{"id":1816,"date":"2016-09-14T02:53:57","date_gmt":"2016-09-14T00:53:57","guid":{"rendered":"http:\/\/dizign-projekte.at\/?p=1816"},"modified":"2016-09-14T02:53:57","modified_gmt":"2016-09-14T00:53:57","slug":"dfp-akuttherapie-bipolarer-stoerungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/oegpb.at\/?p=1816","title":{"rendered":"DFP: Akuttherapie bipolarer St\u00f6rungen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die  letzten Jahre brachten gro\u00dfe Fortschritte bei der Diagnose und Behandlung von  bipolaren St\u00f6rungen. Auch aufgrund der neuen Ergebnisse im Bereich der  neuropsychologischen und molekularbiologischen Forschung wurde dem Spektrum der  bipolaren Erkrankungen zunehmend gr\u00f6\u00dfere Aufmerksamkeit gewidmet. Die folgende  Arbeit bietet eine \u00dcbersicht \u00fcber die derzeitigen medikament\u00f6sen  Therapieoptionen.  <\/strong><\/p>\n<p>  Bipolare  St\u00f6rungen treten h\u00e4ufiger auf als fr\u00fcher angenommen. Werden die sogenannten  Bipolar-Spektrumserkrankungen mit ber\u00fccksichtigt, so ist von einer  Lebenszeitpr\u00e4valenz von etwa f\u00fcnf Prozent auszugehen. Die Inzidenz betrug in  einer repr\u00e4sentativen Bev\u00f6lkerungsstichprobe junger Menschen (bei Einschluss  zwischen 14 und 24 Jahre alt) in einer Zeit von zehn Jahren kumulativ 2,9 Prozent  f\u00fcr manische, vier Prozent f\u00fcr hypomanische, 29,4 Prozent f\u00fcr depressive und 19  Prozent f\u00fcr subdepressive Episoden. Somit beginnen die unipolar depressiven und  insbesondere die bipolaren Erkrankungen h\u00e4ufig bereits im jugendlichen und jungen  Erwachsenenalter. Durch Miteinbeziehung der subsyndromalen Formen im Rahmen des  bipolaren Spektrums steigt die Pr\u00e4valenz in der Allgemeinbev\u00f6lkerung weiter an.  Im Folgenden werden die einzelnen Optionen der Akuttherapie diskutiert.<\/p>\n<h2> Manische Episode (ohne  psychotische Symptome) <\/h2>\n<p>  Zur  Behandlung einer manischen Episode ohne psychotische Symptome sind Medikamente  aus der Gruppe der Stimmungsstabilisierer (z.B. Lithium, Valproins\u00e4ure, Carbamazepin  oder Oxcarbazepin) sowie atypische Antipsychotika (z.B. Aripiprazol, Asenapin,  Clozapin, Olanzapin, Quetiapin, Risperidon, Ziprasidon) empfohlen, wenngleich  f\u00fcr Clozapin die Zulassung in dieser Indikation nicht vorliegt. Haloperidol ist  als Second-Line-Therapie unter Abw\u00e4gung von Nutzen und Risiko (v.a. EPS, QTc- Verl\u00e4ngerung)  zu \u00fcberlegen. Neuere Daten liegen zu Loxapin bei Agitation im Rahmen einer  bipolaren und schizophrenen St\u00f6rung vor. Ist bei einem Patienten ein zuvor  relativ guter prophylaktischer Erfolg mit einem Stimmungsstabilisierer bekannt,  sollte prim\u00e4r die Therapie mit dem bestehenden Stimmungsstabilisierer unter  Anhebung der Tagesdosis auf  h\u00f6here Serumspiegelwerte fortgef\u00fchrt  beziehungsweise auch \u00fcber diesen Spiegel hinaus dosiert werden, bis die manischen  Symptome gebessert sind. <\/p>\n<p>Bei schwerer Auspr\u00e4gung der manischen Symptomatik kann  von Beginn an eine augmentative Therapie von Antipsychotika und klassischen Stimmungsstabilisierern  wie Lithium oder Valproat durchgef\u00fchrt werden. Bei leicht ausgepr\u00e4gter Manie kann  eine Monotherapie mit Lithium, Valproat, Carbamazepin oder einem atypischen  Antipsychotikum hinreichend sein. Insgesamt sollte beachtet werden, dass  Antipsychotika einen schnelleren Wirkungseintritt bewirken wie z.B. Lithium.  