{"id":2818,"date":"2018-07-23T14:14:57","date_gmt":"2018-07-23T12:14:57","guid":{"rendered":"http:\/\/dizign-projekte.at\/?p=2818"},"modified":"2018-07-23T14:14:57","modified_gmt":"2018-07-23T12:14:57","slug":"fertilitaet-und-schwangerschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/oegpb.at\/?p=2818","title":{"rendered":"Fertilit\u00e4t und Schwangerschaft"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Erf\u00fcllung des Wunsches nach Kindern und Familienleben ist f\u00fcr die meisten Menschen ein sehr intensives Bed\u00fcrfnis in der Lebensplanung. Deshalb werden Fragen im Zusammenhang mit Zeugung von Kindern und Schwangerschaft nat\u00fcrlich auch h\u00e4ufig von MS-Betroffenen angesprochen, und entsprechende Informationen sind oft Inhalt von Beratungsgespr\u00e4chen. Da die Behandlung und Betreuung von Menschen mit MS erm\u00f6glichen soll, dass auch mit der Krankheit ein m\u00f6glichst erf\u00fclltes, gl\u00fcckliches Leben gef\u00fchrt werden kann und die gew\u00fcnschte Lebensf\u00fchrung durch die MS wenig beeintr\u00e4chtigt wird, ist diesen Fragen auch entsprechend gro\u00dfe Bedeutung zuzuordnen. (CliniCum neuropsy 3\/18)\u00a0 <\/strong><\/p>\n<p>Multiple Sklerose (MS) ist eine h\u00e4ufige Erkrankung und betrifft vorwiegend j\u00fcngere Erwachsene. Das Erstauftreten liegt zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr. Betroffen von der Erkrankung sind M\u00e4nner und Frauen, wobei der Anteil der Frauen h\u00f6her ist und offenbar auch noch weiter ansteigt. So berichten Studien aus Kanada einen Anstieg des Frauenanteils bei MS von 1,9 auf 3,2 \u00fcber 50 Jahre (Orton SM et al., 2006). Auch in einer franz\u00f6sischen Studie wird insgesamt eine Zunahme der H\u00e4ufigkeit von MS berichtet, wobei die Zahlen der betroffenen M\u00e4nner stagnieren, die der betroffenen Frauen aber h\u00f6her werden (Debouverie M et al., 2007). Die genauen Ursachen f\u00fcr diese Ver\u00e4nderungen, die in weiteren Studien bis auf wenige Ausnahmen Best\u00e4tigung fanden, sind derzeit nicht bekannt. Zumindest teilweise d\u00fcrften Interaktionen zwischen genetischen und Umweltfaktoren zugrunde liegen (Chao MJ RS et al., 2011).<\/p>\n<h2>Fertilit\u00e4t und Empf\u00e4ngnisverh\u00fctung<\/h2>\n<p>Weder f\u00fcr M\u00e4nner noch f\u00fcr Frauen mit MS ist ein Einfluss auf die Fertilit\u00e4t durch die Erkrankung gegeben. Ein Kind zu empfangen oder zu zeugen kann durch MS bei sexueller Dysfunktion oder fortgeschrittener Behinderung allerdings erschwert sein. Besteht der Wunsch zur Verh\u00fctung, so ist das f\u00fcr MS-Patientinnen in gleicher Weise wie f\u00fcr gesunde Frauen m\u00f6glich. Eine Verschlechterung von MS durch Gabe von Hormonpr\u00e4paraten ist nicht belegt, es wurde teilweise sogar ein g\u00fcnstiger Einfluss von Hormonen auf die Erkrankung diskutiert und in einzelnen kleineren Studien auch untersucht. Die Nebenwirkungen der Hormontherapien entsprechen auch bei MS-Betroffenen denen, die bei sonst gesunden Personen beobachtet werden, wie Gerinnungsst\u00f6rungen und ein eventuell leicht erh\u00f6htes Risiko f\u00fcr Schlaganf\u00e4lle oder Thrombosen, besonders in Zusammenhang mit entsprechender genetischer Disposition oder anderen Risikofaktoren wie z.B. Rauchen. Diese Risiken entsprechen denen der Durchschnittsbev\u00f6lkerung und werden durch MS nicht weiter erh\u00f6ht. K\u00fcnstliche Befruchtung wurde allerdings teilweise mit einer h\u00f6heren Krankheitsaktivit\u00e4t in den ersten drei Monaten nach versuchter In-vitro-Fertilisation (IVF) verkn\u00fcpft. Die Ursache daf\u00fcr d\u00fcrfte einerseits im Versagen der IVF und andererseits im Einsatz von \u201eGonadotropin releasing hormone\u201c liegen (Michel L et al., 2012).