{"id":2303,"date":"2017-12-14T12:58:26","date_gmt":"2017-12-14T10:58:26","guid":{"rendered":"http:\/\/dizign-projekte.at\/?p=2303"},"modified":"2017-12-14T12:58:26","modified_gmt":"2017-12-14T10:58:26","slug":"studien-highlights","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/oegpb.at\/?p=2303","title":{"rendered":"Studien-Highlights"},"content":{"rendered":"<p><strong>Prof. Dr. Hans-Christoph Diener,  Seniorprofessor f\u00fcr Klinische Neurowissenschaften am Universit\u00e4tsklinikum  Essen, pr\u00e4sentierte die aus seiner Sicht interessantesten Studien der  vergangenen Monate; eine Auswahl. (CliniCum neuropsy 5\/17)<\/strong><\/p>\n<p> Zu den  zentralen Themen, die Neurologen gegenw\u00e4rtig besch\u00e4ftigen, z\u00e4hlt die Pr\u00e4vention  von Demenzerkrankungen. Hier zeigen sich, so Diener, die Risiken einer  verkehrsg\u00fcnstigen Wohnlage. Denn laut einer im &bdquo;Lancet&ldquo; publizierten Studie  erh\u00f6ht die N\u00e4he zu stark befahrenen Stra\u00dfen das Risiko, eine Demenz zu entwickeln,  signifikant. Dies trifft jedoch f\u00fcr Morbus Parkinson und Multiple Sklerose  nicht zu. Die Erhebung war aufgrund der ausgezeichneten Register der  kanadischen Stadt Ontario m\u00f6glich.<sup>1<\/sup> Diener:  &bdquo;Eine Kohortenstudie liefert nat\u00fcrlich keine Kausalit\u00e4t, aber diese Arbeit  sollte schon nahelegen, dass es nicht nur um die Lunge geht, wenn wir von  Luftqualit\u00e4t und Abgasen reden.&ldquo; Durchaus heftig gef\u00fchrt wird gegenw\u00e4rtig die  Diskussion um eine m\u00f6gliche Erh\u00f6hung des Demenzrisikos durch  Protonenpumpen-Inhibitoren. <\/p>\n<p>Den Anlass dazu lieferte eine prominent publizierte  Arbeit, die bei Personen, die PPIs einnahmen, vermehrt Demenzen fand und zu dem  Schluss gelangte, dass der Verzicht auf den PPI das Demenzrisiko senken k\u00f6nne.<sup>2<\/sup> Diener bezeichnet die Studie jedoch als methodisch  angreifbar. Man habe einfach Inzidenzen verglichen,  ohne Risikofaktoren zu ber\u00fccksichtigen oder auch nur zu kennen. Die Ergebnisse wurden  von der Laienpresse aufgegriffen, was zu erheblicher Irritation gef\u00fchrt habe.  Diener: &bdquo;In zwei gro\u00dfen, sauber durchgef\u00fchrten Studien konnte diese behauptete  Assoziation mittlerweile widerlegt werden. Man sieht hier vor allem, wie gef\u00e4hrlich  es ist, aus relativ kleinen, zuf\u00e4llig gew\u00e4hlten Studienpopulationen Schl\u00fcsse zu  ziehen, die Einfluss auf die Behandlung von Patienten haben.&ldquo; Eine dieser  Studien ist eine aktuelle Auswertung der Nurses Health Study, in deren Rahmen  regelm\u00e4\u00dfig neuropsychologische Tests durchgef\u00fchrt werden.<sup>3<\/sup> <\/p>\n<h2> AK  reduziert Amyloid-Plaques <\/h2>\n<p> Auch  zur Therapie des Morbus Alzheimer wurden in den vergangenen Monaten zahlreiche  Arbeiten publiziert. Diener: &bdquo;Wir sehen bei Alzheimer Ablagerungen von Amyloid  und Tau im Gehirn. Und bislang konzentrierten sich alle Interventionsversuche  auf diese beiden Proteine. Man wei\u00df aber auch, dass entz\u00fcndliche Prozesse eine wichtige  Rolle spielen und dass die Netzwerke innerhalb des Gehirns unterbrochen werden. Ich denke daher, dass in Zukunft Lebensstilmodifikation eine ganz  wichtige Rolle spielen wird.&ldquo; In Richtung eines Durchbruchs k\u00f6nnte allerdings  eine 2016 publizierte Arbeit weisen, die erstmals eine Reduktion der  Amyloid-Konzentration im Gehirn durch einen Antik\u00f6rper (AK) demonstrieren  konnte.