{"id":1802,"date":"2016-09-14T02:39:41","date_gmt":"2016-09-14T00:39:41","guid":{"rendered":"http:\/\/dizign-projekte.at\/?p=1802"},"modified":"2016-09-14T02:39:41","modified_gmt":"2016-09-14T00:39:41","slug":"der-stellenwert-der-biopsiediagnostik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/oegpb.at\/?p=1802","title":{"rendered":"Der Stellenwert der Biopsiediagnostik"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die  Biopsiediagnostik an kombinierten Nerv-Muskel-Biopsaten bietet eine wesentliche  Unterst\u00fctzung des diagnostischen Vorgehens bei peripheren vaskul\u00e4ren  Nervenkrankheiten \u2013 vorzugsweise bei suspizierter entz\u00fcndlicher Genese. Demgegen\u00fcber  stellt die Biopsie zur Best\u00e4tigung einer (entz\u00fcndlichen) Gef\u00e4\u00dferkrankung am  Zentralnervensystem (ZNS) eine seltene Indikation dar. Die folgende \u00dcbersicht  soll keine systematische Vollst\u00e4ndigkeit bieten, sondern im Einzelfall zur  Entscheidungsfindung hilfreich sein.<\/strong><\/p>\n<h2> Vaskulitische  Neuropathie <\/h2>\n<p> Eine  Nerven- respektive kombinierte Nerven-Muskel-Biopsie liefert selten den &bdquo;einzig  diagnostischen&ldquo; Befund, oft jedoch einen wesentlichen Baustein zur  Diagnosefindung bei vaskul\u00e4ren Erkrankungen des peripheren Nervensystems (PNS).  Verteilungstyp der Sch\u00e4digung und Zielstruktur der Noxe (axonal vs. entmarkend,  gro\u00dfe vs. kleine Faserkaliber) erm\u00f6glichen vielfach eine Zuordnung zu  Ursachengruppen, wodurch die Indikation zur Biopsie begr\u00fcndet und deren  Trefferquote wesentlich gehoben werden kann. Vaskulitische Neuropathien stellen  die vorrangige Biopsie-Indikation dar. Zum \u00fcberwiegenden Teil geh\u00f6ren sie dem  Typ der Mononeuritis multiplex an. <\/p>\n<p>Die chronische inflammatorische demyelinisierende  Polyradikuloneuropathie (CIDP) folgt gelegentlich gleichfalls diesem Muster. Somit  steht die CIDP in Einzelf\u00e4llen in Differenzialdiagnose zur Vaskulitis des PNS  (s.u.). Funktionell stellt die vaskulitische Neuropathie eine Variante der hypoxisch-isch\u00e4mischen  Neuropathie dar und folgt dem Typ der fokalen bzw. multifokalen  Nervenrekrutierung mit h\u00e4ufigen \u00dcberg\u00e4ngen zu distal-symmetrischer Summation.  Die Konversion vom Multiplexmuster zu einer  distal-symmetrischen Form erfolgt in Abh\u00e4ngigkeit von der  Prozessgeschwindigkeit. Gelegentlich ist eine einleitende Multiplexsymptomatik  bei raschem Verlauf kaum explorierbar. Weit \u00fcberwiegend sind Erwachsene  betroffen. Auch f\u00fcr vaskulitische Neuropathien gilt, dass das Seltene selten und  das H\u00e4ufige h\u00e4ufig ist. Eine isolierte Vaskulitis des PNS tritt selten auf.  H\u00e4ufig sind Vaskulitiden des Nerven Teil einer systemischen Vaskulitis.<\/p>\n<p> <strong>Pathomechanismen.<\/strong> Es existieren drei  prinzipielle Pathomechanismen f\u00fcr die Entstehung der vaskulitischen Neuropathie:  <\/p>\n<ul>\n<li> Zirkulierende oder gebundene Immunkomplexe werden oft nachgewiesen;  Hepatitis-B-Antigen z.B. bei der Panarteriitis nodosa (PAN). Unklar sind die  Selektionsprinzipien f\u00fcr die betroffenen Gef\u00e4\u00dfe nach Kaliberklasse, Strombahnabschnitt  Art und Lage (Endo-, Peri-, Epineurium). <\/li>\n<li> Ein Zell-mediierter Immunprozess mit  Antigen-Pr\u00e4sentation durch das Endothel stellt die Ursache der Vaskulitis und  des lokalen Immunmechanismus dar. Die Interaktion zwischen Endothel und  T-Lymphozyten soll zur Pr\u00e4sentation von Klasse-II-Antigen durch Endothelzellen f\u00fchren.  