<\/p>\n<h2>Fragen zur Vererbbarkeit von MS<\/h2>\n<p>MS ist keine Erbkrankheit und wird nicht von einem Elternteil auf dessen Kinder \u00fcbertragen. Trotzdem existieren famili\u00e4re H\u00e4ufungen mit einer Pr\u00e4valenz von etwa f\u00fcnf bis zehn Prozent. Diese Tatsache wird durch eine genetische Disposition verursacht, wobei vermutlich unterschiedliche Gene bzw. Genregionen komplex miteinander und mit Umweltfaktoren interagieren d\u00fcrften. Das Risiko, MS zu entwickeln, liegt in der Allgemeinbev\u00f6lkerung bei etwa 0,2 Prozent; wenn ein Elternteil an MS erkrankt ist, steigt dieses Risiko auf etwa drei bis f\u00fcnf Prozent. Eine verl\u00e4ssliche individuelle Prognose f\u00fcr diese Risikoerh\u00f6hung ist allerdings bisher nicht m\u00f6glich. Jedenfalls gilt, dass dieses Risiko steigt, je enger das Verwandtschaftsverh\u00e4ltnis ist. F\u00fcr eineiige Zwillinge ist das Risiko am h\u00f6chsten und liegt zwischen 15 und 20 Prozent, bei anderen Verwandtschaftsgraden besteht nur geringes Risiko (Westerlind H et al., 2014). In einer Metaanalyse von MS-Zwillingsstudien wird angenommen, dass die Ursache des Auftretens nur zu 50 Prozent in der genetischen Situation liegt. Gemeinsame Umweltfaktoren bedingen mit 21 Prozent ein m\u00f6gliches weiteres Risiko, zu 29 Prozent werden aber individuelle Umweltfaktoren angenommen (Fagnani C et al., 2015). Dass MS eventuell von M\u00e4nnern h\u00e4ufiger an ihre Kinder weitergegeben wird als von Frauen, wird in einzelnen Studien angenommen (Kantarci OH et al., 2006).<\/p>\n<h2>Schwangerschaft und Geburtsverlauf<\/h2>\n<p>Die prinzipielle Frage, ob eine Schwangerschaft f\u00fcr Frauen mit MS m\u00f6glich und vertretbar ist, kann man klar mit Ja beantworten. Es besteht durch MS kein zus\u00e4tzliches Risiko, weder f\u00fcr die Mutter noch f\u00fcr das ungeborene Kind. Der Verlauf von Schwangerschaften mit MS wurde in einer europ\u00e4ischen Studie (PRIMS) untersucht (Confavreux C et al., 1998). In dieser Studie wurden 254 Patientinnen mit 269 Schwangerschaften beobachtet. Es konnte dabei gezeigt werden, dass der Verlauf der MS durch die Schwangerschaft nicht negativ beeinflusst wird. W\u00e4hrend der Schwangerschaft zeigte sich sogar ein Absinken der H\u00e4ufigkeit von Sch\u00fcben, und zwar besonders im dritten Trimenon. Allerdings nahm die Wahrscheinlichkeit von Krankheitssch\u00fcben in den ersten drei bis sechs Monaten nach der Entbindung wieder zu, weshalb die Krankheitsaktivit\u00e4t w\u00e4hrend der gesamten Schwangerschaft einschlie\u00dflich der Zeit nach der Entbindung mit dem MS-Verlauf vor der Schwangerschaft vergleichbar war.