{"id":2718,"date":"2018-05-28T17:12:50","date_gmt":"2018-05-28T15:12:50","guid":{"rendered":"http:\/\/dizign-projekte.at\/?p=2718"},"modified":"2018-05-28T17:12:50","modified_gmt":"2018-05-28T15:12:50","slug":"trauma-und-trauma-folgestoerungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/oegpb.at\/?p=2718","title":{"rendered":"Trauma und Trauma-Folgest\u00f6rungen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Eine bedeutsame Grundrate an zivilen wie famili\u00e4ren Gewalterfahrungen hat zunehmend auch westliche Gesellschaften f\u00fcr traumatische Erfahrungen und Trauma-Folgest\u00f6rungen sensibilisiert. (CliniCum neuropsy 2\/18) <\/strong><\/p>\n<p>Die globalisierte Dimension von Krieg, Folter, Genozid, Naturund Hungerkatastrophen mit einer seit mehreren Jahren nun auch europ\u00e4ische Staaten erreichenden Massenmigration hat noch dazu beigetragen, dass traumatische Ereignisse und ihre Gesundheitsfolgen im \u00f6ffentlichen Bewusstsein zentral beachtet werden. Die moderne westliche Sicht auf Traumatisierungen und ihre gesundheitlichen Konsequenzen haben sich vorrangig auf die Dimension des individuellen Leidens konzentriert und wichtige soziokulturelle Kontexte weitgehend ausgeblendet. Auch gerieten menschliche Krisen und Katastrophen immer st\u00e4rker in eine exklusive Zust\u00e4ndigkeit der Medizin, insbesondere von Psychiatrie und Psychotherapie. In einer transkulturellen Perspektive wurde an dieser einseitigen Konzeptualisierung mehrfache Kritik ge\u00e4u\u00dfert (Kirmayer et al. 2010).<\/p>\n<h2>Diagnostische Konzeptualisierung von akuter und posttraumatischer Belastungsst\u00f6rung<\/h2>\n<p><strong>Trauma<\/strong> beschreibt allgemein ein \u00e4u\u00dferes Ereignis, das f\u00fcr die gro\u00dfe Mehrheit einer Bev\u00f6lkerung das Gef\u00fchl einer \u00fcberw\u00e4ltigenden Bedrohung vermittelt. In der neuen Version von DSM-5 werden im Trauma-Kriterium extreme und nicht nur schwerwiegende Stresserfahrungen verlangt. Das noch in DSM-IV-TR zus\u00e4tzlich geforderte subjektive Kriterium einer traumatischen Ersch\u00fctterung mit Todesangst, Panik, Ohnmacht und Hilflosigkeit wurde hingegen aufgegeben, da sich epidemiologisch keine prospektive Bedeutung f\u00fcr ein erh\u00f6htes Risiko einer Posttraumatischen Belastungsst\u00f6rung (PTBS) best\u00e4tigen lie\u00df (Kapfhammer 2014). Mit dem diagnostischen Konzept der <strong>akuten Belastungsst\u00f6rung (ABS)<\/strong> sollte ab DSM-IV ein schwerwiegendes Stresssyndrom schon w\u00e4hrend der ersten vier Wochen nach einem Trauma erfasst werden.<\/p>\n<p>Im besonderen Fokus auf akute dissoziative Symptome sollten zudem Personen mit einem erh\u00f6hten PTBS-Risiko fr\u00fch identifiziert werden. Dieses ABS-Konzept war imstande, eine solche Risikogruppe reliabel zu beschreiben. Es war nicht aber ausreichend sensitiv, die Gesamtgruppe der nach einem Trauma auftretenden F\u00e4lle von PTBS zu erfassen (Carde\u00f1a &amp; Carlson 2011). DSM-5 gibt die vormals strikte Forderung von gleichzeitig nachzuweisenden Symptomen je aus den drei PTBS-Clustern von Intrusion, Vermeidung und autonomem Hyperarousal sowie einem eigenen dissoziativen Cluster zugunsten einer freien Kombinierbarkeit der aufgelisteten Symptome auf. Es setzt aber eine hohe Symptomschwelle (\u22659 aus 14) f\u00fcr die Diagnose an (Bryant et al. 2012).<\/p>\n<p>Die <strong>Posttraumatische Belastungsst\u00f6rung (PTBS)<\/strong>\u00a0zeichnete sich bis zu DSM-IV-TR und im Wesentlichen auch im ICD-10 durch drei Symptomkomplexe aus, durch intrusiv auftretende Erinnerungen an das Trauma, durch eine systematische Vermeidung aller Trauma-bezogenen Aspekte sowie durch zahlreiche k\u00f6rperliche und kognitive Symptome einer autonom-nerv\u00f6sen \u00dcberaktivit\u00e4t. In DSM-5 wird das klinische Bild einer PTBS erstmals sehr viel breiter beschrieben. Es werden nunmehr auch negative Ver\u00e4nderungen in Kognitionen und Stimmungen in unmittelbarer Assoziation mit dem Trauma eigenst\u00e4ndig abgebildet. In diesem neuartigen Cluster werden dissoziative Erinnerungsst\u00f6rungen, persistierende negative \u00dcberzeugungen oder Erwartungen an sich oder an die Umwelt, eine verzerrte Schuldattribution, persistierende negative emotionale Zust\u00e4nde wie Scham, Depression, Wut oder \u00c4rger, ein bedeutsamer Interessenverlust oder eine merklich reduzierte psychosoziale Teilnahme, Depersonalisation und Derealisation, persistierende Anhedonie und Gef\u00fchlsbet\u00e4ubung erfasst.<\/p>\n<p>DSM-5 f\u00fchrt explizit auch die Kodierung eines \u201eversp\u00e4teten Beginns\u201c auf. Und es definiert ferner die separate Spezifizierung eines \u201edissoziativen Subtypus\u201c mit prominenten Symptomen einer Depersonalisation und Derealisation. Die breite Konzeptualisierung der PTBS in DSM-5 hat letztlich dazu gef\u00fchrt, dass kein eigenst\u00e4ndiger diagnostischer Status einer <strong>\u201ekomplexen PTBS\u201c<\/strong> in die St\u00f6rungsgruppe aufgenommen worden ist. Unter einer komplexen PTBS wird klinisch ein breiter Symptomenkomplex beschrieben, bei dem die Kriterien einer PTBS sehr h\u00e4ufig gleichzeitig erf\u00fcllt sind. Es imponieren aber vor allem Symptome einer affektiven Dysregulation, eines chronischen selbstdestruktiven Verhaltens, dissoziative und somatoforme Symptome sowie pathologisch ver\u00e4nderte Selbstkonzepte und Beziehungsstile infolge von schwerwiegenden Traumata speziell w\u00e4hrend der fr\u00fchen Entwicklungsjahre (Cloitre et al. 2013).<\/p>\n<p>Auch eine <strong>anhaltende Trauerst\u00f6rung<\/strong>\u00a0mit einer \u00fcber viele\u00a0Monate, weit \u00fcber die soziale und kulturelle Norm hinaus anhaltenden Trauer nach dem Tod einer geliebten Person wurde zun\u00e4chst als eigenst\u00e4ndiger diagnostischer Status zwischen Anpassungsund Trauma-bezogenen St\u00f6rungen diskutiert (Shear et al. 2013). DSM-5 nimmt diesem diagnostischen Konzept gegen\u00fcber vorl\u00e4ufig eine zuwartende Position ein und betont eine notwendige weitere empirische \u00dcberpr\u00fcfung (Bryant 2014). Das amerikanische DSM-5 und die demn\u00e4chst publizierte\u00a0ICD-11 der WHO werden in Zukunft recht unterschiedliche konzeptuelle Wege in der Diagnose von Traumaund Stressor-bezogenen St\u00f6rungen beschreiten, die einen m\u00f6glichen Einfluss auf die epidemiologische Kennziffern weltweit haben werden (Hafstad et al. 2017). Im ICD-11 wird sich die Diagnose einer PTBS einerseits auf ein sehr allgemein gehaltenes Trauma-A-Kriterium (\u201ean extremely threatening or horrific event\u201c) st\u00fctzen, andererseits eine relativ enge, als spezifisch erachtete klinische Ph\u00e4nomenologie definieren. Die neue Diagnose einer komplexen PTBS wird drei spezielle intraund interpersonale Symptom-Cluster zus\u00e4tzlich zu den PTBS-Kernsymptomen beinhalten (Brewin et al. 2017).<\/p>\n<p>Als weitere Diagnose wird eine anhaltende Trauerst\u00f6rung aufgef\u00fchrt sein (Maciejewski et al. 2016). Die Diagnose der <strong>Anpassungsst\u00f6rung<\/strong>\u00a0wird durch Anlehnung an das psychologische PTBS-Modell von Intrusion und Vermeidung eine wesentlich st\u00e4rkere Spezifizierung der Symptome zeigen (Kazlauskas et al. 2018). In einer f\u00fcr weitere Forschung offenen Kategorie <strong>\u201eakuter\u00a0Stressreaktionen\u201c<\/strong> sollen vor\u00fcbergehende intensive emotionale, kognitive und behaviorale Reaktionen nach einem Trauma notiert werden, die hinsichtlich der extremen Schwere des Stressors aber als normative Belastungsreaktionen konzipiert sein sollen (Maercker et al. 2013).