Diese sezernieren dann Zytokine, verst\u00e4rken die T-Zell-Rekrutierung und es  folgt eine zytotoxisch- entz\u00fcndliche Antwort. <\/li>\n<li> Antik\u00f6rper gegen spezifische  zellul\u00e4re Antigene werden gebildet, z.B. Antik\u00f6rper gegen Endothel oder gegen  zytoplasmatisches Antigen von Neutrophilen (ANCA).<\/li>\n<\/ul>\n<p> <strong>Histopathologie.<\/strong> Histopathologisch finden  sich bei der vaskulitischen Neuropathie entz\u00fcndliche Infiltrate, Wandnekrosen,  gest\u00f6rte Zell-mediierte Immunit\u00e4t sowie eventuell Immunkomplexablagerungen.  Folgen dieser Ver\u00e4nderungen k\u00f6nnen segmentale Verengung oder Verschluss der  Gef\u00e4\u00dfe, Thrombose, Blutung oder hypoxischisch\u00e4mische Sch\u00e4digung sein. Typisch  sind geringe Ausdehnung im Gef\u00e4\u00dfl\u00e4ngsschnitt, inkomplette Erfassung des  Querschnitts und aleatorisch-multitope Verteilung. Histopathologisch lassen  sich zudem nach betroffener Kaliberklasse zwei gro\u00dfe Gruppen unterscheiden. Sie  erm\u00f6glichen eine gewisse klinische Zuordnung, jedoch per se keine \u00e4tiologische  Festlegung: <\/p>\n<ul>\n<li> Entz\u00fcndung und Nekrose mittelgro\u00dfer Arterien und gro\u00dfer  Arteriolen, z.B. PAN, Churg-Strauss-Syndrom (ANCA assoziiert), Wegener  Granulomatose (ANCA assoziiert), rheumatoide Vaskulitis <\/li>\n<li> Entz\u00fcndung und  Nekrose kleiner Arteriolen, z.B. Sj\u00f6gren- Syndrom, Non-systemische-Vaskulitis  des Nerven, SLE <\/li>\n<\/ul>\n<p>Eine subklinische Beteiligung anderer Gewebe ist m\u00f6glich. So  wird eine &bdquo;stumme&ldquo; Muskelbeteiligung bei rein neuropathischer Klinik in bis zu  knapp 90 Prozent gefunden.<\/p>\n<p> <strong>Klinik und Befunde.<\/strong> Eine (typischerweise  Multiplex-) Neuropathie gemeinsam mit unspezifischen Allgemeinsymptomen (Fieber,  Arthralgien, Myalgien, Fatigue) kann den Beginn einer systemischen Vaskulitis  darstellen. Hier kann die Biopsie richtungsweisend sein. Haut, Niere oder Lunge  werden eventuell erst sp\u00e4ter symptomatisch. Klinische Verdachtsmomente bzw.  hinweisende Befunde f\u00fcr eine vaskulitische Neuropathie sind: <\/p>\n<ul>\n<li> Mononeuritis \u2013  Multiplex <\/li>\n<li> distal symmetrischer Typ <\/li>\n<li> Plexopathie <\/li>\n<li> Neurografie: Axonal <\/li>\n<li> EMG:  floride\/chronische Denervationszeichen <\/li>\n<li> rasche Progredienz<\/li>\n<\/ul>\n<h2> H\u00e4ufige vaskulitische  Neuropathien <\/h2>\n<p><strong>PAN.<\/strong> Bei der PAN sind  mittelgro\u00dfe Arterien und gro\u00dfe Arteriolen betroffen. 50 bis 75 Prozent der  Patienten weisen eine PNS-Beteiligung (Fr\u00fchsymptom!) auf. Zumeist besteht eine  Mononeuritis multiplex. In zehn bis 40 Prozent kommt es zur ZNS-Beteiligung.  Neben der Vaskulitis besteht ein renaler Hochdruck, der zu einer  mikroangiopathischen subkortikalen vaskul\u00e4ren Enzephalopathie f\u00fchrt. Die  Erkrankung tritt zumeist in der sechsten Lebensdekade auf, M\u00e4nner sind h\u00e4ufiger  betroffen als Frauen. <\/p>\n<p>Bei einem Teil der Patienten besteht eine Assoziation mit  aktiver Hepatitis B (seit Einf\u00fchrung der Impfung r\u00fcckl\u00e4ufig). Die PAN ist nicht  ANCA-assoziiert. Es finden sich keine ANA, ANCA, RF oder Kryoglobuline. In der  Biopsie zeigen sich eine segmentale transmurale Entz\u00fcndung,  Intimaproliferation, Stenosen sowie aneurysmatische Dilatationen. Bei  Hautmanifestationen (Livedo racemosa, Ulcera, erythemat\u00f6se Kn\u00f6tchen) ist eine  Biopsie aus der Dermis weniger eingreifend als eine Nervenbiopsie.