<\/p>\n<p>Best\u00e4tigt wurden diese Ergebnisse im MS-Base Registry an 893 Schwangerschaften (Hughes SE et al., 2014). Insgesamt gesehen verursacht eine Schwangerschaft also kein Ansteigen der Schubrate, vielmehr ist diese w\u00e4hrend der Schwangerschaft selbst sogar geringer. Die Zahl der Schwangerschaften hat daher auch keinen negativen Einfluss auf den Langzeitverlauf der Erkrankung bzw. den Grad der Behinderung, sondern k\u00f6nnte sich sogar positiv auswirken (d\u2019Hooge MB et al., 2012; d\u2019Hooge MB et al., 2013). Ein zumindest kurzzeitig g\u00fcnstiger Effekt der Schwangerschaftlie\u00dfsichsogarinMRT( Magnetresonanztomographie)- Untersuchungen belegen \u2013 allerdings nur an Einzelf\u00e4llen. Zwei Patientinnen wurden in einer Zeit, in der wiederholte MRT-Untersuchungen an ihnen durchgef\u00fchrt wurden, schwanger und zeigten in dieser Phase eine signifikante Abnahme kontrastmittelaufnehmender Ver\u00e4nderungen bis zu einem v\u00f6lligen R\u00fcckgang im dritten Trimenon. Postpartal waren neuerlich aktive L\u00e4sionen in der MRT nachweisbar. Diese Befunde best\u00e4tigen die klinischen Beobachtungen eines g\u00fcnstigen Einflusses der Schwangerschaft auf die Erkrankungsaktivit\u00e4t. Ein Grund f\u00fcr routinem\u00e4\u00dfige MRTKontrollen in der Schwangerschaft oder postpartal ist daraus nicht ableitbar.<\/p>\n<p>Der Geburtsvorgang an sich wird durch MS nicht beeinflusst. Eine Geburt auf nat\u00fcrlichem Weg ist f\u00fcr Frauen mit MS m\u00f6glich. Die Wahl der Form der Entbindung und eventuell daf\u00fcr n\u00f6tiger unterst\u00fctzender Ma\u00dfnahmen ist damit zumeist rein von geburtshilflich-gyn\u00e4kologischen Gegebenheiten in \u00dcbereinstimmung mit den W\u00fcnschen der schwangeren Frau abh\u00e4ngig. Nur in seltenen F\u00e4llen k\u00f6nnen Einschr\u00e4nkungen der Beweglichkeit oder des Empfindens aufgrund meist schon fortgeschrittener Erkrankung die Wahl der Entbindungsform mit beeinflussen und die Entscheidung f\u00fcr eine Sectio beg\u00fcnstigen. Lange Zeit wurde diskutiert, dass unterschiedliche Entbindungsformen den Krankheitsverlauf beeinflussen k\u00f6nnten und dass insbesondere eine Epiduralan\u00e4sthesie mit einer folgenden Zunahme der Schubrate verbunden w\u00e4re. Auch diesen Fragen wurde in der PRIMS-Studie nachgegangen. Es fand sich kein Einfluss der Art der Entbindung oder der Wahl einer eventuellen An\u00e4sthesie auf die folgende Schubrate. Auch eine Entbindung durch Sectio hatte keinen belegbaren negativen Einfluss (Vucusic S et al., 2004; Past\u00f2 L et al., 2012).<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2821\" src=\"http:\/\/dizign-projekte.at\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/Risiko.jpg\" alt=\"\" width=\"512\" height=\"664\" \/><\/p>\n<h2>Therapien in der Schwangerschaft<\/h2>\n<p>Mittlerweile stehen viele junge Frauen mit MS meist schon nach dem ersten Symptom oder zumindest nach einem weiteren Krankheitsschub unter Therapie mit immunmodulierenden Substanzen. Prinzipiell gilt, dass in der Schwangerschaft alle MS-Medikamente nicht zugelassen sind, lediglich f\u00fcr Glatirameracetat wurde die Kontraindikation in der Schwangerschaft aufgehoben. Die Entscheidung f\u00fcr eine Therapie und das Vorgehen des Absetzens vor einer gew\u00fcnschten Schwangerschaft ist allerdings abh\u00e4ngig vom jeweiligen Risiko des Medikamentes unterschiedlich.