{"id":2939,"date":"2019-05-27T12:42:01","date_gmt":"2019-05-27T10:42:01","guid":{"rendered":"http:\/\/dizign-projekte.at\/?p=2939"},"modified":"2019-05-27T12:42:01","modified_gmt":"2019-05-27T10:42:01","slug":"kindergehirne-reorganisieren-nach-laesionen-ihre-sprachzentren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/oegpb.at\/?p=2939","title":{"rendered":"Kindergehirne reorganisieren nach L\u00e4sionen ihre Sprachzentren"},"content":{"rendered":"<p>Kinder mit Gehirnverletzungen sind in der Lage, ihre sprachrelevanten Areale in andere, gesunde Hirnbereiche zu reorganisieren und so die Sprachf\u00e4higkeit zu erhalten. Das gelingt aber nur bis zu einem gewissen Grad, sie haben im Vergleich zu gesunden Kindern trotzdem h\u00e4ufig verschlechterte Sprachf\u00e4higkeiten. F\u00fcr das Sprechen zust\u00e4ndige Hirnareale werden offenbar schon in der embryonalen Entwicklung festgelegt. Das sind die ersten zentralen Ergebnisse einer interdisziplin\u00e4ren Forschungskooperation der Universit\u00e4tsklinik f\u00fcr Kinder- und Jugendheilkunde und der Universit\u00e4tsklinik f\u00fcr Radiologie und Nuklearmedizin der MedUni Wien.<\/p>\n<p>Gesunde Kinder mit besseren Sprachf\u00e4higkeiten nutzen demnach h\u00e4ufiger ein bilaterales Sprachnetzwerk, das Regionen beider Hemisph\u00e4ren miteinander verbindet. So zeigen die Forscher, dass bei gesunden Kindern ein gr\u00f6\u00dferer Wortschatz, eine h\u00f6here verbale Flexibilit\u00e4t und ein besseres verbales Lernen mit einer st\u00e4rker bilateral organisierten Sprachlokalisation assoziiert ist. Auch bei Kindern, die einen Schlaganfall erlitten hatten, konnten die Forscher einen signifikanten Zusammenhang zwischen Sprachlokalisation und Sprachf\u00e4higkeiten nachweisen. W\u00e4hrend das Alter bei Auftreten des Schlaganfalls, L\u00e4sionsgr\u00f6\u00dfe oder L\u00e4sionslokalisation keinen Einfluss auf die Sprachf\u00e4higkeiten hatten, zeigte sich eine atypische Reorganisation der Sprachareale aber als nachteilig f\u00fcr die Sprachf\u00e4higkeiten. Projektleiterin Ass.-Prof. Mag. Dr.in Bartha-Doering von der Universit\u00e4tsklinik f\u00fcr Kinder- und Jugendheilkunde: \u201eUnsere bisherigen Ergebnisse weisen darauf hin, dass es eine fr\u00fchkindliche, wahrscheinlich schon vorgeburtliche Pr\u00e4disposition von spezifischen Spracharealen beim Menschen gibt. Selbst wenn eine Verletzung neuronaler Strukturen sehr fr\u00fch in der Entwicklung auftritt, ist das kindliche Gehirn nicht uneingeschr\u00e4nkt f\u00e4hig, sprachrelevante Areale zu reorganisieren.<\/p>\n<p>Eine atypische Reorganisation geht mit einer signifikanten Verschlechterung der Sprachf\u00e4higkeiten einher. Hier sind der wohlger\u00fchmten kindlichen Plastizit\u00e4t des Gehirns doch Grenzen gesetzt.\u201c Gerade die sehr fr\u00fche funktionelle Entwicklung relevanter Hirnstrukturen steht nun in Zukunft im Fokus des Forschungsteams. In einem FWF-KLIFProjekt besch\u00e4ftigen sich die Forscher mit der Frage, inwieweit fetale MRI-Diagnostik Vorhersagen \u00fcber die sp\u00e4tere Sprachlokalisation und Sprachentwicklung geben kann. Auch hierzu sind schon zwei erste Publikationen entstanden, die einen Zusammenhang zwischen struktureller fetaler Entwicklung der temporalen Hirnstrukturen und sp\u00e4terer Sprachlokalisation aufzeigen. Die Ergebnisse dieser Forschung sollen in Zukunft genauere Prognosen der weiteren kognitiven Entwicklung und das fr\u00fche Planen gezielter Therapiestrategien erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p><em>(Bartha-Doering L et al.: Atypical language representation is unfavorable for language abilities following childhood stroke. European Journal of Paediatric Neurology 2018. doi:10.1016\/j.ejpn.2018.09.007; Bartha-Doering L et al.: Weaker Semantic Language Lateralization Associated with Better Semantic Language Performance in Healthy Right-handed Children. Brain and Behavior 2018; doi:10.1002\/ brb3.1072; Bartha-Doering L et al.: When two are better than one: Bilateral mesial temporal lobe contributions associated with better vocabulary skills in children and adolescents. Brain and Language 2108; <\/em><em>doi:10.1016\/j.bandl.2018.06.001)<\/em><\/p>\n<p>RED<\/p>\n<p>erschienen in: <em>05\/2018, CliniCum neuropsy<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kinder mit Gehirnverletzungen sind in der Lage, ihre sprachrelevanten Areale in andere, gesunde Hirnbereiche zu reorganisieren und so die Sprachf\u00e4higkeit zu erhalten. 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