Bei psychomotorischer Erregung kann der Stimmungsstabilisierer vor\u00fcbergehend  mit einem Benzodiazepin kombiniert werden. Im Falle einer vorbestehenden Suchtanamnese  ist ein sedierenderes Antipsychotikum dem Benzodiazepin vorzuziehen. <\/p>\n<p>In der  Praxis empfiehlt es sich, bei akuten manischen Episoden mit einer Anfangsdosis  von mindestens 900mg Lithium pro Tag zu beginnen \u2013 ein Vorgehen, das im  angloamerikanischen Sprachraum als Verabreichung einer &bdquo;Loading Dose&ldquo;  bezeichnet wird. Aufgrund der engen therapeutischen Breite von Lithium ist eine  regelm\u00e4\u00dfige \u00dcberwachung des Serumspiegels von gro\u00dfer Bedeutung. In der Akutbehandlung  der Manie werden Lithium-Serumkonzentrationen von 1,0 bis 1,2mmol\/L angestrebt.  Bei einem Spiegel oberhalb von 1,2mmol\/L ist die Gefahr einer zunehmenden Unvertr\u00e4glichkeit  gegeben, und \u00fcber 1,6mmol\/L kann es zu Intoxikationserscheinungen kommen. Typische  Symptome einer beginnenden Lithiumintoxikation sind: grobschl\u00e4giger Tremor,  Schwindel, \u00dcbelkeit, Durchfall, Sehst\u00f6rungen, Desorientiertheit und gesteigerte  Muskeleigenreflexe. Serumspiegel \u00fcber 2,5mmol\/L f\u00fchren zu deutlichen  neurologischen St\u00f6rungen, zerebralen Anf\u00e4llen und kardialen Rhythmusst\u00f6rungen.  <\/p>\n<p>Wichtigste Ma\u00dfnahme bei Verdacht auf eine Intoxikation ist der sofortige Stopp  der Medikation sowie Fl\u00fcssigkeitszufuhr. Die Indikation f\u00fcr eine H\u00e4modialyse  oder H\u00e4mofiltration ist bei Serumkonzentrationen \u00fcber 4mmol\/L immer, darunter  anhand des klinischen Zustandsbildes und der Symptomprogredienz zu stellen,  nicht aber bei Werten unter 2,5mmol\/L. Differenzialdiagnostisch ist bei  unbekannten Patienten mit bipolarem Verlauf eine beginnende Lithiumintoxikation  von extrapyramidalen Syndromen abzugrenzen. So darf ein Tremor nicht unkritisch  als Parkinsonoid gewertet werden, es muss auch eine beginnende Lithiumintoxikation  bedacht werden. Alternativ zu Lithium k\u00f6nnen Valproat oder Carbamazepin empfohlen  werden. <\/p>\n<p>Placebokontrollierte Doppelblindstudien haben eine gute antimanische  Wirksamkeit von Valproat und eine Gleichwertigkeit dieser Substanz zu Lithium belegt.  Bei akuten manischen Episoden ist ein schnelles Aufs\u00e4ttigen (&bdquo;Loading Dose&ldquo;)  bis 20mg\/kg K\u00f6rpergewicht am Tag geboten. Wegen der gro\u00dfen therapeutischen  Breite ist jedoch individuell eine noch h\u00f6here Dosierung m\u00f6glich. Bei nicht  complianten Patienten kann die intraven\u00f6se Formulierung g\u00fcnstig sein; f\u00fcr die  Langzeitgabe ist wegen der besseren Vertr\u00e4glichkeit jedoch eine orale,  magensaftresistente oder eine retardierte Form zu empfehlen. Ein antimanischer Effekt  von Carbamazepin wurde in mehreren kontrollierten Studien best\u00e4tigt. Dabei ist  zu beachten, dass Carbamazepin im Rahmen einer Augmentationstherapie zu einer  Enzyminduktion f\u00fchrt und deshalb die Wirksamkeit von Antipsychotika und  Antidepressiva, aber auch der Antikontrazeptiva herabsetzen kann. <\/p>\n<p>Im Gegensatz  dazu wird Oxcarbazepin durch nicht oxidative Konjugation abgebaut und stellt  somit eine m\u00f6gliche Alternative zu Carbamazepin dar, mit der Einschr\u00e4nkung, dass  es keine Langzeitstudien gibt. Die Dosierung von Carbamazepin ist individuell  sehr unterschiedlich. Oxcarbazepin wird im Durchschnitt um 50 Prozent h\u00f6her dosiert.  