{"id":2754,"date":"2018-05-24T18:44:05","date_gmt":"2018-05-24T16:44:05","guid":{"rendered":"http:\/\/dizign-projekte.at\/?p=2754"},"modified":"2018-05-24T18:44:05","modified_gmt":"2018-05-24T16:44:05","slug":"wir-sind-lobbyisten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/oegpb.at\/?p=2754","title":{"rendered":"\u201eWir sind Lobbyisten\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>Warum genau ver\u00e4ndern dopaminerge Neurone ihre Funktion und f\u00fchren damit zu Parkinson und anderen Bewegungsst\u00f6rungen? Die Antworten darauf sind der Schl\u00fcssel zu Fr\u00fcherkennung und zum Verlangsamen \u2013 vielleicht sogar zum Stoppen \u2013 des Krankheitsverlaufes, betont die Vizepr\u00e4sidentin der \u00d6sterreichischen Parkinson-Gesellschaft, Priv.-Doz. Dr. Sylvia Boesch, MSc. (CliniCum neuropsy 2\/18)<\/strong><\/p>\n<p><strong><em>CliniCum neuropsy: Warum haben Sie sich als Neurologin gerade auf Morbus Parkinson und Bewegungsst\u00f6rungen spezialisiert?<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong>Boesch: <\/strong>Bereits w\u00e4hrend des Medizinstudiums stand f\u00fcr mich der Weg in die Neurologie fest: Sie ist f\u00fcr mich das Fach der Wahl, vor allem wegen der faszinierenden Besch\u00e4ftigung mit dem menschlichen Gehirn. Daneben habe ich mich seit meiner Jugend und auch durch die eigene Sportaus\u00fcbung sehr f\u00fcr Bewegungen interessiert: Wie werden Bewegungsabl\u00e4ufe generiert, und worin bestehen Ursachen von Bewegungsst\u00f6rungen? Durch die Auseinandersetzung mit diesen Themen \u2013 auch im Rahmen meiner Dissertation \u2013 ist f\u00fcr mich die Liebe zu diesem Spezialgebiet entstanden. Eine gute Beziehung zu meinem Fach sehe ich \u00fcbrigens als eine wichtige Voraussetzung zur Bew\u00e4ltigung der komplexen Anforderungen im klinischen Alltag.<\/p>\n<p><strong><em>Welche Aufgabe hat eine Fachgesellschaft wie die \u00d6PG im Hinblick auf die klinischen Anforderungen in puncto Diagnose und Therapie?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Auf praktischer Ebene geh\u00f6rt das Erstellen von Leitlinien f\u00fcr Diagnose und Therapie zu wichtigen Aufgaben einer medizinischen Fachgesellschaft. Als Expertengremium setzen wir uns etwa damit auseinander, welche Behandlungsform in welcher Phase der Parkinson- Krankheit dem State of the Art entspricht. Dar\u00fcber hinaus haben wir besonderes Interesse daran, die wissenschaftliche Erforschung des Parkinson-Syndroms voranzutreiben; M\u00f6glichkeiten dazu bestehen etwa in einem Engagement der Gesellschaft in klinischen Therapiestudien oder durch die Anbindung an internationale Studien im Bereich Fr\u00fcherkennung. Dar\u00fcber hinaus geh\u00f6rt es zu den Aufgaben einer Fachgesellschaft, f\u00fcr die Wissensvermittlung auf ihrem Gebiet zu sorgen.<\/p>\n<p><em><strong>Stichwort Fr\u00fchdiagnose und Therapie: welche hei\u00dfen Spuren werden aktuell verfolgt?<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Wir kennen bereits verschiedene Marker und Fr\u00fchsymptome, die mit einem h\u00f6heren Risiko f\u00fcr eine Parkinson-Krankheit einhergehen. Dazu geh\u00f6ren eine schlechte Geruchswahrnehmung in Kombination mit einer Schlafverhaltensst\u00f6rung und charakteristischen Ultraschallver\u00e4nderungen im Hirnstamm. Wir wissen zudem, dass die f\u00fcr das Parkinson-Syndrom verantwortliche Fehlfunktion dopaminerger Neurone unterschiedliche Ursachen haben: Diese sind neben noch unbekannten Faktoren etwa genetische Ver\u00e4nderungen, Stoffwechselst\u00f6rungen oder Risikofaktoren, die eine erh\u00f6hte Vulnerabilit\u00e4t gegen\u00fcber Umweltfaktoren bedeuten. Jetzt gilt es herauszufinden, ob und welche Konsequenzen diese verschiedenen Ursachen f\u00fcr die weitere Behandlung haben.<\/p>\n<p>Aktuell werden Risikomarker definiert, die zu einer Stratifizierung von Patientengruppen beitragen k\u00f6nnen. Das k\u00f6nnte bedeuten, bei einer Untergruppe von Patienten bestimmte Stoffwechselprodukte zu ersetzten und bei einer anderen m\u00f6glichst direkt an den genetischen Ursachen anzusetzen. Wir k\u00f6nnen heute bei unseren Patienten den Dopaminmangel sehr gut ausgleichen, allerdings nicht auf lange Zeit und in einer Form, die der physiologischen Aussch\u00fcttung von Dopamin gleicht. Wenn es gelingt, Medikamente zu entwickeln, die noch n\u00e4her an der Ursache der Parkinson-Erkrankung anbinden, werden wir den Krankheitsfortschritt eher verlangsamen und eines Tages vielleicht sogar komplett stoppen k\u00f6nnen \u2013 und damit eine Heilung erreichen. Das w\u00e4re nat\u00fcrlich das Sch\u00f6nste!