<\/p>\n<p> <strong>ANCA-assoziierte  Vaskulitiden (AAV).<\/strong> ANCA  sind antineutrophile zytoplasmatische Antik\u00f6rper, die entweder perinukle\u00e4r  (=P-ANCA) oder zytoplasmatisch (=C-ANCA) vorkommen. ANCA binden an  Myeloperoxidase(MPO)- Antigene und Protenase-3-Antigene. Beide liegen unter Normalbedingungen  intrazellul\u00e4r. Sie k\u00f6nnen zytokininduziert an der Oberfl\u00e4che erscheinen und so  zum Zielantigen f\u00fcr zirkulierende Autoantik\u00f6rper werden, z.B. bei Entz\u00fcndungen.  Entit\u00e4ten mit ANCA-assoziierten Vaskulitiden sind die Wegener-Granulomatose  (PNS-Beteiligung 50 Prozent, ZNS-Beteiligung zehn Prozent), die mikroskopische  Polyangiitis (PNS-Beteiligung zehn bis 20 Prozent, ZNSBeteiligung vereinzelt)  und das Churg-Strauss-Syndrom (PNS-Beteiligung bis 75 Prozent, ZNS-Beteiligung  25 Prozent).<\/p>\n<p> <strong>Kryoglobulin\u00e4mische  Vaskulitiden.<\/strong> Bei  den Kryoglobulin\u00e4mische Vaskulitiden kommt es zur Ablagerung monooder polyklonaler  Immunglobuline an Gef\u00e4\u00dfw\u00e4nden und dadurch zur Induktion einer Vaskulitis. Es  werden drei Typen unterschieden: <\/p>\n<ul>\n<li> Typ I=monoklonal, meist IgM (multiples  Myelom, Morbus Waldenstr\u00f6m, monoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz, MGUS) <\/li>\n<li> Typ II=monoklonale + gemischte Komponente (Hepatitis C, HIV) <\/li>\n<li> Typ  III=gemischt mit reiner polyklonaler Komponente (Kollagenosen) <\/li>\n<\/ul>\n<p>Die  kryoglobulin\u00e4mische Vaskulitis betrifft Frauen h\u00e4ufiger als M\u00e4nner und tritt  vorwiegend in der vierten bis f\u00fcnften Lebensdekade auf. Mindestens 80 Prozent  macht die gemischte Kryoglobulin\u00e4mie aus. Bei bis zu 90 Prozent der Patienten  besteht eine sensomotorische Plexusneuritis bzw. eine Mononeuritis multiplex. Nahezu  immer liegt eine Hautbeteiligung vor, daher ist eine Hautbiopsie zielf\u00fchrend.<\/p>\n<p> <strong>Prim\u00e4re PNS-Vaskulitis.<\/strong> Eine prim\u00e4re Vaskulitis des  PNS kommt nur sehr selten vor. Sie wurde beispielsweise in einer Studie in  sieben von 350 Biopsief\u00e4llen gefunden (=zwei Prozent; Kissel et al., Ann Neurol  1985; 18(2):251\u2013 257).<\/p>\n<p> <strong>Erreger-bedingte  PNS-Vaskulitis.<\/strong> Erreger-bedingte  PNSVaskulitiden treten in unseren Breiten selten auf. Klinisch relevant ist die  VZV\u2013Vaskulitis. Davon existieren zwei Varianten. Die eine Form betrifft gro\u00dfe  Gef\u00e4\u00dfe, ist unifokal und granulomat\u00f6s. Die zweite Variante betrifft kleine  Gef\u00e4\u00dfe und tritt multifokal auf.<\/p>\n<h2> CIDP <\/h2>\n<p>  In  Einzelf\u00e4llen kann eine chronische inflammatorische demyelinisierende Polyradikuloneuropathie  (CIDP) in Differenzialdiagnose zur vaskulitischen Neuropathie stehen und zu  einer Biopsieentscheidung f\u00fchren. Grund hierf\u00fcr sind die 16 klinischen  Manifestationsvarianten, die von distal symmetrisch bis multifokal, \u00fcber rein  sensibel oder gemischt bis hin zu einseitigen Armvarianten etc. reichen. CIDP  tritt nicht immer idiopathisch auf, sondern ist