<\/p>\n<h2>Aktueller Stand zu epidemiologischen Befunden von Trauma-Folgest\u00f6rungen<\/h2>\n<p>In einer epidemiologischen Perspektive stellen PTBS und ABS<strong> prototypische Reaktionstypen<\/strong> dar. Nach schwerwiegenden Traumatisierungen findet sich aber auch ein Anstieg zahlreicher anderer psychischer St\u00f6rungen wie Depressionen, Angstst\u00f6rungen, sch\u00e4dlicher Substanzgebrauch, somatoforme St\u00f6rungen etc. (Reifels et al. 2017). In einem prospektiven Longitudinaldesign k\u00f6nnen vor allem erh\u00f6hte Inzidenzen f\u00fcr PTBS, Depression und spezifische Phobien nachgewiesen werden (Asselmann et al. 2018). Das <strong>konditionale Risiko<\/strong> f\u00fcr eine PTBS nach einem Trauma ist sehr unterschiedlich. Es ist bei unmittelbar auf die Kernidentit\u00e4t eines Menschen zielenden Gewalteinwirkungen wie Folter, sexueller Missbrauch oder Vergewaltigung am h\u00f6chsten, aber auch sehr hoch nach Mitteilungen \u00fcber den unerwarteten Tod eines nahen Angeh\u00f6rigen. M\u00e4nner sind allgemein h\u00e4ufigeren Gewalterfahrungen ausgesetzt, Frauen besitzen hingegen ein h\u00f6heres Risiko einer PTBS nach einem Trauma.<\/p>\n<p>Es besteht eine klare <strong>Dosis\u00adWirkungs\u00adKurve<\/strong> bez\u00fcglich der Schwere und H\u00e4ufigkeit von traumatischen Erfahrungen und dem konditionalen Risiko einer PTBS. Die allgemeine Trauma-Expositionsrate in den USA liegt konservativ gesch\u00e4tzt etwa bei 60 Prozent, beispielsweise in Algerien aber bei \u00fcber 90 Prozent. Die korrespondierenden <strong>PTBS\u00adLebenszeitpr\u00e4valenzen<\/strong> betragen entsprechend 7,8 Prozent versus 37,4 Prozent. Eine Dosis-Wirkung-Beziehung wird f\u00fcr folgende Traumatypen berichtet : sexuelle Gewalt, Kampfeins\u00e4tze, terroristische Anschl\u00e4ge, Naturkatastrophen. Gesellschaftliche Kontexte und Entwicklungsstandards sind bedeutsame Einflussfaktoren, wenn in den USA das PTBSRisiko nach interpersonaler Gewalt gr\u00f6\u00dfer als nach Autounf\u00e4llen ist, in Entwicklungsl\u00e4ndern aber das Ausma\u00df von neuen PTBS-F\u00e4llen nach Naturkatastrophen durch den umfassenderen Verlust von zivilen Ressourcen unvergleichlich h\u00f6her liegt (Atwoli et al. 2015).<\/p>\n<p>Die Lebenszeith\u00e4ufigkeit einer PTBS betr\u00e4gt in den amerikanischen Studien f\u00fcr Frauen ca. zehn Prozent, f\u00fcr M\u00e4nner ca. f\u00fcnf Prozent. In europ\u00e4ischen Untersuchungen sind die Raten aber deutlich niedriger und unterstreichen hierin ebenfalls wichtige soziokulturelle Bedingungsfaktoren in der Pathogenese der PTBS (Norris &amp; Slone 2014). Erste epidemiologische Feldstudien, denen die modernen Kriterien von ICD-11 zugrunde gelegt wurden, zeigten f\u00fcr Deutschland eine Ein-Monats-Pr\u00e4valenz f\u00fcr PTBS von 1,5 Prozent, f\u00fcr die komplexe PTBS von 0,6 Prozent sowie f\u00fcr eine Variante der komplexen PTBS mit niedrigerer Symptomschwelle von 0,7 Prozent (Maercker et al. 2018). F\u00fcr die anhaltende Trauerst\u00f6rung wurde eine bedeutsam hohe Pr\u00e4valenzrate von knapp zehn Prozent ermittelt (Lundorff et al. 2017).<\/p>\n<p>Die Kl\u00e4rung jener Einfl\u00fcsse, die das <strong>allgemeine Risiko f\u00fcr\u00a0eine Trauma\u00adExposition<\/strong> einerseits, f\u00fcr die anschlie\u00dfende <strong>Entwicklung einer PTBS<\/strong> andererseits erh\u00f6hen, ist noch nicht befriedigend abgeschlossen. Metaanalysen heben konsistent drei Risikofaktoren hervor: Psychiatrische Eigenund Familienanamnese sowie traumatische Vorerlebnisse. Die gefundenen Effektst\u00e4rken dieser pr\u00e4traumatischen Variablen stehen gegen\u00fcber periund posttraumatischen Einflussfaktoren wie Intensit\u00e4t des Traumas, mangelnde psychosoziale Unterst\u00fctzung und zus\u00e4tzliche belastende Lebensereignisse in der Folgezeit in der Vorhersagekraft einer PTBS aber bedeutsam zur\u00fcck. In mittlerweile auch prospektiven epidemiologischen Studien zeichnet sich ab, dass Variablen wie Intelligenz und kognitive Fertigkeiten, Copingund Reaktionsstile, Pers\u00f6nlichkeitscharakteristika, psychopathologische und psychophysiologische Variablen wie auch sozio\u00f6kologische Faktoren das Risiko einer PTBS nach einem Trauma bedeutsam mitbestimmen (Sareen 2014).<\/p>\n<p>Es ist davon auszugehen, dass in Zukunft eine gro\u00dfe Anzahl von neurobiologischen Variablen, insbesondere auch genetischen und epigenetischen Faktoren zu dieser zentralen klinischen Fragestellung signifikant beitragen wird. In einer <strong>Verlaufsperspektive<\/strong>\u00a0tritt unmittelbar nach einer\u00a0schwerwiegenden Trauma-Exposition normativ eine F\u00fclle von kognitiven, affektiven und verhaltensbezogenen Symptomen auf. Diese Symptome werden \u00fcber die Cluster der Intrusion, der Vermeidung, des autonomen Hyperarousal, der Dissoziation, der Depression zufriedenstellend erfasst. Sie sind mehrheitlich vor\u00fcbergehender Natur. Das <strong>allgemeine \u201enat\u00fcrliche\u201c Verlaufspattern<\/strong> posttraumatischer psychischer Symptome zeigt, dass die Intensit\u00e4t der anf\u00e4nglichen peritraumatischen Reaktionen f\u00fcr die Gesamtgruppe der betroffenen Personen in weiterer Folge deutlich abnimmt.<\/p>\n<p>Hinter dieser allgemeinen Verlaufstendenz verbergen sich unterschiedliche Verlaufsgestalten (Bonanno et al. 2011):<\/p>\n<ul>\n<li>Der Gesamtdistress liegt bei jenen Personen, die schlie\u00dflich die diagnostischen Kriterien einer PTBS erf\u00fcllen, bereits initial auf einem h\u00f6heren Niveau. Er verringert sich keineswegs, sondern kann im Verlauf der ersten Monate noch signifikant zunehmen und prognostiziert eine hohe <strong>Chronizit\u00e4t<\/strong>.<\/li>\n<li>Die Mehrheit der betroffenen Personen zeigt im Laufe\u00a0eines Jahres aber eine <strong>gute Erholung<\/strong>.<\/li>\n<li>Eine PTBS mit <strong>verz\u00f6gertem Beginn<\/strong> stellt sich prospektiv meist als eine sukzessive Fortentwicklung schon unmittelbar nach dem Trauma nachweisbarer Reaktionen mittlerer Intensit\u00e4t bis zum sp\u00e4teren Erreichen der diagnostischen Schwelle einer PTBS dar.<\/li>\n<li>Eine weitere Subgruppe zeigt im Umgang mit dem Trauma ein erstaunliches Coping und wird als <strong>\u201eresilient\u201c<\/strong> bezeichnet.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Diesen protypischen posttraumatischen Verlaufsmustern liegt ein komplexes Zusammenspiel von Risikound protektiven Faktoren zugrunde. Vulnerabilit\u00e4t und Resilienz bestimmen das initiale Distressniveau, aber auch die Wahrscheinlichkeit eines \u00dcbergangs zur PTBS. Weitere belastende Ereignisse und Beeintr\u00e4chtigungen in der Folgezeit spielen ebenfalls eine gro\u00dfe Rolle. Die unterschiedlichen Verlaufsgestalten nach einem Trauma belegen, dass die PTBS keine normative, sondern eine atypische posttraumatische Reaktion ist, deren wesentliches Kennzeichen die behinderte Erholung in einen psychosozialen Normalzustand ausdr\u00fcckt (Shalev et al. 2017). PTBS-Symptome in voller klinischer Auspr\u00e4gung \u00fcber drei Monate definieren <strong>einen chronischen Verlauf.<\/strong> Die durchschnittliche Verlaufsdauer einer chronischen PTBS geht meist \u00fcber mehrere Jahre. Beeintr\u00e4chtigende Einzelsymptome bestehen aber oft \u00fcber viele Jahre, nicht selten lebenslang (Rosellini et al. 2018).<\/p>\n<p>Eine chronische PTBS zieht zahlreiche zus\u00e4tzliche gesundheitliche Nachteile nach sich. Es besteht ein stark erh\u00f6htes Risiko auch f\u00fcr andere <strong>komorbide psychiatrische St\u00f6rungen<\/strong>. Bei den M\u00e4nnern sind dies v.a. Alkoholmissbrauch oder -abh\u00e4ngigkeit, Major Depression, Verhaltensst\u00f6rungen, Drogenmissbrauch oder -abh\u00e4ngigkeit, bei den Frauen Major Depression, spezifische Phobien, soziale Phobien und Alkoholmissbrauch oder -abh\u00e4ngigkeit. In aller Regel geht die PTBS den komorbiden St\u00f6rungen zeitlich voraus (Atwoli et al. 2015). Diese psychiatrische Komorbidit\u00e4t ist hinsichtlich Verlauf und Prognose eigenst\u00e4ndig zu bewerten (Steinert et al. 2015). Bei langfristigen PTBS-Verl\u00e4ufen sind gro\u00dfe Einbu\u00dfen in der gesundheitsbezogenen Lebensqualit\u00e4t und psychosoziale Integration die Regel. Ein signifikant erh\u00f6htes Risiko f\u00fcr Suizidversuche ist besonders zu beachten. Zahlreiche <strong>Somatisierungssyndrome<\/strong> und eine erh\u00f6hte somatische Morbidit\u00e4t sind ebenfalls wichtige Langzeitfolgen (Schnurr 2015; McLeay et al. 2017).