{"id":3582,"date":"2019-08-19T15:54:41","date_gmt":"2019-08-19T13:54:41","guid":{"rendered":"http:\/\/dizign-projekte.at\/?p=3582"},"modified":"2019-08-19T15:54:41","modified_gmt":"2019-08-19T13:54:41","slug":"biomarker-fuer-die-alzheimerdemenz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/oegpb.at\/?p=3582","title":{"rendered":"Biomarker f\u00fcr die Alzheimerdemenz"},"content":{"rendered":"<p>Die Alzheimer Demenz bleibt weiterhin eine der gr\u00f6\u00dften medizinischen, humanit\u00e4ren, gesellschaftspolitischen und \u00f6konomischen Herausforderungen. Eine Fr\u00fchdiagnostik ist deshalb ganz wesentlich. Biomarker k\u00f6nnen die Krankheit bereits Jahre vor den typischen Demenzsymptomen anzeigen. Dadurch erfolgte in den letzten Jahren ein Paradigmenwechsel. Anstelle der klassischen Demenzsymptome mit Ged\u00e4chtnis- und Orientierungsst\u00f6rungen und der Ergebnissen neuropsychologisch Testbatterien sollen v.a. Biomarker die Diagnose Alzheimerdemenz sichern. Das National Institute on Aging and Alzheimer\u2018s Association (NIA-AA) entwickelte bereits 2011 derartige Guidelines, die 2018 neu zusammengefasst wurden. Die Diagnoseorientierung erfolgt nun an der Pathologie und nicht mehr am Ph\u00e4notyp. Bisher war die Pathologie v.a. post-mortem wesentlich, jetzt bereits in vivo. Es handelt sich um eine Alzheimer Erkrankung wenn gen\u00fcgend pathologische Amyloidver\u00e4nderungen oder abnorme Tau-Proteine vorhanden sind. Diese Amyloid oder Tau Pathologien k\u00f6nnen durch Liquorpunktion oder neue Amyloid-PET Untersuchungen dokumentiert werden. Theoretisch sind nun auch Studien mit asymptomatischen Patienten, die bestimmte Biomarkerkonstellationen aufweisen, m\u00f6glich, damit fr\u00fchzeitig neue Therapien zum Einsatz kommen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/dizign-projekte.at\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/Alzheimer-Klassifikation-nach-NIA-AA-2018.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Die Tab. zeigt die neuen NIA-AA (National Institute on Aging and Alzheimer\u2019s Association) Kriterien der Alzheimer Krankheit<\/a><\/p>\n<p>Die Abnahme des Beta-Amyloids 42 Peptids und eine Erh\u00f6hung des TAU-Proteins im Liquor sind valide Biomarker f\u00fcr die Alzheimer Krankheit. Daraus kann eine Prognose abgeleitet werden, ob ein asymptomatischer Patient oder ein Patient mit leichter kognitiver Beeintr\u00e4chtigung eine Alzheimer Demenz entwickeln wird. Beide\u00a0 Proteine spielen eine Schl\u00fcsselrolle in der Pathogenese der Alzheimer Krankheit. Beta-Amyloid Ablagerungen sind extrazellul\u00e4r in den sogenannten senilen Plaques und in den neurofibrill\u00e4ren B\u00fcndeln kommt es zu intrazellul\u00e4ren Tau-Protein Vermehrungen mit Hyperphosphorylierung. Das Verh\u00e4ltnis von Beta-Amyloid 42 zu Tau erm\u00f6glicht nicht nur eine besonders fr\u00fche Diagnosestellung sondern l\u00e4sst auch Aussagen \u00fcber die Progredienz zu. Neben der Tau-Protein und Amyloid Forschung, sind es vor allem die inflammatorischen Prozesse, die im Fokus der Forschung stehen. Entz\u00fcndungen k\u00f6nnen die Amyloid Pathologie begleiten oder m\u00f6glicherweise daf\u00fcr auch kausal sein. Es konnte nachgewiesen werden, dass die Alzheimer Pathologie im Mausmodel und auch bei Alzheimer Patienten mit Entz\u00fcndungsmerkmalen verbunden ist. Bei transgenen M\u00e4usen f\u00fchrte die Beta-Amyloid Ablagerung zu einer inflammatorischen Reaktion mit Aktivierung der Entz\u00fcndungskaskade und Komplementreaktion, sowie Aktivierung von anderen Proteinkomplexen. Dies f\u00fchrte ihrerseits wieder zu vermehrten Beta-Amyloid Aggregationsbildungen. In der Mikroglia, welche im Gehirn wesentlich f\u00fcr die Phagozytose zeichnet, konnten neue Biomarker wie sTREM2 identifiziert werden. Dieser neue Biomarker dokumentiert sehr gut den Entz\u00fcndungsgrad bei Alzheimer Krankheit. sTREM2 soll bereits in sehr fr\u00fchen Krankheitsstadien auf eine erh\u00f6hte Mikroglia Aktivit\u00e4t hinweisen. Ob eine fr\u00fchzeitige antiinflammatorische Therapie oder die pr\u00e4ventive Gabe von der antientz\u00fcndlichen und antioxidativen Substanz Curcumin, eine Verz\u00f6gerung oder Verbesserung bewirken kann, wird in den n\u00e4chsten Jahren intensiv erforscht werden.