{"id":2565,"date":"2018-04-04T15:20:27","date_gmt":"2018-04-04T13:20:27","guid":{"rendered":"http:\/\/dizign-projekte.at\/?p=2565"},"modified":"2018-04-04T15:20:27","modified_gmt":"2018-04-04T13:20:27","slug":"zeitreise-durch-die-parkinson-therapie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/oegpb.at\/?p=2565","title":{"rendered":"Zeitreise durch die Parkinson-Therapie"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die diesj\u00e4hrige Jahrestagung der \u00d6sterreichischen Parkinson  Gesellschaft in Innsbruck stand ganz im Zeichen des 200-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4ums des &bdquo;Essay  of the Shaking Palsy&ldquo; von James Parkinson. Anf\u00e4nge der Parkinson-Therapie und Fortschritte  seit 1817 waren ebenso Themen spannender Vortr\u00e4ge nationaler und  internationaler Experten wie neue Therapien und aktuelle Entwicklungen. (CliniCum  neuropsy 6\/17)\u00a0 <\/strong><\/p>\n<p> Rund 200  Jahre ist es her, dass James Parkinson sein &bdquo;Essay on the Shaking Palsy&ldquo; in  London ver\u00f6ffentlichte. &bdquo;Die Faszination \u00fcber die Genauigkeit und Pr\u00e4zision von  Parkinsons damaliger klinischer Beobachtung besteht bis heute&ldquo;, so  Tagungspr\u00e4sident O. Univ.-Prof. Dr. Werner Poewe, Universit\u00e4tsklinik f\u00fcr  Neurologie, Medizinische Universit\u00e4t Innsbruck, einleitend bei seinem Vortrag &bdquo;Paralysis  agitans \u2013 das Krankheitskonzept von J. Parkinson&ldquo;. Parkinsons Beschreibung war  die erste \u00fcber die Erkrankung und zugleich auch der Beginn der Geschichte des  idiopathischen Parkinson-Syndroms. <\/p>\n<p>&bdquo;Der Aufsatz wurde von Medizinern nach der  Erscheinung sehr positiv auf- und wahrgenommen&ldquo;, berichtete Poewe und verwies  auf eine Rezension im &bdquo;Medico-Chirurgical Journal&ldquo; aus dem Jahr 1817, in  welchem das Essay mit den Worten: &bdquo;this little pamphlet is highly worthy of  perusal and deserves the attention of the medical public&ldquo; besprochen wurde. Und  auch Jean-Martin Charcot, welcher sp\u00e4ter gemeinsam mit Alfred Vulpain erstmals  den Rigor, eines der Kardinalsymptome von Morbus (M.) Parkinson beschrieb, hob  mit Worten wie: &bdquo;So kurz diese Arbeit ist, enth\u00e4lt sie  eine Reihe gl\u00e4nzender Ideen [&#8230;] es handelt sich um eine lebensnah beschreibende  Definition, die [&#8230;] gegen\u00fcber anderen immer den Vorzug haben wird, die erste  gewesen zu sein&ldquo; die Einzigartigkeit der in Parkinsons Essay zusammengefassten klinischen  Beobachtungen hervor.<\/p>\n<h2> Erste Therapieversuche mit Levodopa <\/h2>\n<p> Charcot  ist es auch, auf welchen die erste medikament\u00f6se Behandlung von M. Parkinson  zur\u00fcckzuf\u00fchren ist, wobei es nach Charcot noch viele Jahrzehnte dauerte, bis  1960 erkannt wurde, dass die Symptome des M. Parkinson Folge eines  Dopaminmangels im Gehirn sind. Allerdings waren die ersten Behandlungsversuche,  die darin bestanden, dem K\u00f6rper das fehlende Dopamin zuzuf\u00fchren, erfolglos, da  dieses die Blut-Hirn- Schranke nicht passieren