<\/p>\n<h2>\u00c4tiopathogenese von Trauma-Folgest\u00f6rungen<\/h2>\n<p>Eine der grundlegendsten Erkenntnisse aus den empirischen und experimentellen Studien zu traumatischen Erfahrungen und ihren Gesundheitsfolgen sind, dass psychosozial definierte Ereignisse nicht nur dramatische psychologische Verarbeitungsprozesse ausl\u00f6sen, sondern auch tief in biologische Regulationssysteme eingreifen und funktionelle wie auch strukturelle St\u00f6rungen nach sich ziehen k\u00f6nnen. Und umgekehrt, dass genetische Ausstattung, epigenetische Mechanismen und biologische Prozesse wesentlichen Einfluss darauf nehmen, ob eine spezielle traumatische Erfahrung zu schwerwiegenden psychischen St\u00f6rungen, z.B. einer PTBS, und auch zu ernsten k\u00f6rperlichen Erkrankungsrisiken f\u00fchrt, oder aber mit einer erstaunlichen Kraft und Resilienz trotz anf\u00e4nglicher Ersch\u00fctterung gemeistert wird (Southwick et al. 2014). Und wiederum scheint es einigen Personen nach einer solchen Traumatisierung in weiterer Entwicklung\u00a0sogar zu gelingen, die traumatische Erfahrung selbst zu einem pers\u00f6nlichen posttraumatischen Wachstum zu transformieren (Kapfhammer 2018).<\/p>\n<p>Auf einer <strong>psychologischen Ebene<\/strong>\u00a0liegen mittlerweile\u00a0zahlreiche Ans\u00e4tze vor, die Entstehen und klinische Ausgestaltung einer PTBS besser verst\u00e4ndlich machen. Kognitiv-behaviorale Modelle besitzen das st\u00e4rkste Erkl\u00e4rungspotenzial f\u00fcr die vielf\u00e4ltigen klinisch-ph\u00e4nomenologischen und verlaufsdynamischen Aspekte einer PTBS. Die typischen <strong>psychologischen Folgen<\/strong> nach Traumata sind in zahlreichen klinischen und experimentellen Studien detailliert beschrieben worden (Kapfhammer 2017 a). Einige Aspekte werden in der j\u00fcngeren Forschung speziell herausgehoben. So ist die posttraumatische Verarbeitung entscheidend mit dissoziativen Prozessen vergesellschaftet. Dissoziative Symptome sind einerseits das Ergebnis einer desintegrierten Prozessierung Trauma-bezogener Informationen, andererseits die Folge des evolution\u00e4r verankerten Schutzmechanismus von Depersonalisation und Derealisation. Traumatische Erfahrungen markieren einen zentralen Knotenpunkt im autobiografischen Ged\u00e4chtnis. Wichtige Aspekte und Details der traumatischen Szene werden aber oft nicht oder nur sehr verzerrt gespeichert. Personen mit einer ABS und PTBS f\u00e4llt es h\u00e4ufig sehr schwer, eine koh\u00e4rente Schilderung des traumatischen Geschehens zu geben.<\/p>\n<p>Der Grad der narrativen Desorganisation ist hierbei signifikant mit dem Ausma\u00df von Dissoziation w\u00e4hrend und nach dem Trauma assoziiert (Brewin 2011). Der beeintr\u00e4chtigten willentlichen Erinnerungsf\u00e4higkeit an ein definiertes Trauma steht meist eine sehr bedrohlich erlebte, unwillk\u00fcrliche intrusive Wiedererinnerung an das Trauma gegen\u00fcber. Intrusive Flashbacks werden meist automatisch durch \u00e4u\u00dfere und innere Stimuli ausgel\u00f6st, die einen kontingenten, aber bewusst nicht wahrgenommenen Zusammenhang mit dem Trauma aufweisen. Sie sind meist fragmentarisch und zeichnen sich durch starke bildhafte Eindr\u00fccke und heftige somatische Mitreaktionen aus. Diese emotional intensiven Erinnerungen k\u00f6nnen nachtr\u00e4glich nur schwer verbalisiert werden. Alle PTBS-Patienten weisen gelegentlich dissoziative Symptome als Ergebnis einer desintegrierten posttraumatischen Verarbeitung auf. Zirka ein Drittel der PTBS-Patienten zeigen aber auch einen dissoziativen Reaktionstypus mit prominenten Symptomen der Depersonalisation und Derealisation. Trotzdem leben diese Patienten im posttraumatischen Alltag nicht dauerhaft in traumatischdissoziativ ver\u00e4nderten Bewusstseinszust\u00e4nden, sondern pendeln je nach Intensit\u00e4t und H\u00e4ufigkeit fr\u00fcherer Traumatisierungen und aktueller situativer Belastungen zwischen den Polen eines prominent dissoziativen Erlebens und eines normalen Wachbewusstseins.<\/p>\n<p>Zwischen diesen beiden Bewusstseinspolen k\u00f6nnen ph\u00e4nomenologisch dissoziative Ver\u00e4nderungen des Zeiterlebens, der Intentionalit\u00e4t mentaler Prozesse, des K\u00f6rperbewusstseins und der emotionalen Regulation differenziert beschrieben werden (Frewen &amp; Lanius 2015):<\/p>\n<ul>\n<li>Der zeitliche Fluss unseres Bewusstseins erlaubt normalerweise eine willentliche Bewegung des Selbst aus dem Augenblick der Gegenwart in die Vergangenheit wie auch in die Zukunft. Wir k\u00f6nnen normalerweise ein aktuelles Erleben, eine r\u00fcckw\u00e4rtsgewandte Erinnerung oder eine auf die Zukunft gerichtete Vorstellung klar unterscheiden. In traumatisch ver\u00e4nderten Bewusstseinszust\u00e4nden wird diese souver\u00e4ne Leistung des Selbst etwa durch Flashbacks aber suspendiert und auf eine wiederbelebte traumatische Aktualit\u00e4t verdichtet. Das momentane Zeiterleben kann grundlegend ver\u00e4ndert sein. Es ist im einen Fall fast zeitlos gedehnt, im anderen Fall oft beunruhigend beschleunigt.<\/li>\n<li>Unser Bewusstsein ist intentional auf die Umwelt bezogen und in der Regel in klaren Subjekt-Objekt-Relationen organisiert. In einem traumatisch-dissoziativ ver\u00e4nderten Bewusstsein kann diese Ordnung verloren gehen, wenn beispielsweise eigene Trauma-bezogene Gedanken oder Erinnerungen in Form von Stimmen wahrgenommen werden. Der selbstreferenzielle Standpunkt des bewussten Erlebens ist hier qualitativ abge\u00e4ndert.<\/li>\n<li>In der Dimension des K\u00f6rperbewusstseins stehen sich Zust\u00e4nde einer Depersonalisation und eines autonomen Hyperarousal gegen\u00fcber. Depersonalisation in ihrer ausgepr\u00e4gten dissoziativen Form beinhaltet eine auff\u00e4llige Auftrennung in einen nur mehr von au\u00dfen wahrnehmbaren, fremd erlebten K\u00f6rper und in ein von allen k\u00f6rperlichen Sensationen distanziertes beobachtendes Selbst (\u201eout-of-body experiences\u201c). In Zust\u00e4nden eines getriggerten autonomen Hyperarousal bei normalem Wachbewusstsein k\u00f6nnen qu\u00e4lende K\u00f6rpersensationen das Akuterleben beherrschen und auch mit der Angst<br \/>\nvor Kontrollverlust einhergehen. Eine Zwischenstellung nehmen jene F\u00e4lle von dissoziativen St\u00f6rungen der Motorik bzw. der Sensorik ein, bei denen Handlungsvollzug oder Empfindungsf\u00e4higkeit in Teilbereichen des K\u00f6rpers einer willentlichen Kontrolle entzogen ist.<\/li>\n<li>In der Dimension der emotionalen Regulation wird das Bewusstsein durch Zust\u00e4nde einer emotionalen Bet\u00e4ubung einerseits, durch Zust\u00e4nde Trauma-bezogener anhaltender Affektzust\u00e4nde wie Angst, Horror, Panik, Scham und Schuld andererseits bestimmt.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Auch auf einer <strong>neurobiologischen Ebene<\/strong>\u00a0ist in den zur\u00fcckliegenden Jahren eine Vielzahl neuer Erkenntnisse gewonnen worden, die zu einem h\u00f6chst komplexen Verst\u00e4ndnis von ABS und PTBS nach Traumatisierungen beitragen (Kapfhammer 2017 a): Ergebnisse der <strong>molekularen Genetik<\/strong>\u00a0unterstreichen, dass\u00a0zahlreiche genetische Polymorphismen und epigenetische Faktoren das Risiko einer PTBS nach einem Trauma entscheidend beeinflussen. Komplexe Gen-Umwelt-Interaktionen werden wesentlich durch epigenetische Mechanismen z.B. durch Methylierung von DNS-Sequenzen oder Modifikation von Histonen vermittelt. Durch Traumata und schwerwiegende Stressoren angesto\u00dfene Methylierungsprozesse k\u00f6nnen die Genexpression an bestimmten DNS-Sequenzen blockieren, an anderen aber wiederum aktivieren. Sie bewirken hier\u00fcber Ver\u00e4nderungen u.a. in der HPA-Funktionalit\u00e4t, in den diversen NeurotransmittersystemensowieimImmun-\/Inflammationssystem, die ein je differenzielles PTBS-Risiko mitbestimmen.