophagen, die mit einer Freisetzung proinflammatorischer  Zytokine einhergeht. <\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"syndrome\" src=\"https:\/\/medonline.at\/wp-content\/uploads\/syndrome.jpg\" alt=\"syndrome\" width=\"620\" height=\"444\" class=\"alignnone size-full img-border wp-image-177314\" \/><\/p>\n<p>Die Zytokine gelangen \u00fcber die Blut-Hirn-Schranke in das  zentrale Nervensystem und aktivieren Mikrogliazellen, die wiederum Zytokine und  auch zytotoxische Mediatoren produzieren. Besonders wichtig in diesem Prozess  sind Produkte des Tryptophanstoffwechsels, wie Kynurenin, Kynurenins\u00e4ure und  Quinolins\u00e4ure, die sowohl agonistische wie auch antagonistische Wirkung auf  NMDA-Rezeptoren aufweisen. Interessanterweise erfolgt die Aktivierung des  angeborenen Abwehrsystems nicht nur durch Infektionen, sondern kann auch durch  Stress (einschlie\u00dflich psychosozialem Stress) ausgel\u00f6st werden. <\/p>\n<p>Auf der Basis  dieser Erkenntnisse lag es nahe, m\u00f6gliche Ver\u00e4nderungen proinflammatorischer  Zytokine bei Patienten mit Depression zu untersuchen. Erh\u00f6hte Serumund Plasmaspiegel  dieser Zytokine (C-reaktives Protein, Interleukin 1\u03b2, Interleukin 6 und  Tumornekrosefaktor \u03b1) wurden nachgewiesen, und diese Befunde wurden in gro\u00dfen Metaanalysen  best\u00e4tigt. Als diagnostische Marker f\u00fcr Einzelpatienten erscheinen sie jedoch  aufgrund der gro\u00dfen Streubreite innerhalb der Patientenpopulationen ungeeignet.  Sie k\u00f6nnten sich jedoch als prognostische Marker f\u00fcr das Ansprechen auf eine  Therapie mit Serotonin- Wiederaufnahmehemmern oder zur Differenzierung von Subtypen  der Depression als n\u00fctzlich erweisen. <\/p>\n<p>Wenn neuroimmunologische Mechanismen in  der Pathogenese der Depression eine Rolle spielen, stellt sich die Frage der  Wirksamkeit immunmodulierender Therapien. Verschiedene Therapieans\u00e4tze wurden  bislang getestet, die unter anderen die Behandlung mit nicht steroidalen Antirheumatika,  mit Tumornekrosefaktor \u03b1 blockierenden Substanzen, mit Vitamin D oder Omega-3-Fetts\u00e4uren  umfassen. Diese Therapieversuche brachten bislang keine \u00fcberzeugenden positiven  Ergebnisse. Es sollte jedoch bedacht werden, dass die oben angef\u00fchrten  Substanzen auch bei klassischen neuroimmunologischen Erkrankungen, wie zum  Beispiel der multiplen Sklerose, unwirksam sind. <\/p>\n<p>Etwas erfolgversprechender  erscheint die Therapie mit Minozyklin, das die Mikrogliaaktivierung im  zentralen Nervensystem vermindert und m\u00e4\u00dfige Verbesserungen bei Multiple-Sklerose-Patienten  gezeigt hat. Kontrollierte klinische Studien zur Minozyklin-Therapie bei  Patienten mit Depression werden gegenw\u00e4rtig durchgef\u00fchrt. Zusammenfassend belegen  die bislang vorliegenden Daten, dass Mechanismen der angeborenen Abwehr in der  Pathogenese der Depression eine Rolle spielen und zu einer Verst\u00e4rkung und  Modulation der Symptomatik f\u00fchren k\u00f6nnen. <\/p>\n<h2>Autoantik\u00f6rper-vermittelte  neuropsychiatrische Erkrankungen <\/h2>\n<p>Nur sehr geringe Mengen von Immunglobulinen gelangen durch die  intakte Blut-Hirn-Schranke in das zentrale Nervensystem. Dies verhindert im  allgemeinen Autoantik\u00f6rper- vermittelte entz\u00fcndliche Erkrankungen des Gehirns oder  R\u00fcckenmarks. K\u00fcrzlich wurde jedoch eine neue Klasse von Autoantik\u00f6rpern  entdeckt, die gegen Rezeptoren von Neurotransmittern oder gegen Ionenkan\u00e4le  gerichtet sind. Solche Antik\u00f6rper sind bereits in sehr niedrigen  Konzentrationen im Nervensystem pathogen, da  sie nicht zur immunologischen Zerst\u00f6rung der Zellen f\u00fchren, sondern an  Rezeptoren binden, die sie funktionell blockieren. <\/p>\n<p>Neue Nachweisverfahren f\u00fcr  solche Antik\u00f6rper wurden in den letzten Jahren entwickelt, und dies f\u00fchrte zur Entdeckung  einer gro\u00dfen Zahl neuer Erkrankungen. Die Antik\u00f6rper k\u00f6nnen gegen viele  verschiedene Rezeptoren oder Ionenkan\u00e4le gerichtet sein und damit ein sehr  breites Spektrum neurologischer oder psychiatrischer Krankheitsbilder ausl\u00f6sen.  