Bei schweren manischen Episoden kann gleich zu Beginn eine Kombination aus  Antipsychotikum und Stimmungsstabilisierer angewandt werden. Au\u00dfer bei Lithium  sind die Bestimmung und die Zielwerte von Serumspiegel bei den neueren  Stimmungsstabilisierern f\u00fcr die psychiatrische Indikation erst festzulegen, da &bdquo;Normbereiche&ldquo;  von Antiepileptika f\u00fcr die Indikation Epilepsie definiert sind und sich somit  lediglich als Richtwerte unter Toleranzaspekten f\u00fcr psychiatrische Indikationen  eignen. <\/p>\n<p>F\u00fcr die schon l\u00e4nger als Antimanikum eingesetzte Valproins\u00e4ure sollte  ein Spiegel im Serum von 50\u2013120mcg\/ml angepeilt werden. Die Kombination von  verschiedenen Stimmungsstabilisierern wird bei Nichtansprechen auf eine  Monotherapie in der Praxis h\u00e4ufig eingesetzt, wobei sich die Kombination von  Lithium und Valproins\u00e4ure klinisch besonders bew\u00e4hrt hat. In den letzten Jahren  haben sich neuere atypische Antipsychotika als Alternative und Erg\u00e4nzung  etabliert. Es gibt zunehmend Studien, die darauf hinweisen, dass die neueren  atypischen Antipsychotika, neben ihrem fr\u00fcheren Hauptindikationsgebiet \u2013 den  schizophrenen Psychosen \u2013, per se auch einen antimanischen und teilweise auch  stimmungsstabilisierenden Effekt aufweisen und somit unabh\u00e4ngig von ihrer  antipsychotischen Wirksamkeit eine sinnvolle Therapieoption f\u00fcr Patienten mit  bipolarer St\u00f6rung darstellen. <\/p>\n<p>In kontrollierten Studien konnte die antimanische  Wirksamkeit von Aripiprazol, Olanzapin, Quetiapin, Risperidon, Ziprasidon und  Asenapin im Vergleich zu Placebo belegt werden. Ebenfalls konnte f\u00fcr alle diese  Substanzen gezeigt werden, dass nach erfolgreicher Maniebehandlung \u2013 im  Vergleich zu Placebo \u2013 eine Weiterbehandlung einen signifikanten Schutz vor dem  erneuten Auftreten einer manischen Symptomatik bietet. Bei der Auswahl der  jeweiligen Medikation ist das Nebenwirkungsprofil \u2013 insbesondere bei  gleichzeitiger Komedikation \u2013 in Betracht zu ziehen. Im Vergleich zu typischen,  vor allem hochpotenten Antipsychotika ist das Risiko f\u00fcr das Auftreten von  depressiven Verstimmungen bei den neueren Substanzen wie Aripiprazol, Asenapin,  Clozapin, Olanzapin, Quetiapin, Risperidon oder Ziprasidon als deutlich  geringer, f\u00fcr extrapyramidale Nebenwirkungen sogar als wesentlich geringer oder  nicht vorhanden (Clozapin, Quetiapin) einzustufen. In diesem Zusammenhang ist  zu erw\u00e4hnen, dass typische Antipsychotika f\u00fcr die Indikation Manie nach wie vor  h\u00e4ufig verordnet werden, was aus mehreren Gr\u00fcnden, wie folgt angef\u00fchrt,  problematisch ist:<\/p>\n<p>  <strong>Typische Antipsychotika \u2026<\/strong> <\/p>\n<ul>\n<li>\u2026 sind mit einem hohen Risiko f\u00fcr extrapyramidale St\u00f6rungen behaftet,  wobei auch an die M\u00f6glichkeit des Auftretens von Sp\u00e4tdyskinesien zu denken ist \u2013  bipolare Patienten sind in dieser Hinsicht deutlich vulnerabler als  schizophrene Patienten, m\u00f6glicherweise liegt dies auch daran, dass Lithium die  Neurotoxizit\u00e4t von Antipsychotika erh\u00f6hen kann,   <\/li>\n<li>\u2026 k\u00f6nnen die depressive Symptomatik  verst\u00e4rken, <\/li>\n<li>\u2026 verringern die Compliance, und <\/li>\n<li>\u2026 kontrollierte Untersuchungen haben  gezeigt, dass sie nicht phasenprophylaktisch im Sinne einer Verhinderung depressiver  Rezidive wirksam sind. <\/li>\n<\/ul>\n<p>Noch viel zu h\u00e4ufig werden typische Antipsychotika bei  Erregungszust\u00e4nden im Rahmen manischer Phasen gegeben. Typische Antipsychotika  haben erhebliche Nachteile bei der Therapie