<\/p>\n<p>In einer umfassenderen Perspektive spielen diese GenUmwelt-Interaktionen und epigenetischen Mechanismen nicht nur f\u00fcr die detaillierte Erfassung eines PTBS-Risikos,\u00a0sondern auch wichtiger Resilienz-Faktoren eine \u00fcberragende Rolle (Sheerin et al. 2017). Befunde des <strong>funktionellen Neuroimaging<\/strong>\u00a0zeichnen mittlerweile ein h\u00f6chst differenziertes Bild von den Vorg\u00e4ngen einer posttraumatischen Verarbeitung auf neuronaler Ebene (Akiki et al. 2017). Bereits auf dem Niveau des Thalamus k\u00f6nnen die Informationen aus der traumatischen Gesamtszene fragmentiert sein. So engt sich das Wahrnehmungsfeld nicht selten auf wenige zentrale Aspekte mit besonderer Gefahrenrelevanz ein und klammert wichtige periphere Kontextaspekte aus. Das Wahrnehmungsfeld kann zuweilen auch vollst\u00e4ndig desintegrieren und grundlegende Ver\u00e4nderungen im Zeiterleben, in der visuellen Wahrnehmung, dem Erfassen des Kontextes, der Propriozeption, der Schmerzwahrnehmung bedingen.<\/p>\n<p>Die neuronale Repr\u00e4sentation der externen Realit\u00e4t ist dann notgedrungen primitiver strukturiert und oft verzerrt. Die Korrektheit des sensorischen Transfers vom Thalamus an nachgeschaltete Strukturen kann bei Einwirkung massiver Stressoren erheblich beeintr\u00e4chtigt sein. In der Amygdala werden vorrangig perzeptive und emotionale Details konditioniert. Es dominieren prim\u00e4re Affektzust\u00e4nde einer h\u00f6chsten Intensit\u00e4t, wie Panik, Horror, Entsetzen, mit jeweils angesto\u00dfenen somatischen Abwehrreaktionen. Die Amygdala verf\u00fcgt auch \u00fcber vielf\u00e4ltige Projektionen zu Arealen des visuellen Kortex. Bei amygdal\u00e4rer \u00dcbererregung werden grundlegende Funktionen der benachbarten Hippokampusstruktur in Mitleidenschaft gezogen. Dies f\u00fchrt u.a. zum Verlust der kognitiven Kontextualisierung einer speziellen Traumaerfahrung. Ein Transfer der Informationen in das episodische, insbesondere autobiografische Ged\u00e4chtnissystem wird hierdurch stark behindert.<\/p>\n<p>Traumatische Erinnerungen k\u00f6nnen oft nur schwer verbalisiert werden, da ein gehemmter Transfer der Informationsverarbeitung in die sprachdominante Hirnhemisph\u00e4re vorliegt. Extremstress bedingt ferner auch eine Blockade pr\u00e4frontaler kortikaler Systeme. Somit fehlen entscheidende funktionelle Voraussetzungen, die subkortikal im limbischen System vermittelten Konditionierungen wirksam modifizieren zu k\u00f6nnen. Gleichzeitig sind hiermit wichtige Elemente der exekutiven Kontrolle, des Arbeitsged\u00e4chtnisses und Selbstsystems, der selbstreflexiven F\u00e4higkeit, sich in einer Zeitdimension aktiv wieder erinnernd einzureihen, dysfunktional geworden. Neuroimaging-Studien k\u00f6nnen auch den differenziellen Verarbeitungsmodus in unterschiedlichen Zust\u00e4nden der posttraumatischen Verarbeitung erfassen. In Provokationsparadigmata, die auf ein Wiedererinnern traumatischer Erfahrungen zielen, stellt sich im <strong>Modus eines autonomen Hyperarousal<\/strong> als konsistentestes Bild eine hyperaktive Amygdala bei hyporeaktiven ventralen Anteilen des pr\u00e4frontalen Kortex, ferner ein hyperaktives dorsales anteriores Zingulum (dACC) sowie eine hyperaktive Inselregion dar.<\/p>\n<p>In einem allgemeinen klinischen Verst\u00e4ndnis pathologischer Formen einer posttraumatischen Verarbeitung verdeutlichen diese Befunde, dass es bei Personen mit PTBS sukzessive zur Umschichtung eines dominanten zentralnerv\u00f6sen Regulationsmodus weg von pr\u00e4frontalen Strukturen verst\u00e4rkt hin zur Amygdala-zentrierten Steuerung kommt (Arnsten et al. 2015). In einem <strong>Dissoziationsmodus der Depersonalisation<\/strong> bei Konfrontation mit traumatischen Erinnerungen lassen sich die Befunde zu folgendem neuronalem Aktivierungsnetz verdichten: Im Vergleich zu einer Kontrollgruppe stellt sich eine st\u00e4rkere Aktivierung in den oberen und mittleren Gyri temporales, im Parietalund Okzipitallappen, im mittleren frontalen Gyrus sowie im medialen pr\u00e4frontalen Kortex und im ACC dar (Lanius et al. 2015). Aus diesen Befunden lassen sich mehrere <strong>differenzielle\u00a0neurobiologische Modelle<\/strong> ableiten, die auch von <strong>therapeutischer Relevanz<\/strong> sind, wie insbesondere Angst- und Furchtlernen, Gefahrendetektion, exekutive und emotionale Regulation oder kontextuelle Informationsverarbeitung (Liberzon &amp; Abelson 2016; Shalev et al. 2017).<\/p>\n<p>Die bei einer PTBS beschriebenen zahlreichen Dysfunktionen in diversen <strong>Neurotransmittersystemen<\/strong> sowie in der <strong>Stress\u00adHormon(HPA\u00ad)\u00adAchse<\/strong> f\u00fcgen sich stimmig in diese funktionellen Abl\u00e4ufe der traumatischen Ged\u00e4chtnisbildung ein (Kapfhammer 2017 a):<\/p>\n<ul>\n<li>So steuert das <strong>Noradrenalin<\/strong>\u00a0u.a. entscheidend die Konsolidierung der Trauma-Erinnerung. Der noradrenerge Locus coeruleus zeigt sich bei extremem, prolongiertem, vor allem unkontrollierbarem Stress sehr anf\u00e4llig. Eine Sensitivierung des posttraumatischen Reaktionssystems mit Hyperarousal wird gebahnt. Hieraus wird einerseits eine \u00dcberkonsolidierung der Ged\u00e4chtnisspuren in der Amygdala gef\u00f6rdert, andererseits eine ad\u00e4quate Informationsverarbeitung durch Hippokampus und pr\u00e4frontale kortikale Strukturen behindert. Typische intrusive Erinnerungen k\u00f6nnen unter diesen Voraussetzungen leichter situativ getriggert werden. Gleichzeitig wird aber eine wirksame Modulation und Kontrolle dieser automatisierten Reaktionsmuster, ein Extinktionslernen stark beeintr\u00e4chtigt.<\/li>\n<li>Eine grundlegende Rolle spielt das <strong>Glutamat<\/strong>. Es ist wesentlich an einer dissoziativen Informationsverarbeitung beteiligt. Eine hyperglutamaterge Neurotransmission wird auch mit einer hippokampalen Dysfunktionalit\u00e4t einschlie\u00dflich bleibender struktureller L\u00e4sionen in Verbindung gebracht.<\/li>\n<li>Das <strong>endogene Opiatsystem<\/strong>\u00a0tr\u00e4gt ebenfalls bedeutsam\u00a0zu einer dissoziativen Gegenregulation gegen\u00fcber einem noradrenergen Hyperarousal bei. \u00dcber Opioide vermittelte Prozesse einer psychomotorischen Erstarrung, affektiven Bet\u00e4ubung und Analgesie intensivieren eine funktionelle Abkoppelung des Amygdala-Hippokampus-Komplexes von h\u00f6heren kortikalen Steuerzentralen. Realit\u00e4tskontrolle und aktive Coping-Strategien werden hierdurch zus\u00e4tzlich erschwert.<\/li>\n<li>Das <strong>Serotonin<\/strong>\u00a0moduliert normalerweise die noradrenerge Reagibilit\u00e4t und das autonome Arousal. Eine balancierte serotonerge Funktionalit\u00e4t ist entscheidende Voraussetzung f\u00fcr eine flexible Realit\u00e4tsorientierung und einen situationsad\u00e4quaten Einsatz von Reaktionsweisen. Bei prolongiertem Stress wird das Serotonin-System schnell dysfunktional. Hiermit geht eine Reihe von psychopathologischen und physiologischen Symptomen einher, wie z.B. erh\u00f6hte Schreckreaktion, Hypersensitivit\u00e4t auf relativ harmlose Reize, Depersonalisation, Schlafst\u00f6rung, Depression, gest\u00f6rte Impulskontrolle, aggressive Durchbr\u00fcche oder zwanghafte Reinszenierungen von Trauma-bezogenen Verhaltensmustern.<\/li>\n<li><strong>Endocannabinoide<\/strong>\u00a0sind an der Kontrolle sowohl kognitiver als auch emotionaler Prozesse beteiligt. Sie nehmen Einfluss auf die Prozesse der Ged\u00e4chtniskonsolidierung, der Wiedererinnerung und der Extinktion von emotionalen und traumatischen Erfahrungen in den Kernregionen der basolateralen Amygdala, des Hippokampus und des pr\u00e4frontalen Kortex. Bei PTBS-Patienten sind die Konzentrationen des Endocannabinoids Anandamid erniedrigt, die CB1-Rezeptorverf\u00fcgbarkeit ist kompensatorisch erh\u00f6ht. Die CB1-Rezeptorverf\u00fcgbarkeit in der Amygdala ist mit einer abnormen Prozessierung von Gefahrenreizen und einem erh\u00f6hten Niveau eines autonomen Arousal positiv korreliert.