Am h\u00e4ufigsten sind sie mit Epilepsie, limbischer Enzephalitis, kognitiven  St\u00f6rungen oder psychotischen Bildern assoziiert. Viele dieser Erkrankungen  wurden erst in den letzten Jahren erkannt, und es ist zu erwarten, dass ihre  Zahl in den n\u00e4chsten Jahren weiter zunimmt. Die Erkrankungen sind selten und  k\u00f6nnen im Rahmen paraneoplastischer Syndrome oder spontan auftreten. <\/p>\n<p>Die  Pr\u00e4senz der Autoantik\u00f6rper im Serum der Patienten ist spezifisch f\u00fcr die  jeweilige Erkrankung, und die Sensitivit\u00e4t der diagnostischen  Antik\u00f6rperbestimmung ist sehr hoch, wenn die Untersuchung in spezialisierten  Labors durchgef\u00fchrt wird. Die Behandlung erfolgt durch Plasmaaustausch und  Kortikosteroide, gefolgt von einer immunsuppressiven Therapie. Einen besonderen  Stellenwert in der Psychiatrie hat die NMDA-Rezeptor-Antik\u00f6rper-vermittelte  Enzephalopathie. Im klassischen Krankheitsverlauf beginnt die Erkrankung mit  Wahnvorstellungen, Halluzinationen, Denkund Ged\u00e4chtnisst\u00f6rungen. Erst in  sp\u00e4teren Stadien der Erkrankung finden sich zus\u00e4tzlich epileptische Anf\u00e4lle, Dyskinesien  und Dystonien. Einige Patienten entwickeln ausschlie\u00dflich psychiatrische  Symptome. <\/p>\n<p>Es stellt sich daher die Frage, ob mithilfe der Antik\u00f6rperbestimmung  eine Subgruppe von Patienten mit Schizophrenie identifiziert werden kann, die  dann mittels immunmodulierender Ma\u00dfnahmen behandelt werden kann. In ersten  Querschnittsstudien bei Patienten mit Schizophrenie wurden NMDA-Rezeptor-Antik\u00f6rper  in niedrigen Titern in zehn Prozent der Studienpopulation gefunden. Eine  \u00e4hnliche Inzidenz fand sich jedoch auch in Kontrollen. Die vorliegenden Daten  werden gegenw\u00e4rtig kontrovers diskutiert. <\/p>\n<p>Die technische Durchf\u00fchrung und  Interpretation der Resultate dieser Antik\u00f6rpertests sind nicht trivial, und es  ist fraglich, ob grenzwertig niedrige Titer als positiv zu bewerten sind.  Andererseits k\u00f6nnten solche Antik\u00f6rper auch in niedrigen Titern eine  pathogenetische Rolle spielen, vor allem bei Patienten mit gest\u00f6rter  Blut-Hirn-Schranken- Funktion. Die Frage der Rolle von pathogenen  Autoantik\u00f6rpern in der Neurologie und Psychiatrie ist gegenw\u00e4rtig ein aktuelles  Forschungsthema. Durch diese Antik\u00f6rper wurden zahlreiche (jedoch seltene) neue  Erkrankungen entdeckt, die einer kausalen Behandlung zugef\u00fchrt werden k\u00f6nnen. <\/p>\n<h2>Kann man Neurodegeneration durch  Immunmodulation aufhalten? <\/h2>\n<p><strong>Perspektiven der  Alzheimer-Impfung:<\/strong> Eine wichtige Entdeckung der letzten Jahre war  die Beobachtung, dass die aktive Impfung mit dem Alzheimer-A\u03b2-Peptid die Ablagerung von  A\u03b2-Amyloid in Gehirn von  M\u00e4usen verhindern und bereits vorhandenes A\u03b2-Amyloid aufl\u00f6sen kann. Durch die Impfung werden  Antik\u00f6rper induziert, die im Gehirn an das abgelagerte A\u03b2-Peptid binden und einem Abbau  in Makrophagen zuf\u00fchren. Die darauf folgenden klinischen Therapiestudien  ergaben jedoch erhebliche R\u00fcckschl\u00e4ge. Bei einigen der geimpften Patienten  wurde als Nebenwirkung eine akute entz\u00fcndliche Erkrankung des zentralen  Nervensystems beobachtet, die offensichtlich durch eine im Rahmen der Impfung  indizierten Autoimmunreaktion ausgel\u00f6st wurde. <\/p>\n<p>Diese Komplikation konnte durch  eine \u00c4nderung der Impfstrategie verhindert werden. Die Therapie hatte jedoch  keinen Einfluss auf die weitere Demenzentwicklung, obwohl neuropathologische Studien  an Patienten, die nach der Therapie an ihrer Erkrankung verstorben waren,  gezeigt haben, dass die A\u03b2- Amyloid-Ablagerungen aus dem