{"id":2543,"date":"2018-04-04T15:20:27","date_gmt":"2018-04-04T13:20:27","guid":{"rendered":"http:\/\/dizign-projekte.at\/?p=2543"},"modified":"2018-04-04T15:20:27","modified_gmt":"2018-04-04T13:20:27","slug":"pflanzliche-helfer-fuer-die-akut-und-langzeittherapie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/oegpb.at\/?p=2543","title":{"rendered":"Pflanzliche Helfer f\u00fcr die Akut- und Langzeittherapie"},"content":{"rendered":"<p><strong>Johanniskraut, Lavendel und Rosenwurz  liefern effiziente und gut vertr\u00e4gliche Substanzen zur Behandlung von  Depression, Angst und Stress. Zwei \u00dcbersichtsarbeiten haben etwa gezeigt, dass  Hypericum bei milder und m\u00e4\u00dfiggradiger Depression gut eingesetzt werden kann. (CliniCum neuropsy 6\/17) <\/strong><\/p>\n<p>&bdquo;Fast ein halbes Jahrhundert nach dem Beginn der Entwicklung  synthetischer Antidepressiva wurden die ersten systematischen Studien zur Wirkung  von Johanniskraut initiiert&ldquo;, berichtet O. Univ.-Prof. Dr.h.c.mult. Dr.  Siegfried Kasper, Leiter der Universit\u00e4tsklinik f\u00fcr Psychiatrie und Psychotherapie,  Medizinische Universit\u00e4t Wien, bei einer Veranstaltung in Wien. <\/p>\n<h2> Johanniskraut <\/h2>\n<p> Inhaltsstoffe  des Johanniskrauts (Hypericum perforatum), die mit der antidepressiven Wirkung  in Zusammenhang gebracht werden, sind Hyperforin, Hyperosid, Hypericin und Amentoflavon.  Ein f\u00fcr die Wirksamkeit bedeutender Anteil am Johanniskrautextrakt ist Hyperforin.<sup>1<\/sup> &bdquo;Hyperforin wirkt nicht so  sehr durch Blockade am Serotonintransporter, sondern moduliert diesen mit hoher  Wahrscheinlichkeit&ldquo;, so Kasper. Daher fehlen beim Johanniskraut auch  spezifische Ver\u00e4nderungen wie Sexualst\u00f6rungen, \u00dcbelkeit etc. &bdquo;Zwei  \u00dcbersichtsarbeiten haben gezeigt, dass Hypericum bei milder und m\u00e4\u00dfiggradiger  Depression gut eingesetzt werden kann&ldquo;, berichtet Kasper.<sup>2,3<\/sup> Zu beachten sei, dass  ausschlie\u00dflich qualitativ hochwertige Johanniskrautextrakte eingesetzt werden  sollten. <\/p>\n<div id=\"attachment_2544\" style=\"width: 133px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2544\" title=\"Foto. MedUni Wien\/Matern\" src=\"http:\/\/dizign-projekte.at\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Kasper.jpg\" alt=\"Kasper: \u201eRosenwurzextrakt wirkt beruhigend und hat positive Effekte auf die Kognition und die psychomotorische Leistungsf\u00e4higkeit.\u201c \" width=\"123\" height=\"120\" class=\"size-full wp-image-2544\" \/><p id=\"caption-attachment-2544\" class=\"wp-caption-text\">Kasper: \u201eRosenwurzextrakt wirkt beruhigend und hat positive Effekte auf die Kognition und die psychomotorische Leistungsf\u00e4higkeit.\u201c<\/p><\/div>\n<p>Im Vergleich dreier europ\u00e4ischer placebokontrollierter Studien bei milder  und m\u00e4\u00dfiggradiger Depression fand sich eine bessere Wirkung des Johanniskrautextrakts  auf somatische Symptome, Stimmung und Schuldgef\u00fchle als auf Schlaflosigkeit und  psychiatrische Symptome.<sup>4<\/sup> Auch  in einer Erhaltungstherapie \u00fcber 46 Wochen erwies sich der Johanniskrautextrakt  als dem Placebo signifikant \u00fcberlegen.<sup>5<\/sup> &bdquo;Im Vergleich zu synthetischen Antidepressiva weist  der Johanniskrautextrakt deutlich weniger Nebenwirkungen auf&ldquo;, so Kasper.<sup>6<\/sup> Allerdings f\u00fchrt  Johanniskrautextrakt zur Induktion des Cytochrom- P450-Systems (v.a. CYP3A4 und\/oder  p-Glykoprotein-Transportersystem) und daher zu reduzierter Plasmakonzentration  gleichzeitig verabreichter Medikamente, die \u00fcber dieses System metabolisiert werden  (z.B. Antikoagulanzien, bestimmte Zytostatika).<\/p>\n<h2> Lavendel\u00f6l <\/h2>\n<p> Nat\u00fcrliches  Lavendel\u00f6l aus echtem Lavendel (Lavandula angustifolia) mit besonders hohem  Estergehalt ist in Deutschland zur symptomatischen Behandlung von  Unruhezust\u00e4nden bei \u00e4ngstlicher Verstimmung zugelassen. Wirksamkeitsrelevante Inhaltsstoffe  sind Linalool und Linaylacetat, die zusammen bis zu 90 Prozent des \u00d6lgehalts ausmachen.  