{"id":457,"date":"2014-07-28T21:01:14","date_gmt":"2014-07-28T19:01:14","guid":{"rendered":"http:\/\/beta.oegpb.at\/?p=457"},"modified":"2014-07-28T21:01:14","modified_gmt":"2014-07-28T19:01:14","slug":"selbsthilfe-partnerschaft-im-trialog","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/oegpb.at\/?p=457","title":{"rendered":"Selbsthilfe: Partnerschaft im Trialog"},"content":{"rendered":"<p><strong>Angeh\u00f6rige spielen eine Schl\u00fcsselrolle in der Betreuung und Behandlung von Menschen mit psychischen Erkrankungen. Professionelle Beratung und zugleich Entlastung finden sie bei der \u201e<a title=\"Hilfe f\u00fcr Angeh\u00f6rige psychisch Erkrankter\" href=\"http:\/\/www.hpe.at\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Hilfe f\u00fcr Angeh\u00f6rige psychisch Erkrankter<\/a>\u201c (HPE) \u00d6sterreich bzw. ihren rund 90 Selbsthilfegruppen in ganz \u00d6sterreich. <\/strong><\/p>\n<p>Der Kontakt zur Selbsthilfegruppe ist mitunter der erste Einstieg in die psychiatrische Behandlung der erkrankten Angeh\u00f6rigen, wei\u00df Mag. Edwin Ladinser, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der HPE \u00d6sterreich. \u201eBei 40 Prozent aller Erstkontakte ist die fehlende Behandlungsmotivation der erkrankten Familienmitglieder der unmittelbare Anlass. Ohne professionelle medizinische Behandlung bzw. Diagnose gibt es aber nur wenige M\u00f6glichkeiten, sozialrechtliche Anspr\u00fcche geltend zu machen\u201c, erkl\u00e4rt Ladinser im Gespr\u00e4ch mit CliniCum neuropsy. Die Frage, wie die eigene Tochter, der Sohn oder Partner zu einer psychiatrischen\/psychotherapeutischen Behandlung motiviert werden kann, ist auch eine der am schwierigsten zu beantworteten Fragen in der Beratungst\u00e4tigkeit der HPE-Mitarbeiter.<\/p>\n<h3>Fortschritte erm\u00f6glichen<\/h3>\n<p>Angeh\u00f6rige, so betont Ladinser, k\u00f6nnen sich gerade bei psychischen Erkrankungen nicht einfach \u201eraushalten\u201c, immerhin leben die Betroffenen oft noch im gemeinsamen Haushalt. F\u00fcr die Angeh\u00f6rigen bedeutet die Erkrankung die t\u00e4gliche Konfrontation mit unverst\u00e4ndlichen Verhaltensauff\u00e4lligkeiten sowie eine hohe emotionale Belastung, an deren Spitze oft enorme Schuldgef\u00fchle stehen. Nicht verwunderlich ist es, dass rund 75 Prozent derjenigen, die bei HPE Unterst\u00fctzung suchen, Frauen bzw. wiederum M\u00fctter psychisch erkrankter Menschen sind. \u201eDie massiven Schuldge f\u00fchle verhindern oft den konstruktiven Umgang mit der erkrankten Person im Familienkreis\u201c, erg\u00e4nzt Ladinser. Durch die eigene Haltung und Einstellung zur Therapie haben Angeh\u00f6rige dar\u00fcber hinaus gro\u00dfen Einfluss auf den therapeutischen Prozess, sobald dieser in die Wege geleitet ist.<\/p>\n<p>\u201eWenn der psychisch erkrankte Sohn etwa das Studium abbrechen muss, stehen oft unausgesprochene Vorbehalte im Raum. Auch mehr oder weniger bewusst ge\u00e4u\u00dferte Abwertungen von therapeutischen oder rehabilitativen Ma\u00dfnahmen wirken sich negativ auf den Behandlungsprozess aus. Da gen\u00fcgt mitunter eine \u00c4u\u00dferung wie \u201enur K\u00f6rbe flechten\u201c in Bezug auf die Ergotherapie. Darum informieren wir laufend \u00fcber Hintergr\u00fcnde der Erkrankungen, genauso \u00fcber die n\u00f6tigen Therapiema\u00dfnahmen\u201c, erkl\u00e4rt Ladinser. Neben der individuellen Beratung bietet die HPE unterschiedlichste Informationsmaterialien an und veranstaltet themenspezifische Seminare wie die siebenteilige Reihe \u201eMit psychotischen Menschen in Beziehung stehen\u201c.<\/p>\n<p>Erkrankungen des schizophrenen Formenkreises machen auch rund ein Drittel der Beratungsanl\u00e4sse aus, genauso viele entfallen auf affektive St\u00f6rungen und knapp 20 Prozent auf Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rungen. Die Mitarbeiter der HPE stellen dabei ihr Know-how im Umfeld aller psychiatrischen Erkrankungen zur Verf\u00fcgung, einzige Ausnahmen bilden Sucht- und Demenzerkrankungen, wo an die bestehenden Angeh\u00f6rigenorganisationen weiterverwiesen wird. Die HPE fungiert zudem als Interessenvertretung der Angeh\u00f6rigen und ist Partner in Trialog-Gruppen, wo im Austausch mit Fach\u00e4rzten und Betroffenen auch aktuelle regionale Herausforderungen besprochen werden, etwa Fragen aus dem Umfeld der station\u00e4ren Versorgung.