Jatros Neurologie & Psychiatrie

Editorial aus der aktuellen Ausgabe 1/2021

Geschätzte Kolleginnen, geschätzte Kollegen,

Wien ist ein sehr beliebter Kongressort und wurde in der Vergangenheit mehrmals von der Welt-Gesellschaft für Psychiatrie (WPA), von der Europäischen Gesellschaft für Psychiatrie (EPA), von der Europäischen Gesellschaft für Neuropsychopharmakologie (ECNP), der Internationalen Gesellschaft für Neuropsychopharmakologie (CINP) und nun erneut von der Welt-Gesellschaft für Biologische Psychatrie (WFSBP) als ­Kongressort gewählt.
So wie alle Kongresse national und international weltweit findet auch dieser 15. Weltkongress für Biologische Psychiatrie (www.wfsbp-congress.org) diesmal virtuell statt, und zwar vom 28. bis 30. Juni 2021 unter dem Kongressthema „Precision Psychiatry in the Era of Artificial Intelligence and New Technologies“.
Der WFSBP gehören 63 nationale Gesellschaften an, wie z. B. die Österreichische Gesellschaft für Neuropsychopharmakologie (www.oegpb.com). Sie umfasst ein Netzwerk von insgesamt über 4400 Mitgliedern, die sich mit Fragen der biologischen Grundlagen seelischer Erkrankungen und deren Beinflussbarkeit durch sowohl medikamentöse als auch nichtmedikamentöse Verfahren beschäftigen. Die Ergebnisse dieser Forschungen werden u. a. im World Journal für Biologische Psychiatrie (www.wfsbp.org) herausgegeben, bei dem der neu berufene Professor für Psychiatrie und Psychotherapie der Medizinischen Universität Wien, Dan Rujescu, als Chief Editor fungiert.
An dem virtuellen Weltkongresss werden in Plenarvorträgen aktuelle Themen präsentiert, u. a. vom deutsch-US-amerikanischen Nobelpreisträger Professor Thomas Südhof zum Thema „Synaptic mechanisms driving schizophrenia pathogenesis“ und von der weltweit bekannten US-Forscherin Professorin Myrna Weissmann zum Thema „Interpersonal Psychoterapie – A global reach“.
In 55 Symposien, die jeweils mit bis zu 4 Vortragenden besetzt sind, werden neueste Forschungsergebnisse vorgestellt. Debatten mit Pros und Cons laden zur kritischen Reflexion der dabei gestellten Fragestellungen ein. Zum Beispiel: „Sollen antipsychotische Medikamente nach der aktuellen Psychose wieder rasch abgesetzt werden?“, oder: „Sind psychedelische Medikamente für die Behandlung von psychiatrischen Erkrankungen hilfreich?“
Ein Herzstück für die klinisch-wissenschaftlichen Arbeiten werden die WFSBP Task Force Symposia sein, bei denen einerseits die Behandlungsrichtlinien dargestellt und diskutiert werden und andererseits die Konsensusberichte z. B. zu genetischen Grundlagen bzw zu Biomarkern zur Sprache kommen und ihre Bedeutung für die klinische Praxis erörtert wird. Für angehende WissenschaftlerInnen sind sicherlich die Educational Sessions von Bedeutung, die z. B. Themen wie „How to design a translational (clinical) study“ oder „Understanding and designing genetic or imaging studies“ sowie „Basics of biostatistics“ behandeln werden.
Als Chair des Regional Organizing Committee, das in diesem Fall neben Österreich auch unsere Nachbarländer Ungarn, Deutschland, Schweiz, Tschechien und Italien sowie Polen und Serbien umfasst, sowie im Namen des Kongress- und WFSBP-Präsidenten Herrn Professor Lakshmi Yatham aus Vancouver, Kanada und des Chair des Scientific Program Commitee, Herrn Professor Peter Falkai, München, Deutschland, heiße ich Sie recht herzlich willkommen – leider nur virtuell – und hoffe, dass wir uns bald wieder persönlich und gesund treffen werden und uns in den wichtigen Fragen des Verständnisses der Erkrankungen und ihrer Behandlungsmöglichkeiten zum Wohle der uns anvertrauten Patienten austauschen können.

Mit kollegialen Grüßen,

Ihr
Siegfried Kasper
Herausgeber JATROS Neurologie & Psychiatrie