{"id":2559,"date":"2018-04-04T15:20:27","date_gmt":"2018-04-04T13:20:27","guid":{"rendered":"http:\/\/dizign-projekte.at\/?p=2559"},"modified":"2018-04-04T15:20:27","modified_gmt":"2018-04-04T13:20:27","slug":"revision-der-ms-diagnosekriterien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/oegpb.at\/?p=2559","title":{"rendered":"Revision der MS-Diagnosekriterien"},"content":{"rendered":"<p><strong>Nachdem die  neuen MRT-Kriterien der MAGNIMS-Gruppe bereits 2016 pr\u00e4sentiert wurden, war  beim diesj\u00e4hrigen ECTRIMS in Paris eine neue Revision der Diagnosekriterien  nach McDonald zu erwarten (Publikation ausst\u00e4ndig, Thompson AJ et al.). (CliniCum  neuropsy 6\/17) <\/strong><\/p>\n<p>Nach dem formalen Konsensus zur Diagnose der Multiplen Sklerose (MS)  von Poser 1982 wurden 2001 durch den namensgebenden Wissenschafter W. Ian  McDonald Kriterien pr\u00e4sentiert, in denen die MRTDiagnostik zur Diagnosestellung  erstmalig inkludiert wurde. Mit den neuen Kriterien war eine fr\u00fchere und verl\u00e4ssliche  Diagnose der MS m\u00f6glich. Die McDonald-Kriterien erfuhren in den Jahren 2005 und  2010 durch den stetigen Wandel und neue Erkenntnisse Revisionen mit dem Trend  der fr\u00fchen Diagnostik, um Patienten schon in einer Erkrankungsphase ohne  klinisch fortgeschrittene Behinderung eine prophylaktische krankheitsmodifizierende  Therapie zu erm\u00f6glichen. <\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/dizign-projekte.at\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Tabell1.jpg\" alt=\"Tabell1\" width=\"642\" height=\"857\" class=\"alignnone size-full wp-image-2561\" \/><\/p>\n<p>Eingangs ist zu erw\u00e4hnen, dass die McDonald-Kriterien  auf eine typische klinische Pr\u00e4sentation einer MS anzuwenden sind, und dies  nat\u00fcrlich nach Ausschluss m\u00f6glicher Differenzialdiagnosen. Die MS ist  vornehmlich eine klinische Diagnose, die von einem Neurologen gestellt werden sollte,  der entsprechende Erfahrung in der Diagnose und Behandlung der MS hat.  Paraklinische (laborchemische, bildgebende und elektrophysiologische) Untersuchungen  sollten zum Ausschluss von Differenzialdiagnosen und vor allem zur Diagnosesicherung  dienen, wenn die Diagnose durch die reine klinische Pr\u00e4sentation nicht gestellt  werden kann. <\/p>\n<h2>Drei klinische Verlaufsformen <\/h2>\n<p>Man unterscheidet drei klinische Verlaufsformen der MS. In etwa 85  Prozent der Patienten mit MS erstmanifestiert sich die Erkrankung mit einem Schub.  Der Begriff &bdquo;klinisch Isoliertes Syndrom&ldquo; (CIS) beschreibt eine klinische Episode verd\u00e4chtig f\u00fcr das Erstauftreten  einer inflammatorisch demyelinisierenden Erkrankung des Zentralnervensystems (ZNS).  Es handelt sich um eine monophasische und \u00fcblicherweise, aber nicht zwingend  monofokale Symptomatik. Die Konversion zu einer definitiven MS, also die  Erf\u00fcllung der r\u00e4umlichen, aber vor allem zeitlichen Dissemination, und somit  multiphasischen und multifokalen Erkrankung, zeigt einen Zusammenhang mit verschiedenen  Faktoren, welche regelm\u00e4\u00dfige Updates rezenter Studienergebnisse erfahren und  mangels der bis dato klaren Pathogenese der MS eine Risikostratifizierung erlauben. Kann eine zeitliche Dissemination nachgewiesen  werden, unterscheidet man die folgenden Erkrankungsformen der MS: <\/p>\n<ul>\n<li> Schubhaft  remittierende Multiple Sklerose (RRMS) <\/li>\n<li> Sekund\u00e4r progrediente Multiple Sklerose  (SPMS) <\/li>\n<li> Prim\u00e4r progrediente Multiple Sklerose (PPMS) <\/li>\n<\/ul>\n<h2>Die neuen Kriterien im Detail <\/h2>\n<p>Im Anschluss aufgelistete \u00c4nderungen in den McDonald-Kriterien  2017 wurden im Vergleich zu 2010 pr\u00e4sentiert und sollten ab dem Zeitpunkt der derzeit  noch ausst\u00e4ndigen Publikation und der folglich zu erwartenden Erneuerung der  Leitlinien in der Klinik Anwendung finden. In den Tabellen 1 und 2 werden die  neuen Kriterien detailliert beschrieben. <\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/dizign-projekte.at\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Tabell2.jpg\" alt=\"Tabell2\" width=\"479\" height=\"528\" class=\"alignnone size-full wp-image-2562\" \/><\/p>\n<p>1. Wenn bei einem Patienten ein  typisches CIS vorliegt und klinische\/MRTKriterien f\u00fcr eine r\u00e4umliche  Dissemination vorliegen, kann jetzt durch das Vorhandensein liquorspezifischer oligoklonaler  Banden (OCB) die Diagnose einer RRMS gestellt werden. In den McDonald-Kriterien  2010 wurde die intrathekale Immunglobulinsynthese erstmals von der Diagnose der  RRMS ausgenommen. In den bisherigen Kriterien war die intrathekale  Immunglobulinsynthese \u00fcber positive OCB, die im Serum nicht vorhanden sind,  oder einen erh\u00f6hten IgG-Index nachzuweisen und war in die Definition der  r\u00e4umlichen Dissemination integriert. Das Vorhandensein von OCB im Liquor, die  im Serum nicht vorhanden sind (nachgewiesen mittels isoelektrischer Fokussierung  und Immunoblot), erh\u00f6ht das Risiko, nach einem klinisch isolierten Syndrom  einen zweiten Schub zu erleiden. Der Nachweis einer r\u00e4umlichen Dissemination im  MRT in Kombination mit OCB wurde somit in den neuen Kriterien als  aussagenkr\u00e4ftig erkl\u00e4rt, um eine zeitliche Dissemination zu ersetzen und eine  fr\u00fche Diagnose stellen zu k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>2. In den McDonald-Kriterien von 2010 konnte  man bei Erstmanifestation symptomatische, vor allem Hirnstamm- und  Myelonl\u00e4sionen nicht in die r\u00e4umliche und zeitliche Dissemination miteinbeziehen.  Zudem ist es manchmal schwierig, anderen L\u00e4sionen ein eindeutig klinisches  Korrelat zuzuweisen. In der Revision von 2017 z\u00e4hlen sowohl symptomatische als auch  asymptomatische MRT-L\u00e4sionen f\u00fcr die r\u00e4umliche und zeitliche Dissemination  gleicherma\u00dfen. Es wurde gezeigt, dass durch das Weglassen dieser  Differenzierung eine h\u00f6here Sensitivit\u00e4t erreicht wird, ohne dass die  Spezifit\u00e4t hierdurch beeinflusst wird, also mehr Patienten eine Diagnose  erhalten, ohne dass dadurch Fehldiagnosen passieren. <\/p>\n<p>3. Rein kortikale L\u00e4sionen  konnten bis dato nicht f\u00fcr die r\u00e4umliche Dissemination in der Diagnose der MS  herangezogen werden. Aus pathologischen Studien geht hervor, dass kortikale  L\u00e4sionen bei MS-Patienten h\u00e4ufig sind, dass diese aber mit herk\u00f6mmlichen Techniken  schwer darzustellen waren. Verschiedene MRT-Techniken k\u00f6nnen hierf\u00fcr  herangezogen werden, es gibt jedoch hierf\u00fcr keinen einheitlichen Konsens. F\u00fcr  die Diagnostik und vor allem differenzialdiagnostisch spielen kortikale  L\u00e4sionen jedoch eine gro\u00dfe Rolle, da diese \u00fcblicherweise bei z.B. Neuromyelitis  optica (NMO), Migr\u00e4ne oder gesunden Kontrollen nicht vorkommen sollten. In den  neuen Kriterien wurde die juxtakortikale Region um den Begriff  kortikal\/juxtakortikal erweitert. <\/p>\n<p>4. Die Diagnose der PPMS ist vom Prinzip  gleich wie in den Kriterien 2010. Die oben genannten \u00c4nderungen in Punkt 2. und  3. sind hier aber in gleicher Weise anzuwenden. <\/p>\n<p>5. Bez\u00fcglich der Beurteilung  des klinischen Verlaufs bezog man sich auf den Konsensus des Komitees f\u00fcr  klinische Studien der MS (Fred D. Lublin et al., 2014) zur Definition des  Erkrankungsverlaufs der MS. Es sollte stets eine Aussage \u00fcber den  Erkrankungstyp und vorl\u00e4ufigen Verlauf getroffen und regelm\u00e4\u00dfig, in etwa  j\u00e4hrlichen Abst\u00e4nden, \u00fcberpr\u00fcft werden. Dies im Sinne eines Ph\u00e4notyps (RRMS,  SPMS, PPMS), der Erkrankungsaktivit\u00e4t und klinischen Behinderungsprogression. Paraklinische  Marker zur Verlaufsbeurteilung beschr\u00e4nken sich derzeit auf die zerebrale MRT.  