<\/li>\n<li>Auch das bei einer traumatischen Einwirkung regelhaft mitaktivierte <strong>Stresshormon(HPA\u00ad)\u00adSystem<\/strong> beeinflusst die Funktionalit\u00e4t des Traumaged\u00e4chtnisses grundlegend. Kurze traumatische Stressepisoden mit Anstieg von Kortisol scheinen die Ged\u00e4chtniskonsolidierung zun\u00e4chst zu verst\u00e4rken. Kortisol bewirkt aber auch eine sog. Wiederabruf(Retrieval)-Hemmung, d.h. Ged\u00e4chtnisinhalte sind unter akuter Kortisoleinwirkung f\u00fcr eine Weile schlechter willentlich erinnerbar. Zahlreiche endokrinologische Befunde deuten darauf hin, dass speziell bei chronischen PTBS-Verl\u00e4ufen eher eine Unterfunktionalit\u00e4t der Kortisolantwort vorliegt. Steht aber Kortisol nur in geringem Ausma\u00df f\u00fcr die posttraumatische Verarbeitung zur Verf\u00fcgung, so bedeutet dies ein nur unzureichendes Gegengewicht gegen\u00fcber dem noradrenerg vermittelten traumatischen Erinnerungsmodus. Es k\u00f6nnen daher speziell intrusive Flashback-Erinnerungen leichter und vermehrt auftreten.<\/li>\n<li><strong>Dysfunktionen des autonomen Nervensystems<\/strong>\u00a0sind\u00a0im gemeinsamen Konzert mit <strong>HPA\u00adAchse<\/strong> und dem eng hiermit assoziierten Immunsystem zu betrachten. Klinisch sind diese Ver\u00e4nderungen sowohl auf ein erh\u00f6htes Risiko von definierten funktionellen K\u00f6rpersyndromen als auch auf allgemein erh\u00f6hte somatische Erkrankungsrisiken im Langzeitverlauf von PTBS-Patienten zu beziehen. In einer Perspektive der \u201eSomatisierung\u201c bedeutet eine <strong>sympathikotone Aktivierung<\/strong> im Kontext einer allgemeinen Mobilisierung Muskelanspannung, Blutdruckerh\u00f6hung, gesteigerten Puls, Hyperventilation, metabolische Energiefreisetzung, antiinflammatorische Abwehrbereitschaft des Immunsystems usw. Im anhaltenden parasympathischen Zustand aber \u00fcberwiegen gastrointestinale Symptome, Bradykardie mit einer Vulnerabilit\u00e4t f\u00fcr Arrhythmien, ver\u00e4nderte Schmerzverarbeitung mit Pendeln zwischen Analgesie und Hyperalgesie, motorische Blockaden. Ein relativer Hypokortisolismus bedeutet zun\u00e4chst eine Verst\u00e4rkung der noradrenerg vermittelten sympathikotonen Reaktionslage mit zahlreichen k\u00f6rperlichen Symptomen und vielf\u00e4ltigen funktionellen K\u00f6rpersyndromen. Relativer Hypokortisolismus und verst\u00e4rkter Sympathikotonus f\u00f6rdern auch eine vermehrte <strong>proinflammatorische Zytokinproduktion<\/strong>. Eine anhaltende proinflammatorische Reaktionslage des Immunsystems wird wiederum in einen \u00e4tiopathogenetischen Kontext erh\u00f6hter Risiken f\u00fcr diverse somatische Krankheiten gestellt. Sie vermittelt m\u00f6glicherweise auch ein erh\u00f6htes Risiko f\u00fcr depressive St\u00f6rungen, die wiederum somatische Komorbidit\u00e4ten verst\u00e4rken und komplizieren k\u00f6nnen.<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Therapeutische Ans\u00e4tze bei akuten Traumareaktionen und Trauma-Folgest\u00f6rungen<\/h2>\n<p><strong>Fr\u00fche posttraumatische Krise<\/strong> F\u00fcr die Versorgung von Patienten mit <strong>fr\u00fchen psychologischen Problemen nach einem Trauma<\/strong> sind Ma\u00dfnahmen gezielt und an Grundproblemen orientiert flexibel einzusetzen (Zatzick et al. 2013). Initiale Symptome verweisen meist auf universelle, adaptive Stressreaktionen, die mehrheitlich im Verlauf der n\u00e4chsten Wochen abnehmen und in einen allm\u00e4hlichen Erholungsprozess \u00fcbergehen, vorausgesetzt, dass sekund\u00e4re Stressoren nach dem Trauma wirksam einged\u00e4mmt werden (Kapfhammer 2017 a). Beeintr\u00e4chtigende klinische Symptome, die \u00fcber ein bis zwei Wochen bei einer Subgruppe von traumatisierten Personen persistieren, stellen aber eine Indikation f\u00fcr <strong>fr\u00fche Interventionen<\/strong> dar.<\/p>\n<p>Hierbei spielen auch Gesichtspunkte einer <strong>sekund\u00e4ren Pr\u00e4vention<\/strong> eine wichtige Rolle, d.h. ein wichtiges Ziel ist, den \u00dcbergang in ein voll ausgepr\u00e4gtes klinisches Bild eines PTBS nach M\u00f6glichkeit zu verhindern (Kearns et al. 2012; Forneris et al. 2013; Qi et al. 2016).<\/p>\n<ul>\n<li>Metaanalysen und systematische Reviews kommen einheitlich zur Bewertung, dass <strong>psychologisches Debriefing<\/strong> als routinierte und uniforme sekund\u00e4re Fr\u00fchpr\u00e4ventionsstrategie nicht empfohlen werden kann und in einem bedeutsamen Prozentsatz sogar den nat\u00fcrlichen Erholungsprozess behindert (Skeffington et al. 2013).<\/li>\n<li>Eine kontrollierte <strong>Trauma\u00adfokussierte kognitiv\u00adbehaviorale Fr\u00fchinterventionsstudie<\/strong> innerhalb weniger Stunden nach einem Trauma mittels einer modifizierten prolongierten Expositionstherapie in vivo und in imaginatione erwies sich im Einund Drei-Monats-Follow-up als hoch wirksam hinsichtlich des weiteren PTBS- und Depressionsrisikos (Rothbaum et al. 2012).<\/li>\n<\/ul>\n<p>Empirische Daten zu <strong>pharmakologischen Interventionen<\/strong>\u00a0mit dem Ziel einer sekund\u00e4ren Pr\u00e4vention von TraumaFolgest\u00f6rungen lassen sich wie folgt zusammenfassen:<\/p>\n<ul>\n<li>F\u00fcr den pr\u00e4ventiven Einsatz von \u03b2-adrenolytischen\u00a0(<strong>Propranolol<\/strong>) und \u03b12-agonistischen Substanzen (<strong>Clonidin<\/strong>, <strong>Guanfacin<\/strong>) sind die empirischen Daten noch inkonsistent. Eine Indikation kann am ehesten bei Vorliegen ausgepr\u00e4gter Symptome eines autonomen<br \/>\nHyperarousal (Erh\u00f6hung von Blutdruck, Herzrate, Atemfrequenz) diskutiert werden (Giustino et al. 2016).<\/li>\n<li>Der \u03b11-Antagonist <strong>Prazosin<\/strong>\u00a0ist zwar in der Indikation\u00a0einer Fr\u00fchintervention noch nicht \u00fcberpr\u00fcft worden. Mehrere kontrollierte Studien deuteten aber eine hohe Effizienz in der Reduktion von PTBS-assoziierten Schlafst\u00f6rungen und Albtr\u00e4umen an. Als Haupteffekt wurde eine Abwandlung der qu\u00e4lend erlebten, albtraumartigen Inhalte in Richtung Affekt-modulierter, normaler Trauminhalte beobachtet (De Berardis et al. 2015)<\/li>\n<li>In der Fr\u00fchintervention nach Traumatisierungen sollte eine routinem\u00e4\u00dfige Gabe von <strong>Benzodiazepinen<\/strong> nur sehr zur\u00fcckhaltend erfolgen. Es kann allenfalls ein kurzfristiger Einsatz zur Regulation des Schlafverhaltens erwogen werden (Birur et al. 2017).<\/li>\n<li>Der prophylaktische Einsatz von Stressdosen <strong>Hydrokortison<\/strong> ist bei definierten somatischen Krankheiten unter intensivmedizinischen Behandlungsbedingungen gut belegt. Kontrollierte Studien wiesen ferner darauf hin, dass Hydrokortison auch nach zivilen und milit\u00e4rischen Traumata eine \u00fcberlegenswerte Pr\u00e4ventionsalternative\u00a0darstellt (Delahanty et al. 2013).<\/li>\n<li>Die fr\u00fche Gabe von <strong>Opiaten<\/strong> in ausreichender Dosierung bei Trauma-induzierten Verletzungen und intensiven akuten Schmerzen kann das PTBS-Risiko reduzieren (Mouthaan et al. 2015).<\/li>\n<li>Ein prophylaktischer Einsatz von <strong>SSRI<\/strong>\u00a0f\u00fchrte bisher zu\u00a0\u00fcberwiegend entt\u00e4uschenden Ergebnissen (Shalev et al. 2012; Sijbrandij et al. 2015).<\/li>\n<li>Zu <strong>Oxytocin<\/strong> liegen einige ermutigende Resultate insbesondere bei Personen mit initial sehr hohen posttraumatischen Symptom-Scores vor (van Zuiden et al. 2017). In systematischen Bewertungen dieser medikament\u00f6sen Fr\u00fchinterventionsstudien wird das prospektiv positive Potenzial dieser Ans\u00e4tze hervorgehoben (Ostrowski &amp; Delahanty 2014; Qi et al. 2016), in einem methodenkritischen Cochrane-Review eher eine skeptische Abwartehaltung eingenommen (Amos et al. 2014).