Gehirn verschwunden waren. Eine  \u00e4hnliche Verminderung der Amyloid-Ablagerung im Gehirn wurde auch durch intraven\u00f6se  Therapie mit A\u03b2-Antik\u00f6rpern erzielt. Die Ergebnisse zeigen klar, dass durch  Antik\u00f6rper vermittelte Immunreaktionen die Ablagerung von fehlgefaltetem A\u03b2-Peptid im Gehirn von  Patienten mit Alzheimer-Erkrankung verhindert wird und bereits vorhandene  Ablagerungen aufgel\u00f6st werden k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>In Patienten mit klinisch manifester  Alzheimer-Erkrankung kommt jedoch die Entfernung von A\u03b2-Ablagerungen im Gehirn zu  sp\u00e4t, da sie bereits Jahre bis Jahrzehnte vor dem Auftreten einer klinisch  manifesten Demenz auftritt und offensichtlich eine Schadenskaskade ausl\u00f6st, die  im sp\u00e4teren Verlauf der Erkrankung nicht mehr aufgehalten werden kann. Man k\u00f6nnte  jedoch mit dieser Therapie in einem fr\u00fcheren Stadium beginnen, da bei Patienten  mit milden kognitiven Ausf\u00e4llen, in denen man bereits A\u03b2-Amyloid-Ablagerungen im  Gehirn nachweisen kann, eine verl\u00e4ssliche Prognose der Entwicklung einer  Alzheimer-Erkrankung m\u00f6glich ist. Ob eine gegen A\u03b2-Peptid gerichtete Immuntherapie bei solchen  Patienten wirksamer ist als bei Patienten mit klinisch manifester Erkrankung,  wird gegenw\u00e4rtig in kontrollierten Studien untersucht. <\/p>\n<p>Die bisherigen  Ergebnisse zur Immuntherapie der Alzheimer- Erkrankung haben dar\u00fcber hinaus  interessante Perspektiven er\u00f6ffnet. In experimentellen Folgestudien zeigte sich,  dass \u00e4hnliche Immuntherapien auch zur Elimination anderer fehlgefalteter  Eiwei\u00dfmolek\u00fcle, wie zum Beispiel Tau-Protein oder \u03b1-Synuclein, aus dem  zentralen Nervensystem f\u00fchren. Die Ablagerung dieser Proteine ist viel besser mit  dem klinischen Beginn der Demenzentwicklung assoziiert als die Ablagerung von A\u03b2-Amyloid. Ob solche Immuntherapien  bei Patienten erfolgreich sind, muss in zuk\u00fcnftigen klinischen Studien gekl\u00e4rt  werden. <\/p>\n<p><strong>Entz\u00fcndungshemmende  Therapien bei neurodegenerativen Erkrankungen?<\/strong> Neurodegeneration, wie sie zum Beispiel bei M. Alzheimer oder M.  Parkinson auftritt, f\u00fchrt zur Aktivierung von Mikrogliazellen im Gehirn, und die  Aktivierung wird durch systemische Immunstimulation im Rahmen infekti\u00f6ser  Erkrankungen verst\u00e4rkt. In experimentellen Arbeiten am Modell der  Prionerkrankungen zeigte sich, dass Therapien, die diese Aktivierung blockieren,  die Progression der Neurodegeneration verringern und damit die Lebenserwartung  der Tiere verl\u00e4ngern. Verschiedene klinische Beobachtungen sprechen daf\u00fcr, dass  \u00e4hnliche Mechanismen auch bei neurodegenerativen Erkrankungen des Menschen eine  Rolle spielen. <\/p>\n<p>Patienten mit Alzheimer-Erkrankung zeigen eine raschere Progression  der Erkrankung, wenn gleichzeitig chronische periphere Infektionskrankheiten  auftreten. Dar\u00fcber hinaus zeigen neuropathologische Analysen, dass \u00e4hnliche  immunologische Mechanismen, die f\u00fcr die Progression der Erkrankung bei  Patienten mit multipler Sklerose auftreten, auch in abgeschw\u00e4chter Form bei  Patienten mit neurodegenerativen Erkrankungen nachweisbar sind. Dies umfasst  vor allem die Mikrogliaaktivierung, die oxidative Sch\u00e4digung des Nervengewebes  und St\u00f6rungen in der Funktion von Mitochondrien. <\/p>\n<p>Bisherige Versuche einer  Therapie der Alzheimer- Erkrankung mit antientz\u00fcndlichen Therapien waren jedoch  nicht erfolgreich. Die verwendeten Therapeutika zeigten jedoch auch keinen  signifikanten Effekt im progredienten Stadium der multiplen Sklerose. Die  Therapie des chronisch progredienten Stadiums steht gegenw\u00e4rtig im Zentrum der  klinischen Multiple-Sklerose-Forschung, und eine Reihe neuer potenzielle  Therapeutika werden in klinischen Studien getestet. <\/p>\n<p>In experimentellen