Zu diesem Lavendel\u00f6l sind insgesamt 15 klinische Studien an 2.200 Patienten  durchgef\u00fchrt worden. Eine doppelblind randomisierte Studie untersuchte 221  Erwachsene mit &bdquo;subsyndromaler&ldquo; Angstst\u00f6rung (ICD-10: F 41.9) \u00fcber zehn Wochen im  Vergleich zu Placebo.<sup>7<\/sup> Kasper  dazu: &bdquo;Solche Patienten finden sich sehr h\u00e4ufig in den \u00e4rztlichen Praxen.&ldquo; In  der Hamilton Anxiety Scale (HAMA) fand sich unter Lavendel\u00f6l nach zehn Wochen  im Vergleich zu Placebo eine statistisch signifikante Verbesserung. In einer  weiteren doppelblind randomisierten Studie wurde Lavendel\u00f6l bei 539 Erwachsenen  mit generalisierter Angstst\u00f6rung (ICD-10: F 41.1) mit Paroxetin verglichen.<sup>8<\/sup> &bdquo;Lavendel\u00f6l erwies sich als  signifikant besser im HAMA verglichen zu Placebo&ldquo;, so Kasper. Die  Nebenwirkungsrate von Lavendel\u00f6l lag auf Placeboniveau und deutlich unter dem  Niveau von Paroxetin. Lavendel\u00f6l hat keine sedierende Wirkung sowie kein  Interaktions- und Abh\u00e4ngigkeitspotenzial. Kasper: &bdquo;Das bedeutet, dass  Lavendel\u00f6l f\u00fcr eine l\u00e4ngerfristige Anwendung geeignet ist.&ldquo;<\/p>\n<h2>  Rosenwurz<\/h2>\n<p> &bdquo;Stress  bezeichnet ein sehr allgemeines Ph\u00e4nomen und wird auch mit Burnout-Syndrom in  Zusammenhang gebracht&ldquo;,  sagt Kasper. Bei chronischem Stress kommt es zur Dysregulation der  HypophysenHypothalamusNebennierenrindenAchse. Die regulierende Freisetzung von Stresshormonen  versagt, und der Cortisolspiegel steigt. Es kommt in der Folge zu emotionalen,  physischen, aber auch zu verhaltensbasierten Ver\u00e4nderungen. Zusammen mit  anderen Pflanzen gilt Rhodiola rosea (Rosenwurz) als pflanzliches Adaptogen.  Kasper erkl\u00e4rt: &bdquo;Darunter versteht man nat\u00fcrliche Stoffe, die die Anpassung an  Stressoren unterst\u00fctzen, indem sie K\u00f6rperfunktionen unter Stress normalisieren  und die Stressresistenz erh\u00f6hen.&ldquo; Bei den wirksamkeitsbestimmenden Inhaltsstoffen  von Rhodiola rosea handelt es sich um Phenylpropanoide, die sogenannten  Rosavine. <\/p>\n<p>&bdquo;Rosenwurzextrakt wirkt beruhigend und hat positive Effekte auf die  Kognition und die psychomotorische Leistungsf\u00e4higkeit&ldquo;, so Kasper. Im Vergleich  zu synthetischen Beruhigungsmitteln werden bei Rosenwurzextrakt keine  Tagesm\u00fcdigkeit, keine Absetzeffekte und keine Abh\u00e4ngigkeit berichtet. &bdquo;Die  kognitiv stimulierende und gleichzeitig emotional beruhigende Wirkung von  Rosenwurzextrakt stellt eine g\u00fcnstige Kombination gerade auch f\u00fcr  BurnoutPatienten dar&ldquo;, betont Kasper. Dies best\u00e4tigte eine multizentrische,  offene, exploratorische klinische Studie.<sup>9<\/sup> Es  wurden 118 Patienten an vier \u00f6sterreichischen Zentren mit mittlerem BurnoutLevel  eingeschlossen und erhielten Rosenwurzextrakt \u00fcber einen Zeitraum von zw\u00f6lf  Wochen. Gemessen wurde eine Reihe von Parametern, wobei es zur Verbesserung  emotionaler, seelischer und k\u00f6rperlicher Beschwerden sowie der  Konzentrationsf\u00e4higkeit kam.<\/p>\n<p> <em>&bdquo;Interdisziplin\u00e4res  Herbstsymposium f\u00fcr Psychopharmakologie&ldquo;, IHSP, Wien, 7.10.17<\/em><\/p>\n<p><em>Referenzen:<br \/>\n  1 Laakmann G et al., Phytomedicine 1998; 5:435\u2013442<br \/>\n  2 Linde K et al., Cochrane Database Syst Rev 2008; CD000448<br \/>\n  3 Kasper S et al., Eur Neuropsychopharmacol 2010; 20:747\u2013765<br \/>\n  4 Kasper S &amp; Dienel A, Psychopharmacology (Berl) 2002; 164:301\u2013308<br \/>\n  5 Kasper S et al., Eur Neuropsychopharmacol 2008; 18:803\u2013813<br \/>\n  6 Trautmann-Sponsel RD &amp; Dienel A, J Affect Disord 2004; 82:303\u2013307<br \/>\n  7 Kasper S et al., Int Clin Psychopharmacol 2010; 25:277\u2013287<br \/>\n  8 Kasper S et al., Int J Neuropsychopharmacol 2014; 17:859\u2013869<br \/>\n  9 Kasper S &amp; Dienel A, Neuropsychiatr Dis Treat 2017; 13:889\u2013898<\/em><\/p>\n<p>Von Dr. Michaela Steiner<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Johanniskraut, Lavendel und Rosenwurz liefern effiziente und gut vertr\u00e4gliche Substanzen zur Behandlung von Depression, Angst und Stress. 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