<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Akute Belastungsst\u00f6rung<\/strong><br \/>\nDie Diagnose einer akuten Belastungsst\u00f6rung (ABS) stellt eine Indikation f\u00fcr eine Behandlung dar. Personen mit anhaltend hohen Auspr\u00e4gungsgraden fr\u00fcher posttraumatischer Symptome leiden subjektiv stark und sind in ihrer psychosozialen Alltagskompetenz oft massiv beeintr\u00e4chtigt.<\/p>\n<ul>\n<li>Die empirischen Resultate aus mittlerweile zahlreichen kontrollierten Studien, die einen <strong>Trauma\u00adfokussierten kognitiv\u00adbehavioralen Ansatz<\/strong> erprobten, sprechen in einer Gewichtung f\u00fcr einen hohen Evidenzgrad bei dieser Indikation (Bryant 2015; Howlett &amp; Stein 2016). Trotzdem bleiben noch wichtige klinische Fragen offen. So ist eine bedeutsame Quote eines vorzeitigen Behandlungsabbruchs oder eines therapeutischen Nichtansprechens zu beachten.<\/li>\n<li><strong>Psychopharmakologische Studien<\/strong>\u00a0zu dieser speziellen\u00a0Indikation fehlen praktisch v\u00f6llig (Shalev 2009; Birur et al. 2017). Ein neurobiologisch orientierter Ansatz, der die Progression von Stadien einer akuten posttraumatischen Reaktionslage in jene eines chronischen PTBS- Verlaufs ad\u00e4quater erfasst, wird in Zukunft zu vorteilhafteren medikament\u00f6sen Interventionsstrategien auch f\u00fcr die ABS f\u00fchren (McFarlane et al. 2017). Derzeit ist aber eine Orientierung an Erfahrungen mit den diversen medikament\u00f6sen Strategien in der akuten posttraumatischen Krise wie auch an den Standards der pharmakologischen PTBS-Behandlung sinnvoll.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Anhaltende Trauerst\u00f6rung<\/strong><br \/>\nDie anhaltende Trauer kann durch eine speziell konzipierte <strong>Trauer\u00adfokussierte Psychotherapie<\/strong> wirksam behandelt werden. Zentrale Elemente dieses Ansatzes sind: Information \u00fcber das Wesen der Trauer, die Anpassung an das Verlusterlebnis und m\u00f6gliche komplizierte Auswirkungen; St\u00e4rkung der Selbstregulation; Wiederbeleben anderer sinnvoller pers\u00f6nlicher Kontakte; Aufbau von hoffnungsvollen Zielen und Ambitionen; Sondieren der sozialen Umgebung nach in der Trauer vermiedenen Situationen; Erz\u00e4hlung \u00fcber den Tod des geliebten Menschen, Tolerieren des hiermit verkn\u00fcpften seelischen Schmerzes und Beenden der Trauer; intensive Erinnerungsarbeit hinsichtlich positiver und negativer Emotionen, die mit der\/dem Verstorbenen assoziiert sind (Shear et al. 2015). Zu dieser Indikation liegen derzeit allenfalls orientierende pharmakologische Erfahrungen aus offenen Studien vor, die einen Einsatz von <strong>SSRI<\/strong> bei Trauerbezogener Depression als unter Umst\u00e4nden n\u00fctzlich diskutierten (Bui et al. 2012).<\/p>\n<p><strong>Posttraumatische Belastungsst\u00f6rung<\/strong><br \/>\nIn der <strong>psychotherapeutischen Behandlung der PTBS<\/strong> sind zahlreiche Verfahren empirisch erprobt und neue Varianten entwickelt worden (Kapfhammer 2017 a).<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Trauma\u00adfokussierte Verfahren mit Exposition, insbesondere mit prolongierter Exposition<\/strong> werden in ihrer empirisch erprobten Wirksamkeit als h\u00f6chst \u00fcberzeugend eingestuft. Sie gelten als \u201eGoldstandard\u201c in der Psychotherapie der PTBS (Schnurr 2017). In einer derzeitigen Bewertung erreichen auch <strong>kognitive Ans\u00e4tze<\/strong> ein h\u00f6chstes Evidenz-Rating (Ehring et al. 2014). Allen kognitiv-behavioralen Therapieformen liegen als zentrale Hypothesen zugrunde, dass PTBS-Patienten zu einem vorbereiteten Zeitpunkt im Behandlungsverlauf mit ihren Trauma-bezogenen Emotionen m\u00f6glichst intensiv konfrontiert werden m\u00fcssen (Hypothese des emotionalen Engagements), sich den ausgel\u00f6sten aversiven Emotionen so lange aussetzen m\u00fcssen, bis eine Abnahme der Affektintensit\u00e4t eintritt (Hypothese der Habituation), und dass bei ihnen zentrale Trauma-assoziierte Kognitionen ver\u00e4ndert werden m\u00fcssen (Hypothese der kognitiven Modifikation). Die ebenfalls aus verhaltenstherapeutischen Prinzipien abgeleiteten, aber konzeptuell heterogenen Verfahren des <strong>Angstmanagements<\/strong> bei PTBS zeigen insgesamt g\u00fcnstige Effekte, m\u00fcssen aber im Vergleich zu Exposition und kognitivem Fokus als geringer ausgepr\u00e4gt eingestuft werden (Roberts et al. 2015). Metaanalytisch ist allerdings festzuhalten, dass knapp ein Drittel der Patienten, die eine Trauma-fokussierte kognitive Verhaltenstherapie aufnehmen, vorzeitig ihre Behandlung abbrechen. Diese Drop-out-Quote liegt signifikant h\u00f6her als unter Kontrollbedingungen (Carpenter et al. 2018).<\/li>\n<li>Kontrollierte Studien zur <strong>Interpersonellen Psychotherapie<\/strong> deuten ebenfalls g\u00fcnstige Effekte bei PTBS an. Dieser konzeptuelle Ansatz legt ein sehr viel st\u00e4rkeres Gewicht auf Aspekte zwischenmenschlicher Beziehungen und sozialer Unterst\u00fctzungsm\u00f6glichkeiten und relativiert eine auf das Trauma bezogene Exposition als sine qua non f\u00fcr eine psychotherapeutische Wirksamkeit (Markowitz et al. 2015). Es werden nicht nur positive Wirkungen auf PTBSund depressive Symptome, sondern auch auf ein g\u00fcnstigeres \u00c4rger-Management und eine vorteilhaftere Beziehungsqualit\u00e4t hervorgehoben (Krupnick et al. 2008; Schaal et al. 2009). Die interpersonale Psychotherapie wird in den Pr\u00e4ferenzangaben von Patienten recht positiv bewertet (Markowitz et al. 2016). Sie kann auch bei chronischen PTBS-Verl\u00e4ufen anhaltende Effekte erzielen (Markowitz et al. 2018).<\/li>\n<li>Es liegen mittlerweile auch moderne Varianten eines kognitiv-behavioralen Ansatzes in der Behandlung der PTBS<br \/>\nvor. Eine solche konzeptuelle Fortentwicklung stellt die <strong>Skills Training in Affective and Interpersonal Regulation (STAIR) Narrative Therapy<\/strong> dar. Sie kombiniert eine Trauma-orientierte Arbeit mit einem speziellen Skills Training, das besondere Probleme in der F\u00fchrung des personalen und sozialen Alltags aufnimmt, die aus komplexeren PTBS-Verl\u00e4ufen resultieren. Mehrere kontrollierte Studien zeigen, dass Patienten, die nur schwer durch eine \u00fcbliche KVT erreicht werden, von der\u00a0STAIR-Narrativen-Therapie profitieren k\u00f6nnen (Cloitre &amp; Schmidt 2015). Zu diesen neueren Ans\u00e4tzen z\u00e4hlt ferner die <strong>Narrative Expositionstherapie<\/strong>. Sie setzt einen expliziten Fokus auf die besondere Struktur des traumatischen Ged\u00e4chtnisses. Sie zielt auf eine Angleichung traumatischer Erinnerungen mit dem \u00fcbrigen autobiografischen Ged\u00e4chtnis und versucht so, wieder eine sichere personale Identit\u00e4t nach einem Trauma zu erreichen. Mehrere kontrollierte Studien liegen mittlerweile vor. Sie best\u00e4tigen eine hohe Effizienz und gute klinische Umsetzbarkeit in unterschiedlichen, auch sehr schwierigen Traumakontexten (Elbert et al. 2015). Klinisch \u00fcberzeugende Resultate erbrachte auch die <strong>Dialogische Expositionstherapie (DET)<\/strong>, die einerseits traditionelle KVT-Elemente mit Methoden der interpersonalen Gestalttherapie verkn\u00fcpft (Butollo et al. 2014).<\/li>\n<li>Als weitere Variante eines kognitiven Expositionsverfahrens k\u00f6nnte auch das <strong>EMDR\u00adVerfahren<\/strong> (Augenbewegungsdesensibilisierung und Verarbeitung) angesehen werden. Hierbei werden Patienten aufgefordert, sich eine Szene des urspr\u00fcnglichen Traumas bildlich vorzustellen. Der innere Imaginationsvorgang wird von sakkadischen Augenbewegungen begleitet, die durch eine schnelle Fingerbewegung des Therapeuten ausgel\u00f6st werden. Patient und Therapeut fokussieren bei diesem Vorgehen auf aktivierte Trauma-bezogene Kognitionen und Emotionen. Die Sequenz wird so lange beibehalten, bis die Angst deutlich abnimmt. Dann wird der Patient motiviert, einen positiven Gedanken mit der traumatischen Szene zu verkn\u00fcpfen, w\u00e4hrend sakkadische Augenbewegungen fortgef\u00fchrt werden. Wichtige f\u00f6rderliche Prozesselemente sind der vermittelte positive Hoffnungshorizont, die gro\u00dfe pers\u00f6nliche Kontrolle des Patienten \u00fcber das Ausma\u00df der Mitteilung \u00fcber das Trauma, der hohe Strukturierungsgrad bez\u00fcglich konfrontativer und kognitiver Elemente, die gewahrte pers\u00f6nliche Sicherheitsdistanz sowie das aktive Handlungsmuster des Therapeuten. In RCTs ist f\u00fcr die EMDR-Methode bei unterschiedlichen PTBS-Patientengruppen eine hohe Wirksamkeit nachgewiesen (Shapiro &amp; Laliotis 2015; Sebastian &amp; Nelms 2017).