<\/p>\n<p>Eine weitere Hoffnung ist die in den letzten Jahren forcierte Entwicklung von Bluttests zur Alzheimer Fr\u00fcherkennung. Eine japanische Arbeitsgruppe fand hierbei eine bereits sehr gute Korrelation von Beta-Amyloid Molek\u00fclen im Blut und der zerebralen Amyloid Pathologie, die durch das Amyloid-PET gemessen wurde (Nature 25456). Interessant erscheint auch ein in Deutschland entwickelter Bluttest zur Fr\u00fchdiagnose, bei welchem die Fehlfaltung von Beta-Amyloid Proteinen mit Immuno-Infrarot-Sensor Technologie erfasst werden soll. M\u00f6glicherweise kann auch dadurch eine Fr\u00fchdiagnose vor der klinischen Manifestation erfolgen. Viele Forscher erwarten, dass es in den n\u00e4chsten 3 Jahren zu einer Zulassung derartiger Bluttests kommen k\u00f6nnte. Zur Verifizierung sollten noch Proteinbestimmungen im Liquor oder mittels des Amyloid-PETs erfolgen. Die Darstellung der Tau-Protein Ablagerungen im Gehirn durch neue Tau-Tracer kann den Schweregrad und die Progredienz der Alzheimer Demenz m\u00f6glicherweise noch besser voraussagen.<\/p>\n<p>Die rein famili\u00e4ren Fr\u00fchformen der Alzheimer Krankheit machen nur ca. 1% aus. In 3 verschiedenen Genen kommt es zu Ver\u00e4nderungen. Dies sind das Amyloid Precursor Protein (APP-Gen) und die Gene f\u00fcr die Proteasen \u2013 welche Beta-Amyloid aus dem Vorl\u00e4ufer herausschneiden. Diese Genmutationen liegen auf Chromosom 1, 14 und 21. Diese Genvarianten werden autosomal dominant vererbt und deren Tr\u00e4ger entwickeln sehr fr\u00fchzeitig, zwischen dem 30. und 65. Lebensjahr eine Demenz. Die Diagnose kann durch einen Gentest mit Bestimmung der Preseniline 1 und 2 gestellt werden. Bei der viel h\u00e4ufigeren, sporadischen Sp\u00e4tform der Demenz nach dem 60. oder 65. Lebensjahr spielen genetische Faktoren eine wesentlich geringere Rolle. ApoE4 gilt hier als Risikofaktor und beeinflusst die Amyloid Ablagerung und die Progredienz. Diagnosestellungen bei der sporadischen Demenzform sind wesentlich komplexer und deshalb ist die Entwicklung von validen Biomarkern besonders wichtig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><u>Zusammenfassung:<\/u><\/p>\n<p>Der Vorteil der neuen Biomarker sind eine fr\u00fchzeitige und pr\u00e4zise Diagnosestellung in oftmals noch asymptomatischen Stadium bei Risikopopulationen und eine verbesserte Dokumentation des Krankheitsverlaufs. Die Diagnostik in fr\u00fchesten Krankheitsstadien der Alzheimer Krankheit, bevor noch das typische Demenzsyndrom aufgetreten ist, ist durch die neuen Biomarker m\u00f6glich geworden. Im Fokus der rezenten Alzheimerforschung befindet sich vor allem das altbekannte Tau-Protein und das Beta-Amyloid, sowie neuerdings auch inflammatorische Prozesse, die f\u00fcr die Alzheimer Krankheit m\u00f6glicherweise kausal sind oder zumindest diese beschleunigen k\u00f6nnen. F\u00fcr neue Therapiestrategien ist die Fr\u00fcherkennung ganz wesentlich, bevor es noch zu irreversiblen zerebralen Sch\u00e4digungen mit den typischen Atrophiemustern, die wir seit mehreren Jahrzehnten im CT und MRT nachweisen k\u00f6nnen, gekommen ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Autor:<\/p>\n<p>Prof. PD OA Dr. Michael Rainer<br \/>\nRainer Memory Clinic und<br \/>\nKarl Landsteiner Institut f\u00fcr Ged\u00e4chtnisforschung SMZ-Ost Wien<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Alzheimer Demenz bleibt weiterhin eine der gr\u00f6\u00dften medizinischen, humanit\u00e4ren, gesellschaftspolitischen und \u00f6konomischen Herausforderungen. 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