{"id":569,"date":"2014-09-02T16:47:57","date_gmt":"2014-09-02T14:47:57","guid":{"rendered":"http:\/\/dizign-projekte.at\/?p=569"},"modified":"2014-09-02T16:47:57","modified_gmt":"2014-09-02T14:47:57","slug":"selbsthilfegruppe-schaedel-hirn-trauma","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/oegpb.at\/?p=569","title":{"rendered":"Selbsthilfegruppe Sch\u00e4del-Hirn-Trauma"},"content":{"rendered":"<p><strong>In der psychosozialen Unterst\u00fctzung sehen Betroffene genauso wie Fachleute den wichtigsten Aspekt in der Selbsthilfearbeit. Die Selbsthilfe-Organisation setzt zudem Initiativen, um mehr Aufmerksamkeit und damit Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Erkrankung und ihre Folgen zu bewirken.<\/strong><\/p>\n<p>L\u00e4utet das Handy von Sigrid Kundela, dann m\u00f6chten die meisten Anrufer zun\u00e4chst einmal ihre ganz pers\u00f6nliche Geschichte erz\u00e4hlen. Oder es werden konkrete Fragen zur Organisation der Rehabilitation gestellt, genauso suchen Anrufer nach praktischen Tipps im Umgang mit Beeintr\u00e4chtigungen in Folge eines Sch\u00e4del-Hirn-Traumas (SHT). \u201eIch sehe es als eine meiner wichtigsten Aufgaben an, den Betroffenen die M\u00f6glichkeit zu geben, \u00fcber ihre Erfahrungen zu sprechen\u201c, sagt Kundela. Die ehemalige Journalistin und Sport-Trainerin erlitt 1992 infolge eines Autounfalls ein schweres Sch\u00e4del- Hirn-Trauma. In der Folge gr\u00fcndete sie gemeinsam mit dem Neurologen Dr. Nikolaus Steinhoff den \u201eVerein der SHG f\u00fcr SHT Wien\u201c, f\u00fcr den sie heute als Schriftf\u00fchrerin t\u00e4tig ist. \u00d6sterreichweit gibt es insgesamt acht regionale Selbsthilfegruppen (SHG) f\u00fcr Sch\u00e4del-Hirn-Trauma\/ Sch\u00e4del-Hirn-Verletzung, gemeinsam sind sie unter dem Dach der \u00d6sterreichischen Gesellschaft f\u00fcr Sch\u00e4del-Hirn-Trauma (\u00d6GSHT) zusammengef\u00fchrt.<br \/>\n\u201eIn meiner damaligen Situation f\u00fchrten die unmittelbaren Folgen zu schweren Depressionen. Der erste Kontakt zu anderen Betroffenen, die zum Teil an noch viel schwereren Folgen litten als ich, war f\u00fcr mich ein Schl\u00fcsselerlebnis. Es hat mir einfach geholfen, mit meiner eigenen Situation besser zu Recht zu kommen.\u201c Heute gibt Kundela alle zwei Monate die \u00f6sterreichweit verbreitete Zeitschrift \u201eSHT-News\u201c heraus, organisiert Ausfl\u00fcge f\u00fcr die Mitglieder der Wiener Selbsthilfegruppe genauso wie Charity- Events.<br \/>\nAuch f\u00fcr Dr. Nikolaus Steinhoff, Leiter der Neurologischen Ambulanz am Landesklinikum Hochegg (N\u00d6) und Pr\u00e4sident der \u00d6GSHT, ist das Engagement f\u00fcr die Selbsthilfe mittlerweile \u201eTeil des Alltags geworden\u201c. Unter anderem steht Steinhoff bei den Treffen der Wiener Selbsthilfegruppe ebenso wie weitere Experten f\u00fcr medizinische Anfragen zur Verf\u00fcgung und hat eine Servicestelle f\u00fcr Sch\u00e4del-Hirn- Trauma eingerichtet.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/medonline.at\/wp-content\/uploads\/t1275.