<\/li>\n<li><strong>Psychodynamische Kurzzeittherapien<\/strong>\u00a0nach dem Behandlungsmodell von Horowitz, das den therapeutischen Hauptfokus auf die L\u00f6sung von intrapsychischen Konflikten legt, die aus der traumatischen Erfahrung herr\u00fchren und sich wesentlich in der Ausgestaltung der Verleugnungsund Intrusionsphasen zeigen, f\u00fchren bei einer Gruppe von PTBS-Patienten zu g\u00fcnstigen Ergebnissen. Im Vergleich zu Ans\u00e4tze der KVT werden die Effektst\u00e4rken allgemein als niedriger eingestuft (Watts et al. 2013). Direkte klinische Vergleichsstudien legen aber eine bemerkenswerte \u00c4quivalenz in der Wirksamkeit nahe (Levi et al. 2016; Steinert et al. 2017).<\/li>\n<li>Die <strong>Imagery\u00adRehearsal\u00adTherapie<\/strong>\u00a0stellt eine Syndromorientierte Behandlungsform dar und zielt speziell auf die Modifikation von PTBS-assoziierten Albtr\u00e4umen. Einleitend werden diese Albtr\u00e4ume den Patienten als kontrollierbar erl\u00e4utert und als ein normalpsychologisches Ph\u00e4nomen bewertet. Nach der Wahl eines typischen Albtraums soll der Trauminhalt m\u00f6glichst exakt protokolliert werden. Dieser Traumtext kann dann anschlie\u00dfend nach Belieben in einem positiven Sinne abge\u00e4ndert werden. Dieses neue Traumnarrativ wird \u00fcber eine Woche lang 5 bis 20 Minuten t\u00e4glich mit m\u00f6glichst intensiver bildhafter\u00a0Veranschaulichung durchge\u00fcbt. Die IRT erwies sich in mehreren RCTs als hoch wirksam (Seda et al. 2015).<\/li>\n<li><strong>Mindfulness- und Achtsamkeits\u00adbasierte Therapieverfahren<\/strong> haben mittlerweile einen beachtenswerten Stellenwert auch bei der Behandlung der PTBS erlangt. Es kommen hierbei zahlreiche Elemente u.a. aus Meditation, mentaler und k\u00f6rperlicher Entspannung sowie Aufmerksamkeitsschulung zum Einsatz. In Unterscheidung zu einem expliziten Trauma-Fokus in den meisten anderen PTBS-Psychotherapien liegt der Schwerpunkt auf einer offenen Aufmerksamkeit und einer nicht bewertenden kognitiven Einstellung gegen\u00fcber der mentalen und leiblichen Gesamtheit des erlebbaren Jetzt-Zustands. Vorliegende Studien belegen eine erstaunliche Wirksamkeit auch bei chronischen PTBS-Verl\u00e4ufen (Boyd et al. 2017).<\/li>\n<\/ul>\n<p>In einer <strong>allgemeinen empirischen Effizienzbewertung der einzelnen psychotherapeutischen Verfahren bei der PTBS<\/strong> ist den Trauma-fokussierten kognitiv-behavioralen Verfahren wie auch dem EMDR vermutlich die h\u00f6chste Effizienz zuzusprechen. In einer klinischen Perspektive muss aber beachtet werden, dass ein bedeutsamer Prozentsatz der Patienten nach Beendigung der Therapie immer noch z.T. betr\u00e4chtliche Residualsymptome aufweist. Nicht selten sind die diagnostischen Kriterien einer PTBS nach wie vor erf\u00fcllt. Eine kritische Analyse der in den Studien aufgef\u00fchrten Ausschlusskriterien belegt, dass Patienten mit psychiatrischen und somatischen Komorbidit\u00e4ten h\u00e4ufig ausgeschlossen waren. Die berichteten Therapieergebnisse d\u00fcrfen also nicht so ohne Weiteres auf durchschnittliche Versorgungsbedingungen generalisiert werden.<\/p>\n<p>Vermutlich bedeutsame Modifikationen m\u00fcssen f\u00fcr milit\u00e4risches Personal nach traumatisierenden Kriegserfahrungen und PTBS (Foa et al. 2018; Pearce et al. 2018) sowie f\u00fcr Patienten mit komplexen PTBS-Verl\u00e4ufen vorgenommen werden (Cloitre 2015; de Jongh et al. 2016). Behandlungs-resistente F\u00e4lle von PTBS werden als spezielle Herausforderung wahrgenommen. Versorgungsrelevante Fortentwicklungen liegen prinzipiell vor, m\u00fcssen jedoch in den diversen Versorgungskontexten noch weiter empirisch \u00fcberpr\u00fcft werden (Schnyder &amp; Cloitre 2015; Dixon et al. 2016). In der <strong>psychopharmakologischen Behandlung<\/strong>\u00a0von PTBS\u00a0sind bisher fast alle traditionellen Substanzklassen, aber auch zahlreiche experimentelle Pharmaka auf ihre potenzielle Wirksamkeit untersucht worden. Generell ist bei der Bewertung von kontrollierten Studien zu beachten, dass ein deutlich niedrigeres Effizienzkriterium als vergleichsweise in Studien zur Behandlung von depressiven St\u00f6rungen zugrunde liegt, d.h., eine Therapie-Response wird sehr h\u00e4ufig bereits bei einer Reduktion der PTBS-Symptome um 30 Prozent angenommen (Kapfhammer 2017 a).<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Serotonerg wirksame Antidepressiva<\/strong>, speziell die <strong>SSRI<\/strong>,\u00a0aber auch <strong>SNRI<\/strong> wie Venlafaxin und Duloxetin z\u00e4hlen zu den empirisch am besten und umfangreichsten untersuchten Substanzen in der Behandlung von ABS\/PTBS. RCTs belegen eine Reduktion der Werte in den zentralen\u00a0PTBS-Symptomclustern. Die ermittelten Effektst\u00e4rken sind allerdings mit ES=0,23 sehr bescheiden, die Anzahl der<br \/>\nNon-Responder ist relativ hoch, nur wenige Patienten erreichen eine Remission, bedeutsame Nebenwirkungen sind zu beachten (Hoskins et al. 2015).<\/li>\n<li>Die meisten der bei der PTBS als <strong>Moodstabilizer<\/strong>\u00a0untersuchten Antikonvulsiva (Carbamazepin, Oxcarbazepin, Valproat, Lamotrigin, Gabapentin, Topiramat, Tiagabin, Phenytoin) zeigten in offenen Studien durchaus ermutigende Effekte, die aber in RCTs mehrheitlich nicht best\u00e4tigt wurden. Es zeichneten sich allenfalls bescheidene Wirkungen auf die Kernsymptome der PTBS ab (Wang et al. 2014). Es existiert bis jetzt kein empirischer Beleg f\u00fcr einen Antikindling-Effekt. Empirisch bleibt offen, ob Moodstabilizer spezielle, im Verlauf einer PTBS h\u00e4ufige auftretende Symptome wie \u00c4rger, Aggressivit\u00e4t und gest\u00f6rte Impulskontrolle g\u00fcnstig modulieren. Positive Effekte werden f\u00fcr Topiramat bei PTBS und komorbider Substanzgebrauchsst\u00f6rung diskutiert. Derzeit scheint eine Behandlungsoption f\u00fcr Moodstabilizer in erster Linie als Add-on bei SSRIs\/SNRIs angezeigt zu sein (Thomas &amp; Stein 2017).<\/li>\n<li><strong>Atypische Antipsychotika<\/strong>\u00a0k\u00f6nnen als Monotherapie\u00a0oder aber als Add-on-Gabe beispielsweise zu den SSRI verabreicht werden. Positive Effekte auf Aggressivit\u00e4t, negative Affektivit\u00e4t, Intrusionen und Schlafst\u00f6rungen wurden in kontrollierten Studien nachgewiesen. Die Gesamteinsch\u00e4tzung ist derzeit aber nach wie vor zur\u00fcckhaltend (Davidson 2016).<\/li>\n<li><strong>Benzodiazepine<\/strong>\u00a0sind nicht imstande, die Kernsymptome einer ABS\/PTBS zu bessern. Alprazolam ist diesbez\u00fcglich m\u00f6glicherweise eine Ausnahme (Lee et al. 2013). Ein Einsatz von Benzodiazepinen sollte allenfalls als Kurzzeitintervention erwogen werden (Bernardy &amp; Friedman 2015).<\/li>\n<li>Der Einsatz der <strong>Opiatantagonisten Naloxon\/Naltrexon<\/strong>\u00a0kann nach einer schwerwiegenden Traumatisierung und konsekutiver Entwicklung einer ABS\/PTBS Opiatentzugssymptome provozieren. Andererseits kommt Opiatantagonisten bei prolongierten dissoziativen Zust\u00e4nden einer Depersonalisation im Rahmen eines chronischen PTBS-Verlaufs m\u00f6glicherweise eine Indikation zu, wobei empirische Erfahrungen bisher nur Syndromorientiert gesammelt und \u00fcberpr\u00fcft worden sind (Kapfhammer 2017 b). Eine allgemeine Bewertung f\u00fcr den Versorgungsalltag ist offen zu halten. Ein m\u00f6glicher vorteilhafter Einsatz bei Patienten mit PTBS und komorbider Alkoholabh\u00e4ngigkeit wird durch ein rezentes RCT gest\u00fctzt (Zang et al. 2017).