{"id":2680,"date":"2018-04-04T15:20:26","date_gmt":"2018-04-04T13:20:26","guid":{"rendered":"http:\/\/dizign-projekte.at\/?p=2680"},"modified":"2018-04-04T15:20:26","modified_gmt":"2018-04-04T13:20:26","slug":"neue-chancen-und-offene-fragen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/oegpb.at\/?p=2680","title":{"rendered":"Neue Chancen und offene Fragen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die mechanische Thrombektomie hat in der Behandlung ausgew\u00e4hlter Schlaganfallpatienten zu einer deutlichen Verbesserung der Prognose gef\u00fchrt. Im Rahmen des DGN-Kongresses in Leipzig stand ein Update zu aktuellen Fragen rund um diese Methode auf dem Programm. (CliniCum neuropsy 1\/18)<\/strong><\/p>\n<p>Zur Diskussion steht allerdings, welche Patienten von diesem Eingriff am meisten profitieren. &bdquo;Die Frage ist, ob Sie nur jene Patienten behandeln wollen, bei denen die besten Ergebnisse zu erwarten sind, oder ob Sie diesen Kreis erweitern wollen. Im zweiteren Fall stellt sich weiter die Frage, mit welchen Tools Sie die Patienten bewerten wollen&ldquo;, sagt Prof. Dr. Jens Fiehler von der Klinik und Poliklinik f\u00fcr Neuroradiologische Diagnostik und Intervention und betont, dass die Antwort auf diese Frage auch von den lokalen Gegebenheiten am jeweiligen Zentrum abh\u00e4ngen werde. Entscheidend f\u00fcr die Eignung eines Patienten f\u00fcr die Thrombektomie ist neben Art und Lokalisation des Insults nicht zuletzt auch die Zeit vom Auftreten der Symptome bis zur Behandlung. Diese hat, wie Studiendaten zeigen, ganz entscheidenden Einfluss auf die Chancen f\u00fcr ein zufriedenstellendes klinisches Ergebnis.<sup>1<\/sup> <\/p>\n<p>In den meisten bislang verf\u00fcgbaren randomisierten, kontrollierten Studien wurden die Thrombektomien innerhalb von sechs Stunden nach Auftreten der Symptome durchgef\u00fchrt. Daher bestand bis vor Kurzem auch die Empfehlung, dass die Thrombektomie innerhalb von sechs Stunden nach Symptombeginn eingeleitet werden sollte. Eine Verz\u00f6gerung von bis zu zw\u00f6lf Stunden war f\u00fcr mittels Bildgebung ausgew\u00e4hlte Patienten akzeptabel.<sup>2<\/sup> Diese Empfehlung entsprach einem auf den ersten Blick verwirrenden Ergebnis, das in mehreren Studien beobachtet werden konnte: Statistisch gesehen beeinflusst die Zeit vom Beginn der Symptome bis zur Bildgebung nicht. Erst ab der Bildgebung beginnt gleichsam die Uhr zu ticken, und es stellt sich eine signifikante Assoziation zwischen schneller Intervention und gutem Outcome ein.<sup>3<\/sup> Dabei handle es sich, so Fiehler, um einen Filtereffekt der Diagnostik. Anhand der Bildgebung werden Patienten mit schlechter Prognose sozusagen aussortiert und nur jene, bei denen gute Ergebnisse zu erwarten sind, kommen zur Thrombektomie. <\/p>\n<h2> Zeitfenster bis zu 24 Stunden <\/h2>\n<p> Grundlegend ver\u00e4ndert hat sich das Bild mit der im vergangenen Mai ver\u00f6ffentlichten DAWN-Studie, die das Zeitfenster auf bis zu 24 Stunden ge\u00f6ffnet hat.<sup>4<\/sup> Fiehler: &bdquo;Das Ergebnis von Dawn war spektakul\u00e4r. Bei den Patienten, die erst nach zw\u00f6lf bis 24 Stunden thrombektomiert werden konnten, wurde in fast 50 Prozent ein gutes Outcome erzielt. Das gelang mit konventioneller Therapie lediglich in 13,1 Prozent der F\u00e4lle. Die Risikoreduktion im Hinblick auf eine relevante Behinderung betrug f\u00fcr die Thrombektomie mit dem Trevo-System im Vergleich zur konservativen Therapie 35 Prozent.