bipolarer Patienten: Auch  angesichts der heute verf\u00fcgbaren Alternativen (etwa in der Akutsituation  Aripiprazol i.m. oder auch Valproat i.v.) sollte vollst\u00e4ndig auf Typika  verzichtet werden. Allen typischen Antipsychotika ist gemein, dass das Risiko  von extrapyramidal-motorischen Symptomen erh\u00f6ht ist. <\/p>\n<p>Diese behindern die rasche  psychosoziale Integration und haben nachgewiesenerma\u00dfen einen deutlichen Effekt  auf Stigmatisierung und kognitive Dysfunktion der Betroffenen. Die Adh\u00e4renz der  Patienten ist eingeschr\u00e4nkt und das Vertrauensverh\u00e4ltnis in der Arzt-Patienten-Beziehung  beeintr\u00e4chtigt. Dar\u00fcber hinaus haben die in \u00d6sterreich zur parenteralen Gabe  zur Verf\u00fcgung stehenden Typika teils erhebliche spezifische Nachteile, die im Folgenden  dargestellt werden.<\/p>\n<p> <strong>Haloperidol.<\/strong> In \u00d6sterreich besteht eine  Zulassung f\u00fcr die intramuskul\u00e4re Applikation. Eine Empfehlung des Herstellers f\u00fcr  eine i.v. Gabe besteht nicht; vom i.v. Einsatz ist dringend abzuraten. In  anderen Staaten \u2013 etwa Italien \u2013 darf Haloperidol i.v. bereits nicht mehr  appliziert werden, das Risiko einer QTc-Verl\u00e4ngerung wird als hoch angesehen (QTc-St\u00e4rke  3 gem\u00e4\u00df www.mediq.ch).<\/p>\n<p> <strong>Zuclopenthixolacetat.<\/strong> Die Halbwertszeit liegt bei  32 Stunden, was die Steuerbarkeit der Substanz stark erschwert. Neben dem  Risiko f\u00fcr extrapyramidal-motorische Symptome ist vor allem die anticholinerge  Wirkung der Substanz und die Senkung der Krampfschwelle als negativ zu bewerten.  Das QTc-Risiko gem\u00e4\u00df www.mediq.ch ist mit St\u00e4rke 2 geringer als bei Haloperidol  (St\u00e4rke 3), aber h\u00f6her als etwa bei Aripiprazol i.m. (St\u00e4rke 1).<\/p>\n<p> <strong>Levomepromazin.<\/strong> Diese Substanz ist ein  mittelstarker Hemmer von CYP3A und CYP 2D6. Medikamente, die \u00fcber diesen Weg  abgebaut werden m\u00fcssen (das ist eine Vielzahl der in der Praxis mit  Laevomepromazin kombinierten Substanzen), kumulieren in schwer planbarer Weise.  Laevomepromazin hat eine Halbwertszeit von 15 bis 30 Stunden und senkt die  Krampfschwelle. Die QTc- St\u00e4rke nach www.mediq.ch betr\u00e4gt 2. Gem\u00e4\u00df Benkert 2013  ist der &bdquo;Einsatz nur in Ausnahmef\u00e4llen und bei Versagen geeigneter Alternativen&ldquo;  zu diskutieren.<\/p>\n<p> <strong>Prothipendyl.<\/strong> Neben der h\u00e4ufigen  unerw\u00fcnschten Arzneimittelwirkung Orthostase ist bei Kombination von  parenteralem Prothipendyl mit Benzodiazepinen oder Opioiden vor dem Risiko  einer Atemdepression zu warnen. Die QTc-St\u00e4rke nach www.mediq.ch betr\u00e4gt 2.  Gem\u00e4\u00df Benkert sollte &bdquo;keine Verordnung bei kardialen St\u00f6rungen, Bradykardie,  Hypokali\u00e4mie, Lungenfunktionsst\u00f6rungen&ldquo; vorgenommen werden.<\/p>\n<p> <strong>Clozapin.<\/strong> Eine gute antimanische  Wirksamkeit von Clozapin ist ebenfalls dokumentiert, jedoch sollte der Einsatz aufgrund  des Agranulozystoserisikos auf therapierefrakt\u00e4re Verl\u00e4ufe beschr\u00e4nkt bleiben.  Clozapin darf nicht gleichzeitig mit Carbamazepin kombiniert werden. Negative Wechselwirkungen  von Clozapin und Carbamazepin auf die Blutbildung sind in der Literatur  beschrieben. Auch wird eine negative Wirkung auf Atem-Kreislauf-Funktionen bei  gleichzeitiger Gabe von Clozapin und Lorazepam diskutiert. <\/p>\n<p>Benkert und Hippius  2011 warnen vor &bdquo;Synkopen und\/oder Atemstillstand bei gleichzeitiger Clozapin-Einnahme  und Benzodiazepinen (i.v. Applikation von Benzodiazepinen) unbedingt vermeiden!