<\/p>\n<p><strong>Interferon \u03b2. <\/strong>Nach wie vor gelten Interferone bei FDAKategorie C in der Schwangerschaft als kontraindiziert. Allerdings gibt es inzwischen doch relativ ausgedehnte Sammlungen von Informationen aus Registern, die durchwegs keine problematischen Erfahrungen berichten. Das Risiko einer Sch\u00e4digung des ungeborenen Kindes ist jedenfalls als sehr gering einzustufen, obwohl nach wie vor darauf hingewiesen wird, dass eine endg\u00fcltige Beurteilung erst mit Vorliegen gr\u00f6\u00dferer Beobachtungszahlen m\u00f6glich sein wird. Sollte eine Schwangerschaft ungeplant unter Interferon entstehen, ist durch diese Medikamente keine Sch\u00e4digung zu bef\u00fcrchten und auch kein Schwangerschaftsabbruch gerechtfertigt. Bei geplanter Schwangerschaft wird derzeit auf der Basis von Konsensusempfehlungen die Therapie fortgesetzt bis zum Eintreten der Schwangerschaft, um eine l\u00e4ngere therapiefreie Phase nach \u201evorbeugendem\u201c Absetzen zu verhindern.<\/p>\n<p><strong>Glatirameracetat.<\/strong> GA \u2013 von der FDA als Kategorie B eingestuft gilt schon seit langer Zeit als gut vertretbar f\u00fcr eine Anwendung auch w\u00e4hrend einer Schwangerschaft. 2017 wurde nun offiziell Schwangerschaft als Kontraindikation f\u00fcr Copaxone\u00ae aus der Fachinformation genommen. Die Formulierung in der Fachinformation lautet so, dass das Medikament in der Schwangerschaft \u201evorzugsweise nur dann anzuwenden ist, wenn der Nutzen f\u00fcr die Mutter das Risiko f\u00fcr den F\u00f6tus \u00fcberwiegt\u201c. Dazu ist festzustellen, dass im Allgemeinen eine Fortsetzung der Therapie \u00fcber die ganze Schwangerschaft deshalb nicht n\u00f6tig ist, weil die Krankheitsaktivit\u00e4t im zweiten und dritten Trimenon schon spontan abnimmt. Auch ist zu beachten, dass eine Anwendung in der Stillzeit weiterhin nicht empfohlen wird und deshalb eventuell nach der Geburt abgesetzt werden m\u00fcsste. In der Praxis ist eine Anwendung bis zum Eintreten einer Schwangerschaft jedenfalls unproblematisch.<\/p>\n<p><strong>Natalizumab.<\/strong> Mit FDA-Kategorie C ist Natalizumab in Schwangerschaft und Stillzeit kontraindiziert, ausreichende Erfahrungen \u00fcber Schwangerschaften unter Therapie liegen allerdings nicht vor. Die Mitteilung in der Fachinformation ist vage und lautet: \u201eWenn eine Frau unter der Anwendung von Tysabri\u00ae schwanger wird, sollte das Absetzen des Arzneimittels in Erw\u00e4gung gezogen werden. Eine Nutzen-Risiko-Abw\u00e4gung bez\u00fcglich der Anwendung von Tysabri\u00ae w\u00e4hrend der Schwangerschaft sollte den klinischen Zustand der Patientin und das m\u00f6gliche Wiederkehren der Krankheitsaktivit\u00e4t nach Absetzen des Arzneimittels miteinbeziehen.\u201c Zu beachten ist, dass mit Natalizumab Patientinnen mit urspr\u00fcnglich h\u00f6herer Krankheitsaktivit\u00e4t behandelt werden und deshalb das Risiko eines Schubes auch in der Schwangerschaft h\u00f6her ist.<\/p>\n<p>Insbesondere wurde beschrieben, dass nach Absetzen von Natalizumab bei Frauen mit zuvor sehr hoher Krankheitsaktivit\u00e4t die Gefahr des Auftretens von Sch\u00fcben auch in der Schwangerschaft betr\u00e4chtlich ist (Martinelli V et al., 2013). Bei solchen Patientinnen k\u00f6nnte es sinnvoll sein, die Behandlung auch w\u00e4hrend der Schwangerschaft fortzuf\u00fchren oder zu Beginn der Schwangerschaft bis zum Ende des ersten Trimenons abzusetzen, um die spontane Reduktion der Sch\u00fcbe im zweiten und dritten Trimenon der Schwangerschaft zu n\u00fctzen. Es wurden auch in kleinen Fallserien bisher bis auf geringe h\u00e4matologische Ver\u00e4nderungen keine wesentlichen Abnormit\u00e4ten gesehen (Haghikia A et al., 2014).