Modellen  erwiesen sich Therapeutika als wirksam, die Mikrogliaaktivierung blockieren  (Fumarate, Laquininmod), die den oxidative Gewebeschaden reduzieren (Fumarate),  die die Auswirkungen der Funktionsst\u00f6rung der Mitochondrien vermindern  (hochdosiertes Biotin) oder die Degeneration von Nervenzellen und Axonen  verlangsamen (Na+- und Ca++-Kanal Blocker). Wenn  experimentelle Ergebnisse in klinischen Studien bei Patienten mit progredienter  multipler Sklerose best\u00e4tigt werden, besteht eine Chance, dass sie auch in  neurodegenerativen Erkrankungen positive Effekte erzielen. <\/p>\n<h2>Fazit <\/h2>\n<p>Neuroimmunologische Forschung war in den letzten Jahren  erfolgreich, die Grundlagen der Immun\u00fcberwachung des Nervensystems zu kl\u00e4ren  und immunologische Mechanismen, die zur funktionellen und strukturellen  Sch\u00e4digung des Gehirns und R\u00fcckenmarks f\u00fchren, zu identifizieren. Erste Ans\u00e4tze  zeigen die klinische Relevanz dieser Befunde. Es ist zu hoffen, dass eine Fokussierung  auf klinisch translationale Forschung in diesem Gebiet in n\u00e4herer Zukunft  wesentlich zur Diagnostik und Therapie neuropsychiatrischer Erkrankungen  beitragen wird.  <\/p>\n<p><em>Quellen:  Cattaneo et al.: Inflammation and neuronal plasticity: a link between childhood  trauma and depression pathogenesis; Front Cell Neurosci 2015; doi  10.3389\/fncel. 2015.00040; Gold et al.: Clinical and biochemical manifestations  of depression: Relation to the neurobiology of stress; Neural Plasticity 2015;  Article ID 581976; Kayser und Dalmau: Anti-NMDA receptor encephalitis,  autoimmunity and psychosis; Schizophr Res 2014; doi:  10.1016\/j.schres.2014.10.007; Mahad, Trapp und Lassmann: Pathological mechanisms  in progressive multiple sclerosis; Lancet Neurology 2015; 14:183\u201393; Sankowski  , Mader und Valdes-Ferrer: Systemic inflammation and the brain: novel roles of genetic,  molecular and environmental cues as drivers of neurodegeneration; Front Cell  Neurosci 2015; doi 10.3389\/fncel. <\/em><em>2015.00028 <\/em><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Foto: Privat\" src=\"https:\/\/medonline.at\/wp-content\/uploads\/lassmann.jpg\" alt=\"Foto: Privat\" width=\"123\" height=\"123\" class=\"alignleft size-full img-border wp-image-177315\" \/><\/p>\n<p><strong><em>Univ.-Prof. Dr. Hans Lassmann<\/em><\/strong><em> <br \/>\n  <\/em><em>Abteilung f\u00fcr Neuroimmunologie, Zentrum  f\u00fcr Hirnforschung, Medizinische Universit\u00e4t Wien <br \/>\n    E-Mail: hans.lassmann@meduniwien.ac.at<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Immunologische Mechanismen k\u00f6nnen zu neurologischen oder psychiatrischen Autoimmunerkrankungen f\u00fchren, funktionelle St\u00f6rungen ausl\u00f6sen oder degenerative Prozesse im Nervensystem verst\u00e4rken. Neben diesen sch\u00e4digenden Mechanismen spielt das Immunsystem auch eine Rolle im Abbau fehlgefalteter Eiwei\u00dfmolek\u00fcle im Gehirn. Es ist zu erwarten, dass die Modulation dieser immunologischen Mechanismen in Zukunft auch in der Therapie psychiatrischer Erkrankungen genutzt werden kann. Ein Beitrag von Univ.-Prof. Dr. Hans Lassmann (CliniCum neuropsy 1\/16) <\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":1648,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","footnotes":""},"categories":[127],"tags":[38,128,27,129],"class_list":["post-1646","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-127","tag-depression","tag-immunsystem","tag-multiple-sklerose","tag-neurodegeneration"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1646","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1646"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1646\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1646"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1646"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1646"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}