&ldquo;  und f\u00fchren im Weiteren aus: &bdquo;Nach neueren Untersuchungen stellt eine Kombination  von Clozapin mit Benzodiazepinen keine absolute Kontraindikation dar, sie  sollte jedoch weiterhin sorgf\u00e4ltig abgewogen werden. Klinisch dringliche  Situationen wie ein malignes neuroleptisches Syndrom, katatone Zustandsbilder  oder extreme Agitiertheit lassen eine solche Kombinationstherapie vertretbar  erscheinen.&ldquo; Liegen schwerste therapierefrakt\u00e4re Verl\u00e4ufe vor, sollte in jedem  Fall auch die M\u00f6glichkeit einer Elektrokonvulsionstherapie (EKT) erwogen  werden.<\/p>\n<h2> Akute Manie mit psychotischen  Symptomen <\/h2>\n<p>  Lithium  ist bei dieser Diagnose weniger effektiv als bei der &bdquo;rein euphorischen&ldquo; Manie.  In einer randomisierten, aber unverblindeten Studie konnte die Wirksamkeit von  Valproat bei der akuten psychotischen Manie belegt werden. In jedem Fall  sollten zus\u00e4tzlich Antipsychotika gegeben werden, wobei aufgrund der geringeren  bis fehlenden extrapyramidalen Nebenwirkungen auf atypische Antipsychotika zur\u00fcckgegriffen  werden sollte. F\u00fcr Aripiprazol, Asenapin, Olanzapin, Quetiapin, Paliperidon,  Risperidon und Ziprasidon wurden in placebokontrollierten Studien und f\u00fcr  Clozapin in offenen Studien zudem auch gute Erfolge in der Monotherapie der  akuten psychotischen Manie beschrieben. In den aktuellen WFSBP-Leitlinien  werden in erster Linie Lithium, Valproat und mehrere atypische Antipsychotika  zur Behandlung der akuten Manie empfohlen, ebenso die Monotherapie mit Asenapin  und Paliperidon Extended Release (ER) sowie als Zusatztherapie Asenapin.<\/p>\n<h2> Gemischte Episode (ICD-10) <\/h2>\n<p>  Eine  gemischte Episode nach ICD-10 &bdquo;ist entweder durch eine Mischung oder einen  schnellen Wechsel (d.h. innerhalb von wenigen Stunden) von hypomanischen,  manischen und depressiven Symptomen charakterisiert. Manische und depressive  Symptome m\u00fcssen die meiste Zeit w\u00e4hrend eines Zeitraumes von mindestens zwei  Wochen deutlich vorhanden sein. DSM-5 kennt keine gemischte Episode als eigene  Diagnose: Hier k\u00f6nnen hypomane, manische und depressive Episoden bei  entsprechender Symptomatik die Zusatzcodierung (specifier) &bdquo;mit gemischten Merkmalen&ldquo;  erhalten. <\/p>\n<p>Mischzust\u00e4nde sind generell mit einem schlechteren Behandlungserfolg assoziiert,  da sie sp\u00e4t erkannt werden und die richtige (Kombinations-)Therapie oft erst  sp\u00e4t einsetzt. Kontrollierte Daten haben gezeigt, dass Valproat und  Carbamazepin in dieser Indikation Lithium \u00fcberlegen sind. Dar\u00fcber hinaus gibt  es Hinweise, die ein g\u00fcnstiges Ansprechen auf atypische Antipsychotika wie  Aripiprazol, Asenapin, Olanzapin, Quetiapin, Risperidon und Ziprasidon bei  Mischzust\u00e4nden nahe legen. Ziprasidon ist jedoch das einzige atypische  Antipsychotikum, das bei gemischten Episoden zugelassen ist. Antidepressiva  sollten in dieser Indikation eher nicht verabreicht werden. <\/p>\n<h2> Rapid Cycling <\/h2>\n<p>  Rapid  Cycling, die rasche Aufeinanderfolge mehrerer Episoden im Rahmen einer  bipolaren St\u00f6rung, ist durch das Auftreten von mindestens vier depressiven,  hypomanischen, gemischten oder manischen Episoden innerhalb der letzten zw\u00f6lf  Monate gekennzeichnet. Die Episoden k\u00f6nnen in beliebiger Reihenfolge und  Kombination auftreten, flie\u00dfend ineinander \u00fcbergehen oder durch zeitweise  bestehende Euthymie voneinander abgegrenzt sein. Ultra Rapid Cycling bzw.  