<\/li>\n<\/ul>\n<p>In einer <strong>allgemeinen empirischen Effizienzbewertung\u00a0der diversen pharmakologischen Strategien bei der PTBS<\/strong> sprechen systematische Reviews und Metaanalysen den SSRI den Status von Medikamenten der ersten Wahl zu. Es liegen g\u00fcnstige Daten sowohl f\u00fcr die Akutals auch f\u00fcr die Erhaltungstherapie vor. Gegen\u00fcber den Trizyklika besitzen sie ein deutlich breiteres therapeutisches Wirkspektrum. Gegen\u00fcber den MAO-Hemmern zeichnen sie sich vor allem durch ein g\u00fcnstigeres Nebenwirkungsspektrum aus. SSRI k\u00f6nnen die PTBS-Kernsymptome signifikant reduzieren und die h\u00e4ufig assoziierten Angstund depressiven St\u00f6rungen bessern. Die Effektst\u00e4rken m\u00fcssen insgesamt aber als recht bescheiden beurteilt werden. In einer Langzeitperspektive ist ein symptomsuppressiver Effekt hervorzuheben, nach Absetzen der Medikation besteht weiterhin ein hohes R\u00fcckfallrisiko.<\/p>\n<p>Den SSRI in der Wertigkeit nachgeordnet sind aufgrund der knapperen empirischen Datenlage die SSNRI, Mirtazapin und auch Trazodon als Mittel der zweiten Wahl. Atypische Antipsychotika (Olanzapin, Risperidon) zeigen ein g\u00fcnstiges Wirkprofil bei einigen PTBS-Symptomen, das aber noch weiter untersucht werden muss. Zusammen mit den Mood-Stabilisatoren werden sie derzeit vorrangig in Addon-Strategien eingesetzt. Benzodiazepine sollten nur sehr gezielt und jedenfalls nur kurzfristig verabreicht werden. Die medikament\u00f6se Behandlung posttraumatischer Syndrome verlangt prinzipiell eine Langzeitperspektive. Sie ist bei der akuten PTBS auf sechs bis zw\u00f6lf Monate anzusetzen. Bei chronischen PTBS-Verl\u00e4ufen ist meist eine sehr viel l\u00e4ngere Pharmakotherapie notwendig. F\u00fcr pharmakologische Kombinationstherapien k\u00f6nnen zwar theoretische Argumente gefunden werden, mehrheitlich fehlt aber hierf\u00fcr eine empirische Datenbasis. Das Problem der Therapieresistenz wird auch in einer psychopharmakologischen Perspektive gut erkannt. Die Suche nach neuen medikament\u00f6sen Wirkprinzipien ist intensiv. Sie bed\u00fcrfen aber noch einer empirischen \u00dcberpr\u00fcfung der prinzipiellen Wirksamkeit und auch der N\u00fctzlichkeit in den diversen Versorgungskontexten (Kapfhammer 2017 a).<\/p>\n<p>Bei der kritischen Beurteilung pharmakologischer Therapieoptionen bestehen \u00e4hnliche Vorbehalte, wie sie auch bei den psychotherapeutischen Ans\u00e4tzen bestehen. Diese betreffen die oft nur bescheidenen Therapieeffekte in den empirischen Studien, die weitgehende Vernachl\u00e4ssigung von psychiatrischen und somatischen Komorbidit\u00e4ten, die geringe Anzahl von Langzeitstudien, fehlende kontrollierte Untersuchungen zu den Themen der Therapieresistenz einerseits, zur Kombination von Psychotherapie und Pharmakotherapie andererseits (Bernardy &amp; Friedman 2015; Kapfhammer 2017 a).<\/p>\n<p>In j\u00fcngster Vergangenheit wurden mehrere <strong>experimentelle Substanzen<\/strong> unter der Indikation von ABS und PTBS untersucht (Friedman &amp; Bernardy 2017; Thomas &amp; Stein 2017):<\/p>\n<ul>\n<li>Der Einsatz von niedrigdosiertem <strong>Hydrokortison<\/strong> k\u00f6nnte f\u00fcr selektive Indikationen (z.B. stark ausgepr\u00e4gte intrusive Symptome) eine Option in der medikament\u00f6sen Akuttherapie oder in der Kombination mit Expositionsverfahren sein (Yehuda et al. 2015).<\/li>\n<li>F\u00fcr den \u03b11-Antagonisten <strong>Prazosin<\/strong>\u00a0liegt ein hoher Evidenzgrad in der Behandlung Trauma-assoziierter Schlafund Traumst\u00f6rungen vor (De Berardis et al. 2015).<\/li>\n<li>Der GABA-B-Agonist <strong>Baclofen<\/strong>\u00a0ist m\u00f6glicherweise eine\u00a0interessante Behandlungsoption vor allem in einer Addon-Gabe zu SSRI (Manteghi et al. 2014).<\/li>\n<li>Positive Ergebnisse bei PTBS-assoziierten psychophysiologischen Symptomen existieren f\u00fcr <strong>Omega\u00ad3 mehrfach unges\u00e4ttigte Fetts\u00e4uren (PUFA)<\/strong> (Matsumura et al. 2016).<\/li>\n<li>Der glutamaterge NMDA-Antagonist <strong>D\u00adCycloserin<\/strong>\u00a0konnte in der Behandlung verschiedener Angstst\u00f6rungen als wirksamer Verst\u00e4rker von Expositionsverfahren nachgewiesen werden. RCTs bei PTBS-Patienten haben bisher noch keine klaren Ergebnisse erbracht. Das Potenzial wird aber insgesamt als weiter erprobungswert\u00a0eingestuft (Mataix-Cols et al. 2017).<\/li>\n<li><strong>Ketamin<\/strong> konnte in einem als Proof-of-concept durchgef\u00fchrten RCT PTBS-Symptome rasch und wirksam reduzieren (Feder et al. 2014). In einer theoretischen Perspektive wird Ketamin vor allem im Hinblick auf die Modifikation von Defiziten einer synaptischen Konnektivit\u00e4t bei chronischen PTBS-Verl\u00e4ufen untersucht (Krystal et al. 2017).<\/li>\n<li>Selektive <strong>Cannabinoide<\/strong>\u00a0in der Behandlung der PTBS\u00a0werden nach positiven Einzelfallstudien unter Beachtung der vorliegenden neurobiologischen Befunde zum Endocannabinoid-System als eine weitere pharmakologische Variante diskutiert (Hill et al. 2018).<\/li>\n<li>In letzter Zeit haben Studien zur Augmentation von Trauma-Psychotherapien wie prolongierte Expositionsverfahren mittels <strong>Psychedelika<\/strong> wie insbesondere <strong>MDMA<\/strong> (3,4-Methylendioxymeth-Amphetamin) zu aufregenden ersten Ergebnissen gef\u00fchrt (Amoroso et al. 2016; Fattore et al. 2018). Angesichts des hohen Abh\u00e4ngigkeitsrisikos dieser Substanzen sind jedoch bedeutsame Bedenken gegen\u00fcber einer unkontrollierten Experimentierhaltung anzumelden.<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Schlussbemerkung<\/h2>\n<p>Epidemiologische Studien belegen, dass selbst nach schwerwiegenden Traumatisierungen das konditionale Risiko f\u00fcr eine PTBS sehr unterschiedlich ist. Eine bedeutsame Subgruppe von betroffenen Personen setzt ihren traumatischen Erlebnissen eine erstaunliche Widerstandskraft entgegen, kann sich gut erholen und entwickelt mehrheitlich auch keine psychopathologischen und psychosomatischen Langzeitfolgen (Litz 2014). Diese unter dem Konzept der <strong>Resilienz<\/strong>\u00a0zusammengefassten Beobachtungen haben mittlerweile intensive Forschungsbestrebungen initiiert und bereits zu bedeutsamen psychologischen, psychosozialen und neurobiologischen Erkenntnissen gef\u00fchrt (Southwick &amp; Charney 2012). Diese Befunde aus der Resilienz-Forschung, ebenso wie jene zum Thema des posttraumatischen Wachstums werden k\u00fcnftig die Behandlungspraxis f\u00fcr Personen nach Traumata und mit Trauma-Folgest\u00f6rungen bereichern, m\u00f6glicherweise auch entscheidend ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p><em>\u00c4rztlicher Fortbildungsanbieter: Klinische Abteilung f\u00fcr Allgemeine Psychiatrie, Universit\u00e4tsklinik f\u00fcr Psychiatrie und Psychotherapie, Wien<\/em><\/p>\n<p><em>Lecture Board: Univ.-Prof. Dr. Angela Naderi-Heiden, Univ.-Prof. Dr. Matth\u00e4us Willeit<\/em><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-2719 size-full\" title=\"Foto: Archiv\" src=\"http:\/\/dizign-projekte.at\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/Kapfhammer.jpg\" alt=\"Foto: Archiv\" width=\"123\" height=\"123\" \/><\/p>\n<p><em><strong>Univ.-Prof. Dr. Dr. Hans-Peter Kapfhammer <\/strong><br \/>\n<\/em><em>Universit\u00e4tsklinik f\u00fcr Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin, LKH-Universit\u00e4tsklinikum Graz E-Mail: Hans-peter.kapfhammer@klinikum-graz.at <\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Literatur beim Autor<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine bedeutsame Grundrate an zivilen wie famili\u00e4ren Gewalterfahrungen hat zunehmend auch westliche Gesellschaften f\u00fcr traumatische Erfahrungen und Trauma-Folgest\u00f6rungen sensibilisiert. 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