Newsletter 23. Tagung ÖGPB

Sehr geehrte Mitglieder der ÖGPB!

Wir freuen uns, Ihnen den 3. ÖGPB Newsletter 2021 zu präsentieren!
23. Jahrestagung der ÖGPB 2021 – virtuelle Tagung am 18. und 19. November
2021

Ao. Univ. Prof. DDr. Gabriele Sachs

Ao. Univ. Prof. DDr. Gabriele Sachs

Präsidentin der ÖGPB

Für Ihre Teilnahme an der 23. ÖGPB – Tagung möchte ich mich sehr herzlich bedanken. Pandemiebedingt fand die ÖGPB – Tagung auch heuer wieder ausschließlich online statt. Um Kontinuität aufrechtzuerhalten, haben wir uns
entschlossen, die Tagung erneut virtuell abzuhalten.

Ich möchte mich auch bei den Sponsoren für die Unterstützung unserer Tagung bedanken. Mit Hilfe unserer Kooperationspartner, der Wiener

Medizinische Akademie (WMA) und der Firma Steiner Live, die für den technischen Ablauf
zuständig waren, ist es uns gelungen, diese virtuelle ÖGPB -Tagung wieder erfolgreich zu gestalten. Insgesamt nahmen mehr als 300 Teilnehmerinnen und
Teilnehmer teil. Vielen Dank an alle, die zu dem guten Gelingen beigetragen haben.

Wir konnten hervorragenden Vorträgen folgen und bei spannenden Diskussionen
dabei sein.

Ich möchte einige Programmpunkte der Tagung 2021 herausgreifen, die uns einen Einblick in die aktuellen Entwicklungen auf dem Gebiet der psychiatrischen Erkrankungen gegeben haben – mit praxisnahen Erkenntnissen für die Prävention, Diagnostik und Therapie. Es wurde spürbar, dass in unserem Fach grundsätzlich Fortschritte erzielt und überprüft werden.

Der Plenarvortrag „Präzisionsmedizinische Ansätze bei neuropsychiatrischen Erkrankungen“ betraf den Transfer von genomischer Forschung in die Klinik. Genomvariationen könnten als Marker in der Früherkennung und zur Entwicklung von individualisierten Therapien hilfreich sein. So konnten zum Beispiel Alpha-7 nikotinerge Agonisten in Studien mit positiven Effekten bei Schizophrenie getestet werden. Weiters zeigte sich, dass Glycin Substitution zur klinischen Besserung der Psychose bei Trägern einer Triplikation des für die Glycin-Decarboxylase kodierenden Gens führte.
In dem Satellitensymposium „State of the Art der pharmakologischen Therapie und neue Perspektiven in der Schizophreniebehandlung“ war die Behandlung der Negativsymptomatik und Kognition bei Schizophrenie ein zentrales Thema. In der letzten Dekade stand die Verbesserung der Funktionalität und Lebensqualität, sowie die Suche nach neuen Wirkmechanismen zur Behandlung von Negativsymptomen und kognitiver Dysfunktion immer mehr im Vordergrund. Seit kurzem zeichnet sich eine Innovation in der Therapie der Negativsymptomatik und kognitiver Störungen bei Schizophrenie ab: Studien zeigen, dass Cariprazin auf die Negativsymptomatik wirkt und vermutlich zu einer Verbesserung der kognitiven Beeinträchtigung sowie der psychosozialen Funktionsfähigkeit führt.

Das Satellitensymposium zur „Therapieresistenten Schizophrenie“ widmete sich der Vorstellung wesentlicher pathophysiologischer Befunde und der Unterscheidung von Therapieresistenter Schizophrenie und Pseudo-Therapieresistenter Schizophrenie. Es wurden Prädiktoren aufgezeigt und entsprechende Behandlungsstrategien präsentiert.
In dem Satellitensymposium „Klinik und Behandlungsoptionen der Therapieresistenten Depression“ wurden die Studien und das praktische Procedere im klinischen Alltag zur intranasalen Anwendung von Esketamin präsentiert. An diesen Studien hat sich auch die Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Wien beteiligt. Dabei zeigte sich, dass die intranasale Anwendung von Esketamin eine rasche antidepressive und auch antisuizidale Wirkung aufweist. Der Esketamin Nasenspray wird aufgrund der vorliegenden Forschungsergebnisse als Zusatzmedikation zu einer bestehenden medikamentösen antidepressiven Therapie verwendet.