Diese ist nat\u00fcrlich gem\u00e4\u00df der klinischen Pr\u00e4sentation lediglich zwecks  Monitoring routinem\u00e4\u00dfig in maximal j\u00e4hrlichen Abst\u00e4nden zu veranlassen. Spinale  Verlaufsuntersuchungen sind nur bei einer gezielten Fragestellung und nicht  zwecks Beurteilung des Erkrankungsverlaufs empfohlen. Eine aktive Erkrankung  ist definiert \u00fcber das Vorhandensein von Sch\u00fcben, eine Zunahme der L\u00e4sionslast im  MRT und\/oder dem Vorhandensein von aktiven (Kontrastmittelaufnehmenden) MRT-L\u00e4sionen.  Der Begriff Progredienz ist ein klinischer Parameter und sollte nur bei einem progredienten  Erkrankungsverlauf verwendet werden. Er beschreibt eine fortbestehende  klinische Verschlechterung abseits einer gelegentlichen Beschwerdefluktuation. <\/p>\n<h2>Faktor MRT-Untersuchung <\/h2>\n<p>Neue Kriterien erfordern nat\u00fcrlich neben ausreichend klinischer  Erfahrung auf diesem Gebiet eine spezialisierte Technik und die M\u00f6glichkeit spezialisierter  und hochaufl\u00f6sender Darstellung sowie die Expertise in diesem Spezialgebiet. Eine  h\u00f6here Feldst\u00e4rke mit 3 Tesla im Vergleich zu 1,5 Tesla bietet die M\u00f6glichkeit,  mehr MRT-L\u00e4sionen in CIS-Patienten zu identifizieren. Der Mehrwert einer 7-Tesla-MRT-Untersuchung  ist bis dato nicht untersucht. Von einer besseren qualitativen Beschreibung  bestehender L\u00e4sionen besonders hinsichtlich Differenzialdiagnosen sollte hier  jedoch vorbehaltlich der klinischen Routineanwendung ein Benefit zu erwarten  sein. <\/p>\n<p><em>Update vom  European Committee for Treatment and Research in Multiple Sclerosis (ECTRIMS)  Kongress, Paris, 25.\u201328.10.17 <\/em><\/p>\n<p><em>Literatur bei  den Autoren<\/em><\/p>\n<p><em>Dr. Sebastian  Wurth, Univ.-Prof. <\/em><em>Dr. Thomas Berger, MSc <br \/>\n<\/em><em>Universita\u0308tsklinik fu\u0308r Neurologie, Innsbruck  E-Mail: <a href=\"mailto:Sebastian.Wurth@i-med.ac.at\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sebastian.Wurth@i-med.ac.at<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem die neuen MRT-Kriterien der MAGNIMS-Gruppe bereits 2016 pr\u00e4sentiert wurden, war beim diesj\u00e4hrigen ECTRIMS in Paris eine neue Revision der Diagnosekriterien nach McDonald zu erwarten. Ein Beitrag von Dr. Sebastian Wurth und Univ.-Prof. Dr. Thomas Berger, MSc (CliniCum neuropsy 6\/17)<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":2560,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","footnotes":""},"categories":[190,13],"tags":[65,27,28],"class_list":["post-2559","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-190","category-neuropsy","tag-ectrims","tag-multiple-sklerose","tag-neurologie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2559","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2559"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2559\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2559"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2559"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2559"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}