h\u00e4ufig mit anderen Erkrankungen  assoziiert. Dazu z\u00e4hlen HIVInfektion, Lymphom oder MGUS. Interessant ist die  Assoziation von CIDP und Melanom. <\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/dizign-projekte.at\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Kasten1.jpg\" alt=\"Kasten1\" width=\"640\" height=\"623\" class=\"alignnone size-full wp-image-1804\" \/><\/p>\n<p>MADSAM (Multifocal Accquired Demyelinating  Sensory And Motor Neuropathy), das Lewis-Summer-Syndrom, zeigt Asymmetrie,  multifokale Verteilung der Schw\u00e4che und der sensorischen Defizite infolge eines  Leitungsblocks in motorischen und sensorischen Nerven. MADSAM ist als Variante  von CIDP und nicht einer multifokalen motorischen Neuropathie (MMN)  aufzufassen. Die Kindheitsvariante entspricht klinisch weitgehend der des  Erwachsenen und hat zumeist einen g\u00fcnstigeren Verlauf.<\/p>\n<p> <strong>Nervenbiopsie bei CIDP.<\/strong> Eine Biopsie ist bei  typischem Verlauf einer CIDP und Ausschluss einer Komorbidit\u00e4t nicht  erforderlich. Die st\u00e4rksten Pr\u00e4diktoren f\u00fcr die Diagnose sind das sehr hohe  Liquoreiwei\u00df (\u00fcber 1.000mg\/L) und die Demyelinisierung im  elektrophysiologischen Befund. Eine Biopsie ist hingegen hilfreich bei  asymmetrischen, isolierten oder Multiplexvarianten \u2013 also den atypischen Verlaufsformen  \u2013, um eine isolierte PNS-Vaskulitis auszuschlie\u00dfen. Aussagen \u00fcber  Demyelinisation sind in der Biopsie abh\u00e4ngig vom Krankheitsstadium. In  fortgeschrittenen Stadien wird die Entmarkung durch die zunehmende axonale Komponente  oft verdeckt.<\/p>\n<h2> Biopsie peripherer Nerven <\/h2>\n<p>  Bei  gut fundierter Indikation ist eine Biopsie eines peripheren Nervs \u2013 abh\u00e4ngig  von der Fragestellung auch kombiniert mit einer Muskelbiopsie \u2013 eine wertvolle  differenzialdiagnostische Hilfe. Dies erfolgt besonders mit Hinblick auf  Therapieoptionen, die nach Aufwand, Dauer und Nebenwirkungsprofil eine sichere  Begr\u00fcndung erfordern.<\/p>\n<p> <strong>Auswahl des Nervens.<\/strong> Biopsiert wird in der Regel  der N. suralis sowie eventuell Hautnerven von N. radialis, N. ulnaris, der N.  peronaeus und der N. saphenus. Die Entscheidung dar\u00fcber, welcher Nerv biopsiert  wird, ist vom klinischen und allenfalls vom neurophysiologischen Befund  abh\u00e4ngig (am besten mittelgradige, nicht hochgradige Sch\u00e4digung, allenfalls  subklinischer Kandidatnerv; die Hauttrophik ist zu beachten!). Bei selektiv  faszikul\u00e4rer Biopsie sind keine bleibenden Sensibilit\u00e4tsdefizite zu erwarten,  eine vollst\u00e4ndige Suralisbiopsie hinterl\u00e4sst gelegentlich etwa handtellergro\u00dfe Sensibilit\u00e4tsst\u00f6rungen.  <\/p>\n<p>Cave: Eine Vaskulitis des PNS verl\u00e4uft in rund 50 bis 70 Prozent asymmetrisch.  50 Prozent der F\u00e4lle beginnen also mit einer klinisch &bdquo;atypischen&ldquo; Symmetrie. Symmetrisch  und distal betont sind also viele F\u00e4lle von Vaskulitis, aber alle F\u00e4lle von  Sarkoidose, Amyloidose, Paraprotein-assoziierter Polyneuropathie sowie  entz\u00fcndlich entmarkender Polyneuropathie. Die Biopsieplanung, Pitfalls,  Optimierung der Sensitivit\u00e4t sowie die Muskelauswahl bei kombinierter Biopsie  sind in Kasten 1 dargestellt.