Der Vortrag „Bedeutung und Auswahl des Antipsychotikums auf internistische Parameter“ ging auf die Rolle von körperlichen Erkrankungen bei psychiatrischen Patienten ein und welche Bedeutung der Auswahl des Antipsychotikums auf internistische Parameter zukommt. Der Vortrag fokussierte vor allem auf die metabolischen Wirkungen von Antipsychotika und stellt ebenfalls Grundzüge kardialer, endokriner, hepatischer, vegetativer und hämatopoetischer Wirkungen dar. Die Wahl des Antipsychotikums ist der entscheidende Faktor für das Vermeiden von unerwünschten Arzneimittelwirkungen.
Das Satellitensymposium zu „Depot-Antipsychotika in der frühen Phase der Schizophrenie“ beleuchtete die Bedeutung des adäquaten Behandlungsbeginns bei ersterkrankten Patienten mit Schizophrenie. Die vorgestellte Prelapse (Prevention of Relapse in Schizophrenia) – Studie kommt zu dem Schluss, dass mit entsprechenden Kommunikationsstrategien auf ärztlicher Seite (in der Studie wurden Techniken des motivational Interviewing verwendet) über 90% der Patienten bereit sind, einer Behandlung mit Aripiprazol Depot zuzustimmen, während in der Kontrollgruppe Patienten deutlich seltener ein Depot erhielten. Gleichzeitig war in dieser Studie die Wirksamkeit in der Interventionsgruppe gemessen an Rehospitalisierungen deutlich höher.
Im Rahmen der Tagung ist auch ein besonderer Focus darauf gelegt worden, dass die Psychiatrie eingebettet ist in alle Verfahren der Diagnostik und Therapie, die die Medizin und Psychotherapie bieten. Wie organische Psychosen durch medizinische Ursachen wie z.B. durch pharmakogene Ursachen, endokrine Störungen, Infektionen, neurodegenerative Prozesse und autoimmunologische Prozesse ausgelöst werden, wurde in dem Vortrag „Psychotische Syndrome und deren Behandlung bei organischen Störungen“ im Rahmen des Symposiums der Präsidentin diskutiert.

Inspirierend war in dem Vortrag „Psychobiologie von Bindung und Trauma“ der Hinweis, dass der Einfluss von frühen psychosozialen Lernerfahrungen in enger Interaktion mit genetischer Ausstattung und epigenetischer Prägung zur entscheidenden Basis für die Reifung des kindlichen Gehirns wird und prägend für die weitere affektive, kognitive und soziale Entwicklung des Menschen. Frühe traumatische Erfahrungen bedingen unsichere Bindungsmuster, denen bestimmte Charakteristika der neurobiologischen Regulation von Stressoren zugeordnet werden können. Gestörte Bindungsmuster stehen somit in engem Zusammenhang mit erhöhter Vulnerabilität und reduzierter Resilienz bei psychischen Störungen.

Die Wagner-Jauregg-Medaille wurde dieses Jahr an Herrn Prof. Dr. Seifritz verliehen. Mit der Wagner-Jauregg-Medaille ehrt die ÖGPB seine herausragende wissenschaftliche Arbeit auf dem Gebiet der biologischen Psychiatrie. In dem Plenarvortrag über „Psychedelika als Antidepressiva“ wurde uns eine genaue State-of-the-art-Sicht auf die Neurochemie von Halluzinogenen vermittelt. Das Verständnis von der Entstehung von Psychosen aber vor allem auch Behandlungsoptionen durch diese Substanzen wurden in einen neuen Fokus gestellt.

Abschließend möchte ich noch auf die große Herausforderung in der Bewältigung der psychischen Symptome eingehen, die durch die COVID-19-Pandemie zusätzlich aufgetreten sind. Eindeutig sind Studien und Umfragen, die eine erhöhte subjektive Belastung der Allgemeinbevölkerung durch ängstliche und depressive Symptome beschreiben. Internationale Studien in Lancet und in JAMA Psychiatry berichten über eine Zunahme von depressiven und ängstlichen Symptomen, sowie über psychische Störungen nach einer COVID-19 Infektion. Wichtig erscheint eine klare differentialdiagnostische Abklärung zwischen klinischer Symptomatik und psychiatrischer Diagnose in der Allgemeinbevölkerung, wie im Vortrag „ COVID-19 in der Psychiatrie“ dargestellt wurde. Es zeigt sich des weiteren, wie sehr psychiatrische Störungen Bestandteil eines großen Syndrom – Komplexes sein können wie bei den post-akuten Folge-Schäden einer COVID-19 Infektion (PASC). Die Coronavirus-Pandemie wird weiterhin unser gesamtes berufliches, gesellschaftliches und wirtschaftliches Leben betreffen.

Ich möchte Ihnen für die kommende Weihnachtszeit alles Gute wünschen sowie ein gesundes neues Jahr 2022.

Mit besten Grüßen verbleibe ich Ihre
Univ.Prof. DDr. Gabriele Sachs
Präsidentin der ÖGPB