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full img-border wp-image-140646\" title=\"Les Cunliffe\/iStock\" src=\"http:\/\/medonline.at\/wp-content\/uploads\/t1275.png\" alt=\"Tabelle\" width=\"780\" height=\"400\" \/><\/a><\/p>\n<h4>Soziale Unterst\u00fctzung<\/h4>\n<p>Das gr\u00f6\u00dfte Plus in der Selbsthilfegruppent\u00e4tigkeit sieht Steinhoff in der Beratung von Betroffenen f\u00fcr Betroffene. \u201eAls Fachpersonen sprechen wir meist eine andere Sprache, wir k\u00f6nnen zwar \u00fcber Therapien und medizinische Verfahren aufkl\u00e4ren, wirklich verstanden f\u00fchlen sich Patienten oder deren Angeh\u00f6rige meist aber nur von jenen, die \u00c4hnliches erlebt und durchgemacht haben\u201c, wei\u00df Steinhoff. \u201eDas betrifft die Bew\u00e4ltigung des Alltags genauso wie alle sozialen Aspekte rund um die Folgen eines Sch\u00e4del-Hirn-Traumas.\u201c<br \/>\nDie soziale Anbindung ist ein ganz wesentlicher Punkt f\u00fcr jene Personen, die zu den regelm\u00e4\u00dfigen Treffen kommen, best\u00e4tigt auch Kundela. \u201eBei vielen Betroffenen geht infolge des Unfalls ein Gro\u00dfteil des Freundeskreises verloren, ebenso das berufliche soziale Umfeld. So ist man gefordert, sich ein neues soziales Netz aufzubauen, daf\u00fcr sind wir allerdings selbst verantwortlich, \u00c4rzte und Therapeuten k\u00f6nnen uns dabei kaum helfen.\u201c So wie bei Kundela besteht nach dem Unfall und dem Sch\u00e4del- Hirn-Trauma f\u00fcr viele Betroffene der Freundes- und Bekanntenkreis aus Menschen, die \u201eirgendwie mit dem Sch\u00e4del-Hirn-Trauma zu tun haben\u201c. Zu den jeweiligen Gruppentreffen kommen \u00fcbrigens in etwa gleich viele Betroffene und Angeh\u00f6rige, erg\u00e4nzt Kundela. So weit als m\u00f6glich bieten die Mitglieder der Wiener Selbsthilfegruppe eine Beratung bereits in den Spit\u00e4lern an, einmal monatlich gibt es einen Informationsnachmittag am AUVA-Rehabilitationszentrum in Meidling.<\/p>\n<h4>H\u00e4ufig komorbide Depressionen<\/h4>\n<p>\u201eDas Sch\u00e4del-Hirn-Trauma ist immerhin die zweith\u00e4ufigste neurologische Erkrankung nach dem Schlaganfall\u201c, erkl\u00e4rt Steinhoff. Zwischen 20.000 und 30.000 Diagnosen werden j\u00e4hrlich gestellt, es d\u00fcrfte aber gerade nach einer \u201eMild Brain Injury\u201c noch eine hohe Dunkelziffer geben. Die besondere Herausforderung f\u00fcr \u00c4rzte und Therapeuten: Ursachen und Verl\u00e4ufe sind zwar einerseits durch das Ausma\u00df der Hirnverletzung sehr individuell und viele Symptome ganz unspezifisch. Andererseits ist die hohe Rate an komorbiden Depressionen vielen gemeinsam, ebenso die Langzeitfolgen. \u201eDie begleitende Depression hat zum einen biologische Ursachen, zum anderen handelt es sich um eine reaktive, lebensbezogene Folge davon, dass das Leben nach dem Ereignis nicht mehr so ist, wie es vorher war\u201c, erkl\u00e4rt Steinhoff. Das dramatische und pl\u00f6tzliche Ausma\u00df der Hirnverletzung ist meist die Folge eines Unfalls, bei dem das Gehirn gegen die kn\u00f6cherne Sch\u00e4delkapsel gedr\u00fcckt, deformiert und an vielen Stellen zugleich verletzt wird.