<sup>4<\/sup> Diener: &bdquo;Die Stabilisierung der Amyloid-Ablagerungen schlug  sich auch in neuropsychologischen Tests nieder. Man muss allerdings darauf  hinweisen, dass es sich um eine Phase-II-Studie handelt und in der  Vergangenheit auf Erfolge in der Phase II nicht selten Entt\u00e4uschungen in der  Phase III folgten.&ldquo; <\/p>\n<p>Ein Beispiel f\u00fcr eine solche Entt\u00e4uschung war eine Studie  zum Einsatz von Methylenblau bei Patienten mit Morbus Alzheimer. Methylenblau  hatte zuvor in Tierexperimenten die Aggregation von Tau reduziert. Beim Menschen  konnte jedoch kein derartiger Effekt demonstriert werden.<sup>5<\/sup> Einen alternativen Ansatz in der Alzheimer-Pr\u00e4vention  w\u00e4hlte eine niederl\u00e4ndische Gruppe, die versuchte, durch Modifikation  vaskul\u00e4rer Risikofaktoren das Demenzrisiko zu senken. Der Schwerpunkt der  Intervention lag auf Bewegung. Allerdings konnte in dieser Studie kein signifikanter  Effekt gezeigt werden.<sup>6<\/sup>  Dies m\u00fcsse, so Diener, allerdings nicht  bedeuten, dass Bewegung in der Demenzpr\u00e4vention nichts bringt: &bdquo;Man\u00a0 muss dazu sagen,  dass in Holland generell alle Patienten mit vaskul\u00e4ren Erkrankungen so gut  behandelt sind, dass es sehr schwierig ist, durch gezielte Interventionen noch  eine Verbesserung \u00fcber den Standard of Care hinaus zu erreichen. <\/p>\n<p>Allerdings  zeigen Subgruppenanalysen, dass auch in dieser Arbeit bei den Patienten mit vaskul\u00e4ren  Demenzformen noch ein signifikanter Effekt der Intervention erreicht werden  konnte.&ldquo; In einer randomisierten, kontrollierten Studie konnte f\u00fcr den Einsatz  von Immunglobulinen keine Wirksamkeit bei Morbus Alzheimer gezeigt werden.<sup>7<\/sup> Dieses Ergebnis sei, so  Diener, zwar nicht \u00fcberraschend, jedoch wichtig, da diese Behandlung ohne jede  Evidenz von einigen Privatkliniken und Praxen angeboten wurde. <\/p>\n<h2> Immer  mehr Zika-F\u00e4lle <\/h2>\n<p> Wichtige  Neuigkeiten gibt es auch zu den Infektionen des Nervensystems. Das betrifft  unter anderem den Herpes Zoster. Bislang verf\u00fcgbare Impfstoffe zeigten generell  wenig zufriedenstellende Wirksamkeit und blieben besonders bei \u00e4lteren  Patienten oft ohne Effekt. Nun steht ein neuer Impfstoff zur Verf\u00fcgung, der bei  Impfung nach dem 70. Lebensjahr das Risiko, einen Herpes Zoster zu entwickeln,  um 89 Prozent reduziert und auch die H\u00e4ufigkeit postherpetischer Neuropathien dramatisch  senkt.<sup>8<\/sup> Diener: &bdquo;Angesichts dieser  Zahlen denke ich, dass man \u00e4lteren Menschen diese Impfung empfehlen sollte.&ldquo; Ein  Problem, mit dem wir vermutlich in absehbarer Zeit konfrontiert werden, ist  Zika, das gegenw\u00e4rtig nicht nur in S\u00fcdamerika, sondern vermutlich auch bereits  in Asien endemisch ist. Zika verursacht eine Reihe neurologischer Komplikationen  wie zum Beispiel ein akutes, periinfekti\u00f6ses Guillain-Barr\u00e9-Syndrom, dessen  Inzidenz w\u00e4hrend Zika Epidemien in Polynesien um das 20-Fache gestiegen ist.  <\/p>\n<p>Auch Meningoenzephalitis kommt in seltenen F\u00e4llen vor. Die gef\u00fcrchtetste Komplikation  ist jedoch die Mikrozephalie des Kindes nach Infektion der Mutter w\u00e4hrend der  Schwangerschaft. Diener: &bdquo;In Deutschland hatten wir 2016 knapp 70 dokumentierte  F\u00e4lle als Reisekrankheit. Es ist also wichtig, dass wir bei entsprechender  Reiseanamnese an Zika denken.