&ldquo; Diese Daten k\u00f6nnen massive Auswirkungen auf die Versorgung in der Praxis haben. Wie massiv, das wird, so Fiehler, wesentlich davon abh\u00e4ngen, wie gut und schnell die Versorgung gegenw\u00e4rtig funktioniert. Fiehler: &bdquo;Ich denke nicht, dass wir in Deutschland viele Schlaganfallpatienten haben, die erst nach 15 oder 20 Stunden ins Krankenhaus kommen.&ldquo; Im Gegensatz zum Zeitfenster bleiben derzeit noch mehr offene Fragen zum &bdquo;L\u00e4sions- Fenster&ldquo;. Konkret: Wie gro\u00df d\u00fcrfen Infarkte sein, dass eine Thrombektomie sinnvoll durchgef\u00fchrt werden kann und soll? Diese Frage wird gegenw\u00e4rtig in der TENSO-Studie prospektiv untersucht, an der sich 40 Zentren in acht L\u00e4ndern beteiligen werden. <\/p>\n<h2> Offene Fragen <\/h2>\n<p> Einige offene Fragen betreffen auch die Technik der Thrombektomie. Fiehler: &bdquo;Das Feld ist mittlerweile so komplex geworden, dass wir es mit unz\u00e4hligen verschiedenen Methoden zu tun haben.&ldquo; Eine dieser Fragen betrifft den Vergleich zwischen Thrombus-Aspiration und Stent-Retriever. Fiehler verweist in diesem Zusammenhang auf die noch nicht publizierte ASTRA-Studie, die f\u00fcr beide Methoden vergleichbare Rekanalisationsraten zeigt. Besser beantwortet kann derzeit die Frage nach der An\u00e4sthesie werden. Fiehler: &bdquo;Es war bis vor Kurzem v\u00f6llig klar, dass Allgemeinan\u00e4sthesie viel schlechter ist. Allerdings hatten die meisten Studien zu dieser Frage irgendeine Art von Bias.&ldquo; Die k\u00fcrzlich publizierte, prospektive, randomisierte SIESTA-Studie<sup>5<\/sup> zeigt nun bessere Ergebnisse in der Allgemein-An\u00e4sthesie-Gruppe. Der Schluss, den man daraus ziehen k\u00f6nne: &bdquo;Die An\u00e4sthesie kann in jedem Zentrum nach den lokalen Pr\u00e4ferenzen erfolgen.&ldquo;<\/p>\n<p> Referenzen: <em><br \/>\n 1 <\/em><em>Khatri P et al., Lancet Neurol 2014; 13(6):567\u201374 <\/em><em><br \/>\n 2 <\/em><em>Fiehler J et al., Int J Stroke 2016; 11(6):701\u201316 <\/em><em><br \/>\n 3 <\/em><em>Ribo M et al., Stroke 2016; 47(4):999\u20131004 <\/em><em><br \/>\n 4 <\/em><em>The DAWN Trial, presented at ESOC 2017, Prague <br \/>\n <\/em><em>5 <\/em><em>Sch\u00f6nenberger S et al., JAMA 2016; 316(19):1986\u20131996 <\/em><\/p>\n<p><em>Wissenschaftliche Sitzung &bdquo;Schlaganfall \u2013 Hot Topics&ldquo;, im Rahmen des 90. Kongresses der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Neurologie (DGN), Leipzig, 22.9.17<\/em><\/p>\n<p>Von Reno Barth<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die mechanische Thrombektomie hat in der Behandlung ausgew\u00e4hlter Schlaganfallpatienten zu einer deutlichen Verbesserung der Prognose gef\u00fchrt. Im Rahmen des DGN-Kongresses in Leipzig stand ein Update zu aktuellen Fragen rund um diese Methode auf dem Programm. (CliniCum neuropsy 1\/18)<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":2681,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","footnotes":""},"categories":[191,13],"tags":[28,42,107],"class_list":["post-2680","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-191","category-neuropsy","tag-neurologie","tag-schlaganfall","tag-thrombektomie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2680","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2680"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2680\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2680"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2680"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/oegpb.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2680"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}