<\/p>\n<h2> ZNS-Vaskulopathien <\/h2>\n<p>  Eine  zerebrale Gef\u00e4\u00dfbiopsie ist im Vergleich zur Biopsie eines peripheren Nerven  risiko- und komplikationsbehaftet. Bei Erkrankungen mit systemischem Gef\u00e4\u00dfbefall  unter Einschluss des Gehirns ist daher eine extrazerebrale Biopsie anzustreben.<\/p>\n<p> <strong>CADASIL.<\/strong> Bei CADASIL (Cerebral  Autosomal Dominant Arteriopathy with Subcortical Infarcts and  Leukoencephalopathy) handelt es sich um eine autosomal-dominant vererbte Arteriopathie  mit subkortikalen Infarkten und Leukenzephalopathie. Der Defekt liegt auf  Chromosom 19. Die charakteristische Symptomatik ist in Kasten 2 dargestellt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/dizign-projekte.at\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Kasten2.jpg\" alt=\"Kasten2\" width=\"450\" height=\"364\" class=\"alignleft size-full wp-image-1805\" \/><\/p>\n<p>Da die Gef\u00e4\u00dfe systemisch betroffen sind, wird  die Diagnose mittels Hautbiopsie gestellt. Elektronenmikroskopisch ist in den  Gef\u00e4\u00dfw\u00e4nden das f\u00fcr CADASIL typische &bdquo;granular osmiophilic material&ldquo; zu finden.  Als Screening-Methoden eignen sich die Immunhistochemie (Notch 3 extracellular  domains, N3EZD, in Hautgef\u00e4\u00dfen) sowie molekulargenetische Untersuchungen.  Letztere sind allerdings ohne prim\u00e4r richtungsweisende Evidenz au\u00dferordentlich  aufw\u00e4ndig, da unter 140 bisher vorhandenen Mutationen das  Entscheidungsverfahren abzuwickeln ist.<\/p>\n<p> <strong>Morbus (M.) Fabry.<\/strong> Bei M. Fabry handelt es  sich um eine X-chromosomal rezessiv vererbte Defizienz der \u03b1-Galaktosidase mit konsekutiver Glykolipidspeicherung im  Gef\u00e4\u00dfendothel. In der Folge kommt es zu Vakuolisierung von Endothel und glatten  Muskelzellen in Blutgef\u00e4\u00dfen vieler Gewebe und Organe. Die Charakteristika der  Erkrankung sind folgende: <\/p>\n<ul>\n<li> Beginn in Kindheit oder Jugend <\/li>\n<li> Tr\u00fcbung von Cornea  und Linse <\/li>\n<li> Angiokeratoma corporis diffusum <\/li>\n<li> schmerzhafte periphere  Neuropathie <\/li>\n<li> TIA\/Infarkt <\/li>\n<li> Myokardinfarkt <\/li>\n<li> Nierenversagen<\/li>\n<\/ul>\n<h2> Entz\u00fcndliche Angiopathien des  ZNS <\/h2>\n<p>  Unter  den Vaskulitiden des Nervensystems kommt die ZNS-Vaskulitis nur selten vor.  Grunds\u00e4tzlich kann diese isoliert sein (beschr\u00e4nkt auf das ZNS) oder systemisch  (ausgeweitet auf andere Organsysteme oder Gewebe). Blutgef\u00e4\u00dfe reagieren auf  Sch\u00e4digung in drei Phasen. Zun\u00e4chst kommt es zu exsudativen Ph\u00e4nomenen der  akuten Entz\u00fcndung, dann zur Wanddestruktion und danach zur Reparatur und  Regeneration. Die klinische Symptomatik einer Vaskulitis des ZNS verl\u00e4uft in  der Regel vage und unspezifisch. Es kann zu wiederkehrenden Kopfschmerzen  kommen, zu multifokalen neurologischen Defiziten sowie zu diffuser  Enzephalopathie mit Verwirrtheit und Ged\u00e4chtnisst\u00f6rung.<\/p>\n<p> <strong>Prim\u00e4re Angiitis des ZNS  (PACNS).<\/strong> Bei  der seltenen PACNS handelt es sich um eine isolierte Vaskulitis des ZNS. Sie  betrifft zumeist erwachsene Frauen, diese h\u00e4ufiger als M\u00e4nner. Der  Erkrankungsgipfel liegt zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr.  