<\/p>\n<p>Auch aus dem firmeneigenen Schwangerschaftsregister haben sich vorerst keine Hinweise f\u00fcr erh\u00f6hte Fehlgeburtenrate oder spezifische Fehlbildungsmuster ergeben. Ein Schwangerschaftsabbruch nach Eintreten einer Empf\u00e4ngnis unter Behandlung mit Natalizumab wird jedenfalls nicht empfohlen, wohl aber das Absetzen der Therapie nach festgestellter Schwangerschaft. Der Zeitpunkt des Absetzens ist allerdings zu diskutieren, da nach dem Absetzen das h\u00f6chste Risiko einer erneuten Krankheitsaktivit\u00e4t nach etwa drei Monaten zu erwarten ist. Ein Fortsetzen der Therapie \u00fcber die ersten drei Monate der Schwangerschaft ist f\u00fcr Patientinnen mit sehr aktiven Krankheitsverl\u00e4ufen deshalb zu \u00fcberlegen und nutzt gleichzeitig die bekannte Reduktion der Krankheitsaktivit\u00e4t im zweiten und dritten Trimenon. Sollte das Stillen des Kindes geplant sein, m\u00fcsste jedenfalls f\u00fcr diese Zeit abgesetzt werden.<\/p>\n<p><strong>Fingolimod.<\/strong> Zwar f\u00e4llt Fingolimod in FDA-Kategorie C, trotzdem muss die Therapie bez\u00fcglich Schwangerschaft unter strengen Aspekten betrachtet werden. In Tierversuchen wurde die Substanz als teratogen eingestuft. Sorgf\u00e4ltige Verh\u00fctung ist notwendig, auch in der Stillzeit besteht Kontraindikation. Bei geplanter Schwangerschaft sollte das Medikament mindestens zwei Monate vorher abgesetzt werden. Allerdings wurde auch f\u00fcr Fingolimod in der Schwangerschaft danach teilweise eine unerwartet hohe Schubaktivit\u00e4t beobachtet, was Folge der schon prim\u00e4r h\u00f6heren Schubaktivit\u00e4t von derart behandelten Patientinnen sein d\u00fcrfte (Alroughani R et al., Neurology 2018). \u00dcber den Verlauf von Schwangerschaften bei MS-Patientinnen unter Fingolimod gibt es bisher keine ausreichenden Informationen, ein Schwangerschaftsregister wird gef\u00fchrt und wird in Zukunft f\u00fcr Informationen sorgen.<\/p>\n<p><strong>Teriflunomid. <\/strong>F\u00fcr Teriflunomid gilt bei belegter Teratotoxizit\u00e4t FDA-Kategorie X und damit eine strenge Kontraindikation f\u00fcr Schwangerschaft und Stillzeit. Frauen im geb\u00e4rf\u00e4higen Alter ist sorgf\u00e4ltigste Verh\u00fctung anzuraten, eine Schwangerschaft muss auch vor Beginn der Therapie ausgeschlossen werden. Sollte unter bestehender Therapie eine Schwangerschaft geplant werden, so ist nicht nur die Medikation abzusetzen, sondern auch ein Eliminierungsverfahren mit Cholestyramin oder Aktivkohle in die Wege zu leiten. Vor geplanter Empf\u00e4ngnis ist der Medikamentenspiegel zu \u00fcberpr\u00fcfen, der einen Wert von 0,02mg\/l unterschreiten muss, bevor eine Empf\u00e4ngnis eintreten darf.<\/p>\n<p><strong>Dimethylfumarat.<\/strong> F\u00fcr Dimethylfumarat gilt FDA-Kategorie C und damit eine Kontraindikation f\u00fcr Schwangerschaft und Stillzeit. Bisher existieren nur sehr limitierte Erfahrungen \u00fcber den Verlauf von Schwangerschaften unter dieser Substanz. Ein Vorteil ist, dass bei geplanter Schwangerschaft keine Auswaschphase n\u00f6tig ist, da die Substanz innerhalb von 24 Stunden aus dem K\u00f6rper eliminiert ist.<\/p>\n<p><strong>Alemtuzumab.