kann. Prof. Dr. Olivier Rascol,  Department f\u00fcr klinische Pharmakologie, Universit\u00e4tsklinik Toulouse: &bdquo;Die Idee,  Parkinson- Patienten mit Levodopa (L-Dopa), der Vorl\u00e4ufersubstanz von Dopamin, zu  behandeln, in der Hoffnung, dass dieses die Blut-Hirn-Schranke \u00fcberwinden kann,  geht auf den Pharmakologen Oleh Hornykiewicz zur\u00fcck, der gemeinsam mit Walther Birkmayer  die faszinierenden Resultate einer Untersuchung publizierte, im Rahmen welcher  Parkinson-Patienten niedrig dosierte intraven\u00f6s verabreichte Einzeldosen L-Dopa  erhalten hatten.&ldquo;<\/p>\n<h2>  Wissenschaftlicher  Durchbruch <\/h2>\n<p> Der  wissenschaftliche Durchbruch mit L-Dopa gelang George Constantin Cotzias, der  seine Patienten 1967 mit h\u00f6heren, oral verabreichten LDopa- Dosen behandelte,  1970 kam L-Dopa schlie\u00dflich auf den Markt. Im Jahr 2004 wurden die Ergebnisse  der ELLDOPA-Studie ver\u00f6ffentlicht, einer randomisierten doppelblinden Placebo- kontrollierten  Studie, die den dosisabh\u00e4ngigen symptomatischen Effekt von L-Dopa noch einmal  belegte.<sup>1<\/sup> Rascol: &bdquo;In den letzten  Jahrzehnten wurden in der Parkinson-Forschung bedeutende Fortschritte gemacht, L-Dopa  kommt dabei eine zentrale Rolle zu.&ldquo;<\/p>\n<h2>  Neue  L-Dopa-Formulierungen <\/h2>\n<p> L-Dopa  z\u00e4hlt auch ein halbes Jahrhundert nach seiner Entdeckung zum Standardrepertoire  der Parkinson- Therapie. Neue L-Dopa-Formulierungen, darunter IPX066, die &bdquo;Akkordeon-  Pille&ldquo; und andere neue medikament\u00f6se Behandlungen bei M. Parkinson waren  zentrale Inhalte eines Vortrags von Prim. Univ.-Prof. Dr. Walter Pirker,  Neurologische Abteilung, Wilhelminenspital, Wien. Das L-Dopa-Carbidopa-Pr\u00e4parat  IPX066 ist eine Mischung aus immediate- release (IR) und extended-release (ER)  L-Dopa, dessen Wirksamkeit in der Therapie des fr\u00fchen M. Parkinson aus einer  randomisierten doppelblinden Placebo-kontrollierten Studie mit 381  L-Dopa-naiven Patienten hervorgeht.<sup>2<\/sup> Patienten unter der Pr\u00fcfsubstanz erhielten  dreimal t\u00e4glich IPX066 mit 145, 245 oder 390mg Levodopa, prim\u00e4rer Endpunkt zur  Bestimmung der Wirksamkeit war die Ver\u00e4nderung in der UPDR-Skala (Unified  Parkinson&#8217;s Disease Rating Scale) in den Bereichen II (Aktivit\u00e4ten des  t\u00e4glichen Lebens) und III (motorische F\u00e4higkeiten) 30 Wochen ab Baseline. <\/p>\n<p>Es  zeigte sich eine \u00dcberlegenheit von IPX066 in allen Dosierungen gegen\u00fcber  Placebo, die durchschnittliche Verbesserung in der UPDRS (II+III) nach 30  Wochen betrug je 11,7, 12,9, 14,9 (IPX066 145mg, 245mg, 390mg) und 0,6  (Placebo) Punkte (p&lt;0,0001). In einer randomisierten doppelblinden Phase-III-Studie  (n=393) zeigte sich unter IPX066 eine st\u00e4rkere Reduktion der t\u00e4glichen OFF-Zeit  als unter IR-L-Dopa (-1,17h unter 3,6 Dosen IPX066 vs. 5 Dosen IR)<sup>3<\/sup>, die Langzeitwirksamkeit  von IPX066 wurde in einer neunmonatigen openlabel Verl\u00e4ngerungsstudie  nachgewiesen.