{"id":2126,"date":"2017-06-01T14:52:40","date_gmt":"2017-06-01T12:52:40","guid":{"rendered":"http:\/\/dizign-projekte.at\/?p=2126"},"modified":"2017-06-01T14:52:40","modified_gmt":"2017-06-01T12:52:40","slug":"im-netzwerk-der-richtlinien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/oegpb.at\/?p=2126","title":{"rendered":"Im Netzwerk der Richtlinien"},"content":{"rendered":"<p><strong>Therapierichtlinien bieten eine wertvolle Orientierung bei der Therapieentscheidung. Doch an welcher der verschiedenen Guidelines sollten Behandler sich orientieren? (CliniCum neuropsy 2\/17)<\/strong><\/p>\n<p>Es sei h\u00f6chst an der Zeit, die unterschiedlichen \u201eGuidelines\u201c f\u00fcr bipolare St\u00f6rungen zu einer internationalen Therapierichtlinie zusammenzufassen, betont die spanische Psychi aterin Dr. Iria Grande von der Abteilung f\u00fcr Bipolare Erkrankungen\/ Klinisches Institut f\u00fcr Neurowissenschaften an der Universit\u00e4t von Barcelona. Bei einem Vortrag an der Wiener Universit\u00e4tsklinik f\u00fcr Psychiatrie und Psychotherapie richtete sie k\u00fcrzlich den Fokus auf St\u00e4rken und Schw\u00e4chen von Therapierichtlinien. \u201eGuidelines fassen die aktuelle Evidenz zu einer Erkrankung zusammen und geben uns wichtige Anhaltspunkte f\u00fcr die Therapieentscheidung. Keinesfalls ersetzen sie jedoch klinisches Wissen oder entbinden die Behandler von der Verantwortung f\u00fcr die Wahl der Therapie.\u201c Die meisten der heute zur Verf\u00fcgung stehenden Therapierichtlinien legen ihr Augenmerk auf die psychopharmakologische Behandlung, zunehmend werden jedoch auch psychologische Therapien ber\u00fccksichtigt. Guide lines, so Grande, tragen zudem zur Qualit\u00e4tssicherung bei und liefern nicht zuletzt auch den Sozialversicherungen in den jeweiligen L\u00e4ndern eine Orientierungshilfe f\u00fcr die Kosten\u00fcbernahmen einer Behandlung.<\/p>\n<h2>St\u00e4rken und Schw\u00e4chen<\/h2>\n<p>So liegen f\u00fcr bipolare St\u00f6rungen heute etliche Richtlinien vor, darunter jene des Canadian Network for Mood and Anxiety Treatment (CANMET, 2013), der World Federation of Societies of Biological Psychiatry (WFSBP, 2010) oder des britischen National Institute for Health and Care Excellence (NICE, 2016). \u201eBei letzterer Richtlinie gilt es allerdings zu ber\u00fccksichtigen, dass sie ohne jegliche psychiatrische Expertise erstellt wurde\u201c, erg\u00e4nzt o. Univ.-Prof. Dr.h.c.mult. Dr. Siegfried Kasper, Vorstand der Universit\u00e4tsklinik f\u00fcr Psychiatrie und Psychotherapie, Wien. Die derzeit aktuellste Leitlinie f\u00fcr die Behandlung bipolarer St\u00f6rungen ist jene des International College of Neuropsychopharmacology (CINP), die zu Beginn 2017 ver\u00f6ffentlicht wurde.<\/p>\n<p>\u201eEs ist eine gut lesbare, \u00fcbersichtliche und zugleich praxistaugliche Leitlinie\u201c, meint Grande. Einen Pluspunkt der CINP-Richtlinie ortet Grande darin, dass sie den unterschiedlichen Verlaufsformen bipolarer St\u00f6rungen gut gerecht wird und auch Hinweise zur Risikoabsch\u00e4tzung enth\u00e4lt. \u201eIn der Praxis hei\u00dft es f\u00fcr uns als behandelnde \u00c4rzte, in akuten Phasen etwaige Gewaltbereitschaft, Suizidalit\u00e4t und die Notwendigkeit einer Hospitalisierung zu ber\u00fccksichtigen. Wir raten unseren Patienten auch stets, in akuten Phasen keine wichtigen Entscheidungen zu treffen, da die Probleml\u00f6sekompetenz deutlich beeintr\u00e4chtigt ist.