Ultra-Ultra Rapid Cycling beschreibt Zust\u00e4nde, bei denen Stimmungsschwankungen  noch rascher, also innerhalb weniger Tage bis sogar Stunden, auftreten k\u00f6nnen. <\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" title=\"Quelle: nach Kusumakar et al. (2001) und Kasper (2003)\" src=\"http:\/\/dizign-projekte.at\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Tabelle.jpg\" alt=\"Tabelle\" width=\"730\" height=\"552\" class=\"alignnone size-full wp-image-1818\" \/><\/p>\n<p>Die  Frage, ob Rapid Cycling als Subtyp oder Verlaufsvariante (d.h. z.B.  iatrogen-induziert) der bipolaren Erkrankung anzusehen ist, wird kontrovers  diskutiert. Die Behandlung dieses Zustandes ist schwierig, und aufgrund  klinischer Beobachtungen kann man davon ausgehen, dass die alleinige Therapie  mit Lithium oder Carbamazepin h\u00e4ufig nicht erfolgreich ist. Valproins\u00e4ure wird  immer wieder vorgeschlagen, hat sich in einer neueren Untersuchung im Vergleich  zu Lithium jedoch nicht als \u00fcberlegen erwiesen. In der Praxis sollte bei  Bestehen von Rapid Cycling zu einem bereits verordneten Stimmungsstabilisierer,  z.B. Lithium, ein weiterer \u2013 vorzugsweise Valproins\u00e4ure \u2013 zugegeben werden.  <\/p>\n<p>Wenn dadurch das Geschehen nicht zu beeinflussen ist, wie es z.B. beim Ultra  Rapid Cycling der Fall sein kann, kann auch die Zugabe eines dritten  Stimmungsstabilisierers (z.B. Carbamazepin oder Lamotrigin) sinnvoll sein (Dosisreduktion  bei Valproat-Lamotrigin-Kombination beachten!). Carbamazepin hat in einer  Studie an Lithium- Non-Respondern bei Rapid Cycling eine therapeutische Wirksamkeit  gezeigt. Allerdings konnte dieses Ergebnis in einer anderen kontrollierten  Untersuchung nicht belegt werden. <\/p>\n<p>Als weitere Option steht auch Lamotrigin zur  Verf\u00fcgung, das einen r\u00fcckfallprophylaktischen Effekt bei Bipolar-II-Patienten  mit Rapid Cycling in einer gro\u00dfen kontrollierten Studie zeigen konnte. Die  Verabreichung von Antidepressiva oder von Stimulantien sollte bei  therapieresistentem Rapid Cycling vermieden werden. Bei einigen Patienten mit  Rapid Cycling scheint eine latente oder manifeste Hypothyreose zu bestehen,  weshalb die Gabe von Schilddr\u00fcsenhormon (T4) indiziert sein kann. Bei  Therapieresistenz ist kasuistisch auch die Elektrokonvulsionstherapie empfohlen  worden.<\/p>\n<h2>  Akute Depression bei bipolarer  St\u00f6rung <\/h2>\n<p>  Die  antidepressiven Eigenschaften der Stimmungsstabilisierer reichen h\u00e4ufig nicht  f\u00fcr die Akutbehandlung einer schweren depressiven Symptomatik aus. Dies gilt  sowohl f\u00fcr eine Monotherapie mit Lithium als auch eine Monotherapie mit den  Antiepileptika Lamotrigin und Valproat. Bei der unipolaren und auch bei der  sogenannten bipolaren Depression \u2013 d.h. einer akuten Depression im Rahmen der  bipolaren St\u00f6rung \u2013 werden aufgrund der Erfahrung aus der klinischen Praxis und  bisher verf\u00fcgbaren Daten Antidepressiva eingesetzt. Neben der Behandlung mit  Antidepressiva sollte auf jeden Fall ein antimanisch wirksamer Stimmungsstabilisierer  hinzu therapiert werden. F\u00fcr Quetiapin liegen replizierte Daten von  placebokontrollierten Studien vor, die einen guten Effekt bei der Monotherapie bipolarer  Depressionen dokumentieren. <\/p>\n<p>F\u00fcr Olanzapin konnte f\u00fcr die Kombinationstherapie  mit Fluoxetin ein guter antidepressiver