<sup>4<\/sup>  Pirker: &bdquo;IPX066 wurde 2015 in  den USA zugelassen, ob es auch in Europa die Zulassung erh\u00e4lt, ist unklar.&ldquo; Die  Akkordeon-Pille Carbidopa-Levodopa (AP-CDLD) verdankt ihren Namen ihrer  Struktur, welche einem Akkordeon \u00e4hnelt, um eine verz\u00f6gerte Abgabe von L-Dopa  zu erm\u00f6glichen. Es handelt sich um eine Kapsel mit gefaltetem L-Dopa-Film,  welcher sich nach Einnahme aufl\u00f6st, wodurch die Substanz langsam und  kontrolliert freigesetzt wird. In einer Phase- II-Studie mit fortgeschrittenen  Parkinson- Patienten mit Wirkungsfluktuationen f\u00fchrte die gastroretentive Formulation  zu einer statistisch signifikanten Reduktion der OFF-Zeit und Reduktion  t\u00e4glicher L-DOPA Dosen.<sup>5<\/sup> &bdquo;Die  Substanz befindet sich derzeit in Entwicklung, weitere Studien mit APCDLD sind  in Planung. Bisherige Studienergebnisse erlauben jedoch vorsichtigen Optimismus,  dass es sich hierbei zuk\u00fcnftig um eine neue m\u00f6gliche Therapieoption handeln  k\u00f6nnte&ldquo;, so Pirker. <\/p>\n<h2> Opicapon <\/h2>\n<p> Von  weiteren Updates berichtete Pirker in Zusammenhang mit COMT-Inhibitoren: &bdquo;Der  neue COMT-Hemmer Opicapon wird in einer Fixkombination mit L-Dopa und einem  Decarboxylasehemmer verabreicht, ist im Unterschied zu Tolcapon nicht  lebertoxisch, im Gegensatz zu Entacapon nicht harnverf\u00e4rbend und muss aufgrund  seiner hohen Bindungsaffinit\u00e4t nur einmal t\u00e4glich eingenommen werden. Empfohlen  wird eine Einmaldosis von 50mg vor dem Zubettgehen im Abstand von mindestens einer  Stunde zu L-Dopa-Kombinationspr\u00e4paraten.&ldquo; Aus der randomisierten Doppelblindstudie  BIPARK 1 mit 600 Patienten mit End-of-Dose-Fluktuationen, welche die  Sicherheit und Wirksamkeit von Opicapon als Begleittherapie zu L-Dopa im  Vergleich zu Placebo oder Entacapon untersuchte, geht die Nichtunterlegenheit des  neuen COMT-Hemmers im Vergleich zu Entacapon hevor.<sup>6<\/sup> In der Phase-III-Studie  BIPARK 2 konnte f\u00fcr Opicapon 50mg eine signifikante Verbesserung der OFF-Zeit  im Vergleich zu Placebo gezeigt werden (-54,3 [95% KI, -96,2 bis -12,4]  Minuten; p=0,008), h\u00e4ufigste Nebenwirkungen unter der Pr\u00fcfsubstanz waren Dyskinesien,  Obstipation und Mundtrockenheit.<sup>7<\/sup> Opicapon wurde 2016 von der EMA zugelassen und  ist, so Pirker, m\u00f6glicherweise die n\u00e4chste Substanz, die das medikament\u00f6se Armamentarium  zur Behandlung des M. Parkinson in \u00d6sterreich erweitern wird. <\/p>\n<h2> Neues  von Apomorphin <\/h2>\n<p> Auch  vom Dopaminagonisten Apomorphin gibt es Neues zu berichten, &bdquo;darunter die  Entwicklung von APL- 13077, einem sublingualen Filmstrip mit 10 bis 30mg  Apomorphin&ldquo;, erkl\u00e4rte Pirker und verwies auf eine Openlabel- Phase-II-Studie,  im Rahmen welcher 19 mit Trimethobenzamid vorbehandelte Patienten w\u00e4hrend eines  OFF 10mg APL-130277 erhielten.