<\/p>\n<p><strong><em>Im Leitbild der \u00d6PG ist neben dem Ziel der besseren medizinischen Versorgung auch die psychosoziale Unterst\u00fctzung von Patienten festgehalten. Wie genau wollen Sie dazu beitragen?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Wir sehen die Anbindung an die psychosoziale Ebene nicht nur im individuellen Arzt-Patienten-Verh\u00e4ltnis als Kernthema an, sondern auch eine Ebene h\u00f6her, wenn es um die \u00e4rztliche Vertretung der Parkinson-Patienten auf nationaler Ebene geht. Wir k\u00f6nnen gewisserma\u00dfen Lobbyisten sein und sehen uns als Mittler zwischen Betroffenen bzw. Selbsthilfegruppen und Entscheidungstr\u00e4gern im Gesundheitswesen, wie z.B. Sozialversicherungstr\u00e4gern, aber auch zu anderen Fachgesellschaften wie der \u00d6GN. Schlie\u00dflich geht es auch darum, den verschiedenen Zielgruppen die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse rund um Parkinson und assoziierte Bewegungsst\u00f6rungen n\u00e4her zu bringen. Dies geschieht etwa durch Vortr\u00e4ge unserer Mitglieder bei Selbsthilfegruppen oder eine Zusammenarbeit mit Landes- und Universit\u00e4tskliniken.<\/p>\n<p><strong><em>Immer \u00f6fter stehen Neurologinnen an der Spitze von Fachgesellschaften. So wurden und werden in j\u00fcngster Zeit etwa die \u00d6GN oder die \u00d6sterreichische Epilepsiegesellschaft von \u00c4rztinnen geleitet. Wie sehen Sie diese Entwicklung?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Ich denke, dies bildet das langj\u00e4hrige Engagement von Frauen in der neurologischen Klinik und Forschung ab. Wir bringen nicht nur das Fachwissen, sondern zuletzt auch das n\u00f6tige Selbstbewusstsein mit, um F\u00fchrungsrollen in unserem Bereich anzunehmen und auszuf\u00fcllen \u2013 und ich denke, wir Frauen k\u00f6nnen das sehr gut.<\/p>\n<p><em><strong>Worin genau bestehen Ihre aktuellen Aufgaben in der \u00d6PG?<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Als Vizepr\u00e4sidentin und zugleich \u201ePr\u00e4sidentin elect\u201c hei\u00dft es f\u00fcr mich, in meine Pr\u00e4sidentschaft hineinzuwachsen. Gemeinsam mit den anderen Vorstandsmitgliedern setzte ich mich f\u00fcr die Wahrnehmung von Patienten mit Parkinson und anderen Bewegungsst\u00f6rungen in der \u00d6ffentlichkeit ein, genauso wie f\u00fcr die F\u00f6rderung von Wissenschaft und Forschung auf unserem Gebiet. Ganz konkret planen wir z.B., Doktoratsstudenten zu unterst\u00fctzen, die sich mit gezielten Forschungsfragen auf dem Gebiet von Parkinson auseinandersetzen. Genauso erm\u00f6glichen wir jungen Kolleginnen und Kollegen die Teilnahme an internationalen Kongressen. Auch mit der Organisation bzw. Mitorganisation von wissenschaftlichen Tagungen f\u00f6rdern wir den Wissenstransfer unter Neurologen in der Klinik und im niedergelassenen Bereich. Nicht zuletzt tragen wir mit einer Patienten-Datenbank dazu bei, die Datenlage als Grundlage f\u00fcr viele wissenschaftliche Arbeiten zu verbessern.<\/p>\n<p><strong>Vielen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch!<\/strong><\/p>\n<p><em>Priv.-Doz. Dr. Sylvia Boesch, MSc, ist Ober\u00e4rztin an der Universit\u00e4tsklinik f\u00fcr Neurologie in Innsbruck, wo sie u.a. in der Spezialsprechstunde Bewegungsst\u00f6rungen arbeitet. Als derzeitige Vizepr\u00e4sidentin der \u00d6sterreichischen Parkinsongesellschaft \u2013 Gesellschaft zur Erforschung des Parkinsonsyndroms und anderer extrapyramidaler Bewegungsst\u00f6rungen wird Boesch ab Herbst 2018 f\u00fcr zwei Jahre die Pr\u00e4sidentschaft \u00fcbernehmen. <a href=\"http:\/\/www.parkinson.at\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.parkinson.at<\/a> <\/em><\/p>\n<p>Das Gespr\u00e4ch f\u00fchrte Mag. Christina Lechner<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum genau ver\u00e4ndern dopaminerge Neurone ihre Funktion und f\u00fchren damit zu Parkinson und anderen Bewegungsst\u00f6rungen? Die Antworten darauf sind der Schl\u00fcssel zu Fr\u00fcherkennung und zum Verlangsamen \u2013 vielleicht sogar zum Stoppen \u2013 des Krankheitsverlaufes, betont die Vizepr\u00e4sidentin der \u00d6sterreichischen Parkinson-Gesellschaft, Priv.-Doz. Dr. Sylvia Boesch, MSc. 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