<br \/>\nZu den charakteristischen Folgen geh\u00f6ren auch eine Beeintr\u00e4chtigung exekutiver Funktionen im Frontalhirn, Konzentrationsst\u00f6rungen oder vermindertem Antrieb. \u201eDies stellt Betroffene gerade nach abgeschlossener Rehabilitation bei einer Wiedereingliederung ins Berufsleben vor immense Schwierigkeiten. Umso wichtiger ist es, dass es Stellen gibt, wo Verst\u00e4ndnis und Erfahrung im Umgang mit derartigen Langzeitfolgen vorhanden sind\u201c, meint Steinhoff. Umgekehrt d\u00fcrfe ein Sch\u00e4del- Hirn-Trauma aber nicht als Entschuldigung f\u00fcr alle sozialen und psychischen Probleme der Betroffenen angef\u00fchrt werden. \u201eDaher sollte aus \u00e4rztlicher und therapeutischer Sicht stets auch die pr\u00e4morbide Situation evaluiert werden\u201c, meint Steinhoff.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/medonline.at\/wp-content\/uploads\/t2104.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full img-border wp-image-140647\" title=\"SHG-SHT Service-Telefon: 0664\/323 3 626, Web: www.shg-sht.at, www.trauma-austria.at\" src=\"http:\/\/medonline.at\/wp-content\/uploads\/t2104.png\" alt=\"Tabelle\" width=\"770\" height=\"537\" \/><\/a><\/p>\n<h4>Handlungsbedarf<\/h4>\n<p>Als eine zentrale Aufgabe und Ziel der Selbsthilfearbeit sehen Steinhoff und Kundela daher auch die \u00d6ffentlichkeitsarbeit an: \u201eEs gilt, auch in medizinischen Fachkreisen die Erkrankung und ihre Folgen noch besser bekannt zu machen. Ich w\u00fcrde mir w\u00fcnschen, dass mehr Kollegen Patienten und Angeh\u00f6rige an unser Service- Telefon verweisen\u201c, sagt Steinhoff. Handlungsbedarf orten die beiden zudem in der Langzeitpflege. \u201eNoch immer werden viel zu viele junge Menschen nach einem Sch\u00e4del- Hirn-Trauma in Alten-Pflegeheimen betreut. Die Einrichtung von Wohngemeinschaften w\u00e4re eine gute M\u00f6glichkeit, die n\u00f6tige Versorgung zu bieten\u201c, betont Kundela.<br \/>\nAuch eine intensivere Vernetzung der einzelnen Vereine in den Bundesl\u00e4ndern steht ganz oben auf der Priorit\u00e4tenliste der \u00d6GSHT: Immerhin sind deren Ziele ganz \u00e4hnlich, an der Spitze steht der Wunsch nach einer bestm\u00f6glichen Rehabilitation f\u00fcr den einzelnen Patienten, erreicht durch ein Teamwork aus \u00c4rzten, Therapeuten, Angeh\u00f6rigen und eventuell auch anderen Betroffenen.<\/p>\n<h4>SHT im Film<\/h4>\n<p>Auf die Erfahrung der SHT-Betroffenen z\u00e4hlt \u00fcbrigens sogar die in \u00d6sterreich lebende Schauspielerin Angela Gregovic: In einem aktuell produzierten Film mimt Gregovic ein Opfer eines Unfalls, das ein Sch\u00e4del-Hirn- Trauma erleidet. Um die Folgen m\u00f6glichst realistisch darzustellen, nahm die Schauspielerin gewisserma\u00dfen Unterricht bei Kundela: \u201eSie hat sich eingehend \u00fcber die unmittelbaren Unfallfolgen informiert und unter anderem ganz genau meine charakteristische Art zu gehen angeschaut\u201c, schildert Kundela.<\/p>\n<p><em>Autorin: Mag. Christina Lechner<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der psychosozialen Unterst\u00fctzung sehen Betroffene genauso wie Fachleute den wichtigsten Aspekt in der Selbsthilfearbeit. Die Selbsthilfe-Organisation setzt zudem Initiativen, um mehr Aufmerksamkeit und damit Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Erkrankung und ihre Folgen zu bewirken. L\u00e4utet das Handy von Sigrid Kundela, dann m\u00f6chten die meisten Anrufer zun\u00e4chst einmal ihre ganz pers\u00f6nliche Geschichte erz\u00e4hlen. 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