Effekt nachgewiesen werden. F\u00fcr  Lamotrigin konnte unter doppelblind kontrollierten Bedingungen eine pr\u00e4ventive  antidepressive Wirkung bei Bipolar-II-St\u00f6rung dokumentiert werden. Weiterhin werden  Lithium, Carbamazepin, Oxcarbazepin und atypische Antipsychotika zur adjuvanten  Behandlung der akuten Depression im Rahmen einer bipolaren St\u00f6rung empfohlen. Im  Verlauf der bipolaren St\u00f6rung ist das Risiko eines Umschwungs (&bdquo;Switch&ldquo;) in  eine gegens\u00e4tzliche Episode gegeben. Anlass zu zahlreichen Untersuchungen ist  die Frage, in welchem Ausma\u00df Antidepressiva zum Switch von Depression zu  (Hypo-)Manie beitragen. Insbesondere trizyklische Antidepressiva sind mit einem  hohen Switch-Risiko sowie der Gefahr der Induktion eines Rapid-Cycling-Verlaufes  behaftet. <\/p>\n<p>Wenn Antidepressiva eingesetzt werden, sollte die Behandlung damit  bis zur Remission fortgef\u00fchrt werden. Hierf\u00fcr gibt es allerdings keine  kontrollierten Daten, aber eine klinische Evidenz. Die Argumente f\u00fcr eine  solche Strategie sind folgende: Jedes Residualsymptom beherbergt die  Wahrscheinlichkeit eines weiteren Rezidivs. Achtung: Chronisch depressive  Patienten brauchen oft deutlich l\u00e4nger bis zur Remission als nicht  chronifizierte Patienten. SSRI, Bupropion und Moclobemid gelten in der Kombination  mit Stimmungsstabilisierern als Mittel der Wahl und sind dar\u00fcber hinaus bei  \u00dcberdosierung auch weniger toxisch. Der Einsatz von Trizyklika oder  irreversiblen Monoaminooxidase-Hemmern \u2013 ohne die gleichzeitige Verabreichung  eines Stimmungsstabilisierers \u2013 f\u00fchrt innerhalb eines Jahres bei bis zu 70  Prozent der F\u00e4lle zur Exazerbation einer Manie. <\/p>\n<p>Venlafaxin scheint bez\u00fcglich des  Switch-Risikos gegen\u00fcber trizyklischen Antidepressiva keinen Vorteil zu  bringen. Die Empfehlungen zur Dauer der antidepressiven Therapie bei bipolar  affektiven St\u00f6rungen unterscheiden sich von denen der unipolaren Depression. Es  erscheint sinnvoll, in den meisten F\u00e4llen die antidepressive Medikation nach  Abklingen der depressiven Symptomatik abzusetzen. Eine Subgruppe bipolarer Patienten,  vor allem Patienten ohne &bdquo;Switch-Anamnese&ldquo; unter antidepressiver Medikation und  Phasenakzeleration, kann aber von einer l\u00e4ngerdauernden Einnahme von  Antidepressiva profitieren. F\u00fcr diese Patienten ist eine l\u00e4ngerfristige  antidepressive Therapie vertretbar. Bei Therapieresistenz trotz Behandlung mit  SSRI und Stimmungsstabilisierern sollte als n\u00e4chster Schritt die Kombination mit  einem zweiten Stimmungsstabilisierer erfolgen. <\/p>\n<p>Die Indikationsstellung zur EKT  sollte bei fortw\u00e4hrendem Therapieversagen besonders im Hinblick auf das betr\u00e4chtliche  Suizidrisiko nicht allzu lange aufgeschoben werden. Die CANMAT-Leitlinien gehen  derzeit davon aus, dass Lithium, Lamotrigin und Quetiapin als Monotherapie, Olanzapin  plus ein selektiver Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) und Lithium oder  Valproins\u00e4ure plus SSRI oder Bupropion vorrangige Optionen darstellen. Die  Valproins\u00e4ure- Kombinationstherapien von Quetiapin mit einem SSRI, Lamotrigin  bzw. Lurasidon plus Lithium oder Valproins\u00e4ure sind Alternativen im Sinne einer  zweiten Wahl. Die alleinige Gabe oder auch Begleittherapie von Ziprasidon sowie  die Zusatztherapie mit Levetiracetam sind nicht empfohlene Optionen f\u00fcr die  bipolare Depression.