\u201c Speziell bei bipolaren St\u00f6rungen ist bereits mit der Erstdiagnose auch die Langzeittherapie zu ber\u00fccksichtigen. \u201eEinige f\u00fcr die Behandlung akuter Phasen eingesetzte Substanzen eignen sich gut f\u00fcr die Langzeitbehandlung, die in vielen F\u00e4llen lebensbegleitend sein muss.<\/p>\n<p>Es bedeutet sicher eine Herausforderung, den Patienten dies entsprechend zu vermitteln und ihre Kooperation zu f\u00f6rdern.\u201c In vielen F\u00e4llen sind zudem Kombinationstherapien erforderlich, etwa ein Antipsychotikum plus ein Stimmungsstabilisierer, wobei f\u00fcr die Wahl der am besten geeigneten Kombination \u00fcber die Leitlinie hinaus viel klinische Erfahrung gefordert ist. Dass Richtlinien zudem Hinweise auf als selbstverst\u00e4ndlich anzusehende Therapiema\u00dfnahmen enthalten \u2013 etwa jenen, in einer manischen Episode Antidepressiva abzusetzen \u2013, hat laut Grande guten Grund: \u201eFakt ist, dass bis zu einem Drittel der Patienten in manischen Phasen weiterhin Antidepressiva einnehmen.\u201c Die CINP Leitlinien gehen zudem in abgestufter Form auch auf \u201eReserve-Therapien\u201c wie die Elektrokrampftherapie ein, die auf der letzten Ebene der Empfehlungsgrade angef\u00fchrt wird.<\/p>\n<h2>Warnhinweise<\/h2>\n<p>Grande und Kasper f\u00fchren in der Diskussion auch wichtige Warnhinweise f\u00fcr die Nutzung von Leitlinien an: So beruht die Gewichtung einzelner Psychopharmaka auch in der CINP-Leitlinie zum Teil nur auf indirekten Vergleichen und nicht auf direkten Vergleichsstudien, wie Kasper betont. \u201eSolche Vergleiche sind nicht zul\u00e4ssig.\u201c Einige Richtlinien wie jene der British Association of Psychopharmacology (BAP) f\u00fchren auch Netzwerkanalysen an, in der Substanzen nach Effektivit\u00e4t und Akzeptabilit\u00e4t gereiht werden. \u201eDazu wurden allerdings nur einzelne Studienparameter wie der Wirksamkeitsnachweis ber\u00fccksichtigt und etwa nicht die Studienabbr\u00fcche aufgrund von Nebenwirkungen, sodass es zu verzerrten Darstellungen kommt\u201c, erg\u00e4nzt Kasper. Die internationale Diskussion \u00fcber derartige Netzwerkanalysen sei also ebenso dringlich wie die Forderung nach einer gemeinsamen Leitlinie. Als oberstes Gebot gilt jedoch, die Unabh\u00e4ngigkeit der Therapieentscheidung zu wahren, res\u00fcmieren Grande und Kasper.<\/p>\n<p><em>\u201eGuidelines for Bipolar Disorder\u201c, Wissenschaftliches Seminar, Universit\u00e4tsklinik f\u00fcr Psychiatrie und Psychotherapie, Wien, 9.3.17<\/em><\/p>\n<p>Von Mag. Christina Lechner<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Therapierichtlinien bieten eine wertvolle Orientierung bei der Therapieentscheidung. Doch an welcher der verschiedenen Guidelines sollten Behandler sich orientieren? (CliniCum neuropsy 2\/17)<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":2127,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","footnotes":""},"categories":[160,13],"tags":[29,121,161],"class_list":["post-2126","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-160","category-neuropsy","tag-bipolare-stoerung","tag-therapie","tag-therapierichtlinien"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2126","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2126"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2126\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2126"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2126"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2126"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}