<\/strong> Durch den Verabreichungsmodus in Zyklen im Abstand von einem Jahr ergibt sich f\u00fcr Alemtuzumab eine differenzierte Betrachtung bez\u00fcglich Schwangerschaft. Das Medikament ist von der FDA als Kategorie C eingestuft, es gilt auch f\u00fcr die Zeit der Verabreichung bis vier Monate danach eine Kontraindikation f\u00fcr eine Schwangerschaft. Danach allerdings besteht kein zus\u00e4tzliches Risiko, und eine Schwangerschaft ist m\u00f6glich, w\u00fcrde aber eine n\u00e4chste geplante Verabreichung verschieben. Zu beachten ist noch das unter Alemtuzumab berichtete Risiko des Auftretens einer Schilddr\u00fcsenerkrankung, die im Rahmen von Schwangerschaften ein zus\u00e4tzliches Problem darstellen k\u00f6nnte. Dieses Risiko liegt bei einer Beobachtungszeit von vier Jahren bei 36 Prozent und steigt mit acht Jahren auf 45 Prozent. Wenn in dieser Form planbar, ist eine Schwangerschaft deshalb am ehesten vier Monate nach der zweiten Verabreichung in Betracht zu ziehen.<\/p>\n<p><strong>Ocrelizumab.<\/strong> Mit Ocrelizumab steht ein neuer monoklonaler Antik\u00f6rper in der MS-Therapie zur Verf\u00fcgung. Bez\u00fcglich Schwangerschaft existieren noch keine ausreichenden Daten und auch keine Berichte aus Registern. Empfohlen wird derzeit eine sichere Verh\u00fctung bis sechs Monate nach Verabreichung.<\/p>\n<p><strong>Cladribin. <\/strong>Mit Cladribin ist f\u00fcr den Fall einer Schwangerschaft ein potenziell schwerwiegendes Risiko f\u00fcr den F\u00f6tus verbunden. Das Medikament ist damit in die Kategorie X einzustufen und in der Schwangerschaft streng kontraindiziert. \u00dcber zuverl\u00e4ssige Verh\u00fctung muss informiert werden, wobei diese auch nach der letzten Dosis f\u00fcr sechs Monate praktiziert werden muss. F\u00fcr Cladribin gilt die Notwendigkeit der sicheren Verh\u00fctung auch im Fall behandelter M\u00e4nner. Auch bei diesen ist die Zeugung eines Kindes bis zu sechs Monate nach der letzten Dosis zu verhindern.<\/p>\n<p><strong>Mitoxantron. <\/strong>F\u00fcr Mitoxantron besteht eine Indikation sowohl f\u00fcr aktive schubf\u00f6rmige als auch f\u00fcr sekund\u00e4r progrediente MS. Trotzdem wird das Medikament nach Entwicklung von unterschiedlichen neuen Therapien nur mehr in sehr geringem Umfang eingesetzt. Dies ist auch besonders im Hinblick auf die Fortpflanzung richtig. Mitoxantron ist in FDA-Kategorie X eingestuft und ein Risiko f\u00fcr den wachsenden Fetus. Es besteht eine absolute Kontraindikation in der Schwangerschaft. Strikte Verh\u00fctung muss in der Zeit der Einnahme und bis zu sechs Monate nach Absetzen eingehalten werden. Die Notwendigkeit der Verh\u00fctung gilt analog auch f\u00fcr behandelte M\u00e4nner.<\/p>\n<p><strong>Kortikosteroide.<\/strong> Akute Sch\u00fcbe sind in der Schwangerschaft insgesamt nur selten zu erwarten, wie bereits zuvor ausgef\u00fchrt wurde. Sollte trotz dieses geringen Risikos ein Schub auftreten, stellt sich die Frage einer Therapie mit Kortison, wobei Kortikoide in der Schwangerschaft als \u201erelativ kontraindiziert\u201c gelten. Es gibt Hinweise auf m\u00f6gliche negative Auswirkungen von Kortison auf Wachstum und Entwicklung des kindlichen Nervensystems. Vordergr\u00fcndig werden aber Spaltbildungen (Lippen-Gaumen- Spalte) nach Therapie mit Kortikoiden speziell im ersten Trimenon beschrieben. Eine Therapie mit Kortison besonders in der fr\u00fchen Schwangerschaft soll deshalb