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-459\" src=\"http:\/\/dizign-projekte.at\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/t288.png\" alt=\"\" width=\"246\" height=\"623\" \/><\/p>\n<h3>Hilfe zur Selbsthilfe<\/h3>\n<p>Der laufende Kontakt und die Beratung auf lokaler Ebene erfolgt durch ehrenamtliche t\u00e4tige Moderatoren, die regelm\u00e4\u00dfig Gruppentreffen leiten. Eine dieser Moderatorinnen ist die Vorarlbergerin Ehrentraud Hagleitner, langj\u00e4hrige Vorsitzende der HPE in Vorarlberg. \u201eVielfach geht es in diesen Sitzungen darum, konkrete L\u00f6sungen im Umgang mit den Erkrankten zu finden. Dabei ermuntern wir die Angeh\u00f6rigen, stets klar zu bleiben und zu sagen, wann es zu Hause einfach nicht mehr geht. Genauso k\u00f6nnen sie lernen zu unterscheiden, welche Verhaltensweisen in Zusammenhang mit der Erkrankung stehen und welche nicht.\u201c<\/p>\n<p>Nach dem in den letzten Jahren stetig gewachsenen Interesse an den Gruppen ortet Hagleitner allerdings derzeit einen leichten R\u00fcckgang bei der Teilnahme: \u201eDas mag an der leichteren Verf\u00fcgbarkeit von Informationen liegen, aber auch darum, dass sich manche Angeh\u00f6rige rasche L\u00f6sungen f\u00fcr ihre Probleme im Umgang mit den Betroffenen erhoffen \u2013 solche k\u00f6nnen wir nat\u00fcrlich nicht bieten, dazu sind psychische Erkrankungen viel zu komplex.\u201c<\/p>\n<p>Im Lauf der rund 35-j\u00e4hrigen Geschichte der HPE sei auch die Gespr\u00e4chsbasis mit der \u00c4rzteschaft stetig gewachsen, wie Hagleitner meint. Ein gro\u00dfer Wunsch der Angeh\u00f6rigenvertreter ist jedoch jener, nach einer Sensibilit\u00e4t f\u00fcr ihre Anliegen. \u201eW\u00fcnschenswert w\u00e4re es auch, dass die \u00c4rzte im Anamneseprozess uns zumindest anh\u00f6ren, auch wenn der Patient im Mittelpunkt steht. Wir k\u00f6nnen jedoch durch die Erfahrungen aus dem Alltag wertvolle Informationen \u00fcber Krankheitsverlauf oder Ansprechen auf die Therapie geben, zumal sich viele Patienten im meist kurzen Arztgespr\u00e4ch ganz anderes pr\u00e4sentieren als im Alltag.\u201c<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-460\" src=\"http:\/\/dizign-projekte.at\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/t1241.png\" alt=\"hpe\" width=\"617\" height=\"498\" \/><\/p>\n<h3>Stigma \u201epsychisch krank\u201c<\/h3>\n<p>Nach wie vor stehen Angeh\u00f6rige vor der Herausforderung der Stigmatisierung und Ausgrenzung psychisch Kranker: \u201eGerade in l\u00e4ndlichen Gemeinden getrauen sich viele nicht zu sagen, sie w\u00fcrden zu unseren Treffen kommen\u201c, schildert Mag. Norbert Erlacher, Vorsitzender der HPE \u00d6sterreich sowie der Tiroler Landesorganisation. Genau wie Ladinser und Hagleitner ist auch Erlacher selbst betroffener Angeh\u00f6riger und auf diese Weise zur Selbsthilfearbeit gesto\u00dfen. Aus zahlreichen Gespr\u00e4chen mit seiner erkrankten Tochter wei\u00df er auch, wie wichtig der R\u00fcckhalt durch die Familie im Krankheitsprozess ist, dass dieser f\u00fcr die meisten Patienten aber noch lange keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit darstellt. Erlacher verweist dar\u00fcber hinaus auf den Pr\u00e4ventionsaspekt der Selbsthilfearbeit. \u201eIm professionellen System steht der Patient im Mittelpunkt.<\/p>\n<p>Angeh\u00f6rige laufen durch die hohe emotionale Belastung selbst Gefahr, krank zu werden. Wenn wir ihnen die M\u00f6glichkeit bieten, mit anderen ins Gespr\u00e4ch zu kommen, dann hat dies eine entlastende Wirkung, die nicht untersch\u00e4tzt werden darf.\u201c Ohne entsprechendes Wissen um den bestm\u00f6glichen Umgang miteinander entstehen mitunter weiter belastende \u201eGedankenspiralen\u201c, etwa wenn sich Erkrankte aus Sorge um eine \u00dcberlastung ihrer Eltern zur\u00fcckziehen. \u00c4ngste, Ersch\u00fctterungen aufzuarbeiten und auszuhalten sei daher f\u00fcr alle Beteiligten im Familiensystem heilsam und zugleich ein wesentlicher Schritt zur Entstigmatisierung. Wie die Angeh\u00f6rigenarbeit \u201ewirkt\u201c, zeigt sich nicht nur an den Erfahrungen der drei HPE-Vertreter bzw. den R\u00fcckmeldungen aus den Gruppen: Eine Meta-Analyse (Pitschel-Walz et al., 2004) belegt, dass sich unter schizophrenen Patienten die R\u00fcckfallrate um 20 Prozent verringert, wenn Angeh\u00f6rige Unterst\u00fctzung in Anspruch nehmen.<\/p>\n<p><em>Von Mag. Christina Lechner<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Angeh\u00f6rige spielen eine Schl\u00fcsselrolle in der Betreuung und Behandlung von Menschen mit psychischen Erkrankungen. 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