<sup>8<\/sup> Wurde  w\u00e4hrend drei Stunden nach APL-130277-Gabe kein ON erreicht, wurde die Dosis in  5mg-Abstufungen so lange erh\u00f6ht, bis ein ON oder die Maximaldosis von 30mg  erreicht war. Insgesamt erreichten 15 (78,9%) Patienten eine volle ON-Response  innerhalb von 30 Minuten, sechs Patienten (40%) kamen innerhalb von 15 Minuten  ins ON. H\u00e4ufigste Nebenwirkungen waren Schwindel (36,8%), Somnolenz (31,6%) und  \u00dcbelkeit (21,1%). Pirker: &bdquo;Im Gegensatz zu anderen oralen Therapieversuchen mit  Apomorphin ist APL-13077 gut wirksam, die Wirklatenz der sublingualen Apomorphin-Formulation  ist allerdings l\u00e4nger als jene von subkutan verabreichtem Apomorphin. Die  Ergebnisse einer randomisierten Phase- III-Studie werden mit Spannung erwartet.&ldquo;<\/p>\n<h2>  Update  zu Amantadin <\/h2>\n<p> Last,  but not least gab Pirker ein Update zu Amantadin, welches zu einer Besserung  von Dyskinesien und Fluktuationen f\u00fchrt und f\u00fcr welches erst unl\u00e4ngst im Rahmen  der randomisierten Placebo-kontrollierten EASE LID 3-Studie eine signifikante  Reduktion von L-Dopa-induzierten Dyskinesien und eine Verbesserung der OFF-Zeit  dokumentiert werden konnte.<sup>9<\/sup> &bdquo;Aufgrund  der bereits bekannten Wirksamkeit auf L-Dopainduzierte Dyskinesien, welche nun erneut  best\u00e4tigt wurde, spielt Amantadin im t\u00e4glichen Management der Erkrankung eine  wichtige Rolle&ldquo;, erkl\u00e4rte Pirker und hielt als Fazit fest: &bdquo;Die  Therapieoptionen bei M. Parkinson sind vielf\u00e4ltig. MAO-B- und COMT-Inhibitoren  verl\u00e4ngern die Wirkung von L-Dopa, welches noch immer die wirksamste orale  Therapiestrategie ist. Dopaminagonisten verz\u00f6gern das Auftreten motorischer Komplikationen,  und Amantadin ist das wichtigste Medikament zum Management von Dyskinesien. Die  neuen Therapieans\u00e4tze und aktuellen Entwicklungen sind vielversprechend, welche  Medikamente schlie\u00dflich Eingang in die Praxis finden, bleibt gegenw\u00e4rtig jedoch  offen.&ldquo;<\/p>\n<p><em>Jahrestagung  der \u00d6sterreichischen Parkinson Gesellschaft (\u00d6PG), Innsbruck, 12.\u201314.10.17<\/em><\/p>\n<p><em>Referenzen:<br \/>\n  1 Fahn et al., N Engl J Med 2004; 351:2498\u2013508<br \/>\n  2 Pahwa et al., Parkinsonism Relat Disord 2014; 20(2):142\u20138<br \/>\n  3 Hauser et al., Lancet Neurol 2013; 12(4):346\u201356<br \/>\n  4 Waters et al., CNS Drugs 2015; 29(4):341\u2013350<br \/>\n  5 DeWitt et al., MDS Abstract, 16th Int Congress of Parkinson&#8217;s Disease and Movement Disorders, Vol 27, 2012 Abstract Supplement<br \/>\n  6 Ferreira et al., Lancet Neurol 2016; 15(2):154\u2013165<br \/>\n  7 Lees et al., JAMA Neurol 2017; 74(2):197\u2013206.<br \/>\n  8 Hauser et al., Mov Disord 2016; 31(9):1366\u201372<br \/>\n  9 Oertel et al., Mov Disord 2017 Aug 21. doi: 10.1002\/mds.27131.Epub ahead of print]<\/em><\/p>\n<p>Von Katharina Miedzinska, MSc<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die diesj\u00e4hrige Jahrestagung der \u00d6sterreichischen Parkinson Gesellschaft in Innsbruck stand ganz im Zeichen des 200-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4ums des \u201eEssay of the Shaking Palsy\u201c von James Parkinson. 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