nur unter strenger Indikationsstellung erfolgen. Da die hochdosierte Kortisontherapie des akuten MS-Schubes in erster Linie die R\u00fcckbildungsgeschwindigkeit der Behinderung durch den Schub beschleunigt und das Ausma\u00df der R\u00fcckbildung selbst wahrscheinlich kaum beeinflusst, ist es auch durchaus vertretbar, die Behandlung eines nicht deutlich behindernden Krankheitsschubes in der Schwangerschaft zu unterlassen. Im Fall sehr schwerer Sch\u00fcbe ist die Durchf\u00fchrung einer Kortisontherapie jedenfalls nach dem ersten Trimenon m\u00f6glich und gerechtfertigt. Bevorzugt sollte Prednisolon verwendet werden, das nur zu ca. zehn Prozent plazentag\u00e4ngig ist.<\/p>\n<h2>Stillen und MS<\/h2>\n<p>Nach der Entbindung stellt sich die Frage, ob Stillen f\u00fcr Frauen mit MS m\u00f6glich ist oder dies eventuell einen Schaden f\u00fcr Mutter oder Kind darstellen k\u00f6nnte. MS beeinflusst die Zusammensetzung der Muttermilch nicht, sodass das Stillen \u2013 auch durch eine von MS betroffene Mutter \u2013 jedenfalls f\u00fcr das neugeborene Kind wie allgemein bekannt als Vorteil zu erachten ist. Andererseits steigt in der ersten Phase nach der Geburt das Risiko von Sch\u00fcben wieder in etwa auf die vorbestehende Krankheitsaktivit\u00e4t vor der Schwangerschaft an. Dies l\u00e4sst es sinnvoll erscheinen, die vorbestehende krankheitsmodifizierende Behandlung insbesondere bei Patientinnen mit urspr\u00fcnglich hoher Schubh\u00e4ufigkeit m\u00f6glichst rasch wieder aufzunehmen. Die Wiedereinleitung einer Langzeittherapie nach der Schwangerschaft ist allerdings in der Stillperiode nicht m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Alle derzeit verwendeten Medikamente gehen \u00fcber die Muttermilch auf das Kind \u00fcber, die Langzeittherapien sind durchwegs auch in der Stillzeit kontraindiziert. Ausschlie\u00dfliches Stillen hat m\u00f6glicherweise einen geringen positiven Effekt auf die Entwicklung von Krankheitssch\u00fcben, eine Verschlechterung der Erkrankung durch das Stillen ist keinesfalls zu bef\u00fcrchten (Hellwig K et al., 2015). Es muss daher jeweils eine sehr individuelle Abw\u00e4gung zwischen Stillwunsch und gewissen Vorteilen f\u00fcr das Kind gegen\u00fcber einer ohne Langzeitbehandlung h\u00f6heren Gef\u00e4hrdung in Hinblick auf das Auftreten eines Krankheitsschubes erfolgen. Eine Therapie mit Kortikoiden bei akutem Schub darf in der Stillzeit erfolgen, dabei soll aber ein Zwei- bis Vier- Stunden-Abstand zum n\u00e4chsten Stillen eingehalten werden (Cooper SD et al., 2015).<\/p>\n<p><em>Lecture Board: Univ.-Prof. Dr. Thomas Berger, MSc OA Dr. Michael Guger <\/em><\/p>\n<p><em>\u00c4rztlicher Fortbildungsanbieter: Universit\u00e4tsklinik f\u00fcr Neurologie, Medizinische Universit\u00e4t Graz<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Univ.-Prof. Dr. Siegrid Fuchs<\/em><\/strong><em><br \/>\n<\/em><em>Universit\u00e4tsklinik f\u00fcr Neurologie, Medizinische Universit\u00e4t Graz<br \/>\nE-Mail: siegrid.fuchs@medunigraz.at<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kinderwunsch ist f\u00fcr die meisten Menschen ein sehr intensives Bed\u00fcrfnis in der Lebensplanung. Deshalb ist diesen Fragen auch bei von MS-Betroffenen eine entsprechend gro\u00dfe Bedeutung zuzuordnen. 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