&ldquo; Vereinfacht wurde im vergangenen Jahr die  Klassifikation der Epilepsie.<sup>9<\/sup> Diener:  &bdquo;Die alte war so kompliziert, dass sie au\u00dfer Epileptologen niemand mehr  verstanden hat. Daher hat man nun offiziell zu einer klareren Nomenklatur gefunden,  die im Wesentlichen wieder der noch \u00e4lteren Klassifikation entspricht. Es gibt  also wieder die bew\u00e4hrte Unterscheidung in fokale und generalisierte Anf\u00e4lle.&ldquo;<\/p>\n<h2>  Antikonvulsiva  absetzen? <\/h2>\n<p> Eine  gro\u00dfe Metaanalyse besch\u00e4ftige sich mit der Frage, ob und unter welchen Umst\u00e4nden  bei jahrelanger Anfallsfreiheit eine antiepileptische Therapie abgesetzt werden  kann.<sup>10<\/sup> &bdquo;Die Kollegen haben  Pr\u00e4diktoren f\u00fcr erneute Anf\u00e4lle identifiziert und ein pr\u00e4diktives Modell  entwickelt, in das zum Beispiel die Dauer der Erkrankung und die Zahl der  eingesetzten Antikonvulsiva einflie\u00dfen. Mit einem Punktescore wird dann die  Wahrscheinlichkeit berechnet, dass die Anf\u00e4lle wiederkommen. Bei einem  niedrigen Score kann man die Medikamente mit gutem Gewissen absetzen. Das geht  schnell und einfach und ist ein sinnvolles Instrument, das allerdings gegenw\u00e4rtig  noch einmal prospektiv evaluiert wird.&ldquo; Auch neue Antiepileptika wurden in den  vergangenen Jahren und Monaten untersucht. Hier bestehe, so Diener, generell  das Problem, dass diese Substanzen nicht mehr gegen Placebo, sondern nur noch  als Add-on untersucht werden k\u00f6nnen und man daher keine Daten und auch keine  Zulassung f\u00fcr die Monotherapie habe. <\/p>\n<p>Ein etwas anderes Design wurde f\u00fcr eine Phase-III-Studie  mit Lacosamid gew\u00e4hlt, das mit retardiertem Carbamazepin verglichen wurde. In  dieser Studie wurde in beiden Armen bei Nichtwirksamkeit aufdosiert. Die Studie  zeigte schlie\u00dflich gleiche Wirksamkeit in beiden Gruppen auf.<sup>11<\/sup> Eine wichtige Studie wurde  zur Therapie der tuber\u00f6sen Sklerose publiziert. Everolimus greift in den molekularpathologischen  Mechanismus der Krankheit ein und hat sich als klinisch wirksam erwiesen. Bei  Patienten mit therapierefrakt\u00e4ren Anf\u00e4llen infolge einer tuber\u00f6sen Sklerose  konnte mit Everolimus eine dramatische Reduktion der Anf\u00e4lle erreicht werden.<sup>12<\/sup> Diener: &bdquo;Everolismus ist  kein Antikonvulsivum, sondern greift kausal in den Krankheitsprozess ein. Damit  haben wir f\u00fcr diese Patienten einen v\u00f6llig neuen Therapieansatz. Es ist mit  dieser Studie auch erstmals der Nachweis gelungen, dass eine Substanz den  epileptogenen Mechanismus einer Epilepsie g\u00fcnstig beeinflussen kann.&ldquo;<\/p>\n<h2>  Prim\u00e4re  progressive MS <\/h2>\n<p> Zu  den am Intensivsten beforschten Gebieten der Neurologie z\u00e4hlt die Multiple  Sklerose. Hinsichtlich der Pr\u00e4vention von MS wurden k\u00fcrzlich Daten pr\u00e4sentiert,  die keinen Effekt eines hohen Kochsalzkonsums nahelegen. In einem Kollektiv von  Patienten mit klinisch isoliertem Symptom (CIS) wurde keine Assoziation von Natriumaufnahme  und Progressionsrisiko gefunden.