<\/p>\n<h2> Schizoaffektive St\u00f6rungen <\/h2>\n<p>  Die  schizoaffektiven St\u00f6rungen zeigen unter Querschnittund L\u00e4ngsschnittaspekten  eine \u00dcberlappung von schizophrenen und affektiven Symptomen. Es ist nicht klar,  ob es sich bei der schizoaffektiven St\u00f6rung um eine Unterform der  Schizophrenie, eine Unterform der affektiven St\u00f6rungen oder eine eigenst\u00e4ndige  Krankheitsgruppe handelt. Die ICD-10 definiert die Erkrankung als episodische  St\u00f6rung, bei der sowohl affektive Symptome als auch mindestens ein schizophrenes  Symptom in derselben Krankheitsphase auftreten, meistens gleichzeitig oder  h\u00f6chstens durch einige Tage getrennt, w\u00e4hrend im DSM-IV-TR die psychotischen Symptome  zus\u00e4tzlich mindestens zwei Wochen auch ohne affektive Symptome vorliegen  m\u00fcssen.<\/p>\n<p> <strong>Manie im Rahmen einer  schizoaffektiven St\u00f6rung.<\/strong> Manische  Episoden im Rahmen von schizoaffektiven Erkrankungen werden in der Regel wie  Manien mit psychotischen Symptomen im Rahmen von bipolaren St\u00f6rungen behandelt.  Dies bedeutet, dass entweder ein neues atypisches Antipsychotikum oder die  Kombination von atypischem Antipsychotikum und Stimmungsstabilisierer wie Lithium  eingesetzt werden sollte. Valproins\u00e4ure hat sich in dieser Indikation im  Vergleich zu Carbamazepin besonders bew\u00e4hrt, da keine Wechselwirkungen mit dem  Antipsychotikum zu erwarten sind. Bei unzureichender Wirkung von Valproins\u00e4ure  steht alternativ Carbamazepin zur Verf\u00fcgung, welches jedoch zu Interaktionen  mit dem Antipsychotikum f\u00fchren kann (Senkung der Atypika-Spiegel). Diesbez\u00fcglich  g\u00fcnstiger kann sich der Einsatz von Oxcarbazepin erweisen.<\/p>\n<p> <strong>Depressive Episode im  Rahmen einer schizoaffektiven St\u00f6rung.<\/strong> Depressive Episoden im Rahmen einer  schizoaffektiven St\u00f6rung sollten entweder in Monotherapie mit einem  dokumentiert antidepressiv wirkenden, atypischen Antipsychotikum (Quetiapin)  oder als Kombinationstherapie mit einem Antidepressivum \u2013 bevorzugt aus der Gruppe  der SSRI sowie Bupropion \u2013 und einem atypischen Antipsychotikum sowie einem  Stimmungsstabilisierer behandelt werden. Lithium scheint bei dieser Indikation weniger  gut wirksam zu sein als Valproat und Carbamazepin. SSRI und neuere  Antipsychotika sollten aufgrund des g\u00fcnstigeren Nebenwirkungsprofils vorrangig zum  Einsatz kommen.<\/p>\n<p> <em>Quelle:  Kasper et al.: Bipolare St\u00f6rungen, Medikament\u00f6se Therapie, Konsensus- Statement  \u2013 State of the art; CliniCum neuropsy Sonderausgabe 2013  <\/em><\/p>\n<p><em>Lecture  Board: Prim. Dr. Christa Rado\u0161, Prim. Dr. Elmar Windhager <\/em><\/p>\n<p><em>\u00c4rztlicher  Fortbildungsanbieter: Klinische Abteilung f\u00fcr Biologische Psychiatrie, Universit\u00e4tsklinik  f\u00fcr Psychiatrie und Psychotherapie, Wien <\/em><\/p>\n<p>Von  o.Univ.-Prof. Dr. h.c.mult. Dr. Siegfried Kasper<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die letzten Jahre brachten gro\u00dfe Fortschritte bei der Diagnose und Behandlung von bipolaren St\u00f6rungen. Auch aufgrund der neuen Ergebnisse im Bereich der neuropsychologischen und molekularbiologischen Forschung wurde dem Spektrum der bipolaren Erkrankungen zunehmend gr\u00f6\u00dfere Aufmerksamkeit gewidmet. Die folgende Arbeit bietet eine \u00dcbersicht \u00fcber die derzeitigen medikament\u00f6sen Therapieoptionen. Ein Beitrag von o.Univ.-Prof. Dr. h.c.mult. 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