Die BSG ist \u2013 wenn \u00fcberhaupt \u2013 nur gering  beschleunigt. Im Liquor findet sich ein chronisch meningitisches  Entz\u00fcndungsmuster. Die Angiografie ist angesichts der betroffenen kleinen  Gef\u00e4\u00df-Kaliberklassen wenig aussichtsreich. Andere Vaskulitiden. Vaskulitiden k\u00f6nnen des  Weiteren im Rahmen von Neoplasien auftreten (Morbus Hodgkin, Non-Hodgkin-Lymphom,  myeloproliferative Syndrome, Kryoglobulin\u00e4mie, Vorhofmyxom). Auch Medikamente  k\u00f6nnen eine ZNS-Vaskulitis induzieren. Zu diesen z\u00e4hlen Antihypertensiva  (Hydralazin) sowie Thyreostatika (Propylthiouracil).<\/p>\n<h2> Biopsie bei ZNS-Vaskulitis <\/h2>\n<p>  Besonders  bei Mikrovaskulitis sind negative Befunde der Angiografie h\u00e4ufig. Bei Mitbefall  gr\u00f6\u00dferer Gef\u00e4\u00dfe kann es zu segmentaler Ver\u00e4nderung und dazwischen wurstartigen Auftreibungen  kommen, dem sog. &bdquo;Beading&ldquo;. 50 Prozent der Angiografien bei ZNS-Vaskulitis weisen  ein solches Beading-Ph\u00e4nomen auf. Dieses ist jedoch weder sensitiv noch  spezifisch. Denn ein Beading-Ph\u00e4nomen ist auch m\u00f6glich bei: <\/p>\n<ul>\n<li> maligner  Meningeose<\/li>\n<li> meningovaskul\u00e4rer Syphilis <\/li>\n<li> maligner arterieller Hypertonie <\/li>\n<li> Bestrahlungssch\u00e4den <\/li>\n<li> Drogenabusus, Vasospasmus <\/li>\n<li> prim\u00e4rer Angiitis des ZNS  (PACNS) <\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Biopsie leptomeningealer Gef\u00e4\u00dfe hingegen ergibt in bis zu 70  Prozent einen diagnostisch positiven Befund. Nahezu alle Autopsiestudien  belegen eine meningeale Beteiligung. Ohne Hinweis in der bildgebenden  Diagnostik wird am h\u00e4ufigsten eine rechts-frontale Biopsie mit einem Abstand von  zwei Querfingern von der Mantelkante empfohlen.  <\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Foto: Privat\" src=\"http:\/\/dizign-projekte.at\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/schmidbauer.jpg\" alt=\"schmidbauer\" width=\"123\" height=\"119\" class=\"alignleft size-full wp-image-1806\" \/><\/p>\n<p> <strong><em>Univ.-Prof. Dr. Manfred Schmidbauer <br \/>\n<\/em><\/strong><em>Sigmund  Freud Privat Universit\u00e4t, Neurologische Abteilung, Krankenhaus Hietzing und Rosenh\u00fcgel,  Wien<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Biopsiediagnostik an kombinierten Nerv-Muskel-Biopsaten bietet eine wesentliche Unterst\u00fctzung des diagnostischen Vorgehens bei peripheren vaskul\u00e4ren Nervenkrankheiten \u2013 vorzugsweise bei suspizierter entz\u00fcndlicher Genese. Demgegen\u00fcber stellt die Biopsie zur Best\u00e4tigung einer (entz\u00fcndlichen) Gef\u00e4\u00dferkrankung am Zentralnervensystem (ZNS) eine seltene Indikation dar. Ein Beitrag von Univ.-Prof. Dr. Manfred Schmidbauer (CliniCum neuropsy 3\/16) <\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":1803,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","footnotes":""},"categories":[140,13],"tags":[141,142,28,143],"class_list":["post-1802","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-140","category-neuropsy","tag-biopsie","tag-nervensystem","tag-neurologie","tag-neuropathie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1802","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1802"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1802\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1802"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1802"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1802"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}