<sup>13<\/sup> Untersucht wurde auch (basierend auf Befunden aus dem Tiermodell)  die Wirksamkeit des Antibiotikums Minocyclin in der Pr\u00e4vention der Progression  vom CIS zur MS. Hier zeigte sich signifikante Wirksamkeit nach sechs, nicht  jedoch nach 24 Monaten. Diener weist auch auf die Nebenwirkungen der Therapie  hin. Einen echten Durchbruch k\u00f6nnte hingegen die erste Studie bringen, die die  Wirksamkeit einer MS-Therapie bei der prim\u00e4r progressiven Multiplen Sklerose  zeigen konnte. <\/p>\n<p>Untersucht wurde der Antik\u00f6rper Ocrelizumab, der zu einer  selektiven Depletion der CD20-exprimierenden B-Zellen f\u00fchrt. \u00dcber eine  Beobachtungszeit von mehr als drei Jahren bewirkte Ocrelizumab im Vergleich zu  Placebo eine signifikante Reduktion der Behinderungsprogression.<sup>14<\/sup> Diener: &bdquo;Es d\u00fcrfte sich hier  nicht nur um die erste wirksame Behandlung der prim\u00e4r progredienten MS handeln,  sondern \u00fcberhaupt um die erste Therapie, die den Krankheitsprozess modifiziert  und nicht lediglich Sch\u00fcbe verhindert.&ldquo; Diener verweist auch auf neue Studien zu  Sphingosin-1-Phosphat-1-Hemmern, die sich im Vergleich zu Fingolimod als gleich  wirksam erwiesen haben. &bdquo;Der Vorteil der neuen Substanzen liegt darin, dass sie  keine Verl\u00e4ngerung der QT-Zeit bewirken. Das hei\u00dft, man muss vor Therapiebeginn  kein EKG mehr machen.&ldquo;<\/p>\n<p><em>90.  Kongress der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Neurologie (DGN), Leipzig, 20.\u201323.9.17\u00a0 <\/em><\/p>\n<p><em>Referenzen:<br \/>\n  1 Chen  H et al., Lancet 2017; 389(10070):718\u2013726; <br \/>\n  2 Gomm W et al., JAMA Neurol 2016;  73(4):410\u20136; <br \/>\n  3 Lochhead  P et al., Gastroenterology 2017; 153(4):971-979.e4; <br \/>\n  4 Sevigny J et al., Nature 2016; 537(7618):50\u20136; <br \/>\n  5 Gauthier S et al., Lancet 2016;  388(10062):2873\u2013 2884; <br \/>\n  6 Moll  van Charante EP et al., Lancet 2016; 388(10046):797\u2013 805; <br \/>\n  7 Relkin NR et al., Neurology 2017;  88(18):1768\u20131775; <br \/>\n  8 Cunningham  AL et al., N Engl J Med 2016; 375(11):1019\u201332; <br \/>\n  9 Scheffer IE et al., Epilepsia 2017;  58(4):512\u2013521; <br \/>\n  10 Lamberink  HJ et al., Lancet Neurol 2017; 16(7):523\u2013531; <br \/>\n  11 Baulac M et al., Lancet Neurol 2017; 16(1):43\u201354; <br \/>\n  12 French JA et al., Lancet 2016;  388(10056):2153\u20132163; <br \/>\n  13 Fitzgerald  KC et al., Ann Neurol 2017; 82(1):20\u201329; <br \/>\n  14 Montalban X et al., N Engl J Med 2017;  376(3):209\u2013220<\/em><\/p>\n<p>Von Reno Barth<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beim 90. Kongress der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Neurologie (DGN) wurden zahlreiche neuen Studien pr\u00e4sentiert; unter anderem zu Parkinson, Multiple Sklerose, Morbus Alzheimer und Kopfschmerz. (CliniCum neuropsy 5\/17) <\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":2304,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","footnotes":""},"categories":[184,13],"tags":[25,188,27,28,189],"class_list":["post-2303","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-184","category-neuropsy","tag-kopfschmerz","tag-morbus-alzheimer","tag-multiple-sklerose","tag-neurologie","tag-parkinson"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2303","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2303"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2303\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2303"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2303"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2303"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}